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Denkmalschutz

Viel Idealismus und Geld sind nötig

Denkmäler zeigen, woher die Menschen kommen. Viele gute Beispiele gibt es in Amberg-Sulzbach, aber auch Herausforderungen.
Von Michaela Fichtner

Mit Millionenaufwand wurde das barocke Hammerschloss in Schmidmühlen zwischen 1998 und 2003 saniert. Beim „Tag des offenen Denkmals“ am 11. September wird seine Geschichte vorgestellt.
Mit Millionenaufwand wurde das barocke Hammerschloss in Schmidmühlen zwischen 1998 und 2003 saniert. Beim „Tag des offenen Denkmals“ am 11. September wird seine Geschichte vorgestellt. Foto: Archiv ajp

Schmidmühlen.Ein leidenschaftliches Plädoyer gibt Kreisheimatpfleger Dieter Dörner auf die Frage nach Denkmälern und Denkmalschutz: „Denkmäler sind unsere Geschichte. Wir müssen sie erhalten!“ Sie stehen für die Identität der Menschen, zeigen, woher wir kommen und wer wir sind – und haben damit gleichermaßen Bedeutung für die Gestaltung der Zukunft. „Jede bewahrte Erinnerung ist Sehnsucht“ und „Zukunft braucht Erinnerung“ – drückt es die Deutsche Stiftung Denkmalschutz sehr emotional in einem Film über ihr Engagement aus.

Dies wieder bewusst zu machen und für den Erhalt der geschichtlichen Zeugnisse zu motivieren, dafür steht der „Tag des offenen Denkmals“, den die Stiftung jedes Jahr organisiert. „Gemeinsam Denkmale erhalten“ wurde als Thema für 2016 gewählt. Auch im Landkreis Amberg-Sulzbach werden am Sonntag, 11. September, wieder spannende Einblicke gewährt, wie Denkmälern eine neue Zukunft gegeben werden konnte. Elf Gebäude, darunter das Hammerschloss in Schmidmühlen und das Hohenburger Rathaus, sind zu entdecken.

Für den Erhalt motivieren

Dörner, der die Angebote für die Region wieder koordiniert hat, sieht durchaus ein Bewusstsein für das baukulturelle Erbe und kennt viele Beispiele, wie dies dann auch zu vorbildlichen Sanierungen von Denkmälern führte. Doch der Kreisheimatpfleger ist als einer der Fachleute im Landkreis Amberg-Sulzbach weit davon entfernt, es darauf beruhen zu lassen. „Wie groß ist das Bewusstsein für Denkmäler wirklich?“, fragt er, wohl wissend, dass man dies nicht wirklich messen kann. Es gebe eben nur Beispiele, positive wie negative.

„Wenn man die Menschen da hat, kann man sie motivieren.“

Kreisheimatpfleger Dieter Dörner

So beklagt er gleichzeitig eine Entwicklung zum Negativen hin – und das macht er nicht nur an oft gehörten Aussagen fest wie „lasst es doch zusammenfallen“ oder „reißt es einfach ab“. Für ihn gehört zu negativen Entwicklungen auch ein fehlendes Gespür bei der Umsetzung von Maßnahmen, was sich immer wieder in Details zeige: wenn beispielsweise historische Teile aus Holz einfach durch Metall ersetzt werden, oder wenn großflächige Fenster eingebaut werden statt Sprossenfenstern – „weil’s halt billiger ist“.

Man muss es sich leisten können

Führungen gibt es zum Denkmaltag auch durch das Hohenburger Rathaus.
Führungen gibt es zum Denkmaltag auch durch das Hohenburger Rathaus. Foto: Archiv Brückmann

Trotzdem: Dörner weiß, dass gerade Geld ein großes Thema beim Denkmalschutz ist, auch wenn vielfältige Fördertöpfe vorhanden sind. Das gelte für Gebäude in öffentlicher Hand, aber noch mehr bei privaten Projekten. Denkmalschutz sei zwar sehr wohl eine Sache des Bewusstseins und der Einstellung, aber man müsse immer auch hinterfragen, ob sich ein Besitzer das leisten könne und ob es für ihn wirtschaftlich sei im Hinblick auf eine spätere Nutzung.

„Als Privatmann muss man Idealist sein“, betont Dörner – und ihm fallen da gleich einige solcher Idealisten ein. Beispiele: Das Architektenehepaar Birgit Rieger und Willi Schmid, die das Torhaus in Hirschwald sanieren, ein Projekt, das auch die Deutsche Stiftung Denkmalpflege erst kürzlich unterstützt hat. Oder die Familie Lautenschlager in Ensdorf, oder Margarete Jäkel, deren Goglhof in Eberhardsbühl der Kreisheimatpfleger als „Musterbeispiel von Engagement“ würdigt, oder Dr. Nagler, der die Mühle in Wutschdorf „hervorragend restauriert“ habe. Interessant seien solche historischen Gebäude oft auch für Künstler, die das besondere Ambiente suchen: Beispiel Aschacher Pfarrhof, Zuhause und kreativer Wirkungsort für das Künstlerehepaar Robert Diem und Hanna Regina Uber.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz wirbt für den Erhalt des baukulturellen Erbes.

