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Verkehr

Mehr Unfälle und fünf Tote in einem Jahr

Verkehrspolizei Amberg und Autobahnpolizei Schwandorf legen keine erfreulichen Zahlen vor. Raser haben es bald schwerer.
Von Gerd Spies

  • Der Unfall am 28. Januar 2015 auf der A 93 kurz nach Schwandorf-Mitte mit mehreren Sattelzügen kostete ein Menschenleben. Foto: Baumgarten
  • Am 23. August 2015 starb auf der Autobahn A 6 nahe Ursensollen ein Rollerfahrer. Diese Autobahn hat zwar eine weit geringere Verkehrsdichte als die A 93, aber vor allem der Schwerverkehr fällt hier ungleich stärker ins Gewicht als zwischen Regensburg und Hof. Foto: THW Amberg
  • Sie stellten die Statistik für 2015 vor; von links: Josef Decker (stellvertretender Leiter VPI Amberg), Friedrich Böhm (Leiter der VPI Amberg), Polizeihauptkommissar Norbert Hausner und Michael Grötsch, der kommissarische Leiter der Autobahnpolizeistation Schwandorf. Foto: Spies

Amberg.Keine guten Zahlen konnten Friedrich Böhm, Leiter der Verkehrspolizeiinspektion (VPI) Amberg, und seine Mitarbeiter mit der Verkehrsstatistik 2015 bei der Vorstellung gegenüber der Presse verkünden. Trotz aller Bemühungen, die Verkehrssicherheit zu erhöhen, hat die Zahl der Unfälle seit 2014 im Zuständigkeitsbereich der VPI Amberg zugenommen (763 gegenüber 698 im Jahr 2014). Besonders tragisch ist die Zahl von fünf Unfalltoten, während im Jahr zuvor kein tödlicher Verkehrsunfall zu beklagen war.

Die von Bayerns Innenminister Joachim Hermann im neuen Verkehrssicherheitsprogramm 2020 „Bayern mobil“ formulierten Ziele, die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle gegenüber 2011 zu senken und die Zahl der Verkehrstoten um 30 Prozent zu reduzieren, ist man in Amberg weit entfernt.

Auf der A 6 sind die Lkws „daheim“

Dieser Ferrari wurde mit Tempo 215 auf der Bundesstraße 14 bei Sulzbach-Rosenberg gestoppt – ohne Kennzeichen vorne. Foto: VPI Amberg
Dieser Ferrari wurde mit Tempo 215 auf der Bundesstraße 14 bei Sulzbach-Rosenberg gestoppt – ohne Kennzeichen vorne. Foto: VPI Amberg

Die VPI ist mit der ihr nachgeordneten Autobahnpolizeistation (APS) Schwandorf für insgesamt 112 Kilometer Autobahn zuständig: Schwandorf für die A 93 zwischen Wernberg-Köblitz und Ponholz, Amberg für die A 6 zwischen den Anschlussstellen Alfeld und Leuchtenberg. Während auf der A 93 gegenüber der Autobahn A 6 das Gesamtverkehrsaufkommen etwa doppelt so hoch ist (rund 21 000 Fahrzeuge gegenüber 10 000 pro Tag), fahren auf der A 6 deutlich mehr Lkw. Jedes dritte Fahrzeug ist auf der A 6 ein Brummi, auf der A 93 ist es nur jedes siebte Fahrzeug. Auf beiden Routen ist der Verkehr seit 2010 weiter gestiegen, auf der A 6 mit fast 20 Prozent weit mehr als auf der A 93 mit 9 Prozent.

Die Unfallstatistik zeigt, dass speziell im Zuständigkeitsbereich der APS Schwandorf, also auf der A 93, die Zahl der Unfälle deutlich gestiegen ist – 331 gegenüber 277 im Vorjahr. Folglich stieg auch der entstandene Sachschaden bei Unfällen stark an, im Bereich der VPI Amberg sogar um 30 Prozent auf 1,3 Millionen Euro (0,77 Millionen Euro im Jahr 2014). Alle Unfälle mit tödlichem Ausgang ereigneten sich auf den Autobahnen, drei Verkehrstote auf der A 6, zwei auf der A 93. Unfälle unter dem Einfluss von Drogen oder von Alkohol ereigneten sich zwölf, also genauso viele wie im Vorjahr.

