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Feuerwehr

Bei gefährlichen Stoffen greifen sie ein

In ganz Amberg-Sulzbach sollen Spezialkräfte für Gefahrguteinsätze bereit stehen. Aktive frischten ihre Fertigkeiten auf.

Gut ausgebildete CSA-Träger im Landkreis sollen die örtlichen Kräfte unterstützen.
Gut ausgebildete CSA-Träger im Landkreis sollen die örtlichen Kräfte unterstützen. Foto: Graf

Vilseck.Im großen Spektrum des Feuerwehrdienstes gehören neben den Brand- und Unfallszenarien die Gefahrguteinsätze zu den – Gott sei Dank – eher selteneren Einsätzen, aber wohl zu den anspruchsvollsten Einsätzen. Verlangen sie doch von den Wehrleuten enorme Vorkenntnisse zur Stofferkennung sowie körperliche Ausdauer und Geschicklichkeit. Um im Ernstfall für einen solchen Einsatz gerüstet zu sein, schult der Landkreis Amberg-Sulzbach Spezialkräfte: eine Landkreisreserve, die im Einsatzfall die örtlichen Kräfte mit „Manpower“ unterstützt oder sie bei längeren Gefahrguteinsätzen ablöst.

Nun fand ein fünfter Wiederholungslehrgang für CSA-Träger statt, den wieder der Fachbereich Gefahrgut im Kreisfeuerwehrverband Amberg-Sulzbach organisiert hatte. Nach einer erfolgreichen Grundausbildung als Chemikalienschutzanzug-Träger frischen die Aktiven bei jährlichen Wiederholungslehrgängen ihr Wissen auf. Dabei stehen das Tragen des schweren Chemikalienschutzanzuges, die Bewegungsabläufe und die Sicherheit beim Arbeiten im Vordergrund.

13 Aktive beim Lehrgang

13 CSA-Träger von den Feuerwehren Haselmühl, Ebermannsdorf, Neukirchen, Röckenricht, Sigl und Königstein fanden sich dazu im Schulungssaal der FF Vilseck ein. Fachbereichsleiter KBM Alex Graf (Ursensollen) und KBM Christof Strobl (Vilseck) eröffneten den Lehrgang.

Ein Unterricht zum Thema „Brennbare Flüssigkeiten“ stimmte die Wehrmänner auf die Schwierigkeiten und Gefahren im Umgang mit gefährlichen Stoffen ein. Am Gerätewagen Gefahrgut der FF Amberg bekamen die Lehrgangsteilnehmer im Anschluss durch Oberlöschmeister Michael Werner eine Ein- und Unterweisung an Gerätschaften, die im Ernstfall zum Einsatz kommen können. Gefahrstoffumfüllpumpen wurden aufgebaut, Edelstahl-Behältnisse errichtet und Messgeräte vorgestellt.

Sechs fordernde Aufgaben

Mit Erfolg konnten 13 aktive Feuerwehrleute den Wiederholungslehrgang CSA-Träger abschließen. Foto: Graf
Mit Erfolg konnten 13 aktive Feuerwehrleute den Wiederholungslehrgang CSA-Träger abschließen. Foto: Graf

Der praktische Teil erfolgte auf dem Gelände der Kläranlage der Stadt Vilseck. Dort war ein Übungsparcours aufgebaut: Die Spezialkräfte waren gefordert, verschiedene Stationen unter schwerem CSA zu bewältigen. Station eins war dem richtigem Anlegen der Schutzkleidung gewidmet.

Bei Station zwei galt es, den Stoff bzw. Gefahren zu erkunden. Durch die eingeschränkte Sicht im Vollschutzanzug ist es gar nicht so einfach, die Symbole und UN-Nummern zu erkennen und weiter zu geben.

Station drei war der Geschicklichkeit gewidmet. An einer Übungsleitung musste mit Hilfe von Schrauben und Muttern ein Schieber ausgetauscht werden. Doch: In den starren Schutzhandschuhen fehlt das Feingefühl – und so ist es nicht leicht, Schrauben und Schraubenschlüssel anzusetzen.

In der Station vier ging es darum, das Auslaufen und Ausbreiten einer unbekannten Flüssigkeit zu verhindern. Diese ergoss sich aus einem undichten Container auf einem Lkw. Auch hier waren die Arbeiten wieder Kräfte zehrend: Eine säurebeständige Plane musste untergezogen werden. In der letzten Station wurde mit der Handmembranpumpe eine angenommene „gefährliche Flüssigkeit“ von einem Fass in ein anderes gepumpt – und auch das war wieder eine schweißtreibende Angelegenheit.

