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Geschichte

D’Lauterachtaler halten Erbe in Ehren

Die Mitglieder des Heimat- und Volkstrachtenvereins Schmidmühlen leben seit 90 Jahren Traditionen und Brauchtum.
von Josef Popp

Seit nunmehr neun Jahrzehnten prägt der Trachtenverein die Gemeinde Schmidmühlen. Viele Trachtenfeste und Festumzüge stehen in der Chronik.  Foto: Archiv Heimatkundlicher Arbeitskreis
Seit nunmehr neun Jahrzehnten prägt der Trachtenverein die Gemeinde Schmidmühlen. Viele Trachtenfeste und Festumzüge stehen in der Chronik. Foto: Archiv Heimatkundlicher Arbeitskreis

Schmidmühlen.Der Heimat- und Volkstrachtenverein D’Lauterachtaler Schmidmühlen ist aus der Lauterachtalgemeinde nicht mehr wegzudenken. Kaum ein zweiter Verein hat über Jahrzehnte das Gemeindeleben so geprägt wie die Lauterachtaler – und dies nun schon seit 90 Jahren. Wenn am letzten Juniwochenende der Verein sein Jubiläum feiert, können die Mitglieder zu Recht mit Stolz auf ihre Geschichte und die Arbeit vieler Generationen zurückblicken. So wurde auch für den Schmidmühlener Heimatkalender für den Monat Juni ein historisches Foto der Trachtler gewählt.

Zehn Vorsitzende haben seit der Gründung die Geschicke des Vereins geleitet: Josef Ramsauer senior (1929 bis 1933), Josef Vogl (1933 bis 1937), Josef Ramsauer junior (1937 bis 1939), Franz Spiegler (1939 bis 1945), Josef Vogl (1946 bis 1950), Max Michl (1951 bis 1992), Willi Kugler (1992 bis 1999), Josef Kalteis (1999 bis 2010) und seit 2010 Gerald Stauber. Sie alle boten Kontinuität, die ein Verein braucht.

Gründung des Heimat- und Volkstrachtenverein erfolgte 1929

Stolz sind die Mitglieder des Volkstrachtenvereins auf ihre Fahne, ihre Trachten, aber auch auf die Jahrzehnte lange gute Jugendarbeit. Foto: Popp
Stolz sind die Mitglieder des Volkstrachtenvereins auf ihre Fahne, ihre Trachten, aber auch auf die Jahrzehnte lange gute Jugendarbeit. Foto: Popp

Fragt man in Schmidmühlen jemanden spontan auf der Straße, wer wohl derjenige Verein ist, der die Heimatgeschichte am besten repräsentiert oder lebt, so erhält man mit Sicherheit eine einhellige Antwort: der Heimat- und Volkstrachtenverein. Es ist schon eine große Verantwortung, die hier auf den beiden Vorsitzenden sowie der Vorstandschaft lag und liegt. Ein Erbe in Ehren zu halten ist eine große Herausforderung und man muss froh sein, dass es noch verantwortungsvolle Idealisten gibt, die sich dem stellen. Es ist sicher nicht einfach, Geschichte und Tradition so zu leben und auch zugleich am Leben zu erhalten, wie es die Vorfahren getan haben. Dies schaffen die Trachtler aus Schmidmühlen seit Jahrzehnten bravourös.

„Sitt und Tracht der Alten wollen wir erhalten.“

Wahlspruch des Heimat- und Trachtenvereins

Deren Geschichte beginnt am 21. Juli 1929. An diesem Tag trafen sich erstmals mehrere Freunde der Heimatkunde im Gasthaus von Anton Espach in Schmidmühlen, um den Trachtenverein zu gründen. Auch Trachtler aus Amberg waren gekommen, um ihre Solidarität auszudrücken. Noch am gleichen Tag traten 18 Männer und zwei Frauen dem neuen Heimat- und Volkstrachtenverein bei. Bereits 1930 beteiligte sich der junge Verein mit ersten Figurentänzen am Heimatfest. 1935 wurde die Trachtler erstmals zum Schützen- und Trachtenumzug nach München zum Oktoberfest eingeladen.

Der Zweite Weltkrieg stoppte die Entwicklung des Vereins zu nächst jäh. Doch ein Jahr nach Kriegsende, 1946, wurde er zu neuem Leben erweckt. In den folgenden drei Jahrzehnten erlebte der Trachtenverein seine große Blütezeit. Regelmäßig wurden Vereinsfeste und Theaterabende abgehalten; bei vielen Festumzügen repräsentierten die Trachtler in ganz Bayern den Markt Schmidmühlen. 1949 wurde eine neue Fahne geweiht und 1954 feierte der Trachtenverein mit vielen Umsiedlern und Bürgern sein 25-jähriges Bestehen.

