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Geschichte

Angesehene Familien prägten Poststraße

Ob Gemischtwarenhandel, Post, Bäckerei oder Gasthaus: Die Geschichte der Poststraße Schmidmühlen ist auch Familiengeschichte.
Von Josef Popp

Das historische Kalenderbild zeigt die Poststraße in Schmidmühlen um das Jahr 1920.
Das historische Kalenderbild zeigt die Poststraße in Schmidmühlen um das Jahr 1920. Foto: Heimatkundlicher Arbeitskreis Schmidmühlen

Schmidmühlen.Wer in das Ortszentrum von Schmidmühlen kommen möchte, dem bleiben im Prinzip nur die Hauptstraße, die Kreuzbergstraße oder die Poststraße als Zufahrten. Alle waren einst mit Stadttoren gesichert, die Zufahrt über den linken Lauteracharm, also über die Poststraße, durch das Brunnlett-Tor oder Obermühltor. Es wurde 1861 abgebrochen.

Die heutige Poststraße war lange für Schmidmühlen eine bedeutende Straße und ist mit vier Familien eng verbunden: mit der Müllnerfamilie Meier (Hausname „Beim Oberen Müllner“), der Familie Rubenbauer („Rösslwirt“), der Familie Eisenreich („Kienzl-Bäck“) und der Familie Bruckmüller. Über viele Jahrzehnte befanden sich in der Poststraße die Poststation (später Gasthaus Rubenbauer „Zur Post“, jetzt Apotheke „Zur Post“) bzw. das Postamt.

Der Bedeutung der einst so wichtigen Straße wird heuer auch mit einem Foto im historischen Kalender Rechnung getragen. Es zeigt die Straße um 1920, es gehört wohl mit zu den ältesten Aufnahmen von Schmidmühlen. Auf der linken Straßenseite ist das erste Postamt Schmidmühlens zu sehen. Der Posthalter Rubenbauer baute 1913 ein neues Gebäude für die Postagentur, die 1950 zum Postamt erhoben wurde und bis Anfang der 1960er Jahre in diesem Gebäude untergebracht war. 1963 wurde das Postamt in den Neubau neben der Raiffeisenbank verlegt.

Die Kaufmannsfamilie Bruckmüller

Eng verbunden mit der Geschichte von Schmidmühlen und der Poststraße ist die Geschichte der Familie Bruckmüller. Neben der Poststelle, direkt angebaut, war ursprünglich eine Schlosserei, die der Familie Späth gehörte. Zugleich war in dem Haus eine kleine Schreinerei untergebracht.

Das Kaufmannsehepaar Georg und Anna Bruckmüller kaufte 1928 das dominante Haus von der Familie Rubenbauer. Über den Preis weiß man nichts. Aber: Mit dem Geld vom Verkauf schaffte sich die Familie Rubenbauer ihren ersten Traktor an, übrigens damals noch eisenbereift.

Georg Bruckmüller errichtete schon bald in der Poststraße – zwischen Rubenbauer und Oberer Mühle – eine Esso-Tankstelle. Das Hauptgeschäft der Familie aber waren ein Drogeriemarkt und ein Gemischtwarenhandel. Bis Ende des Zweiten Weltkriegs war die Familie unabhängig von einem Konzern, nach dem Krieg wurde aus dem Geschäft ein „Spar-Markt“. Das blieb es bis zur Aufgabe.

Die Brüder führten zwei Geschäfte

Poststraße: Als es in Schmidmühlen noch Drogen zu kaufen gab... beim Bruckmüller, 1928
Poststraße: Als es in Schmidmühlen noch Drogen zu kaufen gab... beim Bruckmüller, 1928 Copyright: Markt Schmidmühlen

Die Bruckmüller waren eine alteingesessene Schmidmühlener Kaufmannsfamilie. Das Geburtshaus von Georg Bruckmüller war in der Hauptstraße, beim „Ambros“ Bruckmüller. Der Kaufmann Georg Bruckmüller hatte noch zwei Geschwister, Barbara (verheiratete Sir) und eben Ambros. Anton Bruckmüller, allseits bekannter und geschätzter Ehrenmedaillenträger des Marktes Schmidmühlen und Ehrenvorsitzender des Männergesangvereins Liederkranz, wurde 1927 im Haus in der Hauptstraße geboren.

