MyMz
Anzeige

Die Heimat öfter auf der Zunge tragen

Professor Dr. Ludwig Zehetner zeigte in Ursensollen auf, wie groß der Reichtum und die Ausdrucksformen des Dialekts sind.

Dialektpapst Professor Dr. Ludwig Zehetner warb für das Bayerische.
Dialektpapst Professor Dr. Ludwig Zehetner warb für das Bayerische. Foto: aeu

Ursensollen.Das musste mal sein! Den Bayern wieder mal einimpfen, dass ihre Sprache im Grunde „etwas Feines ist“, weil intelligent. Dialektpapst Professor Dr. Ludwig Zehetner führte im Kubus in der Schulstraße Ursensollen humorvoll und hintersinnig in seiner „Predigt“ (kein Vortrag und kein Referat) für das Bayerische, respektive Oberpfälzische; das Publikum hat das gern angenommen.

„Die Heimat auf der Zunge tragen“ hat Zehetner seine Predigt überschrieben. Das bedeutet, dass das Essen nicht „lecker“ ist, man nicht „hochguckt“ oder die „Puste ausgeht“. Er sieht es schon kommen, dass wir bald nicht mehr „Blasorchester“, sondern „Pusteorchester“ sagen müssen, dass einer nicht als „mundfaul“ sondern als „artikulationsunwillig“ bezeichnet wird. Pusten und nicht Blasen, das müssten dann auch die Drei von den „Blechernen Sait’n“, die ihren musikalischen Beitrag mit Tuba, Zither und Gitarre geleistet haben. Bayerisch natürlich.

Das Bayerische zeuge von einer gewissen Intelligenz, biete Verkürzungen („bleim“ für geblieben, „speim“ für speien“) und sei nicht mundfaul, sagte Zehetner. Da war ihm Beifall gewiss angesichts der Tatsache, dass „der sprachliche Kosmos Altbayern auszutrocknen droht“. Und, so der Mundartforscher, Lehrer und Autor: „Deshalb mache ich solche Missionsreisen.“

Das Bayerische, es hätte das Zeug gehabt, zu einer Hochsprache, zu einer Schriftsprache zu werden – wurde es aber nicht. Deshalb sei die bayerische Sprache ein eigenes System mit einem Hang zu Verkleinerungsformen (Herzerl fürs Herz, Glaserl für Glas) und zu Sonderbezeichnungen wie dumme Urschl, Matz, Heigeig’n, oide Schaluppe, Schnall’n zum Beispiel. Oder Büchsnmacher, Schnallntreiber, Haftlmacher, „a Hund is er scho“ für die Männer. Ebenso, wie die Bayern auch vielfache andere Bezeichnungen haben: Birn, Nischl, Bele für Kopf, oder Aff’n, Brand’n, Ruaß, Seier, Zinterer für den (Alkohol-)Rausch.

Vieles im Bayerischen lasse sich aus dem Hochdeutschen nicht herleiten, das ist eine eigene Machart. Die vierte Vergangenheit zum Beispiel („hamma scho gess’n g’habt“), den Konjunktiv als Ausdruck der Bescheidenheit („I war do“) oder die zwei A-Laute bei „schmatz’n“ in zwei ganz unterschiedlichen Bedeutungen.

Eine ganze Palette von typisch bayerischen, tschechischen und italienischen Redensarten, Unarten, Anleihen rief Zehetner in Erinnerung, die meisten waren bekannt. Auch die nur in Bayern möglichen (Ausweich-)Flüche: „jessas na“, „sacklzement“ oder „kruzifuchs“ oder „hagott“.

Bei allem Vergnügen: Zehetner richtete einen flammenden Appell an die Zuhörer in Sachen Dialekt. „Kein Mensch wird fordern, dass wir unentwegt bayerisch reden. Wird sind zweisprachig, und niemand muss sich auch dem Bayerischen beugen“, sagte der „Dialektpapst“. Jedoch: „Wir müssen es gebrauchen, wo es am Platz ist“. Und das Bayerische mit seinen charakteristischen Lauten und Hintergründigkeit sei unglaublich vielfältig in Reichtum und Redewendungen.

Und Zehetner betonte in seinem Schlusswort: „Noch ist die Glut nicht erloschen, aber wir müssen uns auch im 21. Jahrhundert auf unsere Muttersprache besinnen dürfen, das sind unsere Wurzeln.“ Nimmt man den Beifall als Maßstab, hat er damit auch dem Publikum aus der (bayerischen) Seele gesprochen. (aeu)

Nächste Veranstaltung im Kubus

  • Kabarett

    Am Freitag, 15. Mai, ist um 20 Uhr die Kabarettistin Franziska Wanninger mit ihrem Soloprogramm „Just und Margit“ im Kubus Ursensollen, Schulstraße, zu Gast. Wanninger deckt dabei so manche Rituale des Landlebens auf – bissig, hintersinnig und liebenswert.

  • Tickets

    Tickets für die Vorstellung gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen, im Rathaus Ursensollen sowie im Internet unter www.kubus-buehne.de . Sie kosten im Vorverkauf zwölf bzw. ermäßigt zehn Euro, an der Abendkasse 15 bzw. 13 Euro.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht