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Sanierung

Stadel soll noch heuer fertig werden

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz unterstützt die Sanierung des historischen Torhauses samt Steinstadel in Hirschwald.

Derzeit wird der historische Steinstadel neben dem Torhaus in Hirschwald neu gedeckt.
Derzeit wird der historische Steinstadel neben dem Torhaus in Hirschwald neu gedeckt. Foto: abl

Ensdorf.Für die Instandsetzung des Torhauses Hirschwald 4 in der Gemeinde Ensdorf stellt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) dank der Lotterie Glücks-Spirale 30 000 Euro zur Verfügung. Den symbolischen Fördervertrag überbrachte am Freitag Petra Schöllhorn vom Ortskuratorium Fränkische Stadtbaumeister der DSD im Beisein von Hans Menzl von Lotto Bayern vor Ort an die Denkmaleigentümer Birgit Rieger und Willi Schmid. Deren Freude war sehr groß: „Dieses Geld ist in guten Händen“, betonten sie.

Das Torhaus mit dem Ensdorfer Tor ist, mit Ausnahme der Jagdkapelle, das letzte Zeugnis der historischen Hofanlage aus dem 16. Jahrhundert. „Trotz der Veränderungen des 20. Jahrhunderts ist das Torhaus ein wichtiges Zeichen der Kurpfälzischen Epoche der Oberpfalz“, so die Deutsche Stiftung Denkmalschutz. Nunmehr gehört es zu den mehr als 340 Projekten, die die private Denkmalstiftung dank Spenden und Mitteln der Glücksspirale unterstützt.

Seit 2013 neue Besitzer

Seit 2013 haben das historische Torhaus des „Ensdorfer Tores“ und der anschließende Steinstadel in Hirschwald neue Besitzer: das Architekten-Ehepaar Willi Schmid und Birgit Rieger. Während manche schon der Meinung waren „Lasst es einfallen oder schiebt es weg“, erwecken beide das denkmalgeschützte Anwesen Hausnummer 4 zu neuem Leben. Ende 2014 wurde mit der Restaurierung begonnen. Die Sanierung und Restaurierung des Steinstadels soll noch heuer beendet werden.

Bei der Übergabe des Fördervertrags der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD): Petra Schöllhorn vom Ortskuratorium Fränkische Stadtbaumeister der DSD, die Denkmalbesitzer und Architekten Birgit Rieger und Willi Schmid sowie Hans Menzl von Lotto Bayern (von links)
Bei der Übergabe des Fördervertrags der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD): Petra Schöllhorn vom Ortskuratorium Fränkische Stadtbaumeister der DSD, die Denkmalbesitzer und Architekten Birgit Rieger und Willi Schmid sowie Hans Menzl von Lotto Bayern (von links) Foto: abl

Für Willi Schmid sind Hirschwald und das Torhaus Teil seiner Jugenderinnerungen – schließlich ist er Haselmühler. Auf das Torhaus aufmerksam geworden sei das Architektenehepaar, wie es sagt, durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege, das dafür über viele Jahre einen Käufer suchte. Für die beiden Architekten ist das kein Neuland, denn beruflich hätten sie ja auch mit denkmalpflegerischen Aufgaben zu tun. So hätten sie schon gewusst, auf was sie sich einlassen, auch wenn es immer wieder Überraschungen geben könnte.

Ihre Intention: Das Anwesen soll einer adäquaten und denkmalgerechten Nutzung zugeführt werden. „Dabei soll auch sein kulturelles Potenzial geweckt werden“, so das Architektenehepaar. Schließlich sei es für die gesamte Region ein wichtiges geschichtliches Zeugnis.

Gastronomie und Übernachtung

Am Torhaus stehen noch viele Arbeiten an. Ende 2017/Anfang 2018, so ist es das Ziel des Architekten-Ehepaars, soll es fertig sein. Foto: abl
Am Torhaus stehen noch viele Arbeiten an. Ende 2017/Anfang 2018, so ist es das Ziel des Architekten-Ehepaars, soll es fertig sein. Foto: abl

Hirschwald bezeichnen sie sogar als „magischen Ort“ – mit einer faszinierenden Geschichte. Alle Wittelsbacher, die die Obere Pfalz von Amberg aus über Jahrhunderte regiert haben, seien am liebsten auf der Jagd gewesen. Die Besitzer folgern daraus: „Von Hirschwald aus wurde einige Jahrhunderte die Oberpfalz regiert, denn bei den Jagden und Jagdgesellschaften wurde sicherlich Vieles entschieden.“

Die Zukunft des Anwesens sehen sie so: Im Erdgeschoss sei eine kleine gastronomische Einrichtung vorgesehen, eine so genannte „Huzastube“. An rund 20 Plätze denken sie, wo die Menschen zusammenkommen können, so die Gedanken von Birgit Rieger und Willi Schmid. Dadurch könnte eine Tradition wieder aufleben. Außerdem soll sie den Besuchern des Naturparks Hirschwald und den Gästen im Haus – im Obergeschoss sind drei Gästezimmer vorgesehen – eine gemütliche Einkehr bieten und die Gelegenheit, Spezialitäten aus der Region zu genießen.

