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Jubiläum

Die Trachtler lassen’s krachen

„D’Lauterachtaler“ in Schmidmühlen gibt es seit 90 Jahren. Trachtenvereine der Oberpfalz und der ganze Ort feierten mit.
Von Josef Popp

Der Kronentanz, bestehend aus vielen Tanzformationen war der Höhepunkt des Abends. Alles klappte wie am Schnürchen. Letztmals wurde der Tanz im Jahr 2010 bei der 1000-Jahrfeier des Marktes aufgeführt. Foto: Josef Popp
Der Kronentanz, bestehend aus vielen Tanzformationen war der Höhepunkt des Abends. Alles klappte wie am Schnürchen. Letztmals wurde der Tanz im Jahr 2010 bei der 1000-Jahrfeier des Marktes aufgeführt. Foto: Josef Popp

Schmidmühlen.90 Jahre Heimat- und Volkstrachtenverein „d´ Lauterachtaler“ – ein besonderes Jubiläum, das auch ganz besonders gefeiert werden muss. Das taten denn auch die Mitglieder mit vielen Gästen. Der Festauftakt war ein Auftakt nach Maß. Strahlend blauer Himmel – im wahrsten Sinne ein Kaiserwetter – bildete den gebührenden Rahmen für die Jubiläumsfeier des Vereins.

Vorbereitung hat sich gelohnt

Mit einer Gedenkfeier am Kriegerehrenmal gedachte der Trachtenverein zusammen mit Pfarrer Werner Sulzer der gefallenen, vermissten und verstorbenen Mitglieder. Foto: Josef Popp
Mit einer Gedenkfeier am Kriegerehrenmal gedachte der Trachtenverein zusammen mit Pfarrer Werner Sulzer der gefallenen, vermissten und verstorbenen Mitglieder. Foto: Josef Popp

Rund ein Jahr lang haben sich die Mitglieder des Schmidmühlener Traditionstrachtenvereins um den Festleiter und stellvertretenden Vorsitzenden Markus Mehringer auf dieses große Fest vorbereitet. Und diese lange und sorgfältige Vorbereitungszeit hat sich gelohnt. Bereits am Samstag kamen viele Trachtenvereine in die Lauterachtalgemeinde, um mit dem Jubelverein zu feiern.

Zu einem Verein, der sich dem Erhalt von Trachten, „Sitt“ und Brauchtum verschrieben hat, gehört es sich auch, dass man seiner verstorbenen und gefallenen Mitglieder gedenkt. Dieses Gedenken an die Gründungsväter, an die vielen Trachtlerinnen und Trachtler, die in den letzten neun Jahrzehnten den Verein und das Gemeindeleben prägten, hat die jetzige Trachtenfamilie an den Anfang ihres Jubiläums gestellt und so dem Erinnern einen wichtigen Stellenwert gegeben.

Bürgermeister Peter Braun (v.l.), Vorsitzender Gerald Stauber, Festleiter und 2. Vorsitzender Markus Mehringer und Trachten - Gauvorstand Peter Kurtzwart führten den Zug an, der zum Ehrenmal führte. Foto: Josef Popp
Bürgermeister Peter Braun (v.l.), Vorsitzender Gerald Stauber, Festleiter und 2. Vorsitzender Markus Mehringer und Trachten - Gauvorstand Peter Kurtzwart führten den Zug an, der zum Ehrenmal führte. Foto: Josef Popp

Begleitet von zahlreichen Trachtenvereinen aus der Oberpfalz und Berlin zog der Verein vom Festplatz aus zum Ehrenmal an der Pfarrkirche. Pfarrer Werner Sulzer erinnerte bei diesem Gedenken aller verstorbenen Mitglieder des Trachtenvereins, so auch an die Gründerzeit.

Als der Heimat- und Volkstrachtenverein im Jahr 1929 ins Leben gerufen wurde, gehörte der erste Weltkrieg gerade einmal ein Jahrzehnt der Vergangenheit an. Viele der damaligen Mitglieder haben sicher den Schrecken und die Not miterlebt, erinnerte Pfarrer Werner Sulzer in seiner Ansprache. Doch damals hatten die Politiker leider keine Lehren aus der schlimmen Zeit gezogen und so hielt der Zweite Weltkrieg auch zehn Jahre nach der Vereinsgründung „reiche Ernte“. Viele Mitglieder des Vereins verloren ihr Leben.

Und nun scheinen die Lehren, so mahnte der Geistliche, die damals aus dem unheilvollen Krieg gezogen wurden, allmählich in Vergessenheit zu geraten. Umso wichtiger sei dieses Erinnern an die Toten. Mit dem Läuten der Totenglocke und einem Choral endete die feierliche Zeremonie an der Pfarrkirche.

Gelungener Heimatabend

Plattlergruppen aus der Oberpfalz ließen es bei einer gemeinsamen Vorführung richtig krachen. Foto: Josef Popp
Plattlergruppen aus der Oberpfalz ließen es bei einer gemeinsamen Vorführung richtig krachen. Foto: Josef Popp

Mit einem überaus gelungenen Heimatabend feierte sich der Verein, aber auch die Trachtenbewegung aus der Oberpfalz. In seiner Begrüßung blickte der Vereinsvorsitzende Gerald Stauber und Bürgermeister Peter Braun zurück auf eine lebendige Vereinsgeschichte, die im Juli 1929 „beim Espach“ ihren Anfang machte. Es war noch die Zeit, in der weder Radio noch Fernsehen noch Computer das Leben der Menschen bestimmte. Selbst gestalten und selbst für den Verein die Verantwortung zu übernehmen – andere Alternativen gab es nicht.

Mal was anderes: die Goaßlschnalzer aus Kastl. Da hieß es „Kopf einziehen“. Foto: Josef Popp
Mal was anderes: die Goaßlschnalzer aus Kastl. Da hieß es „Kopf einziehen“. Foto: Josef Popp

Bereits ein Jahr nach der Vereinsgründung war der Verein beim Heimatfest aufgetreten. Fünf Jahre später wurden man zum großen Schützen- und Trachtenfestzug anlässlich des Oktoberfestes nach München eingeladen. Alleine diese Tatsache zeigt im Nachhinein, welch tolle Arbeit die Gründungsmitglieder damals schon leisteten. Der Trachtenverein mit seinem sich selbst gegebenen Motto, „Brauchtum, Sitt und Trachten zu erhalten“ war geradezu dafür prädestiniert, für ein kreatives Gestalten des Vereins- und Gemeindelebens zu sorgen – noch dazu in einer Zeit, in der die Vereinsförderung immer mehr gegen „Null“ tendierte. Dieser Tradition ist der Verein bis heute auch treu geblieben.

So eröffneten d’Lauterachtaler den Heimatabend mit sehenswerten Tanzeinlagen und beendeten ihn auch mit dem Kronentanz. Dieser war ohne Zweifel der krönende Abschluss des ersten Festtages. Viele Verein aus dem Trachtengau brachten sich mit Tanzeinlagen ein. Hierzu gehörten auch die Goaslschnalzer aus Kastl, die Plattlergruppen aus verschiedenen Vereinen und eine Albhorneinlage des – man kann es nicht glauben – des Berliner Heimat- und Trachtenvereins.

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