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Artenschutz

Hufeisennasen flattern für Ministerin

Die bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf zeigte sich bei ihrem Besuch beeindruckt vom Fledermaushaus in Hohenburg.

Mit einer Stirnlampe und einem speziellen Empfänger für Fledermauslaute kletterte Umweltministerin Ulrike Scharf in den Dachstuhl des Fledermaushauses, um die Großen Hufeisennasen zu beobachten; rechts Rudolf Leitl.
Mit einer Stirnlampe und einem speziellen Empfänger für Fledermauslaute kletterte Umweltministerin Ulrike Scharf in den Dachstuhl des Fledermaushauses, um die Großen Hufeisennasen zu beobachten; rechts Rudolf Leitl. Foto: abp

Hohenburg.Als ein großartiges Projekt und einen Gewinn für den Artenschutz in Bayern bezeichnete die bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf das Hohenburger Fledermausprojekt. Beeindruckt zeigte sich die Ministerin vom Beobachten der kleinen Flatterer, die sich gerade für ihre nächtliche Jagd nach Insekten fertig machten. „Ich sehe den Besuch des Sommerquartiers der Großen Hufeisennase als einen Highlighttermin in diesem Herbst“, meinte die Ministerin beim Rundgang durch das ehemalige Ackerbürgerhaus am Hohenburger Marktplatz.

„Sie müssen unbedingt die großen Hufeisennasen in Hohenburg besuchen“, habe man ihr schon beim Amtsantritt als Ministerin im September 2014 mit auf den Weg gegeben, erzählte sie. Die Akzeptanz der Fledermäuse weiter zu fördern, sei ihr ein großes Anliegen. Sie verwies dabei auf die Förderung im Rahmen des „EU-Life-Projekts“ im Jahr 2012. Etwa eine Million Euro wurden damals von verschiedenen Verbänden, dem Bezirk Oberpfalz und dem Freistaat Bayern in dieses Projekt gesteckt.

Die Hohenburger Hufeisennasen
Die Hohenburger Hufeisennasen Foto: abp

Die Erfolge können sich sehen lassen: Etwas mehr als zehn Tiere waren es vor 15 Jahren – inzwischen leben 142 Große Hufeisennasen im Hohenburger Quartier, berichtete Rudolf Leitl, der Betreuer des Hohenburger Projekts, von der Sommerzählung in diesem Jahr. Neun Jungtiere wurden in den Jahren 1996/1997 gezählt, heute ist der Bestand auf stattliche 45 Fledermauskinder angewachsen.

Die Aktion „Fledermäuse willkommen“ habe sich zu einem herausragendem Projekt in Sachen Artenschutz in Bayern entwickelt. „Die Hohenburger haben da mit dem Fledermaushaus eine Vorreiterrolle übernommen die nicht hoch genug eingeschätzt werden kann“, meinte die Ministerin.

Warum gibt es gerade in Hohenburg diese Fledermäuse? Rudolf Leitl nannte als Gründe die vielen Karsthöhlen, die warmen und ruhigen Quartiere auf den Dachböden der Ackerbürgerhäuser und vor allem die Landschaft – dies alles gebe dieser seltenen Art ihren Lebensraum und Überlebensraum.

Hintergrund

  • Das Projekt

    Viele Fledermausarten gelten in Europa als bedroht. Besonders die Große Hufeisennase ist sehr selten geworden. Zur Sicherung der letzten Kolonie dieser Fledermausart in Deutschland werden in Hohenburg seit vielen Jahren erfolgreiche und für andere Vorkommensgebiete in Mitteleuropa beispielhafte Artenhilfsmaßnahmen durchgeführt. Seit 2012 läuft zur Optimierung des Lebensraumes ein EU-Life-Projekt des Landesverbandes für Vogelschutz (LBV). Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben mit dem Bundesforstbetrieb Hohenfels ist der assoziierte Partner des Hohenburger Fliedermausprojektes.

  • Die Unterstützer

    Das Life-Projekt wird hauptsächlich finanziert durch Life-Plus, das Umweltförderungsinstrument der Europäischen Union. Ko-Finanzierungen kommen vom Bayerischen Naturschutzfonds und Naturpark Hirschwald. Weitere Unterstützer sind das Bayerische Umweltministerium, die US-Streitkräfte in Hohenfels, die Regierung der Oberpfalz, der Markt Hohenburg, das Wasserwirtschaftsamt Weiden, das Staatliche Bauamt Amberg- Sulzbach, der Landschaftspflegeverband Amberg-Sulzbach und der Bund Naturschutz Amberg-Sulzbach. (abp)

Wie Forstdirektor Manfred Kellner vom Bundesforstamt Hohenfels anmerkte, komme seiner Dienststelle als assoziiertem Partner des Life-Projektes bei der Unterstützung eine besondere Bedeutung zu. „Mit den Kirchen in Bergheim und in Kirchenödenhart haben die Fledermäuse hervorragende Sommerquartiere.“ Seit zwei Jahren seien die Großen Hufeisennasen in den beiden ehemaligen Kirchen nachgewiesen. Mehr als 16 000 Hektar Fläche des Truppenübungsplatzes und die Tatsache, dass dort keine Pestizide ausgebracht werden, kämen den Fledermäusen und vielen anderen bedrohten Tierarten zugute.

Die Hohenburger Wochenstube der Großen Hufeisennase sei einzig in ganz Deutschland, merkte Leitl an. Seit ihrer Entdeckung im Jahr 1992 in Hohenburg im Lauterachtal werde sie streng geschützt, damit die hoch bedrohten Fledermäuse überleben. Es seien die letzten ihrer Art, erfuhr die Ministerin: Wenn die Kolonie nicht möglichst schnell wachse und sich eine neue Kolonien bilde, könne ein Blitzschlag oder eine Infektion sie vernichten. „Darum schaffen wir weiteren Lebensraum und neue Quartiere“, so Leitl. „Unser Ziel ist es auch, den Bestand des Oberpfälzer Rotviehs weiter aufzustocken.“ Die Weidetiere produzieren nämlich Dung. Der ist wichtig für die Dungkäfer – und die wiederum für die Fledermäuse. (abp)

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