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Vereine

Die Heimat ist gleich nebenan

Der Besuch der Dörfer im Übungsplatz beeindruckte Gäste aus Schmidmühlen. Auch alte Obstsorten aus den Gärten waren Thema.

Über 250 Apfelsorten und mehrere Dutzend Birnensorten aus den Ortschaften wurden in Hohenfels zentral in Harras gesichert; links Dr. Albert Böhm von der US-Umweltbehörde, rechts Paul Böhm mit einem Mitarbeiter des Maschinenrings, der sich um Pflegearbeiten kümmert. Foto: abp
Über 250 Apfelsorten und mehrere Dutzend Birnensorten aus den Ortschaften wurden in Hohenfels zentral in Harras gesichert; links Dr. Albert Böhm von der US-Umweltbehörde, rechts Paul Böhm mit einem Mitarbeiter des Maschinenrings, der sich um Pflegearbeiten kümmert. Foto: abp

Schmidmühlen.Vielfältig ist die ehrenamtliche Arbeit des Obst- und Gartenbauvereins in Schmidmühlen übers Jahr verteilt. Dazu gehören der Blumenschmuck im Markt und viele Ortsverschönerungsmaßnahmen. In den vergangenen Tagen nahmen sich die Gartenbaufreunde eine kleine Auszeit, um den benachbarten Truppenübungslatz Hohenfels zu erkunden.

Das Übungsgelände liegt zwar direkt vor der Schmidmühlener Haustür, aber es ist militärisches Sperrgebiet mit großen Schildern „Zutritt verboten“. Sehr begehrt sind daher immer die Fahrten durch den Truppenübungsplatz Hohenfels, doch dies ist nur in übungsfreien Zeiten möglich. Die Schmidmühlener Gartenbaufreunde nutzten daher die Möglichkeit zu einer ausgiebigen Truppenübungsplatzrundfahrt, bevor der Übungsbetrieb in den nächsten Tagen wieder startet. Sie kennen die Dörfer aus Erzählungen und sie kennen viele Menschen, die damals dort zuhause waren .

Tausende mussten gehen

Eine willkommene Pause, dort wo sich sonst die Militärs tummeln: Reich gedeckt war der Kaffeetisch im Dorfrestaurant in Raversdorf. Foto: abp
Eine willkommene Pause, dort wo sich sonst die Militärs tummeln: Reich gedeckt war der Kaffeetisch im Dorfrestaurant in Raversdorf. Foto: abp

Wie Reisebegleiter Paul Böhm erzählte, wurden für die Schaffung eines Übungsplatzes für die Wehrmacht vom 1. April 1938 bis zum 1. Oktober 1940 insgesamt 1622 Einwohner aus 60 Ortschaften abgelöst. Eine zweite Ablösungswelle folgte im Herbst 1951, als im Zuge des aufkommenden Kalten Krieges für die im süddeutschen Raum stationierten Streitkräfte der 7. US Army erneut ein Übungsgelände gesucht wurde. Man fand ihn in dem damals mittlerweile mit Flüchtlingen wiederbesiedelten Übungsplatz der Wehrmacht mit seinen 10 200 Hektar und der Westerweiterung in Richtung Velburg. „Am 29. August 1951 haben die Ablösungsarbeiten begonnen und bei der Aussiedlung vom 21. September bis 15. November 1951 mussten 3202 Einwohner aus 85 Orten und Weilern ihre Heimat verlassen“, erzählte Böhm. Der Übungsplatz ist jetzt 16 129 Hektar große und steht im Eigentum der Bundesrepublik.

Die Geschichte im Roman

  • Buch:

    Eine letzte Einkehrstation war die ehemalige Ortschaft Schmidheim, wo bis zur Ablösung 1951 die Brauerei Rödl betrieben wurde. Erst vor wenigen Wochen hatte die Wahlregensburgerin Gerda Stauner mit familiären Wurzeln in Seubersdorf ihren neuen Roman „Wolfgrund“ hier im Ort, zwischen dem Kirchlein St. Bartholomäus und dem ehemaligen Brauereigebäude, der Öffentlichkeit vorgestellt.

