MyMz
Anzeige

Natur

Fischer erzielen Erfolge unter Wasser

Der Fischereiverein Schmidmühlen hat zahlreiche seltene und unbekannte Fische eingesetzt. Nasen und Quappen gehören dazu.
Von Josef Popp

Die Vils bietet Lebensraum für viele vom Aussterben bedrohten Fische. Foto: Popp
Die Vils bietet Lebensraum für viele vom Aussterben bedrohten Fische. Foto: Popp

SCHMIDMÜHLEN.Artenschutz wird beim Fischereiverein Schmidmühlen schon seit der Vereinsgründung großgeschrieben. Das gilt auch mehr als drei Jahrzehnte nach der Gründung immer noch. So wurden wieder einmal bei einer Aktion zahlreiche eher seltene und unbekannte Fische in der Vils, und zwar im gesamten südlichen Landkreis, eingesetzt. Die Aktion wurde von Gewässerwart Christian Kosel geleitet.

Auch wenn die Herbst- und Wintermonate für die Mitglieder des Fischereivereins Schmidmühlen eher ruhige Monate sind, so ruhen das Vereinsleben oder die Aktivitäten doch nicht ganz. Abgesehen davon, dass der Verein gerade mit Hochdruck an seinem Vereinsheim baut, sind die Mitglieder auch am Wasser aktiv. Nicht mit dem Fischen, sondern es geht um den Besatz mit Fischen.

Unsichtbar für den Betrachter

Viel wird im Naturpark Hirschwald getan, um die Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren zu erhalten und auch weiterhin zu sichern – der Fischereiverein Schmidmühlen trägt hier seinen Teil dazu. Diese Maßnahmen bleiben dem Betrachter meist verborgen, weil – quasi unsichtbar – sich die Erfolge unter Wasser einstellen.

Diese Nasensetzlinge werden sich gleich in der Vils wohlfühlen. Foto: Popp
Diese Nasensetzlinge werden sich gleich in der Vils wohlfühlen. Foto: Popp

Viele größere, aber auch gezielte kleinere Maßnahmen sollen dazu beitragen, die Qualität der Fließgewässer in Europa zu verbessern. Gerade mit der Einbringung von Kies für Kieslaicher in die Vils oder von Totholz hat der Fischereiverein mit sehr zeitintensiven Arbeitseinsätzen schon seinen Teil zum Erhalt der Artenvielfalt beigetragen. Weniger zeitintensiv, aber dennoch „ökologisch wertvoll“ waren kürzlich die Besatzmaßnahmen in der Vils. Hierbei wurden Quappen, Nasen, Barben, aber auch Schleien eingesetzt.

Die Quappe gehört zu den stark gefährdeten Tierarten

Ein eher seltener und unbekannter Fisch ist die Quappe oder Rutte. Sie gehört in Deutschland zu den stark gefährdeten Tierarten und unterliegt deshalb in vielen Bundesländern teilweise strengen Schonbestimmungen. 2002 war die Quappe „Fisch des Jahres“. Die Quappe gehört zu der Ordnung der Dorschartigen.

Während andere Fische dieser Ordnung im Salzwasser vorkommen, ist die Quappe der einzige Fisch dieser Ordnung, der im Süß- oder Brackwasser vorkommt – und auch in der Vils im Amberg-Sulzbacher Land. Die Quappe galt seit jeher als ein exzellenter Speisefisch, der bereits zur Zeit des Römischen Reiches als eine Delikatesse, insbesondere hier die während der Laichzeit großen und fettreichen Leber bekannt war. Bei Besitzern oder Pächtern von Salmonidengewässern ist sie aufgrund ihrer winterlichen Tätigkeit als Laichfresser nicht gerne gesehen.

Genuss

Schwandorfer Karpfen in sechs Varianten

Die Karpfensaison ist eröffnet. Küchenmeisterin Erika Weiherer aus Schwarzenfeld zaubert ihre Lieblingsrezepte für uns.

Die Quappe ist zwischen dem 40. und 70. nördlichen Breitengrad zwar auch im Brackwasser von Flussmündungen anzutreffen, bevorzugt lebt der Fisch aber Süßwassergewässer mit einem Temperaturbereich von vier bis 18 Grad Celsius. Bei dieser Aktion wurden 160 Quappen in die Vils eingesetzt. Weiter wurden 1000 Barben bei dieser Aktion in die Vils gesetzt. Einst waren die Barben wichtige und damit auch bekannte Speisefische. Diesen Stellenwert haben sie aber mittlerweile verloren. Zu grätenreich ist der Fisch, da greift der Gourmet lieber zu einem grätenfreien Fischfilet.

Die Vils als Barbenregion

Die Fischbiologen haben nach dieser Art eine ganze Flussregion benannt, nämlich die Barbenregion. Auch die Vils wird als „Barbenregion“ geführt. Der Rückgang der fischereilichen Bedeutung hat den Bestand der Barben allerdings nicht nennenswert ansteigen lassen. Barbus barbus, so die lateinische Fachbezeichnung, bevorzugt als typischer Grundfisch die abwechslungsreichen mittleren Regionen großer und kleinerer Flüsse, in denen das Wasser noch strömt und der Untergrund steinig bis sandig ist. In einem vom Menschen veränderten Gewässer sind solche reich strukturierten Flussbetten mit ruhigeren und stärker durchströmten Zonen aber kaum noch zu finden. Die teilweisen baulichen Veränderungen der Flussläufe und die Verschmutzung sind für den Bestand der Barben allerdings nicht förderlich. Schließlich setzten die Mitglieder des Fischereivereins noch 400 Schleien in die Vils ein.

1994 war die Nase „Fisch des Jahres“

  • Verwandtschaft:

    Einer der sicher interessantesten, wohl aber auch einer der unbekanntesten Fische, die bei dieser Aktion in die Vils eingesetzt wurde, ist die Nase. Diese Fische gehören zu der großen Familie der Karpfen und sind Schwarmfische. Nasen können bis zu 40 Zentimeter groß und bis zu 1000 Gramm schwer werden. Manchenorts sind diese Fische in ihrem Bestand gefährdet oder schon ausgestorben. In der Schweiz sind die Nasen ganzjährig geschont.

  • Auszeichnung:

    In Deutschland war die Nase im Jahr 1994 und in Österreich im Jahr 2003 „Fisch des Jahres“. Eine „Ehre“, auf die der Fisch verzichten könnte, weil so eine Bedrohung dokumentiert wird. Für den Rückgang der Nasen gibt es verschiedene Gründe, unter anderem die Gewässerverschmutzung oder die Verbauung. Laichwanderungen wurden so verhindert, Laichplätze zerstört. Bei der Besatzmaßnahme wurden 2700 Setzlinge in die Vils eingesetzt.

Bei der Besatzmaßnahme des Fischereivereins wurden Fische mit Unterstützung des Landesverbandes Oberpfalz und dem laufenden Artenhilfsprogramm gesetzt. Auch wenn es mit Hecht, Zander oder Barsch, aber auch dem Kormoran, Reiher und Eisvögel viele Räuber gibt, die den Bestand reduzieren werden, so hofft Gewässerwart dennoch, dass sich diese Fischarten in den nächsten Jahrzehnten in der Vils wieder mehr etablieren werden. Diese Aktion war wieder ein kleiner Baustein, um die „ökologisch orientierte Gewässerbewirtschaftung“ des Fischereivereins Schmidmühlen weiter voranzubringen.

Mehr Nachrichten aus Schmidmühlen lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Amberg lesen Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht