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Entscheidung

Klare Mehrheit ist für die Sanierung

Bürgerentscheid in Schmidmühlen über die Zukunft des Fochtnerstadels ist erfolgreich verlaufen. Das Quorum wurde erreicht.
Von Michaela Fichtner

Konzentriert zählten die Wahlhelfer die abgegebenen Stimmen aus; Bürgermeister Peter Braun (hinten) verfolgt die Arbeiten.
Konzentriert zählten die Wahlhelfer die abgegebenen Stimmen aus; Bürgermeister Peter Braun (hinten) verfolgt die Arbeiten. Foto: ajp

Schmidmühlen.Spontaner Applaus bei der Bekanntgabe des Ergebnisses in der Erasmus-Grasser-Grundschule und Durchschnaufen bei Bürgermeister Peter Braun sowie den Markträten am Sonntag um 18.20 Uhr in Schmidmühlen: Der erste Bürgerentscheid in der Geschichte des Markts ist erfolgreich verlaufen. 671 Bürger (34,9 Prozent) haben am Sonntag über die Zukunft des Fochtnerstadels abgestimmt, 652 Stimmen waren gültig. Und mit 436 Wählern (66,87 Prozent) hat sich eine deutliche Mehrheit für die grundlegende Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes in der Hammerstraße, im direkten Umfeld des vor einigen Jahren sanierten Hammerschlosses, ausgesprochen. 216 (33,13 Prozent, also ein Drittel) votierten für die reine Notsicherung.

Damit wurde auch das erforderliche Abstimmungsquorum erreicht, die rechtliche Hürde, die es zu überspringen galt: 20 Prozent der Wahlberechtigten – umgerechnet sind das 385 Personen – mussten sich für eine der beiden Varianten aussprechen, damit das Ergebnis dieses Bürgerentscheids gültig ist.

Erleichterung ist groß

Die ungültigen Stimmen werden nochmals von Wahlleiter Paul Böhm geprüft. Insgesamt waren 19 Stimmen ungültig.
Die ungültigen Stimmen werden nochmals von Wahlleiter Paul Böhm geprüft. Insgesamt waren 19 Stimmen ungültig. Foto: ajp

„Ich bin absolut erleichtert“, freute sich Bürgermeister Peter Braun am Sonntag kurz vor 19 Uhr in einer ersten Stellungnahme über das Ergebnis. Und er gab zu: „Ich habe wirklich befürchtet, dass das Quorum nicht erreicht wird.“ Als er mittags in der Schule seine Stimme abgegeben habe, da habe es auch wirklich nicht danach ausgesehen, erzählte er der MZ.

Auch wenn der Bürgerentscheid erfolgreich war: Peter Braun blieb nachdenklich. „Ich habe mit einer höheren Zustimmung als zwei Drittel für eine grundlegende Sanierung des Fochtnerstadels gerechnet“, meinte er. Und verwies im Gegenzug darauf, dass ein Drittel sich eben gegen dieses Projekt ausgesprochen habe.

Wichtig war dem Bürgermeister auch noch ein anderer Aspekt: Immer wieder hätte sich der Marktrat Vorwürfe anhören müssen, er würde sich vor der Entscheidung drücken. Peter Braun räumte ein, dass sich das Gremium unsicher gewesen sei, schließlich sei lange und kontrovers über den Fochtnerstadel diskutiert worden. Das Ergebnis aber bedeute nun einen klaren Auftrag. Und: Mit der Wahlbeteiligung von 32,93 Prozent zeigte er sich einigermaßen zufrieden: „Das passt schon.“

Großer Andrang am Nachmittag

Bürgermeister Braun hat recht behalten mit der Zuversicht, die er am Freitag gezeigt hatte: Er war sich sicher gewesen, dass der Bürgerentscheid ein Erfolg werden und sich viele Menschen beteiligen würden. Zumindest so viele, dass das Abstimmungsquorum von 20 Prozent erreicht würde.

Dass die Wahlbeteiligung trotz des Themas aus der direkten Heimat nicht so groß wie beispielsweise bei der Kommunalwahl 2014 werden würde, hatte sich schon vor dem Wahltag angedeutet – mit der Zahl der beantragten Briefwahlunterlagen. Denn bei den jüngsten Wahlen war die Zahl der Briefwähler immer gestiegen. Bis Donnerstagabend hatten aber nur etwa 150 Bürger von 1921 Wahlberechtigten diese Unterlagen im Rathaus abgeholt – im Rathaus ging man daher von einer Wahlbeteiligung ähnlich wie bei der Europawahl 2014 (39,8 Prozent) aus.

Die grundlegende Sanierung

  • Zwei große Räume entstehen

    Bei der grundlegenden Sanierung des Fochtnerstadels, für die sich nun auch beim Bürgerentscheid eine Mehrheit ergeben hat, entstehen ein Versammlungsraum von etwa 160 Quadratmeter im größeren Teil des Gebäudes und ein zweiter mit knapp 80 Quadratmetern im südlich angrenzenden kleineren Stadel.

  • Höhe der Versammlungsräume

    Der Räume werden etwa 5,50 Meter hoch, denn das Landesamt für Denkmalpflege hat bereits signalisiert, dass die Zwischendecken entfernt werden können. Im größeren Stadel gibt es zwar eine aufwendige Bohlen-Balkendecke, doch der Zustand des Holzes ist sehr schlecht. Entfernt werden darf auch die sogenannte „preußische Kappen-Decke“ im kleineren Stadel.

