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Ökologie

Für kleinere Bäche ist einiges zu tun

Eine große Aufgabe für die Gemeinden im Naturpark Hirschwald ist es, Gewässer in einen guten ökologischen Zustand zu bringen.
Von Michaela Fichtner

Der Hausener Bach – eines der kleineren Gewässer, die ökologisch wertvoll sind. Das muss bewahrt und wenn nötig verbessert werden. Foto: Naturpark
Der Hausener Bach – eines der kleineren Gewässer, die ökologisch wertvoll sind. Das muss bewahrt und wenn nötig verbessert werden. Foto: Naturpark

Ensdorf. Große Wälder, mitunter dunkel und sogar verwunschen wirkend, dann wieder lichtdurchflutete Bereiche: Das sind wohl die ersten Bilder, die Menschen vor ihrem inneren Auge sehen, wenn sie an den Naturpark Hirschwald denken. Schließlich ist der Hirschwald, eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete Deutschlands, das Herzstück dieser ökologisch wertvollen Landschaft – vor unserer Haustür.

Es ist die Vielfalt und damit ein Reichtum an Lebensräumen, der diesen Naturpark im Amberg-Sulzbacher Land kennzeichnet. Und zu dieser Vielfalt gehören die Täler mit ihren Wasserläufen untrennbar dazu. Nicht nur die großen wie Vils und Lauterach, sondern gerade auch die kleineren Bäche, die nicht minder wichtig für die Ökologie des Raumes sind.

Die Zusammenarbeit ist wichtig

Angesichts kleiner Wasserläufe, die sich sanft durch die Landschaft schlängeln, fällt es schwer zu glauben, dass hier etwas getan werden muss, um sie in einen guten ökologischen Zustand zu bringen. Genau da setzt das interkommunale Gewässerentwicklungskonzept an, das nach Einschätzung von Isabel Lautenschlager, der Geschäftsführerin des Naturparks Hirschwald eine zentrale Aufgabe für die eingebundenen Gemeinden wird. „Es ist wichtig, dass hier alle zusammenarbeiten“, macht sie deutlich. „Wasser macht nicht Halt an Gemeindegrenzen!“

Entwicklungskonzept ist erstellt

Isabel Lautenschlager, Geschäftsführerin des Naturparks Hirschwald e.V., erläutert Maßnahmen des Gewässerentwicklungskonzepts im Bereich des Naturparks Hirschwald. Foto: Michaela Fichtner
Isabel Lautenschlager, Geschäftsführerin des Naturparks Hirschwald e.V., erläutert Maßnahmen des Gewässerentwicklungskonzepts im Bereich des Naturparks Hirschwald. Foto: Michaela Fichtner

Schon vor zwei Jahren haben die neun Gemeinden des Naturparks Hirschwald und die Gemeinde Ammerthal begonnen, ein Gewässerentwicklungskonzept zu erarbeiten. Genau erfasst und kartiert wurden dabei 65 Kilometer Hauptgewässer und 270 Kilometer Nebengewässer.

Nicht um die Vils geht es dabei, wie Isabel Lautenschlager erklärt, um diese kümmert sich das Wasserwirtschaftsamt. Im Mittelpunkt stehen vielmehr die Seitenbäche wie beispielsweise Taubenbach, Hausner Bach, Schusterbach, Elsenbach, Krumbach oder Ammerbach. Alles Wasserläufe mit hohem Wert für die gesamte Ökologie des Raumes.

In Amberg schon viel geleistet

Etwa ein Drittel der Gewässer des Naturparks ist in einem guten Zustand, hat die Untersuchung ergeben. Viel getan hat beispielsweise die Stadt Amberg am Ammerbach, der renaturiert wurde und bei dem ein Landschaftsschutzgebiet entstanden ist. Ebenso wurden von der Stadt Amberg gemeinsam mit Nachbargemeinden wichtige Maßnahmen am Krumbach durchgeführt.

