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Ausstellung

Juwelen der Keramik aus Hirschau

Der Hamburger Künstler Siegfried Möller prägte die Farb- und Formgebung des Geschirrs aus der Hirschauer Steingutfabrik.

Initiator Michael Popp aus Nürnberg freut sich über die umfassende Schau mit Werken von Siegfried Möller.
Initiator Michael Popp aus Nürnberg freut sich über die umfassende Schau mit Werken von Siegfried Möller.Fotos: asn

Hirschau.„Die Ausstellung „Siegfried Möller – Keramikentwürfe für Hirschau“ ist ein Juwel und von so hoher Qualität, dass sie auch in Amberg, Weiden oder München stattfinden könnte!“ Die Vorschusslorbeeren für die Präsentation der über 150 von Möller entworfenen Steingutobjekte, die ab morgen der Öffentlichkeit in der „Alten Mälzerei“ zugänglich ist, stammen aus dem Mund anerkannter Experten.

Initiator Michael Popp sowie die Mitveranstalter Klaus Haußmann und Volker Zelinsky nannten im Beisein des Festspielvereinsvorsitzenden Hans Drexler eine Reihe guter Gründe für ihre Einschätzung. Ein gutes Jahr lang haben Experten aus ganz Deutschland - u. a. auch Volker Hornbostel und Irmgard Endres – in „nicht unbedingt oft anzutreffender Einigkeit“ kooperiert und sich intensiv mit Möllers Schaffen, insbesondere in den Hirschauer Steingutfabriken, beschäftigt.

Prägend für die Hirschauer Fabrik

Etwa drei Viertel der Exponate stammen aus seiner Hirschauer Zeit. Diese währte zwar nur drei Jahre von 1923 bis 1926, war für die Aufwärtsentwicklung des Betriebes aber von großer Bedeutung. Firmeninhaber Christian Carstens holte den jungen Künstler nach Hirschau und setzte mit der Einrichtung einer speziellen „Kunstwerkstatt“ ein nachdrückliches Signal, dass ihm die gestalterische Qualität wichtig war.

Möller ist nach Popps Worten der erste künstlerische Entwerfer, dessen Namen bekannt ist und einen vorzüglichen Ruf genießt. Nach der international renommierten Eva Striker-Zeisel sei Möller der zweitwichtigste Entwerfer. Sein Werk aus seiner Hirschauer Zeit und auch im übrigen Deutschland sei weithin unbekannt gewesen.

Den Anstoß, die Ausstellung in Angriff zu nehmen, gab laut Michael Popp ein sensationeller Fund in einem lange unbewohnten Haus in Hirschau. Auf dem Dachboden seien unter dem Staub der Jahrzehnte etwa 140 Keramikteile zum Vorschein gekommen, darunter ein fast vollständiges, von Möller entworfenes Teeservice und ein reliefierter Wandteller mit der Mantelteilung des hl. Martin als Motiv sowie weitere Stücke, mit deren Hilfe weitere Möller-Produkte identifiziert werden konnten.

Produktkatalog von 1927

Als zweite Sensation meldete eine Amberger Familie den Fund eines Produktkatalogs aus dem Jahr 1927. Bis dahin waren noch kein Katalog und nur wenige Dokumente aus der Zeit gefunden worden, in der der „Carstens-Konzern“ die Hirschauer Steingutfabrik betrieb. Der Katalog ermöglichte es, viele Teile exakt zu bestimmen, zeitlich einzuordnen und einem bestimmten Entwerfer zuzuschreiben. Abgebildet sind genau die Produkte, die jetzt bei der Ausstellung zu sehen sind.

Als dritter Glücksfall kam hinzu, dass Volker Zelinsky an einer Dissertation über die Fabriken des Carstens-Konzerns arbeitete, die 2017 als Buch erscheinen wird. Bei der „Tiefenbohrung“ stieß er auf die Namen zweier weiterer in den Hirschauer Fabriken tätigen Entwerferinnen.

Die Ausstellung belegt, dass sich Siegfried Möller in den 50 Jahren seines Wirkens mit seiner handwerklichen Orientierung als Bildhauer besonders alten Keramiktechniken wie Fayencen in Zinnglasur, abstrakten Halbreliefdekoren, Sgrafittotechniken, Dekoren nach eigenen Stahlstichen, Blaumalerei im Delfter Stil und gravierter Goldmalerei im historischen Stil widmete. Die Ausstellung, die vom Festspielverein betreut wird, ist ab morgen jeden Sonntag von 15 bis 17.30 Uhr geöffnet. Michael Popp und Pfarrer Klaus Haußmann sind bemüht, jeden Sonntag um 15 Uhr eine Führung anzubieten. Morgen übernimmt diese Aufgabe zum Einstieg Michael Popp. Der Eintritt ist frei. (asn)

Eine Entdeckung

  • Siegfried Möller:

    Er wurde 1896 in Hamburg-Altona geboren. Ab 1923 war er bis 1935 als künstlerischer Mitarbeiter, später als Leiter und Entwerfer in sieben verschiedenen Fabriken der Keramikindustrie tätig. Vier davon gehörten zum Carstens-Konzern, dem die Hirschauer Steingutfabriken gehörten.

  • Exotisch:

    Eine der ungewöhnlichsten Vasen Möllers für Hirschau ist eine 12-fach gekantete und 19 cm hohe Vase „300“ mit einem Mündungsdurchmesser von 24,5 cm, die bisher in den Farben Türkis (roter Scherben) und Taubenblau (weißer Scherben) und in der Alten Mälzerei zu sehen ist.

  • Hochkarätig:

    Die Experten sind sich einig: Die Ausstellung „Siegfried Möller – Keramikentwürfe für Hirschau“ ist von so hoher Qualität, dass sie auch in Amberg, Weiden oder München gezeigt werden könnte. Ausstellungsinitiator Michael Popp aus Nürnberg (2. v. l.) war die treibende Kraft.

  • „M“:In der Form des Kaffeeservices „M“ wurde ein „Déjeuner“, ein Service für ein Frühstück zu zweit angeboten. In einer Abbildung von 1930 wird das Set als „Mokkaservice“ bezeichnet. Es sind erst zwei Exemplare eines solchen Déjeuners bekannt. Beide befinden sich in Hirschau in Privatbesitz.

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