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Ausbildung

Luftrettung im Lauterachtal

Bergwacht und die DRF-Luftrettung trainieren die Windenrettung im Lauterachtal: „Das ist Teamarbeit mit höchster Präzision.“
Von Paul Böhm

Der Kletterfelsen bei Kastl bietet ein hervorragendes Ausbildungsszenario für die Zusammenarbeit von Bergwacht und Luftrettung.  Foto: Paul Böhm
Der Kletterfelsen bei Kastl bietet ein hervorragendes Ausbildungsszenario für die Zusammenarbeit von Bergwacht und Luftrettung. Foto: Paul Böhm

Kastl.Auch wenn das Lauterachtal doch ein ganzes Stück weit weg ist von den Alpen und den Mittelgebirgen, muss die Bergwacht Amberg-Sulzbach optimal für ihre Einsätze ausgebildet und trainiert sein. Einer dieser Trainingstage mit einem Rettungshubschraubereinsatz fand in den vergangenen Tagen in Lauterach bei der Bergrettungswache Lauterach statt.

Der Kletterfelsen bildet ein optimales Trainingsareal für die Bergretter. Auf der anderen Talseite ist am Radweg die Bergwachtstation angesiedelt. „Das ist für uns von der Bergwacht und die Hubschrauberbesatzungen von Christoph 27 aus Nürnberg eine ideale Trainingsmöglichkeit, wie wir sie uns nicht besser wünschen könnten“, sagt Einsatzleiter Norbert Arnold von der Bergwachtbereitschaft Amberg-Kastl: „Zwei Mal im Jahr führen wir solche Rettungsübungen im unwegsamen Gelände durch.“ Mit dazu gehört für seine Leute auch ein Pflichttraining beim Luftrettungstrainingszentrum in Bad Tölz.

Bei der Rettungsübung ist, neben einigen Notärzten, auch der Rettungssanitäter und ausgebildete Windenführer Dirk Gockeler dabei, der sich seit gut 20 Jahren um die Ausbildung des Fachpersonals für derartige Notfalleinsätze kümmert. „Wenn man 50 bis 90 Meter über dem Boden bei offener Tür arbeitet und Personen an einem Seil herablässt und wieder aufnimmt, muss jeder Handgriff sitzen“, erzählt er aus seinem Berufsalltag.

Rettungen

  • Bergwacht Amberg-Sulzbach:

    „Wir von der Bergwacht Amberg-Sulzbach kommen auf etwa 30 verschiedene Rettungseinsätze pro Jahr“, erzählt Einsatzleiter Norbert Arnold. Da ist meist eine Luftrettung unumgänglich.“ Auch bei Hochwasser und Vermisstensuche unterstützt die Bergwacht die Einsätze von Polizei und Feuerwehr. „Wir haben einen ganzjährigen Einsatzdienst, der 365 Tage im Jahr auf Abruf bereitsteht. Wir helfen bei jedem Wetter und zu jeder Tageszeit an jedem Ort.“ Und das schultert die Bergwacht mit ihrem ehrenamtlich tätigen Personal.

  • Hubschrauber Christoph:

    Etwa 1500 Notfalleinsätze fliegen die in Nürnberg stationierten Rettungshubschrauber Christoph 27 und Christoph 31 im Jahr. Das Einsatzgebiet liegt in der Regel in einem Radius von 70 bis 80 Kilometer rund um Nürnberg.

Das Besondere am Hubschrauber „Christoph 27“ ist, dass er über eine fest installierte Rettungswinde verfügt. „Die Winde kommt immer dann zum Einsatz, wenn eine Rettung vom Boden aus nicht möglich ist, oder nur mit großer Zeitverzögerung und hohem Risiko. Der Pilot sitzt im Cockpit rechts, der Windenführer steht an der linken Seite des Hubschraubers, wo die Winde fest installiert ist.“

Pilot sieht nicht, was passiert

Die Schwierigkeit ist dabei, dass der Pilot nicht sieht, was an der Winde passiert. Deshalb sind regelmäßige Schulungen so wichtig. Denn Windenrettung ist Teamarbeit in Reinform.