Gefahrgutausbildung

  • Personen

    2006 wurde durch Kreisbrandmeister Alexander Graf aus Ursensollen (zuständig für die Gemeinden Hohenburg , Ursensollen, Kastl) der Fachbereich Gefahrgut des Kreisfeuerwehrverbandes wiederbelebt. Vom damaligen KBR Franz Iberer wurde Graf zum Fachkreisbrandmeister Gefahrgut berufen. Unterstützt wird er durch die Ausbilder Christian Gräßmann (Schnaittenbach), Markus Held (Auerbach), Jochen Sandig (Rosenberg), Andreas Färber (Haag) und KBM Hans Sperber (Achtel).

  • Ausbildung

    Gemeinsam wurde ein Ausbildungssystem erarbeitet, das eine einheitliche Ausbildung im Landkreis Amberg-Sulzbach vorsieht. Auf die Größe, die Ausrüstung und die Gefahrenlage der einzelnen Wehren wurden verschiedene Ausbildungsmodule ausgearbeitet.

  • CSA-Träger

    Seit 2012 bieten die Fachbereiche Gefahrgut und Atemschutz eine Ausbildung als Chemikalienschutzanzug-Träger (CSA-Träger) an. Diese Grundausbildung wird bei jährlichen Wiederholungslehrgängen aufgefrischt. Derzeit kann der Landkreis auf 77 ausgebildete CSA-Träger zurückgreifen.

  • Aufgabe

    Die CSA-Träger sollen als „Landkreisreserve“ im Ernstfall die örtlichen Kräfte unterstützen und ablösen, wenn längere Einsätze zu bewältigen sind. Die CSA-Träger rekrutieren sich aus den verschiedenen Feuerwehren des Landkreises.

  • Alarmierung

    Die Planung einer gezielte Alarmierung der Kräfte über Funkmeldeempfänger geht zur Zeit in die Endphase. Über zwei Alarmschleifen „Nord“ und „Süd“ sollen die Aktiven Mitte des Jahres über die Leitstelle zum jeweiligen Einsatzort gerufen werden.

  • Ausblick

    2016 sind ein weiterer CSA-Wiederholungslehrgang sowie zwei Grundlehrgänge in Rosenberg angesetzt. Die Stärke der CSA-Landkreisreserve wird dann 100 Einsatzkräfte erreichen.

Besondere Einheit wird aufgebaut

Bei der Abschlussbesprechung zeigte sich Lehrgangsleiter KBM Alexander Graf zufrieden mit der Leistung der Teilnehmer. Wie Graf betonte, sei es wichtig, dass auf Landkreisebene alle denselben Wissens- und Ausbildungsstand haben. Besonders im Bereich Gefahrgut müssten alle Handgriffe nahezu blind sitzen.

Mit dieser Ausbildung sei man dem Ziel, im Landkreis Amberg-Sulzbach flächendeckend Spezialkräfte einzusetzen, wieder einen Schritt näher gekommen. Die geplante Alarmierung der momentan 77 ausgebildeten CSA-Träger gehe nun in die Zielgerade und solle Mitte des Jahres an den Start gehen, berichtete der Kreisbrandmeister.

Großer Dank galt der FF Vilseck für die zur Verfügung gestellten Räumlichkeiten und die logistischen Unterstützung, der FF Amberg für Ausbildung am Gerätewagen Gefahrgut und der Stadt Vilseck für die Nutzung des Kläranlagengeländes. Graf verwies abschließend auf zwei CSA-Grundlehrgänge die vom Fachbereich Atemschutz in diesem Jahr angeboten werden und die Einheit erneut verstärke.

Kreisbrandrat Fredi Weiß dankte Graf, stellvertretend für die Fachbereiche Gefahrgut und Atemschutz, für die vorbildliche Arbeit. „Eine Einheit dieser Art und Struktur ist bisher in Bayern einmalig, andere Landkreise beneiden uns dafür“, so Weiß. Ein herzliches „vergelt’s Gott“ sagte der Kreisbrandrat den Lehrgangsteilnehmern und Ausbildern für ihren Einsatz. Stolz waren schließlich alle, als sie ihre Bestätigungen erhielten.

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