MyMz
Anzeige

Denkmaltag

Neues Leben für viele prächtige Gebäude

Zum Thema „Macht und Pracht“ bieten im Amberg-Sulzbacher Land bedeutende Schlösser ebenso Einblicke wie Industriedenkmäler.
Von Michaela Fichtner

Das kurfürstliche Schloss – heute Landratsamt Amberg-Sulzbach – ist ein prächtiger Blickfang am Rand der Altstadt. Foto: Tourist-Information Amberg
Das kurfürstliche Schloss – heute Landratsamt Amberg-Sulzbach – ist ein prächtiger Blickfang am Rand der Altstadt. Foto: Tourist-Information Amberg

Amberg.Denkmal – wer dieses Wort hört, dem fallen wohl als allererstes prächtige Bauwerke ein, reich ausgestattete Kirchen, repräsentative Schlösser, mächtige Burgen. Zeugnisse von Macht und Pracht eben – und genau unter diesem Motto steht im Jahr 2017 der Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 10. September. Auch im Landkreis Amberg-Sulzbach sind an diesem Tag in bedeutenden Gebäuden die Türen offen, um zu entdecken, in welch glanzvoller Umgebung Fürsten und Ministerialen einst lebten.

Die Besucher sehen dabei aber auch, wie diese Denkmäler erhalten und einer neuen Nutzung zugeführt werden – und damit neues Leben erhalten. Dafür steht vor allem auch das Landratsamt Amberg-Sulzbach, ein prächtiger und das Bild der Amberger Altstadt prägender Bau. Allein schon wegen der Stadtbrille, sicher unendliche Male schon fotografiert und eines der Wahrzeichen Ambergs.

Kurfürst ließ Schloss befestigen

Das heutige Landratsamt war einst kurfürstliches Schloss, das zu Beginn des 15. Jahrhunderts erbaut wurde. Kurfürst Friedrich I. ließ das Schloss nach einem Aufstand der Bürger als wehrhafte Anlage zur Stadt hin befestigen. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde hier europäische Geschichte geschrieben, so Kreisheimatpfleger Dieter Dörner, der am 10. September die Führungen übernehmen wird. Zum Landratsamt gehört auch das Zeughaus – insgesamt vereinen sich vier Stilepochen in diesem Komplex.

Für die Führung um 10.30 Uhr (etwa 75 Minuten) ist Treffpunkt im Schlosshof, Schlossgraben 3 . Die Teilnehmerzahl ist begrenzt, Anmeldung ist unter Tel. (0 96 21) 3 91 35 nötig.

Schloss bietet Platz für Ämter

Das Schloss zu Sulzbach, ab 1582 herzogliche Residenz, ist heute Sitz verschiedener Ämter und Einrichtungen. Foto: Stadt Sulzbach-Rosenberg
Das Schloss zu Sulzbach, ab 1582 herzogliche Residenz, ist heute Sitz verschiedener Ämter und Einrichtungen. Foto: Stadt Sulzbach-Rosenberg

Ein weiteres prächtiges Schloss, das eine wechselvolle Geschichte hat und heute mit Ämtern revitalisiert ist, ist das Schloss Sulzbach, die Stammburg der Grafen von Sulzbach. Archäologische Untersuchungen haben jedoch schon eine frühe Bebauung im 9. Jahrhundert nachgewiesen. Ab 1582 war das Schloss herzogliche Residenz.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde es als Strafanstalt genutzt, ab 1913 vom Militär, nach 1945 fanden dort Flüchtlinge Unterkunft. Seit 1999 finden sich dort das Staatliche Bauamt Amberg-Sulzbach, die Stadtbibliothek, die Städtische Sing- und Musikschule, die Polizeidienststelle und ein Depot des Staatsarchivs Amberg. Führungen und Filmpräsentationen gibt es am 10. September von 14 bis 16 Uhr stündlich mit Günter Haller, Treffpunkt: Im Schloss 1.

Ausstellung zur Architektur

Ein Stück weiter, in der Rosenberger Straße 9, öffnet ebenfalls ein markantes Gebäude seine Türen: das Literaturarchiv, ehemals Amtsgericht. In dem Gebäude der Neurenaissance wird auch eine Architektur-Ausstellung präsentiert. Studentinnen und Studenten des Fachbereichs „Architektur/Bauen im Bestand“ an der OTH Regenburg haben Ideen und Pläne dazu entwickelt, wie das Literaturarchiv seine Funktion als öffentliches Literaturhaus und Literaturarchiv optimieren kann. Die Ergebnisse sind in eine Studie eingeflossen, die einen ersten Eindruck vermittelt, wie die im Rahmen einer inhaltlichen Neukonzeption notwendigen Umbaumaßnahmen aussehen könnten. Die Pläne und Entwürfe werden in einer Ausstellung im Eingangsfoyer öffentlich präsentiert und erläutert. Auch die Geschichte des Gebäudes ist dokumentiert. Führungen gibt es um 14.30 und 15.30 Uhr durch Mitarbeiter des Hauses.

