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Gesellschaft

Lebensmittel sind keine Ramschware

Mehr Respekt für Lebensmittel – das war das zentrale Thema bei einer Konferenz der Katholischen Landvolkbewegung in Ensdorf.
Von Christian Danzer

Sichtlich genossen haben die Teilnehmer das Zubereiten einer Suppe und natürlich auch das Mittagessen selbst. Verwendet wurde ausschließlich Gemüse, das eigentlich nicht für den Verkauf gedacht war. Foto: kcd
Sichtlich genossen haben die Teilnehmer das Zubereiten einer Suppe und natürlich auch das Mittagessen selbst. Verwendet wurde ausschließlich Gemüse, das eigentlich nicht für den Verkauf gedacht war. Foto: kcd

Ensdorf.Das Klacken von Messern auf Schneidebrettern ist in der Küche des Klosters in Ensdorf zu hören. Der Duft von Zwiebeln, die gerade frisch geschnitten werden, liegt in der Luft. Rund 20 Mitglieder der Katholischen Landvolkbewegung (KLB) sind gerade dabei, die Zutaten für die Gemüsesuppe, die sie später essen werden, zuzubereiten. Tomaten, kleine Kürbisse, Karotten und Knoblauch fallen den Messern zum Opfer.

Im Kloster Ensdorf haben sie sich zum zweitägigen Landesausschussklausur getroffen. Martin Wagner, Geschäftsführer der KLB, erklärte: „Der Landesausschuss ist ein Beratungs-, Beschluss-, und Entwicklungsgremium.“ Zur Klausur kommen zweimal jährlich jeweils maximal vier Vertreter von jeder der sieben Diözesen in Bayern, in die die Landvolkbewegung unterteilt ist. Das Treffen stand unter dem Motto „Wert der Lebensmittel“, weshalb in der sogenannten „Schnippeldisco“ auch nur Gemüse verarbeitet wurde, das eigentlich nicht für den Verkauf gedacht gewesen wäre.

Wagner weiter: „Wir wollen, dass der Respekt für Lebensmittel wieder steigt und sie nicht als billige Ramschware präsentiert werden.“ Sie sollten wieder als Mittel zum Leben behandelt werden.

Engagement bei der Tafel ist groß

Bernhard Saurenbach stellte die Arbeit der Tafel vor. Foto: kcd
Bernhard Saurenbach stellte die Arbeit der Tafel vor. Foto: kcd

Etwa eine Stunde vorher hatte Bernhard Saurenbach, 1. Vorsitzender der Amberger Tafel, einen Vortrag über diese Einrichtung gehalten. Wie im Vortrag deutlich und auch von einem Gast festgestellt wurde, habe sich die Tafel zu einem kleineren Unternehmen entwickelt. Jedes Jahr würden 350 Tonnen Lebensmittel an Bedürftige verteilt, pro Jahr würden etwa 41 000 Kilometer mit Lieferwägen gefahren. Insgesamt werden in der Stadt Amberg und im Landkreis Amberg-Sulzbach 1087 Erwachsene und 621 Kinder versorgt. „Um Schlangen zu vermeiden, bekommt jeder Bedürftige einen Termin für die Ausgabe“, so Saurenbach.

Drei Kühllaster seien dabei im ganzen Landkreis unterwegs und fahren 70 Lebensmittelmärkte an, um Waren, die nicht mehr verkauft werden können, aber noch ohne Probleme essbar sind, abzuholen. Das Engagement in der Region scheint dabei sehr zu groß zu sein. „Wir haben eine Warteliste, auf der ehrenamtliche Helfer stehen, die für uns arbeiten wollen.“ Aktuell würden jedoch Fahrer gesucht, da drei gleichzeitig krank geworden seien.