Im Umkehrschluss bedeutet das Ergebnis der Kartierung: Bei etwa 65 Prozent der Gewässer muss noch etwas getan werden. „Für jede Gemeinde gibt es genaue Karten“, weist Isabel Lautenschlager auf die dicken Ordner hin, in denen alles über das Konzept nachzulesen ist.

Samt der Vorschläge für Maßnahmen. Und die sind vielschichtig: Die Geschäftsführerin des Naturparks nennt beispielsweise die Optimierung von Quellen ebenso wie Pufferstreifen. Und selbst das Entfernen von Giftpflanzen, wie es der große Bärenklau ist, gehört dazu. Natürlich ist es vor allem auch wichtig, Möglichkeiten zu schaffen, dass bei Hochwasser die Fluten ausweichen können.

Welche zerstörerische Gewalt selbst kleine Bäche wie der Schusterbach in Ensdorf entwickeln können, zeigte sich am 1./2. Juli 1987: Nach diversen Starkregen gab es ein Jahrhunderthochwasser mit verheerenden Folgen. Mauern stürzten ein, Straßen wurden nicht nur überflutet, sondern auch weggeschwemmt, Häuser beschädigt. Im Schustertal schützen davor inzwischen ein Rückhaltebecken und ein Damm.

Die Wasserrahmenrichtlinie

  • Bedeutung

    Hintergrund des Gewässerentwicklungskonzepts für die Gemeinden des Naturparks Hirschwald und die Gemeinde Ammerthal ist die europäische Wasserrahmenrichtlinie. Sie ist inzwischen in allen EU-Staaten in nationales Recht umgesetzt. Damit gibt es einheitlich geltende Ziele für den Schutz des Wassers – auch für das Grundwasser, nicht nur für Oberflächenwasser – und eine rechtliche Basis für den Schutz. Ziel der Wasserrahmenrichtlinie ist es, die Gewässer in einen guten Zustand zu bringen.

  • Aufgabe

    Nach Möglichkeit soll dieser gute Zustand bis spätestens 2027 erreicht werden. Schließlich ist Wasser lebenswichtig für die Menschen wie auch für Tiere und Pflanzen und muss daher besonders geschützt werden. Es geht in der Richtlinie darum, die Ressourcen nachhaltig zu schützen und die ökologische Funktionsfähigkeit der Gewässer zu erhalten. Maßstab ist die natürliche Vielfalt an Pflanzen und Tieren in den Gewässern, ihre unverfälschte Gestalt und Wasserführung und die natürliche Qualität des Wassers. (mi)

Ideale Lösung: eine Fachkraft

Die Maßnahmen für die kleineren Gewässer werden staatlich gefördert, so Lautenschlager. Wichtig sei, die Projekte langfristig anzulegen und das Geld nachhaltig zu investieren. Doch: „Wir brauchen einen Kümmerer“, macht die Geschäftsführerin deutlich, dass die Umsetzung des Gewässerentwicklungskonzepts im Naturpark plus Ammerthal weder die Geschäftsstelle des Naturparks noch die beteiligten Kommunen stemmen könnten. Schließlich gehe es um ein interkommunales, gemeinschaftliches Konzept.

Die Lösung nach Ansicht von Lautenschlager: eine Fachkraft, die auch über das Wasserwirtschaftsamt gefördert würde. Dies auf den Weg zu bringen, sieht sie als eine wichtige Aufgabe der kommenden Wochen und Monate. Damit letztlich ein weiterer Baustein umgesetzt werden kann, der diesen Raum noch ein Stück ökologisch wertvoller macht.

Ein anderes Projekt im Naturpark Hirschwald wird aber nicht mehr verfolgt: Für das geplante Informationszentrum kam im Sommer das Aus.

Über alle Themen rund um den Naturpark Hirschwald informieren wir Sie in unserem MZ-Spezial!

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