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Wissenschaft

Belastung mit Cäsium und Radium im Blick

Fachleute befassten sich beim Radiometrischen Seminar in Theuern mit der Überwachung von Pilzen, Wild und Wasser.

Zahlreiche Fachleute referierten wieder beim Radiometrischen Seminar; vorn rechts Prof. Dr. Henning von Philipsborn, Mitte Landrat Richard Reisinger und links Museumsleiter Michael Ritz.
Zahlreiche Fachleute referierten wieder beim Radiometrischen Seminar; vorn rechts Prof. Dr. Henning von Philipsborn, Mitte Landrat Richard Reisinger und links Museumsleiter Michael Ritz. Foto: ahi

Kümmersbruck.Landrat Richard Reisinger begrüßte im Kultur-Schloss Theuern mehr als 90 Teilnehmer aus nah und fern zum 63. Radiometrischen Seminar Theuern. Zum Thema „Radiometrische Überwachungspraxis von Lebensmitteln, Trink- und Mineralwasser“ gab es sieben Vorträge von Fachleuten aus Messstellen, Hochschulen und Behörden. Vorbereitet und betreut wird die seit 1986 erfolgreiche Veranstaltungsreihe von dem Physiker und Geowissenschaftler Prof. Dr. Henning von Philipsborn von der Universität Regensburg.

Anika Krohn von der Hochschule Fulda, Fachbereich Lebensmitteltechnologie, sprach über ihre Diplomarbeit „Geoökologische und radiometrische Untersuchungen an Pilzen und Schwarzwild“. Spezielle Bedingungen fixieren Cäsium-137 vom Tschernobyl-Fallout im Humus der Waldböden. Dies werde im Futter von Wildschweinen aufgenommen und gelange in deren Muskelfleisch. Vom Menschen werde es aber rasch wieder ausgeschieden, berichtete die Referentin.

Hohe Radiumgehalte im Wasser

„Hot Spots in Schweizer Grundwässern“ war das Thema von Dr. Heinz Surbec. Spezielle geochemische Eigenschaften von Uran und Radium führten dazu, dass sie sich im Grundwasser lösen und letztlich im Trink- und Mineralwasser sind. Ein portugiesisches Mineralwasser mit hohen Radiumgehalten sei in der Schweiz um 1993 entdeckt und verboten worden. Für deutsche Mineralwässer mit hohen Radiumgehalten geschah nichts bis zu einem Fernsehinterview eines investigativen Journalisten im April 2000, so Surbec.

Dr. Martin Metschies vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Freiburg referierte über das Thema „Aus der radiometrischen Überwachungspraxis in Baden-Württemberg“. Der wöchentliche Verzehr von einmal 200 Gramm Wildschweinfleisch mit 1000 Becquerel Cäsium 137 pro Kilogramm ergebe 0,15 Millisievert pro Jahr (MSV/a). Er verglich dies mit der mittleren natürlichen Dosis von einem MSV/a in Niedersachsen und drei MSV/a in Bayern – was niemanden vom Umzug nach Bayern abhalte, wie Metschies meinte.

Verschiedene Kontrollen vorgestellt

„Aus der radiometrischen Lebensmittelüberwachungspraxis in der Schweiz“ berichtete Ferdinand W. Uehli, Leiter Gesundheitsschutz Stadt Zürich. In der Schweiz gebe es 19 kantonale Untersuchungsämter und 21 Lebensmittelinspektorate, in Zürich mit zwei Inspektoren und elf Kontrolleuren auf Märkten, Geschäften und Importeuren. Paranüsse aus Brasilien enthielten bis zu 70 Becquerel Radium pro Kilogramm Frischmasse, bedenklicher als 700 Becquerel Cäsium-137 pro Kilogramm in Pilzen im Tessin. „Aber wer verzehrt von einem oder von beidem wöchentlich ein Kilo?“, meinte er.

Radiometrisches Seminar

  • Termin

    Das 64. Radiometrische Seminar Theuern findet am Freitag 7. Oktober, im Kultur-Schloss Theuern statt.

  • Thema

    Das Thema lautet: „Freimessung und Freigabe von Räumen, Roh- und Reststoffen“.

  • Programm

    Beim Seminar gibt es vier Vorträge und etwa 20 ausstellende Messgerätefirmen mit Vorführungen.

  • Besucher

    Das Seminar ist öffentlich und gebührenfrei, Gäste sind willkommen.

„Die Bedeutung der qualifizierten und unabhängigen Probenahme als Basis hochwertiger Laboranalysen“ war das Thema von Dipl.-Ing. (FH) Albrecht Fiedle. Für die Überwachung von Lebensmitteln auf Rückstände von Düngemitteln und Pestiziden, Schimmelpilzen und Hygienemängel werde von großen Handels- und Ladenketten ein hoher, einzigartiger technischer und logistischer Aufwand getrieben, vom Produzenten über den Transporteur bis zum Endverkauf. Für einzelne Wildschweine und Konsumenten sei dies nicht notwendig.

Veronika Exler, Universität Wien, und Maria Kocadag, TU Wien, sprachen über ihre Diplomarbeiten „Ergebnisse radioökologischer Studien von Waldökosystemen in Österreich und Bayern - Cs-137 und Sr-90 in Böden, Bewuchs und Schwarzwild.“

Wild sollte untersucht werden

Einen Bericht einer qualifizierten Wildbret-Messstelle des bayerischen Jagdverbands gab Dipl-agr. (FH) Ingeborg Seiler, Gut Pentlhof aus Zeitlarn. Selbst Jägerin nannte sie Zahlen aus der eigenen Messpraxis von Fleisch aus vielen Jagdgebieten und von Jägern in Ostbayern. Die Untersuchung von Wildbret sei nicht gesetzlich vorgeschrieben, aber empfehlenswert, betonte sie. Für die Einhaltung des Grenzwerts von 600 Becquerel Cäsium-137 pro Kilogramm Frischmasse sei verantwortlich, wer das Wild in Verkehr bringe. 2015 hatten von 560 Messproben 99 mehr als 500 Becquerel Cäsium-137 pro Kilogramm – diese Tiere kamen zum Eigenverzehr oder zur Tierkörperbeseitigung mit einer Entschädigungszahlung.

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