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Beseelte Welt zwischen Wald und Flüssen

Der Kunstwanderweg Naturpark Hirschwald zeigt mit einzigartigen Kunstwerken die Wechselwirkung zwischen Mensch und Natur auf.
Von Michaela Fichtner

„Visionäre in alten Mauern“ ist Thema des Kunstwerks, das seit November 2013 am Vilstalradweg in Ensdorf steht. Foto: Hans Babl
„Visionäre in alten Mauern“ ist Thema des Kunstwerks, das seit November 2013 am Vilstalradweg in Ensdorf steht. Foto: Hans Babl

Amberg.Die Natur ist beseelt – und damit dem Menschen so nahe: Die Künstlerin Hanna Regina Uber dürfte mit ihrer tiefen Überzeugung vielen aus dem Herzen sprechen, wenn sie an Bäume, Blüten, Gräser, Vögel, Fische und viele andere Tiere mehr denken. Reich an Besonderheiten der Flora und Fauna ist gerade auch der Naturpark Hirschwald – eine beseelte Welt.

Nur mit diesem Empfinden kann auch die künstlerische Reflexion über die Wechselwirkung von Mensch und Natur gelingen, wie sie nun die Kunstwanderstationen im Naturpark Hirschwald zeigen. Die Bildhauer Hanna Regina Uber und Robert Diem tragen dieses Empfinden in sich – und über ihre Kunstwerke zu den Menschen. Seit Jahren arbeiten sie jetzt an diesem im weiten Umkreis einzigartigen Projekt. Mit der Einweihung der achten Kunstwanderstation, des „Amberger Tors“ in der Stadt Amberg, schließt sich der Kreis.

Andreas Gruber war 2011 der Initiator für den Kunstwanderweg im Naturpark. Foto: Susanne Schwab
Andreas Gruber war 2011 der Initiator für den Kunstwanderweg im Naturpark. Foto: Susanne Schwab

Ein großes, gemeinsames Projekt zu schaffen: Diese Vision hat bereits den damaligen Geschäftsführer des Naturpark Hirschwald e. V., Andreas Gruber, geleitet, als er 2011 den Kunstwanderweg initiiert hat. Noch jung war der Naturpark – er wurde 2006 gegründet – und die beteiligten Gemeinden sollten auf eine ganz besondere Weise verbunden, gar vereint werden. Dieses Konzept hat übrigens auch den Freistaat überzeugt, denn über die Naturparkförderung werden die Stationen (Sitzspirale, Infostele und Baufreimachung) mit sogar 70 Prozent statt der üblichen 50 Prozent unterstützt. Und für die Kunstwerke engagierte sich auch die Sparkassenstiftung der Region.

Gewaltig, faszinierend, schön

Die Kunstwanderstation Hausen befasst sich mit dem Unterwegssein des Menschen und den Veränderungen, die damit einhergehen. Schließlich tritt der Mensch geläutert heraus. Foto: Hans Babl
Die Kunstwanderstation Hausen befasst sich mit dem Unterwegssein des Menschen und den Veränderungen, die damit einhergehen. Schließlich tritt der Mensch geläutert heraus. Foto: Hans Babl

Isabel Lautenschlager, die Gruber 2013 als Geschäftsführerin folgte, begeistert an dem Weg zum einen genau das Verbindende, ausgedrückt durch die Sitzspirale in Form einer Jura-Schnecke, und die Informations-Stele, die an allen Stationen zu finden sind. Und zum anderen sind es die eigenen, unverwechselbaren Kunstwerke. „Die Künstler haben sich beim Konzept viel Arbeit gemacht, herauszufinden, was jede Kommune ausmacht“, sagt Isabel Lautenschlager.

„Gewaltig, faszinierend, unendlich schön“: So hat Hanna Regina Uber einmal die Natur im Allgemeinen und den Naturpark Hirschwald im Speziellen beschrieben. Diese Attribute gelten sicher auch für die Werke, die die beiden Bildhauer geschaffen haben. Gewaltig – wenn man auf die Dauer des Projekts und die Arbeit an den Kunstwerken blickt. Faszinierend – wenn man sich die Vielfalt der Themen und Gedanken vergegenwärtigt und dann ebenso die unverwechselbare, oft überraschende und spannende künstlerische Umsetzung. Schön – wenn man die Skulpturen einfach ansieht, sie genießt, gerade auch in der jeweiligen Umgebung.