Der Steinstadel als Teil des historischen Ensembles ist für eine kulturelle Nutzung bestimmt – für Kultur, die mit dem Ort Hirschwald zu tun hat. Die Besitzer sehen da eine ganze Reihe von Interessensgebieten, nicht nur Historiker (wegen der Wittelsbacher), Denkmalpfleger und Architekten. Sie denken auch an Jagdliebhaber, schließlich sei der Hirschwald eines der traditionsreichsten Jagdgebiete Deutschlands – und sogar an Sänger (Heimat von „Der Jäger aus Kurpfalz“) und Cineasten (Drehort des Films „Grenzenlos“ von Josef Rödl).

Hintergrund

  • Torhaus

    Das im Dorfkern von Hirschwald gelegene Torhaus wurde Mitte des 16. Jahrhunderts als Teil der Schlossmauern errichtet. Der zweigeschossige Bruchsteinbau mit Satteldach, Steinwänden und rundbogiger Durchfahrt ist das letzte bauliche Zeugnis der um 1530 errichteten Hofanlage, die eine Dependance der Wittelsbacher in der Oberen Pfalz war. Nach 1795 wohnte eine Bauernfamilie darin.

  • Jagdschloss

    Das Jagdschloss ließ Pfalzgraf Friedrich II. auf den Ländereien des im Zuge der Reformation säkularisierten Klosters Ensdorf errichten. Umgebaut wurde es nach einem Brand 1916. In den 1970er Jahren brach man das ehemalige Jagdschloss ab. Heute sind von der Anlage nur noch die Kirche und einige Nebengebäude vorhanden – wie der angebaute eingeschossige Steinstadel.

  • Einstige Nutzung

    Zu Kurpfälzer Zeiten war im Torhaus eine Schmiede untergebracht, die heutige Scheune war die dazugehörige Stallung.

  • Denkmalschutz

    Von den Gebäuden ist nur das Torhaus denkmalgeschützt, dessen Umfassungsmauern noch aus der Zeit Friedrichs II. stammen. Das Gebäudeinnere und das Dachwerk wurden 1916 nach dem Brand in traditioneller Bauweise neu errichtet. (abl)

Torhaus soll Ende 2017 fertig sein

Naturerlebnisse mit Kunst und Kultur und der Geschichte der Oberpfalz verbinden – dafür kann nach Ansicht des Architekten-Ehepaars Hirschwald künftig stehen. Beispielsweise mit Ausstellungen und Veranstaltungen zum Kennenlernen des Ortes und für das lokale Bewusstsein, sind beide überzeugt. Sie sehen in dem Gebäude großes kulturelles Potenzial, das sie wecken wollen.

Fast zwei Jahre, seit November 2014, werden das Torhaus Hirschwald und der Steinstadel nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten saniert. Das Anwesen war nur notgesichert, wichtig waren zuerst also Instandsetzungsmaßnahmen wie das Unterfangen der Fundamente, eine Sicherung des westlichen Torbogens sowie das Reparieren des Dachstuhls am Steinstadel, der derzeit neu eingedeckt wird.

Hoffen auf eine gute Förderung

Wenn alles gut geht, können die Menschen in absehbarer Zeit im Torhaus Hirschwald „huzagehen“. „Heuer wird die Sanierung des Stadels abgeschlossen. Und wenn alles gut geht, wird das Torhaus Ende 2017/Anfang 2018 fertig“, so Willi Schmid und Birgit Rieger. Dann hat das gesamte Projekt eine gute halbe Million Euro verschlungen, berichteten sie. Der erste Bauabschnitt mit 120 000 Euro sei bereits abgerechnet und mit rund 20 Prozent durch Bayerische Landesstiftung, Landesamt für Denkmalpflege, Bezirk Oberpfalz und Deutsche Denkmalstiftung gefördert worden. Für den rund 400 000 Euro teuren zweiten Bauabschnitt hofft das Architektenehepaar auf eine „etwas höhere Förderung“, wie sie ganz offen bekannten. (abl)

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