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Geschichte

Eichenpfähle erzählen von Glanzleistung

Die Eiserne Brücke in Schmidmühlen stand einst an einem anderen Ort. 1910 wurde sie mit Flaschenzügen vilsaufwärts versetzt.
Von Josef Popp

  • Die Eiserne Brücke, die älteste Brücke im Markt Schmidmühlen, zeigt dieses Foto aus dem Jahr 1910. Foto: Archiv Heimatkundlicher Arbeitskreis
  • Die neueste Brücke in Schmidmühlen ist die Doppelbogenbrücke über die Lauterach. Sie ersetzte die 1957 eingeweihte Brücke. Foto: ajp
  • Die „Schütze“ übers Hammerbacherl einst Foto: Archiv ajp

Schmidmühlen. „Über sieben Brücken musst du geh’n“: Wer kennt ihn nicht, diesen Song von Peter Maffay. Man könnte fast meinen, er wäre für den Markt Schmidmühlen geschrieben worden, denn Schmidmühlens Reichtum an großen und kleinen Brücken oder Stegen ist im Landkreis Amberg-Sulzbach wohl einzigartig. In Schmidmühlen gilt: Über viele Brücken und Stege musst du geh’n.

Der Markt im Süden des Landkreises liegt am Zusammenfluss von Vils und Lauterach. Das alleine wäre noch nicht zwingend ein Grund für diese vielen Brücken. Vielmehr liegt der alte Ortskern auf einer Insel, eingerahmt von zwei Lauteracharmen – zum Zentrum kommt man nur über Brücken.

17 große und kleine Brücken

So sieht die Eiserne Brücke heute aus. Foto: ajp
So sieht die Eiserne Brücke heute aus. Foto: ajp

Allein fünf Brücken führen in der Gemeinde über die Vils: in Harschhof, Emhof, Pettenhof und zweimal Schmidmühlen. Ebenso führen zahlreiche Brücken über die Lauterach. Doch damit nicht genug: Mit der Hochwasserfreilegung kamen einige Schutzbauten hinzu, die eine Brückenfunktion haben. Da sei nur an den Hochwasserverschluss im Bereich des Oberen Schlosses, an das Klappenwehr im Hammer oder auch an das Multifunktionsgebäude (Hochwasserverschluss und Schöpfwerk) erinnert. Über jedes dieser Gebäude führt eine Straße oder ein kleiner Weg.

Summa summarum kommt man im gesamten Gemeindegebiet inklusive der Hochwasserschutzbauten auf 17 große und kleine Brücken. Natürlich ist dieser Brückenreichtum eine Geschichte für den Heimatkalender, zumal man auf einige wenige historische Aufnahmen zurückgreifen kann. So von der Eisernen Brücke, der ältesten Vilsbrücke im Markt. Von ihr existiert ein Foto aus dem Jahr 1910. Gebaut worden sein dürfte sie wohl schon vor 1900. Aber 1910, eigentlich 1909, rückte sie in den Fokus. Denn 1910 bekam sie einen neuen Platz.

Holzfragmente tauchten im Boden auf

Was war geschehen? Dem aufmerksamen und geschulten Auge von Ortsheimatpfleger Michael Koller fielen im Zuge der Hochwasserfreilegung etwa zwei Meter lange, erdverschmierte Holzstücke auf, die unauffällig am Ufer der Vils lagen. Sie waren schon etwas vermorscht, ragten nur etwas aus dem Schlammboden heraus. Die „Holzfragmente“ gehörten zum Fundament einer ehemaligen Brücke, die bis zum Jahr 1909 an diesem Ort über die Vils führte. Für den geschichtsbewussten Ortsheimatpfleger war es nur eine Frage der Zeit, bis diese Eichenstämme von den Baggern freigelegt wurden.

