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Brauchtum

Trauer um leeren Geldbeutel

Zum 44. Mal machten sich die Riedener Männer am Aschermittwoch zum Fischzug auf. 18 reihten sich ganz in Schwarz ein.
Von Hubert Söllner

18 Teilnehmer starteten beim Bärenwirt zum 44. Riedener Fischzug. Foto: Hubert Söllner
18 Teilnehmer starteten beim Bärenwirt zum 44. Riedener Fischzug. Foto: Hubert Söllner

Rieden.In Frack und Zylinder waren die Herren der Schöpfung gewandet, die am Aschermittwoch beim Landgasthof „Zum Bärenwirt“ auf das Kommando „Fischzug, Achtung! Ohne Tritt marsch“, zum 44. Riedener Fischzug starteten. Es war um die Mittagszeit und es herrschte Stille, als sich die Männer auf den Weg machten.

Dank freigebiger Wirte konnten sie sich mit Freibier stärken, um den traurigen Augenblick des Geldbeuteleingrabens am Abend besser überstehen zu können. Sie mussten schon eine anstrengende Tour hinter sich bringen.

Jürgen Wendl (links) und Reinhard Reindl sind für den Fischverkauf zuständig. Foto: Hubert Söllner
Jürgen Wendl (links) und Reinhard Reindl sind für den Fischverkauf zuständig. Foto: Hubert Söllner

Ein alter Brauch, „den schon unsere Großväter ausübten“, sei mit dem Riedener Fischzug und Geldbeutel-Begräbnis im Jahr 1975 wieder neu belebt worden, erinnerte Stefan Fuchs, Chef und Prediger der reinen Männertruppe. Während des Zuges von Wirtshaus zu Wirtshaus ist Reden und Lachen verboten, in den Lokalen darf keiner der Teilnehmer pfeifen und singen. Streng achtet Ordnungsstrafenhüter Norbert Scharl auf die Regeln und kassiert bei Verstößen ab.

Heringe und Brot gibt es

Auf einer alten Misttrage wird er von den zwei Auserwählten – in diesem Jahr fiel das Los auf Marcel Malotta und dem Bastian Versch – feierlich mitgetragen: der leere Geldbeutel, von brennenden Kerzen umrahmt und mit Blumen geschmückt. Und auch hier tritt Norbert Scharl in Aktion: Sollte der Geldbeutel tatsächlich einmal entwendet werden – auch das soll schon öfter vorgekommen sein –, müssen die Geldbeutelträger einem saftigen Obolus entrichten.

Der Weg des Fischzugs

  • Start:

    Der Fischzug beginnt beim Landgasthof Zum Bärenwirt.

  • Stationen:

    Es geht dann zum Löwenwirt, in die Hirschwalder Straße zum Hiller Hans, weiter zur Pension Rundblick, Pizzeria Bierkönig, Gasthaus Zur Krone, in den Steitzerboch zu Petra Kellner, zum Gasthaus Haas, dem Poppn, Hirschenwirt und zum Gasthaus Zur Brücke.

  • Ende:

    Er endet nach dem Geldbeutelbegräbnis vor dem alten Rathaus mit einem Fischessen.

Das Freibier der Wirte inklusive des letzten Tropfens zu vernichten, ist die vornehme Pflicht der Fischzügler. In allen Riedener Wirtshäusern und bei mehreren Privatleuten machten sie an diesem Aschermittwoch wieder Station zur Einkehr. Damit dies zu bewältigen ist, werden Heringe und einige Wecken Brot von Jürgen Wendl und Reinhard Reindl mitgeführt und als Unterlage verzehrt – aber auch zum Verkauf angeboten. „Hut ab zum Gebet“, kommandierte Fuchs, wenn sich die Fischzügler bei den Wirten und edlen Spendern der flüssigen Nahrung artig bedankten.

Der Geldbeutel wird begraben

„Oh mein lieber Geldbeutel, du armer Hund, musst von uns gehen – warst die letzte Zeit net g’sund“ psalmodierte Prediger Stefan Fuchs, als dann am Aschermittwoch gegen 19.30 Uhr vor dem Pfarrheim in Rieden der im Fasching arg geschundene Geldbeutel mit vielen Tränen und unter Anteilnahme der Bevölkerung begraben wurde. „Die Faschingszeit warst du mir recht. Schau ich dich jetzt an, dann wird mir schlecht. Drum red ma net weiter – wir graben dich jetzt ein. Sei uns net bös, des muss halt sein“, jammerten unisono die vom Fischzug arg gestressten Mannsbilder.

Mit Gejammer und lautem Heulen wurde dann nach mehr als sieben Stunden des Weges und Einkehr der leere Geldbeutel im Schein von Kerzen zu Grabe getragen. Mit einem gemeinsamen Fischessen beim Bärenwirt fand dann der Fischzug ein Ende. (azd)

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