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Natur

Die Fledermäuse fühlen sich hier wohl

Die Große Hofeisennase ist die seltenste Fledermausart in Deutschland. Im Hirschwald wächst ihre Zahl. Das wird belohnt.
Von Paul Böhm

Eine Große Hufeisennase auf nächtlichem Beuteflug – in Hohenburg wächst ihre Zahl wieder. Foto: Klaus Bogon
Eine Große Hufeisennase auf nächtlichem Beuteflug – in Hohenburg wächst ihre Zahl wieder. Foto: Klaus Bogon

Hohenburg.Das „Fledermaushaus Hohenburg“ und das Life-Projekt „Große Hufeisennase in der Oberpfalz sind gemeinsam als offizielles Projekt der UN-Dekade biologische Vielfalt im Bürgersaal des Rathauses ausgezeichnet worden. Getragen wird das Projekt vom Landesverband für Vogelkunde (LBV) und der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BiMA), vertreten durch den Bundesforstbetrieb Hohenfels in enger Kooperation mit dem Landschaftspflegeverband des Landkreises Amberg-Sulzbach und dem Markt Hohenburg, vertreten durch Bürgermeister Florian Junkes.

Dr. Christian Barth, der Amtschef des Bayerischen Staatsministeriums für Umweltfragen und Verbraucherschutz, überreichte den Projektträgern die offizielle Urkunde, ein Auszeichnungsschild und einen „Vielfalt-Baum“, der symbolisch für die Naturvielfalt steht. Die Schutzbemühungen um die seltenste Fledermausart in Deutschland zählen damit zu einem vorbildlichen Projekte, die sich in besonderer Weise für den Erhalt der biologischen Vielfalt einsetzen.

Dr. Christian Barth (Bildmitte mit Vielfalt-Baum), überreichte Florian Junkes (v.li.), Rudolf Leitl, Dr. Andreas von Lindeiner, Desiree Schweers, Landrat Richard Reisinger, Dr. Norbert Schäffer und Lother Schmid (BiMA) die Auszeichnung.Foto: Böhm
Dr. Christian Barth (Bildmitte mit Vielfalt-Baum), überreichte Florian Junkes (v.li.), Rudolf Leitl, Dr. Andreas von Lindeiner, Desiree Schweers, Landrat Richard Reisinger, Dr. Norbert Schäffer und Lother Schmid (BiMA) die Auszeichnung.Foto: Böhm

Ziel des 2018 abgeschlossenen EU-Life Projektes war es, so Dr. Christian Barth, die Bedingungen im Lebensraum der einzigen Kolonie der Fledermausart Große Hufeisennase in Deutschland zu verbessern. „Mit Erfolg, wie wir jetzt feststellen können“.

Im Projektzeitraum von 2012 bis 2017 ist die Kolonie von 83 auf 184 Tiere angewachsen, sagt der damalige LBV-Leiter Rudolf Leitl. So setzt das Projekt ein deutliches Zeichen für das Engagement zum Erhalt der biologischen Vielfalt in Deutschland und hat die Fachjury der UN-Dekade beeindruckt. Ab sofort wird das Projekt auf der Webseite der UN-Dekade deutschlandweit unter www.undekade-biologische-vielfalt.de vorgestellt. Die finanzielle Unterstützung durch den Freistaat Bayern und der EU trugen ebenfalls zum Erfolg bei.

Eine Erfolgsgeschichte

Mit dem Aufbau eines extensiven Beweidungssystems mit einer alten heimischen Rinderrasse, dem Oberpfälzer Rotvieh, in Partnerschaft mit einem örtlichen Landwirt, konnte das Nahrungsangebot an Großinsekten erhöht werden. Zudem wurden 150 Obstbäume gepflanzt und vorhandene Jagdhabitate durch Auflichtung verbuschender Wiesen und Wälder vernetzt. Mit der Einrichtung eines Informationszentrums im Fledermaushaus am Marktplatz in Hohenburg und durch den Fledermaus-Wanderweg wird das Bewusstsein in der Bevölkerung für diese hochbedrohte Art gestärkt. Eine Besonderheit ist, dass hier deutschlandweit erstmalig ein Life+Projekt auch auf einem aktiv genutzten militärischen Übungsgelände, dem Truppenübungsplatz Hohenfels durchgeführt wurde.