Die Aufgaben aller vier Beteiligten im Hubschrauber – das sind der Pilot, der Windenführer, der Notarzt sowie ein Berg- oder Höheretter der Bergwacht – greifen eng ineinander und sind daher in besonderen Maßen sicherungsrelevant. „Wir müssen uns blind aufeinander verlassen können und eine einheitliche Sprache sprechen“, sagt Gockeler: „Wir haben standardisierte Verfahren mit eindeutigen Kommandos, die jeder von uns versteht.“

So schaut das Szenario in der Praxis aus: Sanitäter und Bergretter seilen sich direkt über dem Jurafelsen ab, bergen den Verletzen und lagern ihn transportgerecht in dem mitgeführten Luftrettungssack für den Abtransport. „Da muss jeder Handgriff sitzen“, sagt Einsatzleiter Norbert Arnold.

Die Bergrettungswache Amberg übt mit dem Hubschrauber Christoph 27 diesen Ernstfall am Lauterachfelsen. Es sind am Felsen mehrere Stationen vorbereitet: Eine Kapprettung, eine direkte Abholung vom Felsen und eine Rettung mit dem Luft-Bergesack – es ist keine leichte Aufgabe für den Piloten, die Maschine so ruhig in der Luft zu halten, dass im Hang sicher gearbeitet werden kann.

Im Luftrettungssack wird bei der Übung der Verletzte vom „Christoph-27-Team“ aus dem Felslabyrinth bei Kastl geborgen und ins Tal gebracht.  Foto: Paul Böhm
Im Luftrettungssack wird bei der Übung der Verletzte vom „Christoph-27-Team“ aus dem Felslabyrinth bei Kastl geborgen und ins Tal gebracht. Foto: Paul Böhm

Bergretter des gesamten Frankenjuras, von Bamberg, über Lauf, Nürnberg, Erlangen, Forchheim, Amberg Dollnstein, Sulzbach, Kulmbach, Fürth und Pottenstein sind ins Lauterachtal gekommen, um die Übungen in Einsatzgruppen am Felsen zu absolvieren. Sie bereiten akribisch ihre Ausrüstung vor, legen Helme sowie Kletter- und Luftrettungsgurte an.

Dann geht es per Hubschrauber hinüber zu Felsen. Angeseilt an der Winde bergen die verschiedenen Teams den Verletzten und fliegen ihn auf die Wiesen beim Schutzhaus aus. „Alles muss ohne Fehler ablaufen“ sagt der Einsatzleiter. „Christoph 27“ steht über dem Unfallort, Sanitäter und Bergretter seilen sich per Winde zum Verletzten ab. Der im Luftrettungssack gesicherte Verunglückte wird eingehakt und mit den Rettern nach oben gezogen und dann normalerweise an einem Zwischenlandeplatz notversorgt. Etwa 1500 Notfalleinsätze fliegen die in Nürnberg stationierten Rettungshubschrauber Christoph 27 und Christoph 31 im Jahr. „Unser Eisatzgebiet liegt in einem Radius von 70 bis 80 Kilometer rund um Nürnberg, sagte Dirk Gockeler: „Aber wir sind auch überregional unterwegs, wenn es die Situation erfordert, denn mit Winden sind nicht alle Rettungshubschrauber ausgestattet.

600 Einsätze im Frankenjura

Auf etwa 600 Einsätze kommen die Bergwachtleute und die Luftretter im Bereich des Frankenjura. Etwa zehn Prozent sind Rettungen mit dem Hubschrauber. Im Notfalleinsatz werden die Bergwachtretter in unwegsamen Gelände hinzugezogen. „Auch bei Schwerverletzten kommen sie zum Zug“, sagt Norbert Arnold. „Notrufe von Mountainbikern, Waldarbeitern und Reitern sind keine Seltenheit. Besonders im Klettersport gibt es bei uns die meisten Unfälle, da der Frankenjura deutschlandweit zu den beliebtesten Sportklettergebieten zählt.“ Neben den Lauterachfelsen sind die Kletterer besonders im Hirschbachtal, im Veldensteiner Forst, im Ehenbachtal, bei Ammerthal und im Illschwanger Gebiet zu finden. (abp)

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