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Natur

Aktiv im Zeichen der Fledermaus

Der Fledermausturm im Ortsteil Lauterach unterhalb von Kastl ist eine weitere Anlaufstation an der „grünen Schlagader“.
Von Paul Böhm

In den vergangenen Tagen wurde der Fledermausturm gleich unterhalb von Kastl nahe dem Ortsteil Lauterach seiner Bestimmung übergeben. Der Fledermausturm ist auch ein Trittsteinquartier für die weitere Ausbreitung der Fledermäuse, besonders der Großen Hufeisennase. Foto: abp
In den vergangenen Tagen wurde der Fledermausturm gleich unterhalb von Kastl nahe dem Ortsteil Lauterach seiner Bestimmung übergeben. Der Fledermausturm ist auch ein Trittsteinquartier für die weitere Ausbreitung der Fledermäuse, besonders der Großen Hufeisennase. Foto: abp

Kastl.Mit der Einweihung des Fledermausturms nahe des Weilers Lauterach, gleich unterhalb von Kastl am Fünf-Flüsse-Radweg, hat das auslaufende Life-Projekt „Große Hufeisennase“ einen weiteren Eckpfeiler. Offiziell vorgestellt haben den Fledermausturm der Amtschef des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz, Dr. Christian Barth, Kastls Bürgermeister Stefan Braun, Georg Schlapp vom Naturschutzbund Bayern und Projektbetreuer Rudolf Leitl.

Nicht nur die Menschen können sich dort ausruhen und an der großen Informationstafel viel Wissenswertes über die vom Aussterben bedrohte Fledermausart nachlesen. Im gesicherten Obergeschoss können auch die Fledermäuse im Lauterachtal eine kleine Auszeit nehmen, wenn sie auf ihrer ausgiebigen Jagd nach Insekten unterwegs sind. Zum Projekt gehört auch ein beschilderter Fledermauswanderweg rund um die Natura 2000-Gemeinde Hohenburg.

Dr. Andreas Lindeiner, Artenschutzreferenz des Bayerischen Landesbundes für Vogelschutz (LBV), hat auch eine große Anzahl von Behördenvertretern und Fachleuten willkommen geheißen. Mit dabei war auch Isabel Lautenschlager, Geschäftsführerin des Naturparks Hirschwald e. V, denn dem Betreuungsbereich des Naturparks wird der Fledermausturm künftig angegliedert sein.

Population wächst deutlich

Ein besonderer Tag war die Einweihung des Fledermausturms im Ortsteil Lauterach unterhalb von Kastl: von links Rudolf Leitl, Dr. Andreas Lindeiner (LBV), Dr. Christian Barth, Amtschef des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz, Bürgermeister Stefan Braun und Georg Schlapp vom Bayerischen Naturschutzfond. Foto: abp
Ein besonderer Tag war die Einweihung des Fledermausturms im Ortsteil Lauterach unterhalb von Kastl: von links Rudolf Leitl, Dr. Andreas Lindeiner (LBV), Dr. Christian Barth, Amtschef des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz, Bürgermeister Stefan Braun und Georg Schlapp vom Bayerischen Naturschutzfond. Foto: abp

Bürgermeister Stefan Braun sprach von einem guten Zusammenwirken aller Beteiligten, von Freistaat Bayern, EU, LBV, dem Bayerischen Naturschutzfond, Naturpark Hirschwald und der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) als zuständiger Behörde für den Truppenübungsplatz Hohenfels. Dank sagte er vor allem auch dem LBV als Projektträger, den Genehmigungsbehörden und den Baufirmen, die zu Gelingen dieses Bauwerkes am Radweg unterhalb von Kastl beigetragen haben. „Dieses Projekt ist eine enorme Aufwertung der grünen Schlagader im Lauterachtal, zeigte sich Braun überzeugt.

Auch Dr. Christian Barth vom Umweltministerium sah in dem Turm eine ideale Ergänzung für das Fledermaushaus im benachbarten Hohenburg. „Das Ziel muss es sein, den Rahmen so zu legen, dass die Fledermäuse einmal ohne Weiterführungsmaßnahmen eine eigene Lebengrundlage finden“, betonte er.

Von einer Erfolgsgeschichte sprach Projektbetreuer Rudolf Leitl. Das aus dem Bayerischen Naturschutzfond finanzierte LIFE-Naturprojekt zur Rettung der stark bedrohten Fledermausart „Große Hufeisennase„ habe die Erwartungen erfüllt, meinte der Experte. Seit Projektbeginn vor sechs Jahren ist die Kolonie von 67 auf heuer 187 Tiere angewachsen.

Artenschutz

  • Fledermäuse

    Viele Fledermausarten sind bedroht, vor allem auch die Große Hufeisennase ist sehr selten geworden. Zur Sicherung der letzten Kolonie dieser Fledermausart in Deutschland gibt es in Hohenburg seit vielen Jahren erfolgreiche, beispielhafte Artenhilfsmaßnahmen.

  • Life-Projekt

    Seit 2012 läuft im Amberg-Sulzbacher Land ein EU-Life-Projekt des Landesverbandes für Vogelschutz (LBV). Ziel ist es, die Lebensbedingungen der Großen Hufeisennase zu verbessern – und dazu gehören vor allem auch Quartiere wie das Fledermaushaus

  • Natura 2000

    Der Markt Hohenburg, Nachbargemeinde von Kastl, wurde als 1. Natura 2000-Gemeinde in Bayern ausgezeichnet. Zweck von Natura 2000 ist der länderübergreifende Schutz gefährdeter Pflanzen- und Tierarten und ihrer natürlichen Lebensräume.

Weitere nachgewiesene Sommerquartiere der Großen Hufeisennase und anderer Fledermausarten sind die Kirchen in Bergheim, Kichenödenhart und in Schmiedheim im Truppenübungsplatz Hohenfels. Dazu kommen noch einige Karsthöhlen im Bereich des Lauterachtals, die gern als Sommerquartiere angenommen werden, wie Leitl sagte.

Einer der Schlüsselfaktoren zum Überleben des letzten deutschen Vorkommens der Großen Hufeisennase ist der Insektenreichtum auf den pestizidfreien Flächen des Truppenübungsplatzes Hohenfels und im Lauterachtal. Auch die gut funktionierende Kooperation mit vielen unterschiedlichen Akteuren trägt zum Erfolg des Life-Natur-Projekts bei, weiß Leitl.

Turm auch in Schmidmühlen

Zwei neue Fledermaustürme, einer unterhalb von Kastl und einer in Schmidmühlen, also an den beiden Enden des Projektgebietes, dienen den Fledermäusen als Trittsteinquartiere für die weitere Ausbreitung. Zusätzlich bieten die Türme Radfahrern und Wanderern neben Informationen zur Großen Hufeisennase sowie zum Projekt auch einen Schutz- und Rastplatz.

„Es geht darum, das Bewusstsein in der Bevölkerung für die hochbedrohte Fledermausart zu stärken“, machte Leitl deutlich. Er hob auch das gute Zusammenwirken mit vielen unterschiedlichen Akteuren: So habe der Bundesforstbetrieb im Truppenübungsplatz Hohenfels zahlreiche Flächen gelichtet und so als Flugrouten und Jagdreviere für die Große Hufeisennase optimiert.

Die Fledermäuse stehen auch im Fokus beim Artenschutzprojekt des Naturparks Hirschwald.

Mehr über Projekte und Initiativen im Naturpark Hirschwald finden Sie in unserem MZ Spezial!

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