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Hilfe für demente Menschen

Das Team der Fachstelle für Demenz und Pflege Oberpfalz gibt Auskunft über seine Aufgaben, Angebote und Ziele.
von Kathrin Halbhuber

Die Fachstelle Demenz informiert Angehörige zu den Themen Pflege und Angebote vor Ort.
Die Fachstelle Demenz informiert Angehörige zu den Themen Pflege und Angebote vor Ort. Foto: Patrick Pleul/picture alliance/dpa

Amberg-Sulzbach.Warum kam es zur Gründung einer Fachstelle für Demenz und Pflege Oberpfalz?

Kapinsky: „Wir sind Teil der bayerischen Demenzstrategie, die vom bayerischen Gesundheitsministerium 2013 ins Leben gerufen wurde. Die ehemalige Demenzagentur ist nun die Fachstelle für Demenz und Pflege Bayern. Sie dient als Dachinstitution und Koordinationsstelle der sieben Fachstellen in den jeweiligen Regierungsbezirken. Der Tätigkeitsbereich wurde aber um einige Arbeitsbereiche erweitert.

Worin liegt der Aufgabenbereich der Fachstelle für Demenz und Pflege Oberpfalz?

Kapinsky: „Neben dem großen Bereich Demenz wurde das Thema Pflege um Beratung zu Angeboten zur Unterstützung im Alltag erweitert. Allerdings gibt es keine Einzelberatung, das heißt, wir leiten Betroffene an entsprechende Stellen möglichst nahe an deren Wohnort weiter. Dabei sind wir neutral und trägerunabhängig, wir informieren also darüber, welche anerkannten Träger vor Ort verfügbar sind. Für die konkrete Planung der Versorgung sind vor allem die Fachstellen für pflegende Angehörige da. Wir als Fachstelle FDuP beraten Träger von Angeboten zur Unterstützung im Alltag in der Oberpfalz. Grundsätzlich informieren wir über die aktuell gültigen gesetzlichen Rahmenbedingungen und helfen bei der Anerkennung.“

Was sind konkrete Angebote zur Unterstützung im Alltag?

„Nun kann es endlich losgehen“, freut sich Sandra Kapinsky (Mitte), Leiterin der neuen Fachstelle für Demenz und Pflege Oberpfalz, mit ihren Kollegen Klaus Pippan (pädagogischer Mitarbeiter) und Mandy Fischeder (Verwaltungsfachkraft).
„Nun kann es endlich losgehen“, freut sich Sandra Kapinsky (Mitte), Leiterin der neuen Fachstelle für Demenz und Pflege Oberpfalz, mit ihren Kollegen Klaus Pippan (pädagogischer Mitarbeiter) und Mandy Fischeder (Verwaltungsfachkraft). Foto: Kathrin Halbhuber

Kapinsky: „Angebote zur Unterstützung im Alltag ist der Oberbegriff für Angebote, die Menschen helfen, möglichst lange in ihrem eigenen Zuhause leben zu können, auch wenn sie pflegebedürftig werden. Zum Beispiel ehrenamtliche Helfer, die mit dem Pflegebedürftigen unter anderem spazieren gehen, musizieren, einkaufen und dergleichen mehr. Sie können über den Entlastungsbetrag abgerechnet werden.“

Bietet die Fachstelle auch Angebote zur Unterstützung im Alltag an?

Kapinsky: „Nein. Wie gesagt, wir lotsen nur zu den Angeboten hin.“

In welcher Hinsicht wird das Thema Demenz behandelt?

Pippan: „Es geht um die Sensibilisierung der Gesellschafft zum Thema Demenz. Dazu bieten wir zielgruppenorientiert Vorträge und Workshops an, beispielsweise für Mitarbeitende in Behörden oder Gemeindeverwaltungen, Apotheker/-innen, Angestellte im Nahverkehr oder im Einzelhandel. Wir leisten Aufklärungsarbeit.

Unsere Absicht ist es, die Lebenswelt von Demenzerkrankten begreifbar zu machen. Wir wollen beispielsweise aufzeigen, dass manches unangepasste Verhalten unter Umständen an einer Demenzerkrankung liegen könnte und wie man Anzeichen dafür erkennen kann. Somit können brenzlige Situationen entschärft werden.

