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Schirin Oeding, eine innovative Landfrau

Die Bäuerin aus Ursensollen zeigte in der „Landfrauenküche“, wie lecker Zicklein ist. Das treibt sie an – und ängstigt sie.
von Jay Schnorrer

Schirin Oeding bewirtete ihre Gäste unter anderem mit Ziegenmilch-Karamell. Foto: BR/megaherz gmbh/Philipp Thurmaier
Schirin Oeding bewirtete ihre Gäste unter anderem mit Ziegenmilch-Karamell. Foto: BR/megaherz gmbh/Philipp Thurmaier

Ursensollen.Juli 2019. Es ist unglaublich, ja gar unerträglich heiß, doch in der Küche des Michlbauer Biohofs müssen die Fenster geschlossen bleiben, während Schirin Oeding und ihre Mutter Brita ein Drei-Gänge-Menü zaubern. Grund sind die Dreharbeiten zur BR-Serie „Landfrauenküche“, die durch Hintergrundgeräusche gestört werden könnten. Schirin ist nämlich eine der sieben Frauen, die in der aktuellen Staffel um die Wette kochen.

„Das war schon hart“, erinnert sich Schirin. Besonders dem Kameramann lief der Schweiß runter, für alle war der Stresspegel dank der Temperaturen weit höher als unter normalen Umständen. Sechs Tage lang war das Filmteam zu Gast am Hof, dazu kamen noch je zwei Tage auf den Höfen der Mitstreiterinnen und das Finale, das am 18. November ausgestrahlt wird.

 Sieben Landfrauen aus sieben Bezirken kochen bei der „Landfrauenküche“ um die Wette. Von links: Barbara Knötzinger, Kristin Güllich, Martina Knecht, Mathilde Falter-Weiderer, Angela Wunderlich, Stefanie Rieblinger und Schirin Oeding. Foto: BR/megaherz gmbh/Philipp Thurmaier
Sieben Landfrauen aus sieben Bezirken kochen bei der „Landfrauenküche“ um die Wette. Von links: Barbara Knötzinger, Kristin Güllich, Martina Knecht, Mathilde Falter-Weiderer, Angela Wunderlich, Stefanie Rieblinger und Schirin Oeding. Foto: BR/megaherz gmbh/Philipp Thurmaier

Schirin Oeding kannte die Serie nicht, bevor sie 2018 erstmals um Teilnahme gebeten wurde. Als sich der BR in diesem Jahr erneut meldete, beschlossen Schirin und ihr Lebenspartner Sebastian Meier, die Regisseurin einfach einmal kommen zu lassen, um zu zeigen, dass ihr Ziegenmilchbetrieb nicht ins Konzept passt. „Andere Höfe schauen in der Serie immer so perfekt aus“, sagte Schirin. Offensichtlich ging der Plan nicht auf: Am 7. Oktober lief ihre Folge im Fernsehen und ist seitdem in der BR-Mediathek zu sehen.

Der Wettbewerb ist zweitrangig

Ob sie im Finale nochmals an den Herd darf, wollte sie nicht verraten. Wichtig war ihr das ohnehin nicht: Auf den Wettbewerbsaspekt hätte die studierte Ökolandbäuerin verzichten können. Viel relevanter ist, dass die Höfe gezeigt werden und Zuschauenden einen Einblick in regionale Landwirtschaft geben. Schirin wollte mit ihrer Teilnahme vor allem zeigen, wie lecker Zickleinfleisch sein kann.

Schirins Begeisterung für Ziegen geht auf ein Abenteuer im Berner Oberland zurück, lange bevor sie Sebastian kennenlernte. Die zielstrebigen Zicklein, die sie drei Stunden auf die Alm begleiten durfte, beeindruckten sie nachhaltig. Foto: BR/megaherz gmbh/Philipp Thurmaier
Schirins Begeisterung für Ziegen geht auf ein Abenteuer im Berner Oberland zurück, lange bevor sie Sebastian kennenlernte. Die zielstrebigen Zicklein, die sie drei Stunden auf die Alm begleiten durfte, beeindruckten sie nachhaltig. Foto: BR/megaherz gmbh/Philipp Thurmaier

In Deutschland ist dies immer noch verpönt, erklärt die Dreißigjährige. Nach dem Krieg diente Ziegenfleisch der Notversorgung. Heute setzten sich Schirin und ihr Lebenspartner für die Komplettverwertung von Ziegen ein. Neben der Milch ihrer 200 Muttertiere vermarkten sie das Fleisch und Innereien der jährlich über 400 Zicklein. Ihre Meinung: Entweder verwerten sie das ganze Tier, oder gar nichts davon.

Dieser Gedanke spiegelt sich in der Philosophie ihres Hofes wieder: Sebastians Vater Hans stellte den Familienbetrieb bereits 1992 auf Bio um. Zwanzig Jahre später übernahm Sebastian das Ruder, vor einem Jahr zog schließlich Schirin in die Oberpfalz.