Georg und Anna hatten drei Kinder: Alfred, Anna (beide schon verstorben) und Anton Bruckmüller. Die Brüder Alfred und Anton führten die Kaufmannstradition weiter. Anton absolvierte im heimischen Betrieb eine Lehre als Kaufmann, sein Bruder Alfred lernte in Amberg. Beide Brüder hatten „ihr“ Geschäft in der Poststraße, und zwar getrennt: Alfred Bruckmüller führte Drogeriemarkt und Gemischtwarenhandel sowie einen Tabakgroßhandel weiter, Anton Bruckmüller errichtete in dem Gebäude ein Schreibwaren- und Fotogeschäft.

Einige Jahre später verlegte Anton Bruckmüller mit seiner Frau Gertrud sein Geschäft in die Hauptstraße, in ein Gebäude, das der Familie Braun gehörte (heute Blumengeschäft). Später siedelte er den Schreibwarenhandel in das ehemalige Schuhgeschäft von Michael Kreitmeier (jetzt Versicherungsbüro Färbos) um. Das auf dem Kalenderbild abgebildete Haus der Familie Bruckmüller wurde 1972 abgerissen und durch ein neues Gebäude ersetzt.

Engagement für das Schützenwesen

Mit einem Händedruck der beiden Schützenmeister Johann Eisenreich und Alfred Bruckmüller vereinigten sich im Juli 1981 die beiden Schützenvereine SG Diana und SG 1893 Copyright: Markt Schmidmühlen
Mit einem Händedruck der beiden Schützenmeister Johann Eisenreich und Alfred Bruckmüller vereinigten sich im Juli 1981 die beiden Schützenvereine SG Diana und SG 1893 Copyright: Markt Schmidmühlen

Alfred Bruckmüller verstarb 1987, dann führten seine Frau Erna und Anna Bruckmüller das Geschäft noch kurz weiter, bis es 1988 aufgegeben wurde. Später beherbergte das Haus den Drogeriemarkt Schlecker, mittlerweile auch schon Geschichte.

Unvergessen ist das Engagement von Georg Bruckmüller, aber ebenso von Alfred Bruckmüller, für das Schützenwesen in Schmidmühlen. Beide leiteten über Jahrzehnte die Schützengesellschaft 1893, die noch vor dem Krieg den Namen „Zimmerstutzengesellschaft“ trug und beim Ochsenwirt beheimatet war. Alfred Bruckmüller war nach der Fusion der Schützenverein SG 1893 und Diana 1981 der erste Vorsitzende der damaligen Vereinigten Schützengesellschaft (VSG).

Familie Rubenbauer

  • Das Gasthaus

    So wie die Familien Bruckmüller und Geith bzw. Eisenreich zur Poststraße gehören, so darf das Gasthaus Rubenbauer nicht fehlen. Der Gasthof zur Post war über Jahrzehnte eine weit über die Grenzen Schmidmühlens und des Landkreises hinaus bekannte Institution. Viele Vereine hatten nicht nur ihren Sitz in dem Gasthaus, sondern wurden dort auch gegründet.

  • Die Bedeutung

    Der „Rösslwirt“, die Familie Rubenbauer, wie der Gasthof noch bis in die 1980er Jahre bekannt war, machte Schmidmühlen und vor allem die legendären Lauterachforellen bekannt. Aus ganz Bayern kamen die Feinschmecker zum Rösslwirt zum Forellenessen. Anfang der 1990er Jahre ging auch diese Epoche zu Ende. (ajp)

Die Bäckerfamilie Eisenreich

Abgebildet ist ein weiteres markantes Haus: das der Bäckerfamilie Eisenreich. Die Bäckerei wird erstmals und nachweislich 1638 (ein Bäcker Kienzl) erwähnt. Es darf aber davon ausgegangen werden, dass sie schon länger bestand. Etwa ab den 1920er Jahren waren Franziska und Michael Geith die Besitzer und betrieben überaus erfolgreich die Bäckerei.

