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Kultur

In Theuern in die Barockzeit eintauchen

Ausprobieren und entdecken können die Menschen bei der Ausstellung „Barock erleben“. Sie ist im Schloss Theuern zu sehen.
Von Klaus Högl

Die Besucher können auf barocken Musikinstrumenten – Querflöte, Violine, Cello oder Cembalo – „spielen“. Eingespielt wird dazu Musik von barocken Komponisten.  Foto: Klaus Högl
Die Besucher können auf barocken Musikinstrumenten – Querflöte, Violine, Cello oder Cembalo – „spielen“. Eingespielt wird dazu Musik von barocken Komponisten. Foto: Klaus Högl

Kümmersbruck.Das ist keine klassische Ausstellung mit ursprünglichen barocken Werken oder barocken Überresten, die üblicherweise im Museum oder in einer Galerie zu sehen sind: Schlösser, Gemälde, Skulpturen, klassische Musik, Kleidung dieser Epoche: Und hier heißt es nicht „bitte nicht berühren“, hier steht nichts hinter Glas. Ganz im Gegenteil: Berühren ist gewollt.

Der Besucher kann so ein Teil werden des barocken Erbes, das sowohl in Böhmen als auch in Bayern sehr reich ist. „Barock erleben“ („Za barokem“!) heißt die bemerkenswerte Ausstellung in Theuern, die bis 4. August zu sehen ist – im Kultur-Schloss, das ebenso ein Zeuge des Barocks ist. Die Vernissage am Sonntag umrahmte stilecht das tschechische Sedlacek-Quartett, das dem Publikum Werke von Haydn, Mozart und Schubert zum Besten gab.

Architekt und Musiker sein

Das Team aus Pilsen mit Kuratorin Krystina Jiratova (3. von links), Veronika Krizkova (4.v.l.) Tobias Friedrich (3v.r.) sowie Landrat Richard Reisinger (hinten)  Foto: Klaus Högl
Das Team aus Pilsen mit Kuratorin Krystina Jiratova (3. von links), Veronika Krizkova (4.v.l.) Tobias Friedrich (3v.r.) sowie Landrat Richard Reisinger (hinten) Foto: Klaus Högl

Es handelt sich um eine Ausstellung der Europäischen Union in Kooperation mit dem Freistaat Bayern und der Tschechischen Republik. Bis Mai war die Ausstellung „Barock erleben“ in Pilsen zu sehen. Kuratorin Kristyna Jiratova und Veronika Krizkova vom Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) sowie Tobias Friedrich (Depo 2015 Pilsen) haben betont, dass die Ausstellung besonders für die Jugend konzipiert sei. Wenn dann einer die Ausstellung verlasse in dem Bewusstsein, „jetzt weiß ich was Barock bedeutet und ist“, sei schon viel erreicht. „Wir wollen den Barock auf spielerische Weise rüberbringen, ihn erlebbar machen und auch diejenigen für den Barock begeistern, die bisher noch nicht so viel drüber wissen“, so Kristyna Jiratova.

„Wir wollen auch diejenigen für den Barock begeistern, die bisher noch nicht so viel drüber wissen.“

Kristyna Jiratova, Kuratorin der Ausstellung „Barock erleben“

Es wird auch viel getan und geboten: Die Ausstellung ist nicht nur Inspiration für Ausflüge zum tatsächlichen Reichtum des barocken Kulturerbes von Böhmen und Bayern, von dem es heute noch unzählige Zeugen gibt, sondern auch eine spielerische Reise, um zu entdecken, was sich alles hinter dem Begriff Barock verbirgt. Der Besucher der Schau wird zum Architekten, denn er baut ein barockes Schloss oder Kloster. Er wird auch zum Komponisten und lässt barocke Instrumente erklingen oder kann selbst ein Instrument spielen.

Die Partner in Tschechien

  • Kulturista:

    Der Verein für Kultur und Tourismus hat sich zum Ziel gesetzt, unabhängige Veranstalter von Kulturveranstaltungen im Nordwesten der Pilsener Region zusammenzubringen. Im Rahmen des Projekts Barockregion Bayern-Böhmen organisiert der Verein diese gemeinsam mit weiteren Partnern in den Bezirken Tachov und Pilsen-Nord.

  • Plzen2015:

    Bei Plzen2015 handelt es sich um eine gemeinnützige Organisation, die von der Stadt Pilsen zur Umsetzung des Programmteils des Projekts „Kulturhauptstadt Europa 2015“ gegründet wurde. Seit 2015 betreibt sie das Depo2015, ein Zentrum für kreatives Unternehmertum, das Kultur und Business miteinander verbindet.

Und schließlich: Für die kleinsten Besucher gibt es ein Karussell – wie es zur Barockzeit war. Die Gäste können zudem an den Düften des Barock schnuppern und ausprobieren, wie man selbst in einem barocken Gewand ausgesehen hätte.

Die interaktiven Exponate bereichern die Ausstellung. Es gibt ein Kladrauer Archifon, eine Kopie des berühmten Barock-Altars aus dem tschechischen Kloster Kladrau, den die Besucher zum Leuchten und Klingen bringen können. Mit 3D-Brillen tritt man ein in das Innere von drei Barockdenkmälern, nämlich ins Schloss Manetin und das Kloster Choresov in der Tschechischen Republik und das Kloster Waldsassen in der nördlichen Oberpfalz. Der Rundgang beginnt mit der Projektion, wie ein Abt einen Novizen in das Kosterleben einführt.

Unter den vielen Eröffnungsgästen befand sich auch Landrat Richard Reisinger. Dieser blickte auf die geschichtliche Verbundenheit von Böhmen und Bayern zurück – mit einem Faible für die tschechischen Nachbarn. Er sprach über die Goldene Straße nach Prag, über den Barock als Geisteshaltung und auch über seine Vita mit Wurzeln in Tschechien.

Das CeBB bietet viel

Über die Ausstellung „Barock erleben“ im Kultur-Schloss Theuern hinaus dürften viele Besucher auch inspiriert werden, die Barockregion Böhmen/Bayern selbst zu erkunden. Einer der Organisatoren ist neben Kulturista und Plzen2015 das Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) in Schönsee, das als kulturelle Drehscheibe zwischen der Tschechischen Republik und Bayern fungiert. Es lässt grenzüberschreitende kulturelle Vielfalt erleben – mit Ausstellungen, Konzerten, literarischen Lesungen, Theaterprojekten, Workshops, Filmzyklen oder auch Diskussionen. Nicht zuletzt bietet es vielfältige Informationen. (aeu)

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