MyMz
Anzeige

Initiative

Seltene Arten brauchen Schutz

Die Vils und ihre Auen bieten wertvolle Lebensräume. Für insgesamt 638 Hektar Fläche wird ein Managementplan erstellt.
Von Paul Böhm

Die Vilsaue in Emhof bietet ein gewachsenes Bild. Die Fischtreppe ist der Blickfang des gelungenen Ensembles im Bereich des Wasserkraftwerkes.  Foto: Paul Böhm
Die Vilsaue in Emhof bietet ein gewachsenes Bild. Die Fischtreppe ist der Blickfang des gelungenen Ensembles im Bereich des Wasserkraftwerkes. Foto: Paul Böhm

Schmidmühlen.Für das Flora-Fauna-Habitat-(FFH)-Gebiet „Die Vils von Vilseck bis zur Mündung in die Naab“ soll 2019 begonnen werden, einen Managementplan zu erstellen. Darüber informierte Tobias Maul von der Höheren Naturschutzbehörde der Regierung der Oberpfalz im Schlossstadel in Schmidmühlen. Eingeladen waren dazu die betroffenen Grundeigentümer und -pächter, Gemeinden, örtliche Verbände sowie die für das „Natura 2000“-Gebietsmanagement zuständigen Fachbehörden.

Als Ziel dieses Managementplans nannte Tobias Maul, einen günstigen Erhaltungszustand der Lebensraumtypen und Arten, die Grund für die Aufnahme in das Netz „Natura 2000“ waren, zu gewährleisten. Mit der Veranstaltung sollen die Beteiligten frühzeitig informiert werden und in die Erarbeitung eines Managementplans einbezogen werden, betonte er.

Das Naturerbe erhalten

Unter dem Namen „Natura 2000“ hat der Freistaat ein zusammenhängendes ökologisches Netz aus Fauna-Flora-Habitat-(FFH-) und Vogelschutzgebieten eingerichtet, das sich weiter über Europa erstreckt. Hauptziele von „Natura 2000“ sind der Erhalt des heimischen Naturerbes, aber auch die Sicherung einer zukunftsfähigen, nachhaltigen Landnutzung durch Landwirte und Waldbesitzer. Diese haben in vielen Gebieten durch ihren verantwortungsbewussten Umgang mit der Natur maßgeblich zu deren Artenreichtum beigetragen, oft schon über Generationen hinweg, betonte Maul.

In Bayern besteht das „Natura 2000“-Netz aus insgesamt 745 Einzelgebieten. Sie haben zusammen eine Fläche von etwa 8000 Quadratkilometern, das entspricht einer etwa 11,4 Prozent der Landesfläche, meinte Tobias Maul. Das FFH-Gebiet der Vils von Vilseck bis zur Mündung in die Naab bei Kallmünz durchzieht die Landkreise Amberg-Sulzbach, Schwandorf sowie Regensburg im Unterlauf. Neben dem Flusslauf der Vils umfasst es Teile der angrenzenden Auenbereiche und weitere wertvolle Lebensräume entlang des Tales. Seine Größe bemisst sich auf rund 638 Hektar, informierte Tobias Maul den Zuhörerkreis.

„Eine große Zahl an Grundstücken gehört der öffentlichen Hand, also Gemeinden, Landkreis und Freistaat Bayern, oder ist im Eigentum von Stiftungen und Naturschutzverbänden“, berichtete der Vertreter der Naturschutzbehörde. Es seien aber auch viele Flächen in Privatbesitz, die ihren Beitrag zum Zusammenhalt des Netzes „Natura 2000“ leisten.

Die Vils durchzieht weite Teile der Oberpfalz und stellt für viele Tiere und Pflanzenarten eine wichtige Verbundachse dar. Für zahlreiche Gewässerbewohner wie Fische oder Libellen bietet sie ein Zuhause. Die angrenzende, an vielen Stellen strukturreiche Aue und die vorhandenen blütenreichen Mähwiesen seien von großer Bedeutung für die Artenvielfalt im Gebiet, sagte Tobias Maul weiter.

Bei der Erstellung des Managementplanes stehen neben dem Fließgewässer vor allem die mancherorts an den Fluss angrenzenden feuchten Hochstaudenfluren, Auwälder und mageren Flachland-Mähwiesen als Lebensräume im Mittelpunkt. Zudem können in kleinen Teilen sogenannte „Pfeifengraswiesen“ und „Übergangs- und Schwingrasenmoore“ gefunden werden. Bei den Fischarten seien „Bitterling“ und „Groppe“ im Gebiet nach der FFH-Richtlinie geschützt, außerdem Biber und Grüner Keiljungfer.

Die Auftaktversammlung für das Fauna-Flora-Habitat-Gebiet leitete Tobias Maul (Rechts) von der Oberen Naturschutzbehörde der Regierung der Oberpfalz.  Foto: Paul Böhm
Die Auftaktversammlung für das Fauna-Flora-Habitat-Gebiet leitete Tobias Maul (Rechts) von der Oberen Naturschutzbehörde der Regierung der Oberpfalz. Foto: Paul Böhm

Dass der Biber ein ausgezeichneter Wasserbauer ist, wollten natürlich die Landwirte nicht so gerne sehen. Durch das Anlegen von Dämmen schaffe er sich seinen eigenen Lebensraum. Der Wasserhaushalt und viele andere Tiere und Pflanzenarten profitieren allerdings davon, so Maul. Die Aktivitäten des Bibers führen jedoch immer wieder zu Konflikten zwischen Artenschutz und menschlichen Interessen, bekannte der Referent. Die lokalen Biberberater könnten mit einem breiten Spektrum an Lösungsmöglichkeiten eine wichtige Hilfestellung geben.

Gemeinsames Handeln nötig

Ob direkt betroffener Grundbesitzer, Behördenvertreter, Verbandsbeteiligter: „Nur durch gemeinsames Handeln werden wir unsere Naturlandschaft bewahren können“, machte Tobias Maul deutlich. Als Ansprechpartner vor Ort nannte er die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt Amberg-Sulzbach und die „Natura-2000“-Gebietsbetreuer am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Amberg.

Das FFH-Gebiet mit seinen Lebensräumen und Arten im Offenland stellte Franz Moder vom Büro OPU aus Bayreuth vor. Über den Stand der Kartierung und die Bewertung des Waldes und seiner Arten informierte Martin Bergmann vom AELF Amberg, über das Vorkommen besonderer Fischarten in der Vils sprach der zuständige Fachberater für Fischerei, Christian Harrandt.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht