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Wahl

Bittere Verluste schmerzen Amberger

Die Bezirksräte des Wahlkreises 301, Martin J. Preuß und Richard Gaßner, werden ihr Amt behalten – doch sie sind enttäuscht.
Von Gerd Spies

Erste Wahlergebnisse auf dem Handy! Bezirksrat Martin Preuß (rechts) auf der Wahlparty der CSU mit Ambergs Stadtrat Daniel Müller. Foto: Spies
Erste Wahlergebnisse auf dem Handy! Bezirksrat Martin Preuß (rechts) auf der Wahlparty der CSU mit Ambergs Stadtrat Daniel Müller. Foto: Spies

Amberg.„Mit einem blauen Auge davongekommen!“ So bezeichnet Bezirksrat Martin Preuß, Direktkandidat der CSU, das Ergebnis der Bezirkstagswahl. Natürlich ist er mit seinem Ergebnis nicht zufrieden. Genauso wenig wie Richard Gaßner, obwohl beide wieder im Bezirkstag vertreten sein werden.

36 Prozent der Erststimmen erhielt Preuß nach dem vorläufigen Ergebnis in der Stadt Amberg. Etwas weniger sind es im Landkreis Amberg-Sulzbach, nämlich 34 Prozent. Vor fünf Jahren kam Preuß noch auf 41 Prozent. Noch schlimmer erwischte es Richard Gaßner (SPD). Auf 17 Prozent im Landkreis und auf 16 Prozent in Amberg stürzte er in der Wählergunst ab. 2013 erreichte er noch 28 Prozent. Das drittbeste Ergebnis im Landkreis Amberg-Sulzbach erzielte Thorsten Grädler (Vilseck) von den Freien Wählern (14 %), im Stadtgebiet Amberg Sabine Mutzbauer von den Grünen (14 %).

Die Bürger sind unzufrieden

„Ausreißer“ bei den Zweitstimmen sind im Landkreis die Stadt Auerbach, wo die SPD die meisten Stimmen holte (35 %), und die Gemeinde Ursensollen, wo die Freien Wähler sogar auf 41 Prozent kamen. Trotzdem nicht verwunderlich: Ursensollen ist seit Jahren eine Hochburg der Freien Wähler, sie stellen dort auch mit Franz Mädler den 1. Bürgermeister. Der Amberger Stadt- und Bezirksrat Martin Preuß erhielt innerhalb der Stadt Amberg in den Stimmbezirken St. Sebastian (44 %), Raigering (43 %) und Ammersricht (46 %) den größten Stimmenanteil, in den Stimmbezirken Hl. Familie, Barbaraschule und Dreifaltigkeitsschule dagegen weit unter 30 Prozent.

Höhen und Tiefen für die Kandidaten

  • Martin J. Preuß (CSU):

    Blickt man auf die Gemeinden im Landkreis, dann hat Martin J. Preuß fünfmal wenigstens die 40 Prozent geknackt: Das beste Ergebnis erreichte er in Kastl mit 43,5 Prozent, gefolgt von Freudenberg (42,3 %). In Vilseck gab es für ihn nur 21,6 Prozent, das mit Abstand niedrigste Ergebnis. Sogar im SPD-regierten Sulzbach-Rosenberg und in Kümmersbruck kam er noch auf 29,4 bzw. 28,3 Prozent.

  • Thorsten Grädler (FW):

    In Vilseck kam keiner an Thorsten Grädler heran. In Stimmen drückt sich sein Heimspiel mit 47,1 Prozent aus.

  • Richard Gaßner (SPD):

    Nur in drei Gemeinden erreichte Gaßner mehr als 20 Prozent: In seiner Heimat Kümmersbruck gab es mit 36,9 Prozent das beste Ergebnis. Bis zum Ergebnis in Ensdorf (24,3 Prozent) und Schnaittenbach (23 Prozent) klafft schon eine Lücke. Der absolute Dämpfer: Vilseck mit 4,5 Prozent.

