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Erlebnis

70 Fußgänger erkunden den Hirschwald

Winterwanderung im Naturpark Hirschwald von Köfering bis raus nach Erlheim war eine Gemeinschaftsaktion – und ein Genuss.
Von Isabel Lautenschlager

In der Ortsmitte von Köfering stimmt Ursensollens Ortsheimatpfleger Josef Schmaußer die Wanderer ein. Copyright: Naturpark Hirschwald
In der Ortsmitte von Köfering stimmt Ursensollens Ortsheimatpfleger Josef Schmaußer die Wanderer ein. Copyright: Naturpark Hirschwald

Kümmersbruck.Bei sonnigem Winterwetter und in der schneebedeckten Landschaft des Naturparks Hirschwald machten sich am vergangenen Sonntag an die 70 Teilnehmer auf, unter der Leitung des Ursensollener Ortsheimatpflegers Josef Schmaußer von Köfering bis nach Erlheim zu wandern. Eingeladen dazu hatten der Naturpark Hirschwald und der Heimat- und Kulturverein Köfering, die so eine schon länger geplante Zusammenarbeit in die Tat umsetzten.

Der Ausgangspunkt dieser Wanderung, die Ortsmitte von Köfering, war gut gewählt, vereint der Platz doch Projekte sowohl einerseits des Naturparks Hirschwald als auch andererseits solche des Heimat- und Kulturvereins Köfering – die Kunstwanderstation und den Brotbackofen.

Was aus dem Exerzierplatz wurde

Ursensollens Ortsheimatpfleger Josef Schmaußer erläutert auf der Köferinger Heide den ehemaligen Exerzier- und Flugplatz. Copyright: Naturpark Hirschwald
Ursensollens Ortsheimatpfleger Josef Schmaußer erläutert auf der Köferinger Heide den ehemaligen Exerzier- und Flugplatz. Copyright: Naturpark Hirschwald

Nach der Begrüßung durch den Hausherrn, Josef Vogl, den Vorsitzenden des HKV Köfering, und durch Isabel Lautenschlager, Geschäftsführerin des Naturpark Hirschwald, stimmte Josef Schmaußer die Gruppe mit einigen Bemerkungen zur Geschichte Köferings ein, das vergangenes Jahr 650-jähriges Bestehen der Ersterwähnung gefeiert hatte. Erste Station der insgesamt zweieinhalbstündigen Wanderung war die Köferinger Heide, wo Schmaußer über die Geschichte des Geländes als Exerzierplatz des 6. Cheveaulegers-Regiments ab 1882 und später als Militärflugplatz referierte.

Bei den Soldaten war der Platz aufgrund des lehmigen Bodens als „Amberg im Dreck“ verschrien. Isabel Lautenschlager wusste zu berichten, dass im Jahr 1925 eben von diesem Flugplatz aus deutschlandweit die erste Schädlingsbekämpfung aus der Luft stattfand, als ein staubförmiges, arsenhaltiges Mittel von einem Flugzeug aus über dem Hirschwald versprüht wurde, um den Kiefernspanner zu bekämpfen. Danach ging es ein Stück auf dem Schweppermannradweg, der hier größtenteils dem Lauf der ehemaligen Lokalbahn Amberg – Lauterhofen folgt, in das Haager Tal. Dort stellte Schmaußer dann das restaurierte Baumbild für die 1881 bei einem Sturm ums Leben gekommene „Gewehrfabrikarbeitersgattin“ Violanda Lang vor. Auf dem so genannten „Totenweg“ – Köfering gehörte bis 1855 zur Pfarrei Hohenkemnath – ging es weiter unter der A6 hindurch.

Der Hirschwald als ein großes, geschlossenes, ehemals kurfürstliches Waldgebiet hat im Laufe seiner Geschichte zu vielen unheimlichen Geschichten und Sagen Anlass gegeben. Josef Schmaußer wusste dazu von tatsächlich passierten Morden und auch wunderlichen Sagen zu berichten.

