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Geschichte

Die adeligen Herren bauten die Kirche

Im 12. Jahrhundert entstand die Bartholomäuskirche in Winbuch als Schlosskapelle. Bis 1962 gehörte sie zur Pfarrei Vilshofen.
Von Josef Popp

Die Bartholomäuskirche in Winbuch (das Foto stammt aus den 1960er Jahren) war einst die Schlosskapelle.
Die Bartholomäuskirche in Winbuch (das Foto stammt aus den 1960er Jahren) war einst die Schlosskapelle. Foto: Heimatkundlicher Arbeitskreis

Schmidmühlen.Im Markt Schmidmühlen gibt es neben dem Hauptort Schmidmühlen noch zwei geschichtsträchtige Orte: Emhof und Winbuch. So klein sie sind, so groß und interessant ist ihre Historie. So auch die von Winbuch, dessen Geschichte sich bis in das Jahr 1147 zurückverfolgen lässt.

Der Ort mit seinem kleinem Landschloss und der dazugehörigen Schlosskapelle hatte seinen eigenen Adelssitz; es waren zu Beginn der Winbuchner Geschichtsschreibung hohenburgische Ministerialien. Der erste urkundlich nachweisbare Adelige war 1147 Lantfried de „Windebuch“, ihm folgten sein Sohn Lantfried und 1185 Wolfrat von Windebuch.

1185 hatte sich der Ortsname schon geändert. Einer der Adeligen, der auf dem Schloss saß, war Wolfram von Windbuch. Nach den „Winbuchnern“ kam Winbuch an das uralte, weit verzweigte Geschlecht der Hausner. Ein Grabstein ist heute noch in der Schlosskirche zu sehen.

Zum Schlossareal gehört auch die St.-Bartholomäus-Kirche, nach der Pfarrkirche St. Ägidius in Schmidmühlen die zweitgrößte Kirche der Pfarrei Schmidmühlen – und ein historisches Foto dieses Gotteshauses ist auch im Schmidmühlener Heimatkalender 2015 zu finden. Inzwischen erstrahlt die Filialkirche auch wieder in neuem Glanz, denn in diesem Jahr wurde sie einer grundlegenden Renovierung unterzogen.

Ursprünglich romanischer Bau

Die ehemalige Schlosskapelle wurde in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts erbaut. Sie war einst eine Nebenkirche von Vilshofen. Die schmucke Kirche ist dem Heiligen Bartholomäus gewidmet. Er thront als imposante und markante Figur über dem Altar. Ihm zur Seite: der Heilige Benedikt und die Heilige Scholastika. Auf dem Marienaltar befand sich eine sehr wertvolle spätgotische Muttergottesfigur aus dem 12. oder 13. Jahrhundert. Ende des 15. Jahrhunderts bekam diese Figur noch ein Jesuskind. Die Originalfigur befindet sich inzwischen aus Sicherheitsgründen im Diözesanmuseum in Regensburg. Sie bleibt aber im Eigentum der Filialkirche Winbuch, und in der Kirche befindet sich ein originalgetreues Duplikat der Figur.

Auf dem Altar befindet sich statt eines Aufbaus ein klassizistischer Tabernakel. Der Predigtstuhl, der sich an der nördlichen Seite befindet, wurde im Jahre 1837 renoviert.

Die Kirche selbst war ursprünglich ein romanischer flachgedeckter Bau mit Apsis. Ringsum lief ein eingekehlter Sockel, der nur noch teilweise erhalten ist. Im Bogen der westlichen Tür steht die Zahl 1795; möglicherweise wurde zu dieser Zeit der Apsisbogen in einen Korbbogen verändert. Und an der Kirchenhofmauer fand sich die Jahreszahl 1201.

Winbuch ist 1538 zur lutherischen Religion übergegangen, wurde aber im Jahre 1622 wieder katholisch. In dieser Zeit errichtete man einen eigenen Gottesacker, der aber nicht länger benutzt wurde als bis zur Aufhebung des Luthertums. Der Gottesacker lag im Süden der Kirche und war mit einer starken Mauer umgeben. Später diente er dem Schullehrer als Garten.

Die Bestattung der Pesttoten

Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten erstrahlt die Filialkirche in Winbuch wieder in neuem Glanz.
Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten erstrahlt die Filialkirche in Winbuch wieder in neuem Glanz. Foto: ajp

Apropos Friedhof: Zum Thema Bestattung ist aus dem 17. Jahrhundert dieses überliefert. 1622 regierte zu Winbuch die Pest, so dass bis auf „etliche Personen“, wie in Archivalien nachzulesen ist, der ganze Ort ausgestorben war. Zu dieser Zeit beerdigten die Winbuchner ihre Toten auf dem Friedhof in Vilshofen – kirchlich gehörte Winbuch wie auch ein Teil Schmidmühlens zur Pfarrei Vilshofen. Wegen der Pestkrankheit verweigerten die Vilshofener jedoch die Durchfahrt durch das Pfarramt.