  • Gabriele Mutzbauer (Grüne):

    Spitzenergebnis für die Grünen-Kandidatin in Sulzbach-Rosenberg mit 19,1 Prozent – mehr als für Richard Gaßner. 18,3 Prozent erhielt Mutzbauer in Etzelwang. In Vilseck blieben auch für sie nur 4,6 Prozent. (mi)

Dass hier die AfD mit Claudia Marino aus Weiden mehr als 20 Prozent erhalten hat, wurmt Preuß gewaltig. Für ihn ist einfach „nicht nachvollziehbar, dass eine Kandidatin, die nie im Wahlkreis gesehen wurde, so viele Stimmen erhielt“, wie er sagte. „Wir müssen versuchen, an diese Leute, die die AfD gewählt haben, heranzukommen“, betont Preuß als Aufgabe der Zukunft. „Schon bei den Wahlveranstaltungen zeichnete sich ab, dass viele dieser Bürger unzufrieden sind, Kritik aber im Unverbindlichen geblieben ist. Das macht es schwer, weil man die Probleme nicht greifen kann.“

„Wir müssen versuchen, an diese Leute, die die AfD gewählt haben, heranzukommen.“

Martin J. Preuß (CSU)

Enttäuschte Gesichter bei der SPD; von links 3. Bürgermeisterin Brigitte Netta, MdEP Ismail Ertug und Bezirksrat Richard Gaßner. Foto: Brückmann
Enttäuschte Gesichter bei der SPD; von links 3. Bürgermeisterin Brigitte Netta, MdEP Ismail Ertug und Bezirksrat Richard Gaßner. Foto: Brückmann

Der SPD-Bezirksrat Richard Gaßner macht ebenfalls aus seiner großen Enttäuschung über das Ergebnis der Bezirkstagswahl keinen Hehl. „Das war kein bayerisches Ergebnis, das war ein Bundesergebnis! Ich bin richtig traurig, dass die SPD als Volkspartei bei der Bezirkstagswahl von 28 Prozent auf 17 Prozent zurückfällt. Im Bezirkstag, der dritten kommunalen Ebene in Bayern, sitzen Kommunalpolitiker ohne Skandale, ohne Profilierungssucht, unterstützen auf vielen Ebenen das Ehrenamt, und da rennen die Wähler mit zehn bis zwölf Prozent nach der Rattenfänger-Methode einem Gesicht nach, das sie gar nicht kennen!“, fand Gaßner klare Worte.

In vielen Ämtern ist er ehrenamtlich engagiert, leitete 24 Jahre die Geschicke der Gemeinde Kümmersbruck als Bürgermeister, sitzt seit 20 Jahren bereits im Bezirkstag, inzwischen auch als Fraktionssprecher der SPD. Auf Listenplatz 1 der SPD ist ihm daher ein Platz im Bezirkstag sicher. Gaßner geht aber davon aus, dass seine Partei eines der drei Mandate verlieren wird.

Soziales und Finanzen

Dass die CSU auf Bezirksebene alle acht Mandate holt, ist ebenfalls Geschichte. Zumindest Tanja Schweiger von den Freien Wählern, Landrätin im Landkreis Regensburg und Ehefrau von Hubert Aiwanger, dem Vorsitzenden der Freien Wähler, hat der CSU ein Direkt-Mandat weggeschnappt. In der letzten Legislaturperiode hatten die FW zwei Sitze im Bezirkstag, jeweils ein Mandat ging an Grüne, ÖDP und Bayernpartei. Die kleineren Parteien kommen hier im Gegensatz zum Landtag eher zum Zug, da es keine Fünf-Prozent-Hürde gibt. Im neuen Bezirkstag wird die Ausgangsposition für die einzelnen Parteien eine ganz andere sein, da es nur noch ein Ausgleichsmandat geben wird.

Martin Preuß und Richard Gaßner werden damit wieder den Wahlkreis Amberg-Sulzbach in den kommenden fünf Jahren im Bezirkstag vertreten. Dort gilt Preuß als Fachmann für den sozialen Bereich, Gaßner als geschätzter Kenner der Haushaltsfragen.

Wir haben die aktuellen Entwicklungen am Wahlabend für Sie begleitet:

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