Perspektive finden für die Nutzung

Dörner gibt noch einen anderen Aspekt zum Denkmalschutz zu bedenken: „Man muss bereit sein für eine Perspektive, zum Beispiel eine öffentliche Nutzung.“ Wie es Schmidmühlen mit dem Hammerschloss als gemeinsames Pfarr- und Gemeindezentrum und Hohenburg mit dem Rathaus, früher „Hofkasten“ für das Steuergetreide, zeigen – nach Einschätzung des Kreisheimatpflegers „vorbildliche Sanierungsmaßnahmen“, wovon man sich auch beim Denkmaltag am 11. September überzeugen könne.

Doch gerade auch bei einer öffentlichen Nutzung kämen weitere Themen ins Spiel: Barrierefreiheit und Brandschutz nennt Dörner als die wichtigsten rechtlichen Vorgaben, denen man gerecht werden müsse. Und er wirft dazu die Frage in den Raum: „Wird dann eventuell etwas ganz zwangsläufig verschandelt?“

„Die Heimatpfleger wünschen sich, dass sie öfter mit einbezogen werden.“

Kreisheimatpfleger Dieter Dörner

Eine weitere große Herausforderung sieht der Kreisheimatpfleger im Spannungsfeld von Ortsentwicklung einerseits und Leerstand andererseits. „Oft verfallen in den Ortskernen Gebäude, dafür wird an der Peripherie neu gebaut“, beschreibt Dörner die Entwicklung. Und das gelte, ob ein Anwesen nun unter Denkmalschutz stehe oder nicht. Das werde noch eine große Aufgabe vielerorts, weiß er.

Erlebnisse vor Ort sind wichtig

Kreisheimatpfleger Dieter Dörner hat die Angebote wieder koordiniert.
Kreisheimatpfleger Dieter Dörner hat die Angebote wieder koordiniert. Foto: Archiv Schön

Daher sei es immer wichtiger, das Bewusstsein dafür zu vermitteln, dass es bei Denkmälern um die eigene Identität geht, und auch, Menschen dafür zu motivieren – wie es das Ziel beim „Tag des offenen Denkmals“ ist. Dörner gibt zwar zu bedenken, dass es schwer sei, Leute zu gewinnen, die kein Interesse hätten, aber deshalb gleich aufgeben? Im Gegenteil: Die Veranstaltungen zum Denkmaltag sollten gerade die Neugier wecken. „Wenn man die Menschen da hat, kann man sie motivieren“, ist er überzeugt. Gerade Erlebnisse in der eigenen Gemeinde seien wichtig.

Hintergrund

  • Denkmaltag

    Der Tag des offenen Denkmals wird seit 1993 von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, einer 1985 gegründeten privaten Initiative, koordiniert. Er wird jedes Jahr unter ein anderes Thema gestellt, 2016 ist es „Gemeinsam Denkmale erhalten“.

  • Stiftung

    Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz setzt sich für den Erhalt bedrohter Baudenkmale ein. Das reicht von der Notfall-Rettung gefährdeter Denkmale über pädagogische Programme bis eben zum „Tag des offenen Denkmals“.

  • Förderung

    Nach Angaben der Stiftung konnten bereits rund 5000 Projekte mit mehr als einer halben Milliarde Euro unterstützt werden. Dazu gehören in der Region beispielsweise die Basilika St. Martin Amberg, die Asamkirche in Ensdorf, das ehemalige Gasthaus Brauhausgasse in Kastl oder jüngst das Torhaus Hirschwald. (Quelle: Deutsche Stiftung Denkmalschutz)

„Denkmalschutz ist eine Herkulesaufgabe“ gibt Dörner unumwunden zu. Um diese gemeinsam stemmen zu können, hat er auch noch Wünsche. Er bedauert beispielsweise, dass das Bewusstsein für das baukulturelle Erbe in den Schulen immer schwieriger zu vermitteln sei. Lehrer müssten dafür einen Bezug zur Heimat haben, was aber oft nicht mehr der Fall sei. Aber vor allem seien es die vielen Anforderungen – Dörner spricht sogar davon, dass die Schüler „überladen“ seien. Gerade bei den jungen Menschen könnte aber ein wichtiger Ansatzpunkt sein.

Und Dörner wirbt auch für seine Kollegen vor Ort in den Gemeinden: „Die Heimatpfleger wünschen sich, dass sie öfter mit einbezogen werden, beispielsweise auch von den Architekten.“ Mehr Dialog, mehr Miteinander also – wie es auch das Motto am 11. September sagt: „Gemeinsam Denkmale erhalten“.

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