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Naturpark

Die Waldfledermäuse brauchen Hilfe

Es gibt zu wenige alte Bäume im Hirschwald. Spezielle Kästen können den Tieren beim Überleben rund um Amberg helfen.
Von Michaela Fichtner

Fledermäuse, die im Wald leben, sollen mit dem neuen Projekt im Naturpark Hirschwald unterstützt werden, damit es sie auch künftig noch gibt. Symbolfoto: Frank Rumpenhorst/dpa
Fledermäuse, die im Wald leben, sollen mit dem neuen Projekt im Naturpark Hirschwald unterstützt werden, damit es sie auch künftig noch gibt. Symbolfoto: Frank Rumpenhorst/dpa

Ensdorf.Denkt man an Naturpark Hirschwald und Fledermäuse, werden die meisten gleich sagen: „Große Hufeisennase“. Diese „Hufis“ mit den charakteristischen, knuffigen Nasen, die den schützenswerten nächtlichen Seglern auch ihren Namen gegeben haben, sind in der Region längst ein Begriff. Schließlich befindet sich in Hohenburg ihre letzte Wochenstube Deutschlands – ihre Entdeckung war einst eine richtige Sensation. Und sie war der Beginn eines groß angelegten Schutzprojekts, in dem das Fledermaushaus entstanden ist und begleitende Maßnahmen auf den Weg gebracht wurden, um das Überleben dieser stark gefährdeten Art zu sichern.

Doch die Große Hufeisennase ist nur eine von zahlreichen Fledermausarten, die es im Naturpark Hirschwald gibt – noch gibt, denn immer schwerer wird es für sie, in „aufgeräumten“ Kulturlandschaften und dicht abgeschlossenen Bauwerken zu überleben.

Zwar sind viele Fledermäuse Kulturfolger und wohnen beispielsweise in Kirchtürmen, weiß Isabel Lautenschlager, Geschäftsführerin des Naturparks Hirschwald e. V.. Doch viele andere Arten brauchen Unterstützung, soll es sie auch in Zukunft noch geben. Waldfledermäuse beispielsweise.

Mehr Biotopbäume sind nötig

Im Hirschwald gibt es nicht mehr genügend Möglichkeiten für Quartiere für Waldfledermäuse. Foto: Hans Babl
Im Hirschwald gibt es nicht mehr genügend Möglichkeiten für Quartiere für Waldfledermäuse. Foto: Hans Babl

Sie stehen auch im Mittelpunkt eines neuen Förderprojekts zum Artenschutz, das im Naturpark Hirschwald angepackt wird. „Waldfledermäuse sind Höhlen- und Spaltenbewohner in alten Bäumen“, erläutert Isabel Lautenschlager den Hintergrund. Doch davon gebe es nicht mehr genug, auch wenn Waldbesitzer sogenannte „Biotopbäume“ ausweisen können, die dann aus der Bewirtschaftung herausgenommen werden. Da dürften aber noch viel mehr mitmachen, appelliert sie.

Eine Hilfe sind daher spezielle Kästen für Waldfledermäuse. Im Naturpark sollen solche Kästen angeschafft und im Hirschwald aufgehängt werden, so Isabel Lautenschlager. Ein Projekt, das auch ein Fortbildungs- und Öffentlichkeitskonzept einschließt: Wie die Geschäftsführerin erläutert, sollen Ehrenamtliche von Fachmann Rudi Leitl geschult werden. Sie sollen dann nachschauen, ob die Kästen angenommen werden, und wenn ja, von welchen Arten. Das nennt sich „Monitoring“: „Kästen sind ideal dafür“, hebt Isabel Lautenschlager hervor. Und sie helfen den noch vorhandenen Populationen an Waldfledermäusen beim Überleben. Noch in diesem Jahr soll das Projekt starten, wenn die Regierung die Förderung abgesegnet hat.