Auch die Gegenfahrbahn im Blick

Dieser Ferrari wurde mit Tempo 215 auf der Bundesstraße 14 bei Sulzbach-Rosenberg gestoppt – mit der zweiten Kamera wurde das Kennzeichen hinten fotografiert. Foto: VPI Amberg
Dieser Ferrari wurde mit Tempo 215 auf der Bundesstraße 14 bei Sulzbach-Rosenberg gestoppt – mit der zweiten Kamera wurde das Kennzeichen hinten fotografiert. Foto: VPI Amberg

Durch die technischen Verbesserungen kommen seit vergangenem Jahr auf die Raser härtere Zeiten zu. Denn durch den Einsatz einer zweiten Kamera bei Messungen kann jetzt auch der Verkehr auf der Gegenfahrbahn kontrolliert werden. Außerdem wird durch die Verwendung von zwei Kameras das Fahrzeug nicht nur von vorne, sondern auch von hinten fotografiert, was einem besonders „schlauen“ Autofahrer zum Verhängnis wurde.

Dieser Ferrari-Pilot hatte nämlich, auf der Bundesstraße 14 mit 215 Stundenkilometern statt der erlaubten 100 unterwegs, sein Kennzeichen vorne abmontiert, nicht aber hinten. Von der zweiten Kamera konnte er so identifiziert werden, ein saftiges Bußgeld und Fahrverbot waren die Folge. Insgesamt stieg die Zahl der Beanstandungen von 11 800 (2014) auf 14 500 (2015) an. Drei Viertel aller Temposünder kamen mit einer Verwarnung davon, zwei Prozent bekamen aber ein Fahrverbot. Die Zahl der Tempoüberschreitungen, die mit dem Handlaser festgestellt wurden, hat 2015 auch zugenommen.

Weniger Einsätze – mehr Anzeigen

Trotz weniger Einsatzstunden mussten mehr als 500 Anzeigen erstellt werden. Friedrich Böhm wies besonders darauf hin, dass diese Art von Geschwindigkeitsüberwachung gezielt bei Gefahrenstellen eingesetzt werde, um den Autofahrer für diese unfallgefährdeten Bereiche zu sensibilisieren.

Ab Mai kommt nun noch eine weitere Variante der Geschwindigkeitsmessung hinzu, nämlich die mit dem Videofahrzeug 2000. Ein neues Fahrzeug mit hochmoderner Technik wird ab diesem Zeitpunkt ebenfalls auf die Jagd nach Rasern gehen. Das alte Fahrzeug war 2015 335 Stunden im Einsatz, stellte über 200 Verkehrsverstöße fest.

Schwerpunkt Mindestabstand

  • Kontrollen

    Der Abstand wird hauptsächlich auf der A 93 überwacht. Hier lassen digitale Abstandsmessungen und geschultes Personal jetzt bessere Kontrollen zu. Bei 70 Messungen wurden 2015 mehr als 1600 Abstandsverstöße – also weniger als drei Zehntel des geforderten „halben Tachos“ – festgestellt, wobei die hohe Anzahl von 254 Fahrverboten ausgesprochen werden musste.

  • Rechtsfolgen

    Bei 100 Stundenkilometern auf Landstraßen werden Verstöße von weniger als 15 Metern, bei Tempo 140 auf der Autobahn Verstöße von weniger als 21 Metern Abstand geahndet. Friedrich Böhm, der Leiter der VPI Amberg, kündigte auch deswegen für 2016 einen Schwerpunkt der Kontrollen an, da zu geringer Abstand eine sehr häufige Unfallursache darstelle. (age)

Die Fahndungs- und Kontrollgruppe Verkehr der VPI Amberg hatte im Jahr 2015 auch wieder alle Hände voll zu tun. Mehr als 300 Anzeigen – eine Steigerung von 50 gegenüber 2014 – mussten diese hoch spezialisierten Fachkräfte erstatten. Von Urkundenfälschung über Waffendelikte bis hin zum Drogenschmuggel war auch im vergangenen Jahr wieder alles dabei.

Was inzwischen allerdings die Arbeit der Amberger Verkehrspolizei dem Vernehmen nach sehr erleichtert und die Erfolgsquote steigen lässt, ist die Tatsache, dass die Zusammenarbeit mit den tschechischen Kollegen inzwischen offenbar reibungslos funktioniert. Wenigstens eine positive Nachricht aus dem Munde der Verkehrspolizei zu diesem Thema.

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