„Der Mensch in der Natur – die Natur des Menschen“

Das große Thema für die Stationen

„Von fantastischen Geschichten aus der Vergangenheit bis zu lebenserhaltenden Zukunftsvisionen“ sprechen die Bildhauer Hanna Regina Uber und Robert Diem in ihrem Konzept für die Kunstwanderstationen – alles unter dem großen Thema „Der Mensch in der Natur – die Natur des Menschen“. So findet sich natürlich der Mensch in ihren Arbeiten, der Mensch, wie er sich verändert, sich weiterentwickelt, auch geläutert wird, wie es Hausen und Amberg zeigen. Geschichtliche Besonderheiten haben sie aufgegriffen, beispielsweise den Tod von Prinzessin Anna in Kastl oder die Vilsschifffahrt in Schmidmühlen, bei denen der Zeitenlauf und das Schicksal thematisiert werden. Oder auch den Riedener Ziegenbock als Erinnerung an die Ziegenhirten. Auch die Fledermäuse, die den Markt Hohenburg bekannt gemacht haben, gehören dazu – mit ihrer Botschaft, wie viel der Mensch von der Natur lernen kann. Der Wacholder in Köfering, der zu neuen Einsichten anregen will. Und die Schöpfung an sich – mit dem Aufruf und Auftrag, sie zu bewahren, wie es speziell das Kunstwerk in Ensdorf ausdrückt.

Naturschutzthemen vermitteln

„Prinzessin Anna“ ist das Thema der Kunstwanderstation in Kastl, die 2013 als erste errichtet wurde. Foto: Michaela Fichtner
„Prinzessin Anna“ ist das Thema der Kunstwanderstation in Kastl, die 2013 als erste errichtet wurde. Foto: Michaela Fichtner

Wenn auch die Kunst die Blicke auf sich zieht, Gedanken reifen lässt: Es geht ebenso um naturschutzfachliche Aspekte. Sie werden natürlich in und mit den Skulpturen transportiert – und ganz konkret zum Nachlesen auf den Infotafeln thematisiert. Sei es die Bedeutung der Renaturierung von Flüssen (Schmidmühlen), die Beweidung von Magerrasen (Rieden) oder die Trockenrasen im Lauterachtal, die „duftenden Hänge“ mit Kartäusernelke, Orchideen und Schmetterlingen (Kastl). Und wer wusste wirklich, dass dort, wo heute Köfering liegt, vor mehr als 150 Millionen Jahren ein Meer war und dass die Reste der Kalkschalen der einst dort lebenden Organismen den Boden unter den Füßen bilden?

„Das Schöne ist, dass bei Bedarf ein Salesianerpater geistliche Impulse gibt.“

Geschäftsführerin Isabel Lautenschlager

Isabel Lautenschlager ist davon überzeugt, dass der Kunstwanderweg zur Diskussion anregt. „Und wenn Wanderer und Radfahrer an unseren Stationen ins Diskutieren und bestenfalls ins Nachdenken geraten, ist schon viel erreicht.“ Dazu tragen auch Führungen bei, wie sie Isabel Lautenschlager anbietet. Vor allem natürlich von Ensdorf nach Rieden, die sehr nahe beisammen liegen. „Das Schöne daran ist, dass bei Bedarf auch ein Salesianerpater vom Kloster Ensdorf geistliche Impulse gibt.“ Auch eine Einkehr im Kloster könne man für angemeldete Gruppen organisieren.

Spezielle Führungen entwickeln

Das Kunstwerk in Köfering ist nachts beleuchtet und bietet dann wieder andere Einblicke. Foto: Josef Fichtner
Das Kunstwerk in Köfering ist nachts beleuchtet und bietet dann wieder andere Einblicke. Foto: Josef Fichtner

Bisher allerdings bezieht sich dieses Angebot nur auf die Kunstwanderstationen Ensdorf und Rieden. Isabel Lautenschlager arbeitet daran, auch für die übrigen Stationen spezielle Führungen zu entwickeln. In Hausen beispielsweise gab es mit Unterstützung aus der dortigen Pfarrei eine Führung in der Wallfahrtskirche St. Georg, dann wurde die Kunstwanderstation vorgestellt – und schließlich gewandert. „Das ist gut angekommen“, erzählt sie von den Reaktionen.

Den Wanderweg zu den acht Stationen – insgesamt rund 70 Kilometer – will Lautenschlager noch genauer ausarbeiten. Erste Wahl seien dabei die vorhandenen Wege, vor allem die Qualitätswanderwege: Jurasteig, Wacholderwanderweg, Erzweg, Vilstalwanderweg.

Und noch viel mehr Ideen für den Kunstwanderweg hat Isabel Lautenschlager: 2017 soll es mit dem Zentrum für Erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit (ZEN) in Ensdorf eine E-Bike-Tour zu allen acht Stationen geben, um das Thema Elektromobilität mit dem Naturpark zu verbinden. Entwickeln will sie die Tour mit einem Radguide – die Voraussetzungen seien ja schon vorhanden mit dem Fünf-Flüsse-Radweg, Lauterachtal- und Schweppermann-Radweg.