Landwirt, „einer der besten Jobs, die es gibt“

Drei Jahre sind Schirin und Sebastian bereits zusammen. Vor einem Jahr zog sie nach Stockau. Inzwischen haben sie viele Standbeine: Ziegenmilch und -fleisch, Braugetreide sowie eine kleine Wagyu-Rinder-Zucht. Ihr klares Ziel: Den Michlbauern-Hof im Vollerwerb zu führen. Foto: BR/megaherz gmbh/Philipp Thurmaier
Drei Jahre sind Schirin und Sebastian bereits zusammen. Vor einem Jahr zog sie nach Stockau. Inzwischen haben sie viele Standbeine: Ziegenmilch und -fleisch, Braugetreide sowie eine kleine Wagyu-Rinder-Zucht. Ihr klares Ziel: Den Michlbauern-Hof im Vollerwerb zu führen. Foto: BR/megaherz gmbh/Philipp Thurmaier

Inzwischen wirtschaften sie biodynamisch im Verband von Demeter. Ein Hof wird hier so weit wie möglich als geschlossener Kreislauf gesehen, der weder Futter noch Dünger hinzukauft. Deshalb erzeugen Schirin und Sebastian vieles selbst, haben inzwischen auch eigene Bienenvölker. Zicklein an Mastbetriebe in Frankreich zu verkaufen, wie es einige andere Ziegenmilchbetriebe in Deutschland tun, um einfacher einen höheren Gewinn zu erzielen, ist für Schirin eine „Horrorvorstellung“. Sie habe Verantwortung dem Boden und den Tieren gegenüber, die sie bewirtschaftet. Für sie und Sebastian „einer der besten Jobs, den es auf der Welt gibt“, wie sie in der Serie sagt.

Den Ruf der Natur vernahm Schirin schon früh, doch weit entfernt von Deutschland: Sie wuchs in Kanada auf, arbeitete dort ehrenamtlich in einer Großküche, die von regionalen Landwirten beliefert wurde. Die Wertschätzung und der regionale Bezug begeisterten sie enorm und prägten sie grundlegend.

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Mit 16 verbrachte sie ihre erste Woche auf einem der Höfe und fand etwas, das sie in ihrem Leben vermisst hatte. Ein dreimonatiges Praktikum an einem biodynamischen Hof in Kanada bestärkte sie, dieser Berufung zu folgen. Mit 18 arbeitete sie ein ganzes Jahr bei einem Gemüseanbaubetrieb und entschied sich für ein Studium mit Schwerpunkt Ökolandbau.

Wie fand sie aber den Weg von Kanada zu Sebastian in die Oberpfalz? „Das ist eine lange und komplizierte Geschichte“, lacht Schirin. Zuerst verschlug es sie für ihren Master nach Stuttgart. Danach ging es nach Darmstadt, wo sie in Vollzeit für Demeter arbeitete und viel unterwegs war. Vor drei Jahren lernte sie Sebastian kennen, pendelte regelmäßig nach Stockau in Ursensollen, um ihn zu sehen. Als klar wurde, „dass es passt und wir unglaublich verliebt sind“, habe sie zwei Dinge erkannt, sagt Schirin: „Wenn ich diese Beziehung will, muss ich erstens nach Stockau ziehen und zweitens mich in den Hof einbringen.“

Auf der Suche nach neuen Wegen

Diese Entscheidung bereut sie keine Sekunde. Natürlich war und ist die Umstellung eine Herausforderung, doch für Schirin auch ganz klar eine Chance, aktuelle Probleme in der Landwirtschaft zu lösen. Neben Importen aus dem Ausland, die den hiesigen Markt dominieren und Preise nach unten drücken, erschwert der Klimawandel die Arbeit der Betriebe. Schirin und Sebastian wissen nicht, ob sie in den nächsten zwanzig, dreißig Jahren mit der Landwirtschaft überleben können.

Anstatt sich von dieser Angst lähmen zu lassen, nutzt das Paar diese als Motivation, neue Wege zu erkunden. Sie vermarkten Ziegenmilchkaramell, richten Kindergeburtstage auf dem Hof aus und führen Veranstaltungen durch, wenn ihnen etwas einfällt, das Spaß macht. Federführend ist hier Schirins Mutter Brita, eine Waldorflehrerin und erfahrene Gärtnerin, die ein Jahr nach ihrer Tochter von Kanada nach Deutschland zurückkehrte.

Brita half auch tatkräftig beim Kochen für die Landfrauenküche. Das Menü begann mit Kräuter-Jellys mit Gartensalat und Wildkräutern. Als Hauptgericht gab es Zicklein-Korma auf Safran-Reis, zum Abschluss Ziegenmilch-Eis und Ziegenmilch-Karamell und Walderdbeeren. Alle Zutaten, einschließlich der essbaren Blumen, stammen vom Hof und der unmittelbaren Umgebung.

Schirin Oeding (30) aus Stockau, Ursensollen, bereitet den Gartensalat für die Landfrauen vor. Dazu reichte sie Kräuter-Jellys. Als Hauptgang gab es Zicklein-Korma auf Safran-Reis, zum Abschluss Ziegenmilch-Eis mit Ziegenmilch-Karamell und Walderdbeeren. Foto: BR/megaherz gmbh/Philipp Thurmaier
Schirin Oeding (30) aus Stockau, Ursensollen, bereitet den Gartensalat für die Landfrauen vor. Dazu reichte sie Kräuter-Jellys. Als Hauptgang gab es Zicklein-Korma auf Safran-Reis, zum Abschluss Ziegenmilch-Eis mit Ziegenmilch-Karamell und Walderdbeeren. Foto: BR/megaherz gmbh/Philipp Thurmaier

Seitdem die Folge am 7. Oktober ausgestrahlt wurde, erreichen Schirin täglich zahlreiche Mails und Anfragen. Die Reaktionen freuen sie sehr, so zeugt sie doch vom wachsenden Interesse der Menschen, wo ihre Lebensmittel herkommen. Dadurch erhofft sich Schirin auch, dass bald noch mehr Genießer von Ziegenkäse dem Fleisch der Tiere eine neue Chance geben.

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