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Kunst

Klöppeln erlebt Renaissance

Die traditionsreiche Handarbeit wird in Schmidmühlen schon seit 2005 in Kursen vermittelt. Zu verdanken ist dies Martina De Wille.
Von Josef Popp

  • Lydia Iberer, Elfriede Spangler, Margarete Stepper-Sippl, Anna Soborka arbeiten auf Klöppelrollen Stern und Einsatz für kleine Schwibbögen; Susanne Schisler, klöppelt auf einem Flachkissen Einsätze für eine Bluse (v.l.); rechts Kursleiterin Martina De Wille. Foto: Josef Popp
  • Die geklöppelten Arbeiten der Frauen sind im wahrsten Sinn des Wortes spitze – wie diese Engel. Foto: Josef Popp

Schmidmühlen.Es ist eher ruhig und beschaulich. Nur hin und wieder hört man ein leises Klappern, ein kurzes Schieben eines Stuhls oder ein leises Murmeln: Mehrere Frauen haben sich mit Martina De Wille zu einem Klöppelabend im Hammerschloss getroffen – wie schon seit vielen Wochen. Konzentration, Kreativität, Fantasie,

Freude am Handarbeiten, eine ruhige Hand und ein genaues Auge sind gefragt, wenn man dieses alte Handwerk ausüben will. Das haben die neun Damen im Hammerschloss. Das, was bei diesen Abenden entsteht, ist im wahrsten Sinne des Wortes „Spitze“.

Als vor 15 Jahren der erste Klöppelkurs in Schmidmühlen angeboten wurde, glaubte kaum jemand, dass dies eine „Dauereinrichtung“ werden würde. Nur wenige kannten diese feine Handarbeit und nur Insider konnten dies entsprechend einordnen.

Ein bisschen wie flechten

Dies hat sich in den vergangenen Jahren geändert. Mittlerweile hat sich eine kleine „Klöppelgemeinde“ gebildet, die nicht nur privat diese alte Handwerkstechnik pflegt, sondern auch bei Kursen oder bei Schauklöppeln einer breiten Öffentlichkeit nahebringen will.

Im Oktober 2005 erlebte dieses althergebrachte Handwerk in der Lauterachtalgemeinde eine kleine Renaissance – dank Martina De Wille aus Schmidmühlen. Sie gibt regelmäßig seit dem Jahr 2005 Klöppelkurse – auch über die Volkshochschule Amberg-Sulzbach. Derzeit trifft sie sich mit einer Gruppe im Obergeschoss des Hammerschlosses und zeigt den Frauen, wie man verschiedene Spitzen selbst herstellen kann.

Die Anfertigung einer Handklöppelspitze beruht, so erklärt Kursleiterin Martina De Wille, auf einer Art Flechten mit vier Fäden, die systematisch mit weiteren Paaren gewechselt werden. Die Basis für die Anfertigung einer jeden „echten Spitze“ bildet eine Mustervorlage, der sogenannte Klöppelbrief, der auch dem Urheberrecht unterliegt.

Je nach Art der Spitze und der Komplexität des Musters sind unterschiedlich viele Klöppel erforderlich. Mindestens sind es vier, die paarweise an einem Klöppelkissen befestigt sind. Beim Klöppeln werden die Fäden von mindestens zwei Paar Klöppeln durch Kreuzen und Drehen miteinander verflochten. Je nach Muster und Klöppeltechnik kann die Anzahl der verwendeten Klöppel weit über hundert betragen, weiß die Kursleiterin.

Interessierte können aber nicht nur mit dem Klöppelbrief und der technischen Zeichnung mit einem international festgelegten Farbcode Spitzen herstellen, sondern auch frei nach der eigenen Fantasie ein Muster entstehen lassen. „Hier sind der eigenen Kreativität keine Grenzen gesetzt – aber man braucht trotzdem einen gewissen Plan“, so Martina De Wille.

Die Klöppelgruppe im Schloss beherrscht die verschiedenen Techniken schon recht gut. Auch hier gilt: Im Team geht alles besser. Wichtig für die Augen ist auch entsprechende Ausleuchtung, betont Martina De Wille.

Um die Fäden in Form zu halten, werden während des Klöppelns an bestimmten Stellen Nadeln gesteckt. Nach der Fertigstellung der Spitze werden sie wieder herausgezogen, um das fertige Werk vom Klöppelkissen abnehmen zu können.

Klöppeln hat eine lange Geschichte, erinnert die Kursleiterin. Die ersten Nachweise sind Musterbücher aus dem 16. Jahrhundert, die aus Italien stammen. In Italien vermutet man auch den Ursprung dieser Handarbeit. Das erste reine Musterbuch für die Klöppeltechnik wird im Jahr 1557 in Venedig veröffentlicht.

Zuerst für Kleidung verwendet

Und Martina de Wille weiß auch: Klöppelspitzen entstanden, als man den Rändern von Kleidungsstücken eine feste und gleichzeitig dekorative Kante geben wollte. Aus losen Fransen wurden so schmucke und dekorative Abschlüsse. Aus Variationen von geflochtenen Fäden wurden so aus losen Fransen schmückende Elemente an der Kleidung der Reichen.

Vermutlich um die Herstellung zu vereinfachen kam dann die Idee, diese Flechtwerke unabhängig von Kleidungsstücken zu gestalten – die ersten Klöppelspitzen wurden gefertigt, nämlich Flechtspitzen. Jedes europäische Land oder Gegend entwickelte seine eigene charakteristische Klöppelspitze. Was in früheren Jahrhunderten nur mit Händen und Klöppeln möglich war, bekam im Lauf des 19. Jahrhunderts „Konkurrenz“ durch erste Maschinen, die Textilien in Klöppeltechnik herstellen konnten. Die Frauen in den Klöppelkursen in Schmidmühlen aber setzen weiter auf ihre Fingerfertigkeit, ihre Kreativität und ihre Leidenschaft für das Handwerk. (ajp)

Ausstellung

  • Tradition:

    Es hat schon Tradition, dass der Heimat- und Kulturverein Schmidmühlen zum Marktfest, das immer am ersten Augustwochenende stattfindet, eine Ausstellung im Hammerschloss organisiert. Dabei wird auch immer wieder auf die Kreativität der Menschen vor Ort zurückgegriffen – beispielsweise konnten Hobbykünstler ihre Werke ausstellen. Dieses Mal werden verschiedenste Spitzen präsentiert.

  • Öffnungszeiten:

    Zu sehen ist die Ausstellung am 26. Juli sowie am 1. und 2. August beim Marktfest. Die Vernissage soll am 21. oder 22. Juli stattfinden.

  • Verantwortliche:

    Für die Organisation zeichnet Galina Tihonova aus Schmidmühlen zusammen mit dem Heimat- und Kulturverein verantwortlich. Sie ist die Vorsitzende des Fränkischen Klöppelverbands. (ajp)

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