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Geschichte

Mehrere Tore sicherten einst den Markt

Mit der Erhebung zum Markt 1270 durfte sich Schmidmühlen befestigen. Die Insellage schützte, aber auch Tore wurden gebaut.
Von Josef Popp

Das Kalenderblatt „März“ zeigt das Obere Tor um die Jahre 1920/30. Allerdings wurde es 1952 abgebrochen, das Ölbild im Torbogen ist seitdem verschwunden.
Das Kalenderblatt „März“ zeigt das Obere Tor um die Jahre 1920/30. Allerdings wurde es 1952 abgebrochen, das Ölbild im Torbogen ist seitdem verschwunden. Foto: Heimatkundlicher Arbeitskreis

Schmidmühlen.Mit seiner Lage am Ausgangspunkt des Lauterachtales hatte Schmidmühlen schon vor Jahrhunderten eine besondere strategische Lage. Bedeutende Handelsstraßen führten einst aus allen Richtungen nach Schmidmühlen zum Vilshafen. Durch die Mündung der Lauterach in die Vils wurde dort erst die Schifffahrt mit größeren Transportschiffen möglich. Und das Lauterachtal war immer schon Vormarschstraße aus dem fränkischen in den bayerischen Raum, besonders nach Regensburg. 1270 bis 1803 bildete Schmidmühlen sogar ein eigenes Amt.

Erstmals urkundlich erwähnt wird der Ort Schmidmühlen (smidimulini) um 1010. Schon 997 wird Emhof beurkundet, als Abt Rambold den Zins einer Hube zum Unterhalt der Lichter in den Kapellen zu Premberg und Emhofen gibt. Im Jahr 1270 wird Schmidmühlen zum Markt erhoben – mit allen zugehörigen Rechten. Eines davon war, eine Befestigung anzulegen.

Insgesamt gab es sechs Tore

Diese Befestigung wurde durch die bereits vorhandene Wasserburg verstärkt. Eine so mächtige Befestigung wie beispielsweise Amberg sie hatte, gab es in Schmidmühlen nicht. Doch auch die Bürger dieses Markts achteten im Mittelalter darauf, dass der Ort gut geschützt war. Das war das alte Schmidmühlen schon durch seine Lage auf der Insel, die durch die Gabelung der Lauterach entstandenen war. Die Befestigung dürfte daher im Wesentlichen in den Markttoren bestanden haben. Befestigt wurde der Markt in der Zeit von 1424 bis 1427.

Die ursprüngliche Befestigung dürfte wohl in Form von Absperrungen an den Lauterachbrücken gewesen sein; auf die Errichtung von Mauern konnte man verzichten. Zum einen waren die Lauterach und die Vils wasserreicher und tiefer. Zum anderen standen an vielen Stellen Häuser, auch bei dem dem Kreuzberg zugewandten Arm mit Rückseite zur Lauterach. So wurden nur die Marktausgänge durch Tore gesichert.

Hammerbesitzer baute selbst

Schmidmühlen wurde durch insgesamt insgesamt vier Markttore und zwei für den Hammer gesichert. Das Hammertor an der Hammerbrücke war 1427 als letztes der vier Tore errichtet worden. Erbauer war aber nicht der Markt, sondern der damalige Hammerbesitzer Johann Perndell, der einen eigenen Ausgang für den Hammer schaffen wollte. Dieses Tor wird in einem Vertrag zwischen Perndell und der Bürgerschaft aus dem Jahr 1427 erwähnt. 1816 wurde es abgerissen.

Der Hammer wurde eigens mit zwei Toren abgesichert. Das Brunnlett-Tor oder Obermühltor sperrte die heutige Poststraße an der Lauterachbrücke. Es wurde 1861 abgebrochen.

Durch das Untere Tor, auch „Unteres Mühltor“ genannt, sperrte man die Straße nach Amberg, Burglengenfeld und Kallmünz. Es stand an der Brücke bei der jetzigen Sparkasse. 1889 wurde es bis auf zwei Pfeiler entfernt, diese brach man dann nach dem großen Hochwasser 1909 ab. Mitgeschwemmte Bäume, Kästen und ähnliches blieben an den Resten des Tors hängen und stauten das Jahrhunderthochwasser besonders. Das Torhäuschen wurde 1929 abgebrochen und man baute an seiner Stelle einen Laden.

Ein schreckliches Unglück

Das Lauterachtor (Oberes Tor), das auf dem Blatt „März“ des Heimatkalenders zu sehen ist, wurde 1424 fertiggestellt. Es ist auch mit einem tragischen Unglück verbunden: Am 20. April 1729 stürzte es ein und begrub die zwölfjährige Anna Reindl unter seinen Trümmern. Sie war sofort tot.

1785 wurde das Obere Tor mit einem runden Bogen wieder aufgebaut. Im Verlauf des zweiten Weltkrieges wurde es 1945 durch amerikanische Panzer beschädigt, später doch wieder notdürftig instand gesetzt. Damals ging der Schlussstein im Torbogen mit der Jahreszahl 1424 verloren.

Ölbild ist verschwunden

Mit Einverständnis des Gemeinderates brachen die Amerikaner das Obere Tor schließlich am Karfreitag, 11. April 1952, ganz ab, weil es dem zunehmenden Verkehr zum Übungsplatz nicht mehr gewachsen war. In dem Tor befand sich ein großes Ölbild, auf Leinwand gemalt; es zeigte Jesus, wie er vor dem Tor stehend von seiner Mutter Abschied nimmt. Das Bild ist seitdem aber spurlos verschwunden und niemand weiß, wohin es kam.

Das Obere Tor war auch das einzige, das ständig bewohnt war. Die letzten Bewohner und auch Eigentümer der unteren Wohnung waren Braumeister Johann Brey und seine Frau. Sie waren aber schon vor dem Abbruch des Torhauses verstorben.

Innerhalb der Befestigung war der Markt übrigens gut und reichlich mit Wasser versorgt. Jedes Haus hatte nämlich einen eigenen Brunnen mit Grundwasser als Brauchwasser. Die Schöpfbrunnen waren meist im Hausflur unter der Treppe. Außerdem war ein öffentlicher Brunnen mit Holzabdeckung und Holzpumpe auf dem Kirchplatz.

Mit Wasser gut versorgt

Außerhalb des befestigten Marktes, im Brunnlett und am Fuß des Kreuzberges (auch Schlossberg genannt), dort, wo der Hammerbach vom Weg abzweigt, bevor er in die Vils einmündet, waren je ein Brünnl mit frischem, klarem Quellwasser. Aus diesen Brunnen wurde das Trinkwasser mit Eimern und Krügen geholt.

Der Brunnlettbrunnen war mit großen Dolomitsteinplatten gefasst und nach oben abgedeckt, so dass man über mehrere Steinstufen hinab seitlich direkt aus der Quelle schöpfen konnte. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde dieser Zugang geschlossen und durch eine Pumpe ersetzt.

Heimatkalender Schmidmühlen

  • Der Kalender

    Der Heimatkalender Schmidmühlen erschien für das Jahr 2015 zum vierten Mal. Die Bilder stammen aus dem Archiv des heimatkundlichen Arbeitskreises. Eine fünfte Auflage für das nächste Jahr ist bereits angedacht.

  • Die Resonanz:

    Der Heimatkalender für 2015 war innerhalb kürzester Zeit vergriffen. Mit dem Erlös aus dem Projekt wird die Jugendarbeit in der Gemeinde unterstützt.

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