  • Die Raumstruktur

    Vom Denkmalschutz gefordert wird, dass die „Raumstruktur“ ablesbar bleibt. Zwar dürfen die vorhandenen Einbauten im Erdgeschoss entfernt werden, aber von den Mauern und Balken sollen etwa drei Meter stehen bleiben. Genutzt werden können diese Bereiche dann beispielsweise für Garderobe oder Theke – mit einer Galerie darüber.

  • Weitere Maßnahmen

    Das vorhandene Tor zum Schlosshof hin wird verglast, ein zweites, zugemauertes Tor könnte wieder geöffnet werden. Licht würden in die Veranstaltungsräume auch vergrößerte Fenster bringen. Zur Sanierung gehören auch das Eindecken des Daches und die Instandsetzung der Fassade.

  • Gesamtkosten der Sanierung

    Die Gesamtkosten reichen von 890 000 Euro bis gut eine Million Euro, je nach Umfang des Ausbaus. Zum Beispiel könnten auch WC-Anlagen und eine temporäre Heizung noch eingebaut werden.

  • Anteil des Markts Schmidmühlen

    Der Anteil des Markts Schmidmühlen würde bei etwa 180 000 bis 240 000 Euro liegen – bei einer angenommenen Förderhöhe durch öffentliche Stellen von 80 Prozent der Gesamtkosten.

Der Fochtnerstadl (rechts) im Umfeld des Hammerschlosses und des Trachtenheims kann nun grundlegend saniert werden, damit er beispielsweise auch für kulturelle Veranstaltungen genutzt werden kann.
Der Fochtnerstadl (rechts) im Umfeld des Hammerschlosses und des Trachtenheims kann nun grundlegend saniert werden, damit er beispielsweise auch für kulturelle Veranstaltungen genutzt werden kann. Foto: M. Fichtner

Viel Arbeit hatten die Wahlhelfer in den beiden Wahllokalen, der Erasmus-Grasser-Grundschule in Schmidmühlen und dem Gasthaus Bauer in Emhof, am Sonntagvormittag noch nicht. Ab 10 Uhr konnten die Menschen ihre Stimme abgegeben. Bis zum Mittag war die Beteiligung noch recht mager gewesen. So hatte man auf den „großen Andrang“ am Nachmittag gehofft. Und diese Hoffnungen erfüllten sich auch.

Und wenn das Quorum nicht erreicht worden wäre? Braun machte klar, dass die Abstimmung für die Markträte eine Entscheidungshilfe gewesen wäre. Dann hätte man denken müssen, dass es den Bürgern halt egal wäre, was mit dem Fochtnerstadel passiert, gab er zu bedenken.

Um 18.20 Uhr stand das Abstimmungsergebnis fest, Bürgermeister Peter Braun konnte den Erfolg des Bürgerentscheids bekanntgeben.
Um 18.20 Uhr stand das Abstimmungsergebnis fest, Bürgermeister Peter Braun konnte den Erfolg des Bürgerentscheids bekanntgeben. Foto: ajp

Doch „wenn“ und „dann“ braucht es nun nicht. Jetzt geht die Arbeit für den Marktgemeinderat und die Verwaltung richtig los: „Wir wollen unverzüglich den Planungsauftrag vergeben, dass der Architekt die Pläne erstellen kann“, so Peter Braun; im Gespräch ist Architekt Michael Dittmann, der bereits das Nutzungskonzept für den Fochtnerstadel entwickelt hat. Gleichzeitig müssten die Anträge für Zuschüsse zu der Maßnahme eingereicht werden.

„Und wir wollen auch in das Programm ,Soziale Stadt’ des Bundes“, berichtete der Bürgermeister weiter. Dafür müsse ein Gutachten erstellt werden, was der Fochtnerstadel für den Markt Schmidmühlen, seine Bürger und das Leben im Ort bedeutet.

Eine gute Förderung der Maßnahme ist dem Markt Schmidmühlen wichtig. Auf 890 000 Euro bis etwas über eine Million Euro werden, je nach Umfang des Ausbaus, die Gesamtkosten für die Sanierung des Fochtnerstadels geschätzt, für rund 80 Prozent davon hofft man auf Zuschüsse, wobei Erfahrungen bei vergleichbaren Projekten herangezogen wurden.

2018 könnte Einweihung sein

Der Rathauschef rechnet mit etwa eineinhalb Jahren, um all diese vorbereitenden Sachen durchzubringen. „Ich hoffe, dass wir dann über den Winter 2016/2017 ausschreiben und 2017 mit der Sanierung beginnen können“, so Peter Braun. Ein Jahr veranschlagt er für die Maßnahmen, um den Stadel zu einem Ort zu machen, in dem kulturelle Veranstaltungen oder auch Feste ihren Platz haben werden. Geht alles gut, könnte im Jahr 2018 mit einem Fest dann die Einweihung eines besonderen Projekts gefeiert werden. Und dann sind vielleicht auch die überzeugt, die „Nein“ angekreuzt oder gar nicht abgestimmt haben.

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