Verschwundene Pracht erahnen

Im Pfleghof in Hohenburg residierte bis zur Säkularisation der bischöfliche Pfleger des Fürstbischofs aus Regensburg. Foto: abp
Im Pfleghof in Hohenburg residierte bis zur Säkularisation der bischöfliche Pfleger des Fürstbischofs aus Regensburg. Foto: abp

Derzeit in einem Dornröschenschlaf befindet sich ein anderes Gebäude, das am Sonntag seltene Einblicke erlaubt: Auch wenn es nicht prachtvoll saniert wurde, lässt der Hohenburger Pfleghof noch verschwundene Pracht und einstige Macht erahnen. Dort lebte einst der Pfleger des Fürstbischofs von Regensburg, denn der Ort Hohenburg gehörte zu dessen Herrschaft. Und natürlich wurde im Pfleghof immer ein Zimmer für den Fürstbischof frei gehalten. Führungen gibt es von 14 bis 16 Uhr stündlich durch Ortsheimatpflegerin Ines Kämmler, Treffpunkt ist am Rathaus – übrigens einst bischöflicher Zehentkasten.

Blick in die Vergangenheit

Ein Schloss findet sich auch in Kirchenreinbach (Gemeinde Etzelwang). Es wurde um 1380 im Ortskern von Friedrich Kemnater, Burgmann von Neidstein, errichtet. Später wechselte die Hofmark viele Herrschaften. Seit 1877 war es Schul- und Wohnhaus, heute ist es mit altem Handwerksgerät, Möbeln, Porzellan und historischen Gebrauchsgegenständen ausgestattet. Führungen werden von 14 bis 18 Uhr alle 30 Minuten durch Ortsheimatpfleger Leonhard Ehras und Karl Lehnerer angeboten.

Weitere Angebote

  • Goglhof Eberhardsbühl

    Der Dreiseithof aus dem 17./18. Jahrhundert umfasst Wohnstallhaus, Stallkasten, Stadl, Holzlege und Backofen. Den Dachstuhl zieren wertvolle Schnitzereien, prächtig ist das Profilfachwerk am Giebel. Seit 1998 wird der Goglhof (Gemeinde Edelsfeld) von Margarete Jäkel für kulturelle Zwecke genutzt. Zum Denkmaltag gibt es ein Goglhoffest mit Bratwürsten, Kuchen und Getränken. Besitzerin Margarete Jäkel führt Besucher von 13 bis 16 Uhr stündlich.

  • Ockerstube in Neukirchen

    Die Ockerstube in der Alten Post beinhaltet eine kleine Ausstellung von Mineralien und Steinen, die einen Eindruck von den Schätzen der Natur vor allem aus der Region vermitteln will – und diese Schätze präsentieren sich mit einer ungeahnten Pracht von Formen, Farben und kristallinen Strukturen. Führungen werden von 14 bis 16 Uhr stündlich durch Ortsheimatpfleger Walter Schraml angeboten, Treffpunkt ist am Bahnhofsvorplatz in Neukirchen. (mi)

Zu Denkmälern gehören natürlich auch Kirchen. So wird zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag auch die spätgotische Friedhofskirche St. Helena in Auerbach vorgestellt. Sie wurde während der Reformation auf ihre heutige Größe erweitert und zu Beginn des 17. Jahrhunderts, bevor sie wieder katholisch wurde, im Stil der Renaissance künstlerisch ausgestaltet. Die katholische Kirchenstiftung stellte sie 1946 der wachsenden evangelisch-lutherischen Gemeinde zur Verfügung. Durch die Kirche führt um 15 Uhr Rudolf Weber (Treffpunkt: Obere Vorstadt 44).

Hochofenplaza und Schlackenberg

Auch die Hochofenplaza der ehemaligen Maxhütte Sulzbach-Rosenberg (im Bild der Hochofen) kann beim Tag des offenen Denkmals im Rahmen einer Führung besucht werden. Foto: Archiv arr
Auch die Hochofenplaza der ehemaligen Maxhütte Sulzbach-Rosenberg (im Bild der Hochofen) kann beim Tag des offenen Denkmals im Rahmen einer Führung besucht werden. Foto: Archiv arr

Bei zwei Angeboten in Sulzbach-Rosenberg steht weniger die Pracht im Vordergrund – und doch kann man sie mit „Macht“ assoziieren: Es geht um die ehemalige Maxhütte – und damit um Wirtschaft und Industrie, was nicht minder ein Machtfaktor ist. Nicht vergessen ist, wie bedeutend diese Hütte einst war, welch guten Ruf auch ihr Qualitäts-Stahl hatte. Die Hochofenplaza mit Hochofen, Gießhallen, Turbogebläsehaus und Hauptwerkstatt wird in Führungen von 14 bis 16 Uhr vorgestellt (nur Erwachsene, Treffpunkt Erzhausstraße 1).

Schließlich können Interessierte beim Tag des offenen Denkmals auch die ehemalige Deponie Schlackenberg entdecken. Die mit Millionenaufwand sanierte Deponie der Maxhütte übernahm der Freistaat Bayern. Ein selbstständiger Rundgang auf dem Lehrpfad dokumentiert den kulturellen und geschichtlichen Hintergrund mit Infos zu Flora und Fauna, zur Sanierung des Schlackenberges, zur Geschichte der Maxhütte und der Eisen- und Stahlerzeugung. Geöffnet ist am Sonntag von 14 bis 16 Uhr (keine Führungen). Eingang ist am Drehkreuz Erzhausstraße, festes Schuhwerk ist erforderlich.

Das sind die Angebote zum Tag des offenen Denkmals in Amberg!

Mehr aus der Region Amberg-Sulzbach/Amberg finden Sie hier!

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht