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Artenschutz

Die Natur braucht Unterstützung

Der Wildlebensraumberater Balduin Schönberger zeigte in Rieden auf, wie man die Artenvielfalt fördern kann.
Von Hubert Söllner

  • Blühende Wiesen und Feldraine sind ein Paradies für Insekten – und diese sind wiederum wichtig für Vögel wie das Rebhuhn, das inzwischen zu den bedrohten Arten zählt. Foto: Patrick Pleul/dpa
  • Der Wildlebensraumberater Balduin Schönberger ergänzte seinen Vortrag über den Artenschutz mit Bildern. Foto: azd

Rieden.Balduin Schönberger fand klare Worte: „Die Lage ist dramatisch, es ist Fünf nach Zwölf. Wir sind gezwungen, ja wir müssen etwas tun.“ Der Wildlebensraumberater vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Amberg sprach auf Initiative des Obst- und Gartenbauvereins Vilshofen-Rieden im Gasthaus Zum Ochsenwirt zum Thema „Vielfalt des Lebens in unserer Kulturlandschaft“.

Seit einiger Zeit wäre es offensichtlich geworden, dass viele, auch für das Leben der Menschen wichtige Tierarten vom Aussterben bedroht sind, machte Schönberger deutlich. Er nannte beispielsweise Insekten, Bienen, Feldhasen, Rebhuhn, Fasan, Ameisen und verschiedene Vogelarten. „Seit 1980 sind 356 aller Feldvögel in Europa verschwunden“, brachte er es auf den Punkt.

Küken brauchen Insekten

Die Vielfalt des Lebens zu fördern, müsse allen ein gemeinsames Anliegen sein, machte Schönberger deutlich. „Die Landwirtschaft hat schon viel gemacht, aber noch mehr ist zu tun.“ Die Vielfalt des Lebens – fachlich Biodiversität genannt – verlange auch eine komplexe Wechselbeziehung von Boden und Wasser. Dies bedeute Nitratabbau, denn die wirtschaftliche Bedeutung der Artenvielfalt sei enorm.

Alle vom Aussterben bedrohten Arten, deren wirtschaftliche Bedeutung enorm sei, bräuchten in der Agrarlandschaft ihre Lebensräume. Dies heiße, dass man das artenreiche Grünland wiederherstellen müsse. Zu sorgen sei für die Erhöhung biologischer Vielfalt, für die Verbesserung der Nahrungsquellen für Bienen und andere Blütenbesucher sowie für die Förderung von Nützlingen. Schönberger brachte zu wichtigen Maßnahmen auch Beispiele wie die naturgerechte Wartung von kommunalen Flurwegen, Heckenstrukturen, Totholz und Altgras.

Projekte für Streuobstwiesen

  • Ensdorf:

    Nahe der Eggenbergkirche befindet sich die Streuobstwiese der Salesianer Don Boscos vom Kloster Ensdorf. Im Jahr 2017 wurden dort 13 Apfel- und Pflaumenbäume gepflanzt, die eigene Baumpaten haben.

  • Paten:

    Baumpaten sind nicht nur Bürger der Gemeinde, sondern zum Beispiel auch die Jugendlichen von der Mittelschule Ensdorf.

  • Kümmersbruck:

    „900 Bäume für 900 Jahre Kümmersbruck“ hat die Mittelschule zum Gemeindejubiläum ausgerufen. Dabei haben die Schüler auch eine Streuobstwiese angelegt.

  • Ebermannsdorf:

    Als Ausgleichsfläche für die Neue Mitte wird in Au eine Streuobstwiese angelegt, zudem werden Hecken angepflanzt.

„Fünf nach Zwölf“ sei es bei den bedrohten Arten auch für die Rebhuhn-Population in freier Wildbahn – die gäbe es quasi nicht mehr, machte der Wildlebensraumberater deutlich. Dabei seien die Bedingungen in der Oberpfalz ideal. Kleine, oft nur handtuchgroße Felder, würden gute Lebensbedingungen für Rebhühner bieten. Dennoch fehle es ihnen an Deckung. Getreidefelder seien so dicht bewachsen, dass die Vögel nicht zwischen den Halmen hindurchpassen und nicht flüchten können. Feldwege würden regelmäßig gemäht, Feldraine kurzgehalten, erklärte Schönberger.

Er riet, geeignete Saatgutmischungen aufzubringen, und Grünlandflächen von Biobetrieben könnten „aufgepeppt“ werden. „Mindestens zehn von zwölf Rebhuhnküken verhungern, weil ihnen tierisches Eiweiß fehlt", sagte er, denn die Insekten seien verschwunden.

Deshalb fordere er, an den Feldrainen auf die Mulchmäher zu verzichten, um Lebensraum für Insekten zu erhalten. Blühmischungen auf Brachen oder Flächenstilllegungen oder als Randstreifen an Feldern würden bereits nach einem Jahr zu Tummelflächen für Insekten, die den Küken als Eiweißnahrung zur Verfügung stünden. Blühstreifen am Waldrand seien durch Fördergelder rentabler als Mais, der im Schatten der Bäume nicht richtig wachse. Hier regte der Wildlebensraumberater die Zusammenarbeit mit Imkern an.

Den Kreislauf schließen

Aber auch der Hausbesitzer könne dem Artenschwund entgegenwirken. Nicht sterile Rasenflächen und Mähroboter, sondern über Jahre angelegte Pflanzenbestände würden Insekten anziehen.

Als eine Bereicherung für die Natur bezeichnete Schönberger auch Streuobstanlagen, die in Bayern seit 1965 um 70 Prozent zurückgegangen seien. Diese seien bei verschiedenen Obstsorten und Altersstufen nicht nur ein Erholungsraum für die Menschen, sondern auch ein Lebensraum für Pflanzen und Tiere sowie ein Sorten- und Genreservoir. Balduin Schönberger fasste zusammen: „Pflanzen sind der Lebensraum für Insekten, diese die Nahrung für Vögel und erst wenn der Kreis geschlossen ist, haben wir es geschafft“.

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