Die Winbuchner mussten sich einen anderen Weg zum Friedhof suchen. Sie durften ihre Pesttoten auch nicht durch das Haupttor tragen, sondern „sie mussten sich gegen Westen selbst eine kleine Thür durch die Mauer einbrechen lassen, weil der Gottesacker, die drey Kirchen, der Pfarrhof und das Schulhaus mit einer sehr starken und hohen Mauer umgeben ist“, heißt es in alten Schriften.

Im Jahr 1845 beschrieb der damalige Schulprovisor Georg Hummel in einer historisch-topographischen Schilderung die „Hofmark Winbuch in der Oberpfalz und von Regensburg“. So heißt es dort: „Dorf und Hofmark mit einem Patrimonialgericht (Gutsherrengerichtsbarkeit) gehörte bis zum Jahre 1806 zur Pfalz Neuburg; gehört gegenwärtig zur königlich bayerischen Regierung der Oberpfalz von Regensburg, zum königlichen Landgericht, Rentamte und Steuerdistrikt Burglengenfeld, der Diözese Regensburg, dem Dechanate Regenstauf, der Pfarrei Vilshofen. Winbuch hat eine Nebenkirche. Das Begräbnis der Verstorbenen aus der Gemeinde Winbuch ist im Gottesacker zu Vilshofen.“

Winbuch und Greining wurden 1962 in die Pfarrei Schmidmühlen umgegliedert. Unter dem letzten Bürgermeister Johann Feuerer erfolgte am 1. Juli 1972 die Eingemeindung Winbuchs nach Schmidmühlen, Galching folgte am 1. Januar 1974.

Ein berühmter Hofmarksherr

Blickt man auf die Geschichte Winbuchs, so muss man auch an „Berühmtheiten“ denken, die mit dem Ort in einer Verbindung stehen. Als einer der „ruhmreichen“ Besitzer der Hofmark Winbuch gilt Georg Freiherr von Aretin (geboren am 29. März 1771 in Ingolstadt). Nach dem Studium in Heidelberg erhielt er 1793 die Stelle eines „Rentdeputationsrates“ in Neunburg. 1796 wurde er Hofkammerrat und Straßendirektor in den Herzogtümern der Oberpfalz, Sulzbach und Amberg. Nach seiner Beförderung 1799 zum Direktor zeichnete er verantwortlich für Forst-, Bau- und Kulturangelegenheiten. Ab dem Jahr 1802 war von Aretin Mitglied der Kommission, die sich um die Verbesserung des Steuerwesens kümmerte.

Sein Weg führte ihn weit weg: 1806 wurde der Freiherr Wasserdirektor in Tirol und 1808 Generalkommissär des Eisacktales. Als im Frühjahr 1809 der Tiroler Aufstand ausbrach, wurde er mit anderen bayerischen Staatsbeamten nach Klagenfurt und von da nach Fünfkirchen (Pécs, heute Ungarn) deportiert. Letztlich wurde er zu Preßburg (Bratislava, heute Slowakei) gegen den bekannten Freiherrn von Lebzelten ausgetauscht. Schließlich widmete er sich ausschließlich den Künsten, Wissenschaften und Landwirtschaft. Zu seinen Gütern gehörte dabei auch das einstige Lehngut Mendorferbuch, wo er 1845 auch verstarb.

Alle historischen Geschichten zu den Fotos des Schmidmühlener Heimatkalenders finden Sie hier.

Die Kirchenrenovierung

  • Investition

    Umfangreiche Arbeiten standen bei der Renovierung der Filialkirche St. Bartholomäus an, wozu auch Maßnahmen an der Kirchenmauer gehörten. Insgesamt muss die Pfarrei Schmidmühlen fast 240 000 Euro investieren, rund 64 000 Euro davon für die Mauer.

  • Fassade

    Komplett erneuert wurde die Fassade der Kirche; sie war stark verschmutzt und hatte viele Risse. Beim Abschlagen des Putzes wurde übrigens eine Entdeckung gemacht: Zu erkennen war, dass der Eingang in früheren Jahren – vor der Erweiterung – an einer anderen Stelle war.

  • Weitere Arbeiten

    Viele weitere Arbeiten standen an, zum Beispiel an der Drainage und dem Fundament der Kirche. Die hölzerne Kirchentür wurde restauriert, neue Fenster eingebaut. Maßnahmen erfolgten ferner am Dach sowie bei der Erneuerung der Beleuchtungsinstallation.

  • Kirchenmauer

    Die Bartholomäuskirche ist von einer Mauer umgeben, deren Sanierung ebenfalls angepackt wurde. Vor allem waren Hohlstellen und Risse zu beheben, der Putz wurde komplett erneuert. Für den Bogen im Eingangsbereich der Kirchenhofmauer wurde ein schmiedeeisernes Tor eingebaut.

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