  • Inhalt:

    Im Roman geht es nicht nur um die Liebesgeschichte von Agathe und dem Wirtssohn Ludwig, die sich immer heimlich hinter der Kegelbahn getroffen und deren Wege sich immer wieder gekreuzt haben. Die Geschichte ist gemischt mit den Ereignissen aus mehreren Epochen, angefangen vom Ersten Weltkrieg bis zur Ablösung für einen Wehrmachtsübungsplatz und dann die erneute Ablösung im Jahr 1951.

Neu war für die Exkursionsteilnehmer, dass 1942/43 mit dem Bau einer Kleinbahn von Schmidmühlen über Emhof, Dietldorf und Rohrbach und weiter nach Hohenfels begonnen wurde, um die Versorgung sicherzustellen. „1944 war die Strecke von Schmidmühlen bis Emhof befahrbar“, erzählte Böhm. Für den Bau waren damals Kriegsgefangene eingesetzt.

Die Rundfahrt führte durch Nainhof, vorbei am Hauptquartier der Amerikaner ins große Feldlager Albertshof mit etwa 4000 Unterkunftsplätzen. Dass der Übungsplatz multinational genutzt wird, sah man bereits an den ankommenden Konvois verschiedener Nationen. Weiter ging es über die ehemalige Ortschaft Unterödenhart, die während des Zweiten Weltkrieges als Kriegsgefangenenlager genutzt wurde. „Das Strafgefangenenlager Stalag 383, vornehmlich mit englischen, australischen und amerikanischen Kriegsgefangenen belegt, war wohl auch der Garant, dass Hohenfels von den alliierten Bomberverbänden verschont geblieben ist“, sagte Böhm.

Geschichte

Das Café Walbert ist schon legendär

1948 haben Guste und Wenzel Walbert in Schmidmühlen ihr Café eröffnet. Auf dem ersten Fernseher im Ort lief die Tagesschau.

Die Weiterfahrt führte über ein ausgebautes Autobahnteilstück zur ehemaligen Ortschaft Haasla mit einem Blick bis zum Münchshofener Berg bei Teublitz und den dahinter liegenden Ausläufern des Oberpfälzer und Bayerischen Waldes. Die Gruppe kam an der Feldlandebahn bei Emhof vorbei, fuhr im Schritttempo durch das große Übungsdorf und streifte die ehemalige Ortschaft Bergheim, die 1938 noch eine eigene Gemeinde war. Über Waltersheim wurde Enslwang angesteuert und manche wären dort wohl am liebsten zur Kirchweih ausgestiegen, denn die war damals schon legendär gewesen.

Mehr als 2500 Obstbäume

An Schwend vorbei erreichte man die Ortschaft Raversdorf, wo es eine Kaffee- und Kuchenpause im Kaffee „Aladin“ gab, das natürlich hervorragend von den Mitgliedern des Obst- und Gartenbauvereins um die Vorsitzende Petra Tischler bewirtschaftet wurde. Ein Blick auf die Hohenburg war den Exkursionsteilnehmern ebenso vergönnt wie hinüber nach Weidenhüll und Griffenwang. Über das ehemalige Zielgebiet, die „Macht“, die größte Schießbahn in Hohenfels, machte man noch einen Abstecher nach Pielenhofen. Dass viele Geschichten und Anekdoten am Dorfplatz erzählt wurden, gehörte dazu. Zu hören war die Geschichte vom Wildschwein in der Zisterne und die Erinnerung wurde wach, wonach schon einmal die Pielenhofener Goaß den Dorfhund gebissen haben soll.

Etwas Besonderes war die Rast beim Weiler Harras, um sich die dort gesicherten Obstbaumbestände aus dem gesamten Truppenübungsplatz anzuschauen. „Etwa 240 Apfelsorten und mehrere Dutzend Birnensorten sind in Harras veredelt worden, um alle auf dem Truppenübungsplatz vorkommenden Obstsorten zu sichern“, erzählte Paul Böhm. Erstaunt war man über die sorgsam gepflegte Anlage. Mehr als 2500 Obstbäume findet man heute noch draußen in den Dörfern im Übungsplatz verstreut, ein Eldorado für Pomologen. Abgeschlossen haben die Gartenbaufreunde ihren Ausflug mit einem Besuch im „Kuhstallcafé“ in Illkofen. (abp)

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