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Projekt

Herz des Naturparks schlägt hörbar

Mit neuen Hör-Stationen sollen die Menschen die Schönheiten des Hirschwalds auf besondere Weise entdecken – übers Handy.
Von Michaela Fichtner

Isabel Lautenschlager ist mittendrin in dem neuen Projekt, das die Besonderheiten und die besondere Schönheit der Region noch deutlicher vermitteln und auch den Naturpark attraktiver machen soll.
Isabel Lautenschlager ist mittendrin in dem neuen Projekt, das die Besonderheiten und die besondere Schönheit der Region noch deutlicher vermitteln und auch den Naturpark attraktiver machen soll. Foto: Michaela Fichtner

Ensdorf.Von einer Legende aus Rom erzählt die angenehme, sonore Stimme. Von sanfter Musik untermalt, dazwischen der harmonische Klang von Kirchenglocken, nimmt sie den Zuhörer mit in frühere Jahrhunderte und zum Gelübde eines kinderlosen Paares, auf das die berühmte Kirche Santa Maria Maggiore zurückgehen soll.

Was dies alles mit dem Naturpark Hirschwald zu tun hat? Diese Geschichte ist Teil des Audioguides über die Kirche Maria Schnee in Atzlricht, die erste Station des seit 2012 bestehenden Landeskundlichen Rundwegs „Am Ammerbach“ in der Stadt Amberg. Und auch dieser gehört zum „Erlebnis Naturpark Hirschwald“. Erzählen lassen kann man sich die schöne Geschichte auch mitten in der Natur, direkt an der kleinen Kirche – bequem übers Handy, wann immer man möchte. Solche „Hör-Stationen“ soll es künftig auch an besonderen Orten entlang der großen Wanderwege des Naturparks Hirschwald geben.

Isabel Lautenschlager, Geschäftsführerin des Naturparks Hirschwald e. V., ist auch längst mittendrin in diesem neuen Projekt, das die Besonderheiten und die besondere Schönheit der Region noch deutlicher vermitteln und damit auch den Naturpark attraktiver machen soll. Da ist nicht nur an Gäste gedacht, sondern auch an die Einheimischen, die mit solchen zusätzlichen Angeboten Neues über ihre Heimat entdecken können.

Glocken klingen und Schafe blöken

Die Tafeln an den Hör-Stationen bieten kompakte Informationen – und die Telefonnummer, um mehr zu erfahren. Foto: Lautenschlager
Die Tafeln an den Hör-Stationen bieten kompakte Informationen – und die Telefonnummer, um mehr zu erfahren. Foto: Lautenschlager

„Sight-Hearing-Stationen“ nennt sich das – wer da an „Sightseeing“ bei Sehenswürdigkeiten denkt, liegt richtig. Es geht um Orte, an denen man etwas Besonderes sehen kann – und da sollen die Menschen künftig auch etwas Besonderes hören können. Isabel Lautenschlager bekennt, dass sie kein großer Freund von sperrigen Anglizismen sei. Sie bevorzugt als Arbeitstitel „Hör-Stationen“; der Anbieter Tomis, der die Geschichten einspielt, spricht von einem „Handy-Reiseführer“.

Das weist auch schon darauf hin, wie das Ganze funktioniert – und wie man es am Ammerbach bereits erleben kann. Entlang des Weges findet der Spaziergänger Tafeln, auf denen er stets mit einem kurzen Text und Fotos mehr über seinen Standort erfährt. Wählt er die angegebene Telefonnummer – wobei in Zeiten von Flatrates für die meisten gar keine Zusatzkosten entstehen dürften –, erfährt er noch mehr Wissenswertes.