Die Rahmendaten

  • Budget:

    Zum Projektgebiet zählt das FFH Gebiet „Lauterachtal“ mit 822 Hektar und der Nordrand des Truppenübungsplatzes Hohenfels mit 1164 Hektar Fläche. Das Projektbudget betrug 1 049 138 Euro.

  • Projekte:

    Maßnahmen waren der Ausbau des Fledermaushauses, Bau eines Stalles und von Fledermaustürmen, Aufbau einer Rotviehherde, etc.

  • Auszeichnung:

    Über die Auszeichnung von Objekten entscheidet eine unabhängige Fachjury an der Vertreterinnen und Vertreter aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen beteiligt sind. Die UN-Dekade-Fachjury tagt zweimal im Jahr.

  • Umwelt:

    Die UN haben den Zeitraum von 2011 bis 2020 als UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgerufen.

Das Fledermaushaus Hohenburg hat sich inzwischen zu einer Attraktion entwickelt, die Besucher aus ganz Deutschland und dem Ausland anzieht. Im Zentrum des Naturparks Hirschwald gelegen, repräsentiert es auch den Landkreis Amberg-Sulzbach in der Metropolregion Nürnberg. Seit 2011 gibt der Gebietsbetreuer Rudolf Leitl mit Führungen und Vorträgen Einblicke in das geheime Leben der Fledermäuse. Unterstützt wird er dabei seit vergangenem Jahr von einem zweiten Gebietsbetreuer, Johannes Pirner. Die Gebietsbetreuung wird in Bayern im Bayerischen Naturschutzfonds gefördert.

Initiative

Die Heimat der Hufis entdecken

Das LIFE-Projekt zum Schutz der Großen Hufeisennase war ein Erfolg. Ab Hohenburg gibt es nun auch einen Fledermauswanderweg.

„Zum Erfolg des Life+Natur-Projekts trägt auch die gut funktionierende Kooperation mit vielen unterschiedlichen Akteuren bei“, sagte Rudolf Leitl. So stimmten die US Streitkräfte den Projektaktivitäten auf dem Truppenübungsplatz zu. Die Beschäftigten des Bundesforstbetriebes Hohenfels sind für die BImA als Eigentümerin des Truppenübungsplatzes für alle forstlichen und naturschutzrechtlichen Aufgaben verantwortlich und führten hier auch die Life+Maßnahmen durch. Der Markt Hohenburg unterstützt als „Erste Bayerische Natura 2000 Gemeinde“ die Bemühungen um diese wertvolle Kolonie der Großen Hufeisennase seit über 25 Jahren. So werden die Gemeindegrundstücke ökologisch gestaltet und gepflegt.

Es fehlt noch was

Wie auch Bürgermeister Florian Junkes als Gastgeber anmerkte, sei diese Auszeichnung eine besondere Ehre für den Markt Hohenburg. „Sie sagt auch viel aus, in welch herrlicher Umgebung wir leben dürfen“. „Da fehlt jetzt nur noch die Errichtung eines Naturparkzentrums für den Naturpark Hirschwald in Hohenburg“. Nach seinem Dafürhalten sei Hohenburg er ideal Ort dafür. „Wir haben ein geeignetes Gebäude. Voll erschlossen, Wasser, Abwasser, Strom, Internet und alles was dazu gehört“.

Alles rund um den Naturpark Hirschwald finden Sie hier.

Zwei Minuten Fußweg zum Fledermaushaus, fünf Minuten bis zu der Stallung und den Weiden des Oberpfälzer Fleckviehs. In unmittelbarer Nähe liegt das Rathaus und bald auch ein Marktladen. Man erreicht Hohenburg gut angebunden auf verschiedenen Rad- und Wanderwegen“.

Sowohl Dr. Norbert Schäffer, Vorsitzender des LBV, Dr. Andreas Lindeiner, der Landesfachbeauftragte des LBV, als auch Landrat Richard Reisinger zeigten sich zusammen mit Lothar Schmid von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben zusammen mit den Gebietsbetreuern LBV Rudolf Leitl und Johannes Pirner beeindruckt und auch überzeugt davon, dass die „Fledermausgeschichte“ zu einer echte zoologischen Kostbarkeit geworden ist. „Solche Projekte benötigen wir dringend zum Schutz unserer Umwelt“.

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