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Justiz

Angeklagter leugnet Tötungsabsicht

Im Prozess wegen des „Hirschauer Flaschenwurfs“ sagt der Angeklagte, er habe die Asylbewerber im Haus nur erschrecken wollen.
Von Hans Babl

Wegen versuchten Mordes muss sich ein 25-Jähriger aus Hirschau seit Dienstag vor dem Landgericht Amberg verantworten – im Bild mit seinen Verteidigern Kurt Holzapfel (rechts) und Kurt Alka (links).
Wegen versuchten Mordes muss sich ein 25-Jähriger aus Hirschau seit Dienstag vor dem Landgericht Amberg verantworten – im Bild mit seinen Verteidigern Kurt Holzapfel (rechts) und Kurt Alka (links). Foto: Babl

Amberg.Seit Dienstag, 8. November 2016, hat sich vor der großen Strafkammer des Schwurgerichts am Landgericht Amberg unter Vorsitz von Vizepräsidentin Roswitha Stöber der 25-jährige, inzwischen verheiratete Uwe X. (Name geändert) aus Hirschau zu verantworten. Dem Vater zweier Kinder werden in dem Prozess unter anderem versuchter Mord und versuchte schwere Brandstiftung zur Last gelegt.

Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass der Mann am 7. Februar dieses Jahres nach Mitternacht in seiner Garage mit einer Bierflasche, die er mit Weizendoppelkorn und Bremsreiniger gefüllt hatte, einen sogenannten Molotow-Cocktail hergestellt hat. Die Flasche habe er mit einem Stück Vlies verschlossen. Gegen 1.33 Uhr soll er den Molotow-Cocktail mit einem Feuerzeug angezündet und ihn gezielt durch ein Fenster im ersten Stock einer nahe gelegenen Asylbewerberunterkunft in Hirschau geworfen haben. In dieser haben sich laut Staatsanwalt Tobias Kinzler zu dieser ch Zeit neun Bewohner aufgehalten.

Neun Menschen waren im Haus

Durch das Fenster rechts oben im ersten Stock flog die gefüllte Flasche. In dem Zimmer schlief zu dieser Zeit ein Asylbewerber aus Somalia, insgesamt waren neun Personen in dem Haus.
Durch das Fenster rechts oben im ersten Stock flog die gefüllte Flasche. In dem Zimmer schlief zu dieser Zeit ein Asylbewerber aus Somalia, insgesamt waren neun Personen in dem Haus. Foto: Archiv jf

Der Brandsatz durchschlug das Fenster und landete auf dem Bett eines 24-jährigen ledigen Asylbewerbers aus Somalia, der dort schlief. Nur weil die bereits angekokelte Lunte des Molotow-Cocktails zu dieser Zeit nicht mehr brannte, war es zu keinem Feuer gekommen – keine der neun insgesamt im Haus anwesenden Personen wurde verletzt, so die Staatsanwaltschaft in der Anklageschrift weiter. Hätte die Lunte aber weiter gebrannt und wäre die Flasche zerbrochen, wäre sicherlich ein Brand ausgebrochen.

Der Staatsanwalt wirft nun dem Hirschauer vor, es versucht zu haben, „aus niedrigen Beweggründen, heimtückisch und mit gemeingefährlichen Mitteln neun Menschen zu töten und ein Gebäude, das der Wohnung von Menschen dient, in Brand zu setzen, um eine schwere Gesundheitsbeschädigung anderer Menschen und wenigstens leichtfertig den Tod von anderen Menschen zu verursachen und dabei rechtswidrig eine fremde Sache beschädigt oder zerstört zu haben“. Dies sei strafbar wegen versuchten Mordes in neun Fällen und versuchter schwerer Sachbeschädigung mit Todesfolge und Sachbeschädigung.

„Ich wollte, dass es richtig bumm macht.“

Der Angeklagte

Vor der großen Strafkammer am Landgericht Amberg erklärte der Angeklagte über seinen Rechtsanwalt Kurt Alka, dass er keine Absicht gehabt habe, einen Brand zu legen und Bewohner zu gefährden. Er habe die Flasche nicht ins Haus, nicht durch das Fenster, sondern nur an die Fassade werfen wollen. „Ich wollte die Asylbewerber nur erschrecken, wollte, dass es richtig bumm macht, ihnen zeigen, dass es so nicht geht“, sagte er.

Am Tag vorher zu viel getrunken

Am Tag vor dem Anschlag habe er mit Eltern, Bruder und einem Nachbarn gehörig Bier getrunken, man habe gegrillt, wohl auch politisiert. Seinen Bierkonsum bezifferte der Mann vor Gericht mit „sechs Halben, nicht mehr“. „Ich hatte aber zu viel getrunken. Bin gewackelt. Ich habe mit der mit Wodka gefüllten Flasche auf die Wand neben dem Fenster gezielt. Die waren ja alle erleuchtet.“ Im Vorfeld gab der Angeklagte bereits an, dass ihn Lärm der Asylbewerber schon mal gestört habe und er zwei von ihnen in seinem Hof angetroffen habe.