Der Kunstwanderweg Naturpark Hirschwald auf einer übersichtlichen Karte:

Umfangreiches Infoangebot

„Fluss der Zeit“ ist der Titel des Schmidmühlener Kunstwerks: Es zeigt eine historische Vilsplätte, schwebend in einem Raster, das die Zeit symbolisiert. Foto: Michaela Fichtner
„Fluss der Zeit“ ist der Titel des Schmidmühlener Kunstwerks: Es zeigt eine historische Vilsplätte, schwebend in einem Raster, das die Zeit symbolisiert. Foto: Michaela Fichtner

2017 soll die kleine Broschüre fertig sein, die den Kunstwanderweg im Naturpark Hirschwald und seine acht Stationen vorstellt, erzählt Lautenschlager. Auch auf der Homepage des Naturparks, die derzeit neu gestaltet wird, würden die Interessierten dann alle Informationen finden, dazu Verweise auf Sehenswürdigkeiten, Gastronomie und mehr. „Und QR-Codes und GPS-Daten zum Herunterladen“, so Lautenschlager zu heutzutage unverzichtbaren Anforderungen.

Bleibt ihr selbst noch Zeit, den Naturpark Hirschwald direkt vor ihrer Haustür zu genießen? Isabel Lautenschlager gibt zu, dass sie selten die Gelegenheit habe, die Seele baumeln zu lassen. Wenn sie durch den Naturpark streift, geht es ihr vor allem um Planungen für Wanderungen. Aber die Kamera – die hat sie immer dabei. „Wenn ich Schönes sehe, dann halte ich an und mache Fotos.“

Klicken, finden, staunen – hier geht es zu unserer großen Bildergalerie:

Kunstwanderstationen Naturpark Hirschwald

Innehalten: Das ist auch mit einer anderen Zukunftsvision verbunden – einem Landschaftskino. Ein Projekt von Landschaftspflegeverband Amberg-Sulzbach, Juradistl und einer Kommune, in dem Fall Ensdorf. Angedacht ist, dieses Landschaftskino an der Kalvariengruppe über Ensdorf zu errichten und damit mitten im Naturpark. „Dort ist immer der geistliche Impuls bei der Führung zu den Kunstwanderstationen Ensdorf und Rieden“, sagt Isabel Lautenschlager. „Es wäre eine schöne Bereicherung.“

Isabel Lautenschlagers Vision

Isabel Lautenschlager arbeitet unter anderem daran, für alle Kunstwanderstationen im Naturpark Hirschwald spezielle Führungen zu entwickeln. Foto: Röttenbacher/Archiv
Isabel Lautenschlager arbeitet unter anderem daran, für alle Kunstwanderstationen im Naturpark Hirschwald spezielle Führungen zu entwickeln. Foto: Röttenbacher/Archiv

Das große Projekt des Kunstwanderwegs im Naturpark Hirschwald ist beinah abgeschlossen, doch neue Ideen und Vorhaben gibt es schon längst wieder, wie Geschäftsführerin Isabel Lautenschlager erzählt.

Frau Lautenschlager, an welchem Zukunftsprojekt arbeiten Sie derzeit?

Das ist das Infozentrum – ein großer Wunsch des Vorstands und ein riesiges Projekt. Wir sind konkret in Gesprächen über die Kosten – und, wie diese auf die Mitgliedsgemeinden verteilt werden können.

Wann könnte eine Entscheidung darüber fallen?

Vielleicht noch im Sommer. Die Gemeinde Ursensollen hat schon das Signal gegeben, dass sie die Bauträgerschaft übernehmen würde. Es soll ja in Waldhaus entstehen.

Was ist geplant, um den Naturpark Hirschwald noch deutlicher zu machen?

Seit kurzem stehen an der A 6 zwei Autobahnschilder, die auf den Naturpark hinweisen – sie sind übrigens sehr schön geworden. Das ist aber nicht nur ein Stück Außenmarketing, sondern auch Innenmarketing.

Und welche Ideen gibt es noch für die Mitgliedsgemeinden?

Wir wollen die Beschilderungen verbessern. In jeder Mitgliedsgemeinde ist eine Tafel geplant, die auf den Naturpark Hirschwald hinweist, auf örtliche Besonderheiten, Wanderwege und mehr. Überlegt wird auch, besondere Orte hervorzuheben – mit Texttafeln, Audioguide und QR-Code. Das wird eine große Aufgabe im Herbst und Winter 2016/2017 werden. An Fördermöglichkeiten aus Töpfen zur Besucherlenkung wird jedenfalls schon gearbeitet.

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