Dies fand aber ein jähes Ende. Im November 1938 machte sich Bäckermeister Michael Geith abends von Emhof aus zu Fuß auf nach Schmidmühlen. Er ging den Weg entlang, der heute als Radweg dient. Man weiß nicht – es war schon dunkel –, warum er vom Weg abkam und in die Vils stürzte. Er konnte sich nicht mehr an das Flussufer retten und ertrank.

Drei Jahre später traf die Familie ein weiterer Schicksalsschlag: Sohn Josef fiel 1941 in Russland. Er hätte eigentlich die Bäckerei übernehmen sollen. In dieser schwierigen Zeit leitete Franziska Geith das Geschäft. Nach dem Zweiten Weltkrieg schrieb sie eine Stelle für einen Bäckergesellen aus. Es meldete sich Johann Eisenreich, der die Stelle auch bekam. Kurz nach seinem Arbeitsantritt absolvierte Eisenreich die Meisterprüfung. 1964 heiratete er Edeltraud Geith und übernahm offiziell die Bäckerei. 1990 übergab er den Betrieb an seinen Sohn Johann. 2003 erfolgte die Betriebsaufgabe.

Als Marktgemeinderat engagiert

Johann Eisenreich sen. war ein engagierter Bürger, der von 1966 bis 1978 dem Marktgemeinderat angehörte und von 1972 bis 1978 auch zweiter Bürgermeister war. Er war in der Kirchenverwaltung und im Pfarrgemeinderat engagiert, war 1. Schützenmeister der ehemaligen Diana-Schützen und nach der Fusion der Schützenvereine zweiter Schützenmeister der VSG Schmidmühlen. Er verstarb 1996, seine Frau Edeltraud schon 1994 und deren Schwester Franziska 1999.

Zur Zeit des Zweiten Weltkriegs und die Jahre danach gab es in Schmidmühlen fünf Bäckereien: neben der Bäckerei von Franziska und Michael Geith die Familienbetriebe von August und Margareta Hummel (später Heinrich Hummel) und Jakob Hummel (Hausname: „Markjackl“). Der Sohn der Familie fiel während des Zweiten Weltkriegs und so wurde die Bäckerei eingestellt; es gab dann nur noch das Gasthaus.

Erinnerungen an die alte Zeit

Heute erinnert nur noch wenig an die „alte Zeit“ der Poststraße in Schmidmühlen.
Heute erinnert nur noch wenig an die „alte Zeit“ der Poststraße in Schmidmühlen. Foto: ajp

Im Hammer (jetziges Anwesen Karl Scheuerer) betrieb Josef Rascher eine Bäckerei. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog er nach München. Ihm folgten dann die Bäcker Balzer und Strecker. Diese Bäckerei schloss 1955, sie gehörte zu den kleineren in Schmidmühlen. Schließlich betrieb Heiner Dietz eine Bäckerei (neben dem Gasthaus Goldener Anker). Nachdem er nach Ensdorf zog, übernahm Ludwig Meiler; ihm folgte Anfang der 1960 Jahre Horst Brockel. Diese Bäckerei ist ebenfalls schon längst Geschichte.

Die Straße, die an der ehemaligen Poststation vorbeiführt, wurde Poststraße benannt. An die Stelle des alten Gasthofs traten ein Ärzte-, Geschäfts- und Mietshaus sowie eine Apotheke, die den Namen „Zur Post“ führt. Dies und der Hausname „Oberer Müllner“ erinnern an eine fast vergessene Zeit.

Die Recherche zu dieser Kalendergeschichte unterstützten Michael Koller, Johann Eisenreich (jun.), Anton Bruckmüller, Uschi Kiunke und Hans Büchner.

Die Geschichten hinter den Bildern in den historischen Kalendern des Markts Schmidmühlen finden Sie hier in einem MZ-Spezial.

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