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Geschichte

Ende einer Ära: Der „Peng“ ist weg

Der markante Komplex der ehemaligen Brauerei Meier in Vilshofen ist abgerissen. 1566 wird erstmals eine „Tavern“ erwähnt.
Von Albert Kräuter

Eine Epoche geht zu Ende: Die ehemalige Brauerei Meier in Vilshofen wird abgerissen. Foto: Kräuter
Eine Epoche geht zu Ende: Die ehemalige Brauerei Meier in Vilshofen wird abgerissen. Foto: Kräuter

Rieden.Neben dem Pfarrberg mit seinen drei imposanten Kirchen dürfte der wohl markanteste, wenn auch nicht schönste Gebäudekomplex Vilshofens die ehemalige Brauerei Meier gewesen sein. Das auffällige Hauptgebäude bei der Vilsbrücke, im Volksmund bekannt als „der Peng“, stand direkt an der Staatsstraße Amberg-Kallmünz. Inzwischen ist das Gebäude Geschichte – es wurde abgerissen.

Das Anwesen mit der ehemaligen Hausnummer 1 ist bereits im Jahr 1566 als „Tavern und Brauhaus im Dorf Vilshofen“ urkundlich erwähnt, schreibt Pfarrer Martin Liedl in seiner Vilshofener Pfarr- und Ortschronik. Im 30-jährigen Krieg wird das Anwesen zerstört, die Taverne konnte aber notdürftig aufrechterhalten werden.

Einst Raststelle für Salzschiffer

Eine Postkarte von 1910 zeigt das Haus – aber mit dem falschen Aufdruck „Brauerei Maier“ anstatt Meier. Foto: Repro Heimatverein Rieden
Eine Postkarte von 1910 zeigt das Haus – aber mit dem falschen Aufdruck „Brauerei Maier“ anstatt Meier. Foto: Repro Heimatverein Rieden

Nach mündlicher Überlieferung dienten Hof und Gaststätte im Mittelalter als Raststelle für Salzschiffer und als Unterstellplatz für deren Pferde. Die Kähne transportierten Eisenprodukte der Hammerwerke auf dem Wasser nach Regensburg und waren auf der Rückfahrt mit Salz beladen.

Zu einem beachtlichen Gutshof herangewachsen, waren bei einem Besitzerwechsel 1801 für das „Wirtsanwesen mit Bräustatt“ 11 000 Gulden zu entrichten. Nur einige Jahre später finden sich in der Ortschronik die Bezeichnungen „Tavern- und Zapfrecht, Forstrecht, Brandweinbrennerei und Fleischhackergerechtigkeit“, so dass man von einer wirtschaftlichen Blütezeit des Betriebes sprechen kann.

Tanzboden und Kino im Haus

Von der Vilsbrücke aus gesehen waren im vorderen imposanten Eckhaus Gasthof und Metzgerei untergebracht, gleich dahinter das Brauhaus. Ein langgezogener Anbau rechts des Haupthauses diente früher als Pferdestall, später entstand im Obergeschoss ein „Tanzboden“. Nach den Kriegsjahren nutzte man dieses Gebäude auch zu einem Kino-Saal.

Mehrere kleinere Anbauten im hinteren Bereich waren vermietet, hier konnten bis zu vier Familien untergebracht werden. Ein großer, gemauerter Stadel im südlichen Teil des Hofes diente erst als Schweinestall, später als Getränkelager. Alle Gebäude zusammen bildeten ein abgeschlossenes Quadrat mit Innenhof.

Es gab nur zwei Zufahrten, beide durch einen Rundbogen. Die obere Toreinfahrt an der Maximilianstraße ist auf alten Fotos noch zu erkennen, der untere Torbogen, angrenzend zum Anwesen Fischer, wurde schon sehr früh entfernt. Das Brauhaus, wie auch eine Kegelbahn, die außerhalb Richtung zum Feuerwehrhaus errichtet war, sind in den 1960er Jahren abgerissen worden.