„Die Musik wurde extra komponiert.“

Isabel Lautenschlager zu den Hör-Stationen „Am Ammerbach“

Nicht trocken wie bei einem Vortrag, sondern lebendig in Sprache und Ausdruck, eben wie von einem „echten“ Erzähler, der neben einem steht. Im Fall des Rundwegs „Am Ammerbach“ ist das auch mit Musik untermalt, die, wie Isabel Lautenschlager erzählt, eigens komponiert wurde. Bereichert wird das Hörerlebnis zudem von Klängen wie eben den Glocken von Maria Schnee oder auch dem Blöken von Schafen, wie bei der Station „Landschaftspflege Schafweide“.

Nachdem ja der Kunstwanderweg unseres Naturparks inzwischen abgeschlossen ist, will Isabel Lautenschlager nun dieses neue Angebot im Naturpark Hirschwald forcieren. Weitere Telefonnummern hat ihr Vorgänger im Amt des Geschäftsführers, Andreas Gruber, vorausschauend bereits bei Tomis registriert. Um Zuschussmöglichkeiten über die Naturparkförderrichtlinie des Umweltministeriums „anzuzapfen“, muss jetzt auch ein Gesamtkonzept erstellt werden.

Kulturlandschaft und Naturschutz

Ganz wichtig bei dem Projekt ist die grundsätzliche Aufgabenstellung eines Naturparks: „Es geht darum, Kultur und Natur in Einklang zu bringen, schließlich handelt es sich hier um eine von den Menschen gestaltete Kulturlandschaft“, so Lautenschlager. Es reiche nicht, ein besonderes Bauwerk vorzuschlagen. Auch ein naturschutzfachlicher Aspekt des sehenswerten Ortes muss mit aufgegriffen werden.

Isabel Lautenschlager verdeutlicht das mit einem spontanen Gedanken zur Wallfahrtskirche Zant: „Dort gibt es schöne Buchen – der Lebensraum Buchenwald könnte ein Thema sein.“ Ähnlich, wie es bei den Kunstwanderstationen der Fall ist: Auf den Info-Stelen erfahren die Besucher ja nicht nur etwas über die Intentionen dieser Kunstwerke selbst, sondern stets auch mehr über die Natur, ob es nun Fledermäuse sind oder die Vegetation der Karstlandschaft.

Eine zweite Bedingung: Die Hör-Stationen sollen an interessanten Punkten entlang der großen Wanderwege stehen, die durch den Naturpark Hirschwald verlaufen, also Jurasteig, Erzweg, Wacholderwanderweg, Vilswanderweg oder Jakobsweg. Damit könnten die Gemeinden eine Förderung von 50 Prozent der Kosten erhalten, erklärt Lautenschlager.

„Es geht darum, Kultur und Natur in Einklang zu bringen.“

Isabel Lautenschlager zu den Aufgaben eines Naturparks

Sie wünscht sich, dass jede Naturparkgemeinde vielleicht zwei bis vier Punkte aussucht, die dann in das Gesamtkonzept einfließen können. Wobei nach der Vorschlagsphase, wie sie zu bedenken gibt, erst einmal eine Menge Arbeit wartet: natürlich, um beiden Aspekten, Kultur und Natur, gerecht zu werden. Aber auch eine ganz andere Frage muss geklärt werden: „Gibt es da Handyempfang?“ Damit stehen und fallen ja die Hör-Stationen – und die Naturpark-Geschäftsführerin weiß, dass es durchaus noch „weiße Flecken“ in der Region gibt.

Landeskundlicher Rundweg

  • Rundweg

    Der 2012 eröffnete Landeskundliche Rundweg „Am Ammerbach“ ist rund sieben Kilometer lang und umfasst zehn Stationen, bei denen zusätzliche Hör-Erlebnisse abgerufen werden können. Start ist der Parkplatz bei „Maria Schnee“ in Atzlricht.

  • Themen

    Themen sind neben dem Kirchlein die Landschaftspflege durch Schafweide, die Wüstung Rammertshof, die Burg, die Altstraße, Streuobstwiese, die Rammertshofer Mühle, der Ammerbach, das Naturdenkmal Kreuzstein und die Militärgeschichte auf dem Standortübungsplatz.