Geschichte

Das Café Walbert ist schon legendär

1948 haben Guste und Wenzel Walbert in Schmidmühlen ihr Café eröffnet. Auf dem ersten Fernseher im Ort lief die Tagesschau.

Auch die Pflege der Volksmusik wurde großgeschrieben. 1965 gewannen die Gesangsgruppen des Trachtenvereins zahlreiche Auszeichnungen. Unvergessen in Schmidmühlen ist aber immer noch das 40. Jubiläumsfest im Juli 1969: Schirmherren war damals der bayerische Ministerpräsident Dr. h. c. Alfons Goppel sowie Regierungspräsident Ernst Emmerig. Eine besondere Ehre war es auch für die Mitglieder, Prinzessin Hella von Bayern zum Festzug begrüßen zu können. Beim Heimatabend traten der unvergessene Roider Jackl und Erni Singerl auf.

Der Kronentanz war einer der Höhepunkt beim Trachtenfest zum 80-jährigen Bestehen im Rahmen der 1000-Jahr-Feier im Jahr 2010.  Foto: Archiv Josef Popp
Der Kronentanz war einer der Höhepunkt beim Trachtenfest zum 80-jährigen Bestehen im Rahmen der 1000-Jahr-Feier im Jahr 2010. Foto: Archiv Josef Popp

1979 stiftete der Verein dem Markt ein kleines Heimatmuseum. In den 1990er Jahren wurde es etwas ruhiger um ihn. Dies ist vor allem auf das Fehlen eines geeigneten Heimes zurückzuführen. Aber seit etwa fünf Jahren erlebt der Verein eine Renaissance. Der Markt überließ den Trachtlern einen ehemaligen Bauernhof als Vereinslokal. Nach einer einjährigen Umbauzeit wurde 2003 das neue Trachtenheim bezogen. Mittlerweile stehen Heimatabende, Gartenfeste, Musikveranstaltungen und Tanzabende wieder auf dem Jahresprogramm. Mit der Jugendarbeit setzt der Verein immer noch wichtige Akzente in Schmidmühlen.

Für die beiden Vorsitzenden Gerald Stauber und Markus Mehringer geht in diesen Tagen der Blick nicht nur zurück auf eine traditionsreiche Vergangenheit, sondern auch in die Zukunft. Stolz verweisen sie auf das Motto der Trachtenbewegung, das auf der Vereinsfahne steht: „Sitt und Tracht der Alten wollen wir erhalten.“

Tracht zeigt auch die Treue zur Heimat

Tracht hat nichts mit der aktuellen Landhausmode zu tun. Tracht ist Kontinuität, nichts Schnelllebiges, und Tracht ist wichtig für den Verein – immerhin prägt das Wort ja schon den Namen: Trachtenverein. Tracht hat etwas mit Heimattreue und Tradition zu tun, ist Ausdruck bodenständiger Lebensart, das ist den beiden Vorsitzenden wichtig. Wer aktiver Trachtler werden will, muss sich diesem Motto verschreiben.

Heimatkalender

  • Start:

    Erstmals ist in Schmidmühlen 2012 ein Heimatkalender erschienen. 2012 und 2013 wurde er als bebilderter Rückblick auf das vergangene Jahr gestaltet.

  • Schätze:

    2014 gab es erstmals historische Motive aus dem Archiv des Heimatkundlichen Arbeitskreises. Seither werden jedes Jahr solche Schätze aus dem Archiv wieder ins Licht geholt.

  • Motto:

    Mit dem Motto „Schmidmühlen – Erinnerungen an eine noch nicht ganz vergessene Zeit“ ist der Heimatkalender in gewisser Art eine bebilderte Chronik. (mi)

Dabei fühlt sich der Schmidmühlener Trachtenverein auch dem Brauchtum verpflichtet, das sich in einer ländlichen Gegend auch aus der jahreszeitlichen Arbeit der Bauern und Handwerker ergibt. Brauchtum und Tracht hängen eng miteinander zusammen. Beides vereint kann man in einer Ausstellung im Hammerschloss bewundern.

Heimatabende, heuer das großartige Musikantentreffen, das Heimatfest, öffentliche Auftritte mit Tanzvorführungen und natürlich die Festzüge in der ganzen Oberpfalz tragen dazu bei, Brauchtum zu leben. Auf noch etwas legt man beim Heimat- und Volkstrachtenverein großen Wert: auf die gemütliche Geselligkeit. Und das soll so bleiben – auch in Zukunft. (ajp)

MZ-Spezial: Spannende Geschichten, neue Entdeckungen und viel Interessantes über die Menschen und das Leben im Markt Schmidmühlen in früheren Jahren erzählen historische Fotos.

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