Nachbarhof gehörte Kloster Ensdorf

Der Bräukeller wurde 2004 zugeschüttet. Foto: Hammer; Repro: Kräuter
Der Bräukeller wurde 2004 zugeschüttet. Foto: Hammer; Repro: Kräuter

Der benachbarte Metznhof, ehemals Nummer 2, wird bereits 1160 urkundlich erwähnt. Dieser Hof war Eigentum des Klosters Ensdorf und diente als Lagerplatz für abgabepflichtiges Getreide, das dem Kloster zustand. Der Name „Metzen“ bezeichnet sowohl einen Messbehälter für Getreide, als auch den Nachnamen der Besitzer (Metz), die diesen Hof im Mittelalter bewirtschafteten. Mündlichen Überlieferungen zufolge stand dieses Anwesen auch mit der Brauerei in Verbindung; genauer belegen lassen sich diese Aussagen bisweilen nicht.

Ähnliches gilt für das Nießl-Haus (vormals Hausnummer 3), das einen Steinwurf oberhalb der ehemaligen Brauerei liegt und inzwischen leer steht. Dieses Anwesen wäre das Wohnhaus für die Dienstboten gewesen, erzählt man sich bis heute.

Nur hundert Meter vilsabwärts, direkt am Steilhang des Vilstales, lag der zum Kühlen notwendige Felsenkeller der ehemaligen Brauerei. Über dem Eingang des dreiteiligen Kellers war noch die Jahreszahl der Entstehung in Stein gemeißelt: anno 1834. Zu dieser Zeit wurden dort auch Lindenbäume als Schattenspender angepflanzt.

Der hintere Teil, ein Gewölbekeller, wurde im Zweiten Weltkrieg sogar als Luftschutzbunker benutzt. 2004 musste man den Keller wegen Einsturzgefahr zuschütten. Der dortige Straßenname „Bräukellerweg“ hat sich aber bis heute erhalten und lässt ein klein wenig Geschichte dieser Zeit fortleben.

Die Familie Meier

  • Erste Nennung

    Der Familienname Meier findet sich zum ersten Mal im Jahr 1895, als ein gewisser Joseph Meier als Miteigentümer erwähnt wird. Das Bierbrauen wird zum Ersten Weltkrieg hin eingestellt, Wilhelm Meier übernimmt den Betrieb.

  • Engagement

    Joseph Meier wie auch sein Sohn Wilhelm sind als Vorstand der Freiwilligen Feuerwehr in Vilshofen verzeichnet: ersterer von 1897 bis 1938, also 40 Jahre, sein Sohn Wilhelm von 1938 bis 1968, also 30 Jahre.

  • Der Letzte des Zweigs

    Nach dem Tod von Wilhelm Meier im Jahr 1968 gehen der Gasthof und die Metzgerei in Vilshofen an dessen Sohn Josef über. Er ist der Letzte des Familienzweiges Meier. Der Gasthof wurde dann verpachtet.

Ursprung des Namens „Peng“

Die beiden Hauptgebäude kurz vor dem Abriss: Sie haben sich nach über hundert Jahren kaum verändert. Foto: Kräuter
Die beiden Hauptgebäude kurz vor dem Abriss: Sie haben sich nach über hundert Jahren kaum verändert. Foto: Kräuter

Viele Vilstaler rätseln darüber, wie der Gasthof zu der Bezeichnung „Peng“ kam. Die einfache Erklärung: Josef Meier hatte sich einen Cowboy-Film angesehen, der ihm nicht sonderlich gefallen hatte und den er mit den Worten „die ganze Zeit nur peng peng“ kommentierte. So blieb der Spitzname „Peng“ an Josef Meier haften und ging sogar auf den Gasthof über, derweil verpachtet und offiziell als „Pils Pub Peng“ bezeichnet. Das inzwischen recht heruntergekommene Anwesen wurde in den 1990er Jahren zu einer Pizzeria umfunktioniert und stand einige Jahre danach leer.

Nur der gemauerte Stadel steht noch

Nach dem Abriss: links der Metzenhof, im Hintergrund das Nießl-Haus. Foto: Kräuter
Nach dem Abriss: links der Metzenhof, im Hintergrund das Nießl-Haus. Foto: Kräuter

Der Abriss der beiden Hauptgebäude erfolgte im Frühjahr 2017 – eine Epoche ging zu Ende. Als die Baumaschinen anrückten und die Mauern einstürzten, gab es eine große Staubwolke. Eine verdutzte Vilshofenerin sprach aus, was viele Passanten denken: „Oh leck, der Peng is weg!“ Der große gemauerte Stadel wurde als einziges Gebäude vom Abriss verschont.

Laut Auskunft des neuen Besitzers Herbert Scharl bleibt das Areal vorerst unbebaut. Es soll als Abstellfläche für Gebrauchtwagen genutzt werden.

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