Versagen der staatlichen Sozialpolitik

Irmgard Haas (stellvertretende Landesvorsitzende), Pfarrer Josef Mayer (Landvolkpfarrer Bayern), Josef Neher (Landesvorsitzender) und Martin Wagner (Geschäftsführer KLB Bayern) diskutierten mit den KLB-Vertretern aus den bayerischen Diözesen (von links). Foto: kcd
Irmgard Haas (stellvertretende Landesvorsitzende), Pfarrer Josef Mayer (Landvolkpfarrer Bayern), Josef Neher (Landesvorsitzender) und Martin Wagner (Geschäftsführer KLB Bayern) diskutierten mit den KLB-Vertretern aus den bayerischen Diözesen (von links). Foto: kcd

In der anschließenden Diskussion, die relativ kurz ausfallen musste, da das Gemüse rechtzeitig geschnitten werden wollte, zeigte sich großes Interesse an der Arbeit der Tafel. Allgemein wolle er bei der Tafel nicht von Erfolg sprechen. Leider Gottes sei sie jedoch heute kaum mehr wegzudenken in Deutschland, meinte Saurenbach. „Eigentlich ist es ein Versagen der staatlichen Sozialpolitik.“ Die Tafeln hätten zwar einen guten Ruf, doch: „Wir dürfen uns nicht von den Politikern vereinnahmen lassen.“

Er schaue nicht auf die Uhr, antwortete er auf die Frage, wie viele Stunden er pro Woche für die Tafel arbeite. „Es ist aber fast ein Tagesjob.“ Außerdem tue es ihm gut, die Dankbarkeit der Menschen zu spüren, die ihm sogar mit Postkarten dankten, wie Saurenbach zeigte. Mit der Tafel könne er dazu beitragen, dass zumindest ein Teil der ansonsten verschwendeten Lebensmittel ihrem Zweck zugeführt wird.

Bruder-Klaus-Gedenkjahr

  • Jubiläum

    Ein weiterer Punkt der KLB-Konferenz war der 600. Geburtstag von Nikolaus von der Flüe (1417-1487), der im Jahr 2017 gefeiert wird. Nikolaus von der Flüe, ein Schweizer Heiliger und Einsiedler, ist der Patron der Katholischen Landvolkbewegung.

  • Pläne

    „Wir haben beschlossen, dass wir seine Frau Dorothee besonders ehren wollen. Sie hat ihn gehen lassen, so dass er als Einsiedler leben konnte“, so KLB-Geschäftsführer Wagner. Geplant werden mehrere Bildungsveranstaltungen. Höhepunkt wird vom 5. bis 9. September 2017 die Wallfahrt des bayerischen Landvolks nach Flüeli in der Schweiz. (kcd)

Impulse aufnehmen

Am Freitag wurde ein Papier des Bündnisses für Bayern diskutiert. Darin werden fünf Punkte aufgeführt, die die heimische Lebensmittelerzeugung begünstigen sollen (www.bayern-braucht-bauern.de). Eine Entscheidung zu dem Papier habe es noch nicht gegeben, da der KLB selbst bereits ein ähnliches Papier veröffentlicht habe, so Martin Wagner. Der zuständige Arbeitskreis solle sich zunächst eingehender damit beschäftigen. „Wir wollen uns natürlich nicht gegen die Erzeugung von Lebensmitteln in der Region stellen. Wir finden das gut und wichtig.“

Die KLB will laut Wagner jedenfalls diesen Impuls aufnehmen und in naher Zukunft selbst öffentlichkeitswirksame Aktionen auf allen Ebenen starten, um die heimische Landwirtschaft zu unterstützen. So sei unter anderem geplant, gemeinsam eine Faire Schokolade zu produzieren, die neben fair gehandeltem Kakao auch Milch enthält, die zu fairen Preisen abgenommen wurde.

Deutsche geben wenig aus

Der Samstagvormittag des Konferenzwochenendes sei vor allem als Impuls gedacht, um zu sehen, wie Lebensmittel verwendet werden sollten. „Die Deutschen geben im europäischen Durchschnitt auch deutlich weniger für ihre Lebensmittel aus. In Italien zum Beispiel wird wesentlich mehr Geld dafür ausgegeben“, erläuterte Wagner.

Nachdem schließlich alles Gemüse geschnitten war, wurde es von der Köchin im Kloster abgeholt, die Diözesanvertreter machten sich vor dem Mittagessen noch mal kurz in den Konferenzsaal auf, wo Zwischenberichte gemeldet wurden. Die Suppe und das Mittagessen schließlich ließen sich alle schmecken.

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