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Projekt

Die Fledermäuse dürfen einziehen

Die Sanierung des ehemaligen Bräukellers in Ursensollen geht dem Ende entgegen. Jugendliche aus vielen Ländern halfen mit.
Von Paul Böhm

Nach nur drei Wochen ist die Sanierung des alten Bräukellers in Ursensollen so gut wie abgeschlossen – und Lob dafür gab es von allen Seiten vor der Erstbegehung für das zügige Arbeitstempo. Foto: abp
Nach nur drei Wochen ist die Sanierung des alten Bräukellers in Ursensollen so gut wie abgeschlossen – und Lob dafür gab es von allen Seiten vor der Erstbegehung für das zügige Arbeitstempo. Foto: abp

Ursensollen.„Die Bräukellersanierung ist auch ein Stück internationale Völkerverständigung, die nicht nur unserer Gemeinde zugutekommt.“ Bürgermeister Franz Mädler nannte die Sanierung ein außergewöhnliches Projekt, bei dem nicht nur ein Stück Heimatgeschichte der Gemeinde Ursensollen vor dem Verfall gerettet wurde.

Lob gab es von allen Seiten zum Abschluss der Sanierungsarbeiten: Gut zusammengearbeitet hat in den vergangenen drei Wochen eine international zusammengesetzte Jugendgruppe aus aller Herren Länder mit Mitarbeitern der Baufirma Klebl aus Neumarkt mit ihrem Polier Karl Fischer und dem gemeindlichen Bauhof aus Ursensollen. Dabei wurde der Bräukeller, ein in das Felsmassiv geschlagener ehemaliger Bierkeller gesichert. Man hofft jetzt, dass Fledermäuse dieses Quartier annehmen.

Jugendliche machten Ausflüge

Auf Grund der guten Zusammenarbeit mit einem Workcamp beim Bau des Artenschutzturms hatte sich der Ursensollener Gemeinderat entschieden, das Projekt „Umbau des ehemaligen Bräukellers Kellerhäusl in einen Fledermauskeller“ mit Unterstützung des Eigentümers Wolfgang Gehr, dem Amt für Ländliche Entwicklung der Oberpfalz sowie dem Verein für Internationale Jugendgemeinschaftsdienste (ijgd) mit Sitz in Bonn zu organisieren.

Die Zusammenarbeit der Jugendlichen aus verschiedenen Ländern klappte hervorragend. Foto: abp
Die Zusammenarbeit der Jugendlichen aus verschiedenen Ländern klappte hervorragend. Foto: abp

16 Jugendliche aus mehreren Nationen waren schnell gefunden, die bereit waren, das Projekt „Sicherung des ehemaligen Bräukellers“ zu begleiten und die Arbeiten der Fachfirma zu unterstützen. Die Arbeiten rund um den Bräukeller können Ende dieser Woche abgeschlossen werden, berichtete Bürgermeister Franz Mädler den Gästen bei der offiziellen Erstbegehung des dominanten Felsenkellers.

Untergebracht waren die Jugendlichen in der Grundschule. Die Jugendlichen versorgten sich selbstständig, unternahmen auch gemeinsame Ausflüge in Gruppen mit dem Amt für Ländliche Entwicklung und der Gemeinde. Von der Gemeinde her betreute Nina Forster das Projekt.

„Heimatpflege, Naturschutz und die Pflege von internationaler Zusammenarbeit von Jugendlichen haben dazu beigetragen, dass dieses Workcamp mit diesem schönen Erfolg abgeschlossen werden kann“, sagte Bürgermeister Franz Mädler. Verschiedene Behörden, wie die Gemeinde Ursensollen, das Amt für Ländliche Entwicklung, Statiker, der Naturpark Hirschwald und Heimatpfleger Josef Schmaußer haben mit dazu beigetragen, dass dieses international ausgeschriebene Projekt so gut gelaufen ist. „Ich bedanke mich als Bürgermeister besonders bei den Jugendlichen aus aller Welt, dass sie so tatkräftig mitgearbeitet haben.“

Was ist die „ijgd“?

  • Bildung:

    Der Verein Internationale Jugendgemeinschaftsdienste (ijgd) Bundesverein e.V., ist eine Gesellschaft für internationale und politische Bildung – als ein kirchlich und parteipolitisch unabhängiger, gemeinnütziger Verein der internationalen Jugendarbeit. Er ist eine der größten und ältesten Workshop-Organisationen der Bundesrepublik Deutschland.

  • Leitbild:

    Das Leitbild des „ijgd“ ist geprägt von interkulturellem und sozialem Lernen, Freiwilligenarbeit, Selbstorganisation, Emanzipation der Geschlechter und ökologischem Lernen.

  • Ziel:

    Ein Ziel ist die internationale Völkerverständigung zwischen Angehörigen verschiedener Nationen, sozialer Schichten, Religionen und Weltanschauungen. (abp)

Der Leiter des Amtes für Ländliche Entwicklung Thomas Gollwitzer merkte an, dass dies nicht nur ein Beitrag zum Artenschutz gewesen ist, sondern mehr noch ein wichtiger Baustein für die Völkerverständigung angesehen werden kann. „Es ging nicht nur darum, bedrohte Fledermausarten zu retten, sondern darum, dass sich junge Menschen schätzen lernen, die sich vorher im Leben noch nie gesehen hat“.

Was auf höchster politischer Ebene nicht klappe, habe man in dieser Gemeinschaft in Ursensollen locker hinbekommen. „Wir haben bei diesem Projekt Freundschaften geschlossen, die doch für manchen von einschneidender Bedeutung im späteren Lebensweg sein werden.“ Gefreut hat sich auch der Eigentümer Wolfgang Gehr, dass dem Felsenkeller wieder Bedeutung beikommt, obwohl er seit den 50er Jahren leer gestanden hatte.

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Auch Ortsheimpfleger Josef Schmaußer ist immer hinter der Sanierung gestanden. Er erzählte, dass der Keller vor etwa 250 Jahren in den blanken Fels für eine Nutzung als Lager- und Bierkeller getrieben worden war. Schon bei einer vertraglichen Übergabe im Jahr 1811 war der Bräukeller als „Alter Keller“ bezeichnet worden. Schmaußer erinnerte auch an die im Jahr 1920 aufgegebene Brauerei in Ursensollen.

Es herrschte guter Teamgeist

Sein Spruch dazu: „Wer die Vergangenheit nicht kennt, der versagt in der Gegenwart und er wird auch die Zukunft nicht zu meistern verstehen.“ Von einem guten Teamgeist der internationalen Gruppe sprachen auch die beiden Teamleiter Nicolas Hennies aus Nordrhein-Westfalen und Benameur Mohammed Abdelsamie aus Algerien. Wie Nicolas Hennies zur Zusammensetzung der Gruppe der Jugendlichen zwischen 16 und 26 Jahren erzählte, steht bei allen die internationale Völkerverständigung, Naturschutz und der Umweltschutz im Vordergrund.

„Für viele aus unserer Gruppe ist es auch das erste Mal gewesen, dass sie diesen Schritt fernab der vertrauten Heimat gewagt haben.“ Es sind allesamt Schüler und Studenten, die an diesem Projekt mitgearbeitet haben. „Und zur Arbeitsverteilung kann ich nur sagen, dass jeder mit der Spitzhacke gearbeitet hat.“

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