Mehr erfahren über besondere Orte

So werden die Tafeln gestaltet, die an den großen Wanderwegen auf die Hörstationen aufmerksam machen. Foto: Michaela Fichtner
So werden die Tafeln gestaltet, die an den großen Wanderwegen auf die Hörstationen aufmerksam machen. Foto: Michaela Fichtner

Ein anderes Förderprojekt ist schon mitten in der Umsetzung: die Hörstationen im Naturpark. Ein sogenanntes „Einrichtungsprojekt“, auf die sich der Naturparkverein bisher konzentriert hat – das wohl sichtbarste Beispiel ist der Kunstwanderweg mit den Kunstwanderstationen. Reich an besonderen Orten ist der Naturpark, ob es nun herausragende Gebäude sind, Naturdenkmäler oder einzigartige Naturräume. Darüber können Spaziergänger und Wanderer künftig mehr erfahren – und zwar mitten in der Natur, ohne ein Buch dabei haben zu müssen oder sich einer geführten Tour anzuschließen. Sie brauchen nur ein Handy, es muss nicht einmal ein modernes Smartphone sein.

An 27 besonderen Orten in den Gemeinden des Naturparks, an Orten, die von großen Wanderwegen wie Jurasteig, Erzweg, Jakobsweg oder Wacholderweg berührt werden, finden sich künftig zweisprachige Tafeln in der Größe DIN A 4, die kurz auf diese Sehenswürdigkeiten hinweisen. Um mehr zu erfahren, kann man die angegebene Telefonnummer anrufen – und begegnet einem Erzähler, der wie ein „echter“ Führer lebendig Wissenswertes vermittelt.

Naturpark attraktiver machen

Isabel Lautenschlager arbeitet an den großen Tafeln, die beim Projekt „Hörstationen“ an zentralen Stellen in den Naturparkgemeinden aufgestellt werden. Foto: Michaela Fichtner
Isabel Lautenschlager arbeitet an den großen Tafeln, die beim Projekt „Hörstationen“ an zentralen Stellen in den Naturparkgemeinden aufgestellt werden. Foto: Michaela Fichtner

Derzeit trudeln bei Isabel Lautenschlager von den Kommunen die Texte und Fotos ein, die dann bearbeitet werden: einmal für die Tafeln und zum anderen für die Geschichten, die man hören kann, was der Anbieter „Tomis“ übernimmt. Geplant ist, dass diese Hörstationen noch in diesem Jahr aufgestellt werden.

Gleichzeitig entstehen große Tafeln über die Gemeinden mit Logo, einem charakteristischen Begriff – bei Ensdorf zum Beispiel „Visionäre in alten Mauern – sowie kurzen Erklärungen und Fotos. Sie sollen an prominenten Stellen im Ort ihren Platz finden. Für alle Tafeln gilt selbstverständlich: Alle werden nach dem gleichen Schema gestaltet – „das hat einen großen Wiedererkennungswert“, so Isabel Lautenschlager. Und dann bleibt nur noch, dass sich möglichst viele Menschen auch auf neue Entdeckungen einlassen. Denn Ziele dieses Projekts sind es, den Naturpark attraktiver zu machen, aber vor allem die Schönheiten und Besonderheiten der Region noch deutlicher zu zeigen. Nicht nur den Gästen, „sondern gerade auch den Einheimischen“, lächelt Lautenschlager.

Über alle Projekte und Initiativen im Naturpark Hirschwald informieren wir in unserem MZ-Spezial!

Life-Projekt Große Hufeisennase

  • Nahrung

    Das Life-Projekt hat das Ziel, die Lebensbedingungen der Großen Hufeisennase zu verbessern. Im Fledermaushaus in Hohenburg haben diese Tiere ihre letzte Wochenstube in ganz Deutschland. Sie brauchen aber noch mehr, um überleben und sich vermehren zu können, vor allem ausreichend Nahrung. Die finden sie speziell im nahen US-Truppenübungsplatz Hohenfels. Ein anderer wichtiger Baustein ist der „Hohenburger Hutanger“, wo Oberpfälzer Rotvieh weidet – so gibt es genügend Dung- und Mistkäfer für die „Hufis“.

  • Quartiere

    Zum Projekt gehört auch, den Großen Hufeisennasen passende Quartiere zu bieten. Im Sommer leben sie in Höhlen oder Scheunen und Kirchen – die frühere Kirche von Bergheim im Übungsplatz wurde zum Beispiel als Fledermausquartier hergerichtet. Entstehen sollen nun auch zwei „Fledermaustürme“, einer im Bereich des Markts Kastl, ein zweiter im Markt Schmidmühlen am Zieglerweg. Die Türme sollen aus Holz gebaut werden, der stabile Unterbau soll verbunden werden mit einem kleinen Rastplatz. (mi)

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