Um die Symptome einer solchen Krankheit möglichst spürbar zu machen, wurde der Demenzparcours entwickelt, der von der Fachstelle kostenlos ausgeliehen werden kann. Für Schulen haben wir das Projekt Generationenemotionen angedacht. Es soll zum Verständnis zwischen den Generationen und altersbedingter Veränderungen wie Demenz oder abnehmende Gedächtnisleistung dienen. Wir wollen erreichen, dass Schüler/-innen vor allem einen emotionalen Zugang zu diesen Themen erlangen. Eine zentrale Frage, die angestoßen werden soll, ist: Wie gehen wir jetzt und später mit alten Menschen um, ob sie dement sind oder nicht?“

Fachstelle für Demenz und Pflege

  • Adresse:

    Nelkenstraße 4 in 92237 Sulzbach-Rosenberg

  • Erreichbarkeit:

    Telefon: (0 96 61) 8 99 93 15 (Verwaltung); Fax: (0 96 61) 3 04 86 17; Email: info@demenz-pflege-oberpfalz.de; Website: www.demenz-pflege-oberpfalz.de

Inwiefern unterstützt die Fachstelle Angebote zur Unterstützung im Alltag?

Pippan: „Die Fachstelle berät Träger von Angeboten zur Unterstützung im Alltag in der Oberpfalz. Wir helfen dabei, Stolperfallen zu vermeiden, indem wir anerkannte Träger beispielsweise zu Leistungsänderungen im Vorfeld der Antragsstellung informieren. Manchmal fehlen vor Ort auch Voraussetzungen, die eine ortsnahe Versorgung mit anerkannten Angeboten zur Unterstützung ermöglichen würden. Auch hier kann die Fachstelle auf praktikable Lösungswege verweisen. Gemeinden, Kommunen und potentielle Träger in der Oberpfalz können uns, wenn neue Angebote zur Unterstützung im Alltag vor Ort entstehen sollen, zu einem Impulsworkshop oder sachbezogenen Vortrag anfordern, denn eine Aufgabe der Fachstelle ist die Förderung genau solcher Initiativen.“

Wer ist der Träger der Fachstelle?

Sonja Oleson (Leiterin der Geschäftsstelle SEGA e.V.): Der gemeinnützige Verein zur Förderung der Seelischen Gesundheit im Alter (kurz: SEGA), mit Sitz in Sulzbach-Rosenberg, ist Träger für die vom Gesundheitsministerium ausgeschriebene Fachstelle. Der Verein ist ein oberpfalzweites, gesamtgesellschaftliches Bündnis zur Förderung der Seelischen Gesundheit im Alter, der beispielsweise auch die Netzwerkarbeit der Gerontopsychiatrischen Koordinationsstelle Oberpfalz (GKS) unterstützt.

Ziel des Vereins ist es, Lobbyarbeit für Menschen mit Demenz und deren Angehörige zu leisten und somit das Bewusstsein über seelische Erkrankungen im Alter in der Öffentlichkeit zu fördern und entsprechende Beratungs- und Versorgungsangebote bereitzustellen. Der Verein unterhält einen Helferkreis, der aus Alltags- und Pflegebegleitern besteht, die vor allem ältere Menschen betreuen.

Ein weiteres Projekt ist die Akademie für Seelische Gesundheit im Alter. Dabei werden oberpfalzweite Basisqualifikationen und Aufbaukurse der Gerontopsychiatrie sowie Schulungen ehrenamtlicher Helfer angeboten. Grundsätzlich versucht SEGA in der gerontopsychiatrischen Versorgung neue, alternative Wege zu gehen und dabei seinen Fokus nicht auf gewinnorientierte Einrichtungen zu legen.“

Was motiviert euch, hier zu arbeiten?

Fischeder: „Mir ist es vor allem wichtig, der mangelnden Vernetzung von Versorgungsangeboten in der Region entgegenzuwirken, damit wir eine möglichst gute Beratung sowie Unterstützung leisten können.“

Kapinsky: „Es ist noch viel zu tun, um den Menschen das Thema Demenz nahezubringen. Für mich gilt: Eine demenzfreundliche Welt ist eine bessere Welt!“

Pippan: „Ich war selbst lange pflegender Angehöriger, weswegen es mir sehr wichtig ist, dass neue Angebote entstehen, die pflegebedürftige Menschen und deren pflegende Angehörige in besonderen Lebenslagen unterstützen.“

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