Auf die Frage der Vorsitzenden, Landgerichtsvizepräsidentin Roswitha Stöber, warum er sich denn so viel Mühe gemacht habe, eine Bierflasche mit Wodka zu füllen und mit einem Vlies zu verschließen, wusste der Angeklagte nichts zu antworten. „Eine volle Bierflasche alleine hätte doch gereicht und wäre viel einfacher gewesen, um bumm zu machen“, gab die Vorsitzende Richterin zu bedenken.

Widersprüche in den Aussagen

In den weiteren Befragungen verwickelte sich der Angeklagte wiederholt in Widersprüche gegenüber den Aussagen bei den polizeilichen Vernehmungen, bei seiner Einlassung vor der Untersuchungsrichterin und bei einem Gutachter. „Ich sage heute die Wahrheit“, versicherte der Kfz-Elektromechatroniker nun vor Gericht – auch gegenüber dem zweifelnden Staatsanwalt Tobias Kinzler.

„Mitten in der Nacht landete diese Flasche auf meinem Bett, als ich allein in dem Zimmer schlief.“

Ein somalischer Asylbewerber vor Gericht

Uwe X. wurde 1990 in Kasachstan geboren, er kam mit drei Jahren nach Deutschland. Inzwischen hat er zwei Kinder und heiratete in der JVA Amberg seine jetzt 21-jährige, frühere Freundin und Mutter seiner Kinder. „Alkohol ist ein Problem für mich, seit ich mit etwa 22 Jahren damit angefangen habe, zu trinken“, gestand er vor Gericht ein. „Mit zwei- bis dreitägigen Pausen allerdings. Dabei konnte es am Wochenende aber schon auch mal ein ganzer Kasten sein. Ich will in jedem Fall eine Therapie machen. Das wäre eine Hilfe für mich“, erklärte er.

„Mitten in der Nacht landete diese Flasche auf meinem Bett, als ich allein in dem Zimmer schlief. Ich wurde wach, und die Flasche fiel dann zu Boden, ohne zu Bruch zu gehen. Sie roch nach Petrol und war mit Stoff oder Schaumstoff verschlossen“, berichtete der 24-jährige somalische Asylbewerber im Gerichtssaal. Dann habe er mit dem Handy die Polizei gerufen. Ein 16-jähriger Asylbewerber aus Syrien bewohnte das Zimmer daneben. Er wurde durch ein „Glasgeräusch“ geweckt und eilte herbei. Er will zwei Männer und eine Frau gesehen haben, die sich auf der Straße aufhielten, als er aus dem Fenster sah.

So geht es weiter

  • Fortsetzung

    Die Verhandlung wegen versuchten Mordes und versuchter schwerer Brandstiftung gegen Uwe X. wird am Mittwoch, 9. November, ab 8.30 Uhr vor der großen Strafkammer am Landgericht Amberg fortgesetzt.

  • Befragungen

    Weitere Zeugen sollen dabei vor Gericht vernommen und auch bereits die Stellungnahmen von Gutachtern gehört werden.

  • Dauer

    Insgesamt sind für den Prozess gegen den 25-jährigen Mann fünf Verhandlungstage vor dem Landgericht Amberg angesetzt. (abl)

Drohungen gegen Flüchtlinge

Drei Frauen, die im gleichen Haus wie der Angeklagte wohnen, wurden als Zeugen befragt. Während zwei keinerlei Alkoholgeruch bei ihm gemerkt haben wollen und erklärt haben, dass er „ganz normal gesprochen habe und gegangen sei“, meinte eine dritte Frau: „Er war besoffen, roch nach Bier und hatte ganz rote Augen.“ Auch habe sie in der Tatnacht einen Streit des Angeklagten mit seiner damaligen Freundin gehört.

Sie habe beobachtet, wie Uwe X. etwas in eine Bierflasche mixte. „Schau mal, was der da macht“, habe sie gesagt und befürchtet, dass er etwas anstellt, wenn er getrunken habe. Außerdem habe der 25-Jährige schon mal gedroht, dass er Flüchtlinge verprügeln würde, wenn er sie in seinem Hof erwischen würde, gab die Frau vor Gericht an. Dabei seien die Asylbewerber keinesfalls laut und hätten auch niemanden belästigt, sagte sie.

Dagegen sagte der Bruder des Angeklagten, dass dieser seines Wissens keine Probleme mit Flüchtlingen vor Ort gehabt habe. „Wir haben bloß allgemein darüber geredet.“

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