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Kalender ist fast ausverkauft

Das Interesse an besonderen historischen Schmidmühlener Fotos ist groß. Der Heimatkalender ist wie eine bebilderte Chronik.
Josef Popp

  • Das Obere Tor im Winter (im mittleren Haus), aufgenommen in den ersten Nachkriegsjahren (um 1950) Foto: Archiv: Markt Schmidmühlen
  • Durch das Obere Tor führte einst der Weg auf die Lauterachbrücke, auch als Friedhofsbrücke bekannt. Jetzt steht an diesem Ort die mit der Hochwasserfreilegung erbaute Doppelbogenbrücke. Archivfoto: Popp

Schmidmühlen.Es sind noch rund zwei Wochen bis Weihnachten und es sind nur noch wenige Exemplare des Heimatkalenders 2020 zu haben. Die Vormerkungen ließen es schon ahnen: Die Nachfrage nach dem Kalender wird groß sein – so, wie es auch in den vergangenen Jahren war. Dies hat sich in diesen Wochen bestätigt. Die lebhafte Nachfrage zeigt sicher auch das große Interesse in Schmidmühlen an der Heimatgeschichte.

Es sind nun gut und gerne fast 20 Jahre her, als der Gartenbau- und Ortsverschönerungsverein Schmidmühlen mit seinem damaligen, mittlerweile verstorbenen Vorsitzenden Hans Rubenbauer, beim Marktfest eine Sammlung von historischen Aufnahmen ausstellte. Das Interesse von der Bevölkerung war damals überwältigend.

Fotos öffentlich zeigen

Bald darauf folgte im Oberen Schloss eine erweiterte Dokumentation der Geschichte Schmidmühlen mit weiteren Aufnahmen und schließlich wurde ein historischer Bildband zusammengestellt. Es war damals schon das Anliegen der Heimatkundler, dass diese Bilder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden und nicht in einem Archiv verstauben.

Auch diesmal hat Ortsheimatpfleger Josef Popp wieder in die Schatzkiste – in das Archiv des heimatkundlichen Arbeitskreises und in das des Marktes Schmidmühlen – gegriffen und historische Bilder für den Heimatkalender ausgesucht, unterstützt mit Fotos von Günther Schmid und Gerald Stauber.

„Schmidmühlen – Erinnerungen an eine noch nicht ganz vergessene Zeit“: Unter diesem Motto steht der Schwarz-weiß-Kalender wieder. Er ist in gewisser Art eine bebilderte Chronik – ohne einen Anspruch auf Vollständigkeit.

Das interessiert die Bürgerinnen und Bürger: Viele Bilder aus den vergangenen Jahrzehnten zeigen das vielfältige Leben im Markt Schmidmühlen. Die ältesten Aufnahmen stammen um die vorletzte Jahrhundertwende, um 1900 und zeigen alte, bisher nirgends veröffentlichte Fotos. So zum Beispiel das Motiv vom Oberen Tor in den 1950 Jahren – ein Winterbild, eine besondere Rarität.

Erstmals urkundlich erwähnt wird der Ort Schmidmühlen (smidimulini) um 1010. Schon 997 wird Emhof beurkundet, als Abt Rambold den Zins einer Hube zum Unterhalt der Lichter in den Kapellen zu Premberg und Emhofen gibt. Im Jahr 1270 wird Schmidmühlen zum Markt erhoben – mit allen zugehörigen Rechten. Eines davon war, eine Befestigung anzulegen. Diese Befestigung wurde durch die bereits vorhandene Wasserburg verstärkt.

Eine so mächtige Befestigung wie beispielsweise Amberg sie hatte, gab es in Schmidmühlen nicht. Doch auch die Bürger dieses Markts achteten im Mittelalter darauf, dass der Ort gut geschützt war. Das war das alte Schmidmühlen schon durch seine Lage auf der Insel, die durch die Gabelung der Lauterach entstandenen war. Die Befestigung dürfte daher im Wesentlichen in den Markttoren bestanden haben. Befestigt wurde der Markt in der Zeit von 1424 bis 1427. Die ursprüngliche Befestigung dürfte wohl in Form von Absperrungen an den Lauterachbrücken erfolgt sein; auf die Errichtung von Mauern konnten die Schmidmühlener verzichten. Zum einen waren die Lauterach und die Vils wasserreich und tief, zum anderen standen an vielen Stellen Häuser, auch bei dem dem Kreuzberg zugewandten Arm mit Rückseite zur Lauterach. So wurden nur die Marktausgänge durch Tore gesichert.

Das Lauterachtor (Oberes Tor), das auf dem Blatt „Dezember“ des Heimatkalenders 2020 zu sehen ist, wurde 1424 fertiggestellt. Es ist auch mit einem tragischen Unglück verbunden: Am 20. April 1729 stürzte es ein und begrub die zwölfjährige Anna Reindl unter seinen Trümmern. Sie war sofort tot. 1785 wurde das Obere Tor mit einem runden Bogen wieder aufgebaut.

Oberes Tor ist längst Geschichte

Im Verlauf des Zweiten Weltkrieges wurde es 1945 durch amerikanische Panzer beschädigt, später aber wieder notdürftig instandgesetzt. Damals ging allerdings der Schlussstein im Torbogen mit der Jahreszahl 1424 verloren. Mit Einverständnis des Gemeinderates brachen die Amerikaner das Obere Tor schließlich am Karfreitag, 11. April 1952, ganz ab, weil es dem zunehmenden Verkehr zum Übungsplatz nicht mehr gewachsen war.

In dem Tor befand sich ein großes Ölbild, auf Leinwand gemalt: Es zeigte Jesus, wie er vor dem Tor stehend von seiner Mutter Abschied nimmt. Das Bild ist seitdem aber spurlos verschwunden und niemand weiß, wohin es kam.

Das Obere Tor war auch das einzige in Schmidmühlen, das ständig bewohnt war. Die letzten Bewohner und auch Eigentümer der unteren Wohnung waren Braumeister Johann Brey und seine Frau. Sie waren aber schon vor dem Abbruch des Torhauses verstorben.

In unserem Spezial finden Sie Kalendergeschichten der vergangenen Jahre.

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