  • Verantwortliche

    Der Rundwanderweg ist ein Projekt der Stadt Amberg und des Naturparks Hirschwald. Unterstützung erfährt das Projekt durch die Bürgerinitiative Fuchsstein-Atzlricht e. V.: Sie hat im Januar 2014 einen Patenschaftsvertrag mit der Stadt geschlossen und kümmert sich um den Weg, säubert ihn zum Beispiel von Müll.

  • Internet

    Anhören kann man sich die Geschichten zu den Stationen am Landeskundlichen Rundweg „Am Ammerbach“ auch über das Audiosystem von Tomis unter www.naturparkhirschwald.tomis.mobi/ im Internet. Auch ein Download ist möglich. (mi)

Mehrwert durch das Hörerlebnis

Isabel Lautenschlager verhehlt nicht, dass es zu diesem Projekt durchaus Diskussionspunkte gebe. Ein Stichwort: „Möblierung der Landschaft“. Die vorgesehenen Tafeln seien allerdings nicht besonders groß und auffällig. Sie vermitteln nur zentrale Informationen, würden aber Mehrwert über das Hörerlebnis bieten.

Zweites Diskussionsthema ist eine „Eventisierung“: Alles solle ein Erlebnis sein – aber Isabel Lautenschlager weiß, dass man etwas Besonderes bieten müsse, um aufzufallen. Und auch, um auch bei Jüngeren Interesse zu wecken. In diesem Zusammenhang verweist sie gleich auf die QR-Codes, die man mit dem Smartphone scannen kann und über die man zu weiteren Informationen kommt. Sie werden natürlich auch auf den Tafeln der Hör-Stationen zu finden sein.

Hör-Stationen und größere Tafeln

In den Orten im Naturpark sollen zusätzliche Informationstafeln aufgestellt werden. Sie könnten ähnlich aussehen wie diese, die beim Projekt „Lauterachsteg“ in Hohenburg geschaffen wurde. Foto: Lautenschlager
In den Orten im Naturpark sollen zusätzliche Informationstafeln aufgestellt werden. Sie könnten ähnlich aussehen wie diese, die beim Projekt „Lauterachsteg“ in Hohenburg geschaffen wurde. Foto: Lautenschlager

Dass diese Hör-Stationen ankommen, belegt Isabel Lautenschlager mit Zahlen vom Rundweg „Am Ammerbach“: „Durchschnittlich werden die Telefonnummern 200 Mal im Monat angerufen – und das ist seit drei Jahren so“, freut sie sich über die gute Resonanz. Die komme sicher auch von Einheimischen, ist sie überzeugt. Von Menschen, die „einfach neugierig“ seien. Sehr gut nachgefragt werde auch die Broschüre zum Rundweg – „das bestärkt“, gibt sie offen zu. Allerdings wird zu den nun geplanten Hör-Stationen kein solcher Flyer entstehen, denn es handelt sich ja um keinen Rundweg, sondern um einzelne Stationen an den Wanderwegen.

Ergänzt allerdings werden dann die Hör-Stationen durch größere Tafeln in den Orten, die die Gemeinden und den Naturpark Hirschwald vorstellen werden. Als Beispiel, wie so etwas aussehen könnte, verweist Isabel Lautenschlager auf die Tafel am Steg über die Lauterach in Hohenburg. Sie ist Teil des Projekts „Lauterachsteg“ und wurde, wie der Übergang selbst, über den Naturpark gefördert.

„Das wird ein ehrgeiziges Projekt“, lächelt Isabel Lautenschlager, als die Rede auf den zeitlichen Rahmen für die neuen Erlebnisse zum Sehen, Hören und Staunen im Naturpark Hirschwald kommt: „Bis 30. September 2017 sollte alles fertig sein.“

Über den Naturpark Hirschwald finden Sie mehr in unserem MZ-Spezial!

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