An der Felsengruppe „Dürrer Wirt“

Am „Dürren Wirt“ erläutert Ortsheimatpfleger Josef Schmaußer die alte Sage vom betrügerischen Wirt. Copyright: Naturpark Hirschwald
Am „Dürren Wirt“ erläutert Ortsheimatpfleger Josef Schmaußer die alte Sage vom betrügerischen Wirt. Copyright: Naturpark Hirschwald

Die Gruppe kam an der markanten Felsengruppe „Dürrer Wirt“ vorbei, der Sage nach der Ort eines untergegangenen Wirtshauses, dessen Wirt die Leute vom Kirchgang abzuhalten versuchte und außerdem nach dem Motto „Hundert Daumen sind auch eine Maß“ beim Einschenken betrog. Etwas weiter dann erfuhren die Wanderer, dass 1869 ein Jude aus Schnaittenbach von einem Hohenburger Schmiedegesellen ermordet und ausgeraubt wurde. Der Mörder soll sich dann in der Nähe der Wanderroute in einer kleinen Karsthöhle, „Judenhöhle“ genannt, versteckt haben. Er wurde aber schließlich ebenso festgenommen, zum Tode verurteilt und in Amberg hingerichtet wie ein Bauer aus Ursensollen, der 1922 im Erlheimer Tal eine Eierhändlerin niederschlug und erdrosselte, weil sie ihm immer wieder und öffentlich vorwarf, ihre Tochter geschwängert zu haben.

Hannelore Zapf, Stadträtin aus Amberg, die auch als Teilnehmerin mitgewandert war, berichtete an dieser Stelle auf Einladung von Josef Schmaußer den Mitwanderern über ihre Forschungen zur Fronfeste, dem ehemaligen Gefängnis in Amberg, und, wie damals die ab 1864 offiziell nicht mehr öffentlichen Hinrichtungen im Hof der Fronfeste abliefen.

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Bilanz und Ausblick

  • HKV

    Josef Vogl, der Vorsitzende des HKV Köfering, und Isabel Lautenschlager bedankten sich bei dem Referenten Josef Schmaußer für die hervorragende Wanderführung und bei den Mitwanderern für ihr Interesse.

  • Perspektive

    Alle waren sich darin einig, dass die gemeinsame Durchführung dieser Veranstaltung rundum sehr erfolgreich gewesen und eine gute Grundlage für weitere gemeinsame Veranstaltungen gelegt sei.

Kurz bevor dann das Ziel der Wanderung – Erlheim – ins Blickfeld kam, machte Schmaußer die Gruppe auch auf einen schönen alten Grenzstein aufmerksam, der eine alte Grenze zwischen der Amberger Stadtkammerwaldung und der Spitalstiftung noch heute bezeugt. Weiter wusste er noch von einer Sage zu berichten, die sich hier abgespielt haben soll, wo ein Bauer reich belohnt wurde, da er eine Kröte, der er im Erlheimer Tal mehrmals begegnet war, vor dem Tod bewahrt hatte. Durch dieses Erlheimer Trockental, in dem noch vor 300 Jahren ein Bach verlief, ziehen sich mehrere Heckenreihen, die Lautenschlager als Anlass für ein kurzes Plädoyer für vielfältige Landschaftsstrukturen nahm, wie sie zum Glück immer noch für den Naturpark Hirschwald weitgehend charakteristisch sind.

Um manche Erkenntnisse reicher

Die fünf Kilometer lange Wanderstrecke deckte viele Aspekte der Landschaft im Naturpark Hirschwald ab: weite Ausblicke über schneebedeckte Felder bis zum Mariahilfberg in Amberg, stille Waldwege, bizarre Felsen, die für den Jura charakteristischen Trockentäler und waldbedeckte Höhen. Gestärkt von der Winterluft und um viele Erkenntnisse reicher, bewältigten die Wanderer die letzten Meter bergauf nach Erlheim und kehrten noch gemeinsam zu Kaffee und Kuchen oder Brotzeit im Erlhof ein.

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