Eichenpfähle waren alte Stützpfeiler

„Schütze“ übers Hammerbacherl: So sieht der kleine Steg heute nach der Hochwasserfreilegung aus. Foto: ajp
„Schütze“ übers Hammerbacherl: So sieht der kleine Steg heute nach der Hochwasserfreilegung aus. Foto: ajp

Wie keine andere große Baumaßnahme zuvor veränderte sich in diesen Jahren das Ortsbild von Schmidmühlen. Häuser, Brücken, Gärten und kleinere Gebäude verschwanden, neue Brücken, Bauwerke oder Wege entstanden. Doch: Das Ortsbild hat sich auch in den weiter zurückliegenden Jahrzehnten ständig verändert. Einen Beleg dafür lieferten dann auch die Bagger im Bereich der Lauterachmündung: Sie legten ein Stück Heimatgeschichte frei.

Die Eichenpfähle, die damals ans Tageslicht kamen, lagen schon mehr als ein Jahrhundert im Uferbereich der Vils. Sie dienten einer alten Vilsbrücke als Stützpfeiler für deren Fundament. Ein altes Foto, das heuer im Heimatkalender zu sehen ist, liefert den Beweis für den ursprünglichen alten Standort. Er war etwa 50 Meter unterhalb der jetzigen Brücke – eben dort, wo vor rund einem Jahrzehnt die Eichenpfähle freigelegt wurden.

Schutz vor Hochwasser

  • Jahrhunderthochwasser 1909

    Das Jahrhunderthochwasser von 1909 wirkte noch lange nach. Es war der 4. und 5. Februar, als der Ortskern von den Fluten heimgesucht wurde. Menschen kamen nicht zu Schaden, jedoch verloren die Bauern 22 Kühe, 49 Schafe, etwa 30 Schweine und jede Menge Geflügel – für die damalige Zeit eine Katastrophe. Der Sachschaden war immens.

  • Schutz war notwendig

    Dieses Hochwasser hatte einen derart tiefen Eindruck hinterlassen, dass man an den verschiedenen Häusern heute noch die Erinnerungsmarken sehen kann. Und damals begann man sich erstmals Gedanken über eine Hochwassersicherung zu machen. Über viele Jahrzehnte beschäftigten sich Generationen von Markträten mit dem Hochwasserproblem. Pläne wurden diskutiert und wieder verworfen.

  • Wichtige Maßnahmen

    Mehrere wichtige Schutzmaßnahmen wurden seit den 1970er Jahren getroffen. So wurde beispielsweise ein Stück der Vils im Ortsbereich begradigt und ein Schutzdamm gebaut. Auch im Bereich des Truppenübungsplatzes wurden Millionen zum Schutz des Lauterachtales und auch Schmidmühlens investiert. Rückhaltebecken wurden gebaut – Maßnahmen der US Army, die die Hochwassersituation in Schmidmühlen deutlich entschärften.

  • Hochwasserfreilegung

    Erst im Lauf der 1990er Jahre reiften die Pläne heran, die schließlich zur Hochwasserfreilegung führten. 2003 stand der Markt vor der ultimativen Entscheidung: Jetzt oder nie. 99 Jahre nach der großen Flut war der Markt Schmidmühlen dann vor dem hundertjährlichen Hochwasser geschützt. (ajp)

Schäden durch das Hochwasser

Ein großer Tag war die Einweihung der Lauterachbrücke im Jahr 1957 durch Pfarrer Otto Gillitzer, im Bild mit den Ministranten Hans Kellner, Theo Büchner, Peter Fochtner und Hubert Fleischmann (von links). Foto: Privatarchiv Peter Fochtner senior
Ein großer Tag war die Einweihung der Lauterachbrücke im Jahr 1957 durch Pfarrer Otto Gillitzer, im Bild mit den Ministranten Hans Kellner, Theo Büchner, Peter Fochtner und Hubert Fleischmann (von links). Foto: Privatarchiv Peter Fochtner senior

Sicher ist nur, dass diese Brücke vor 1900 ursprünglich etwas weiter flussabwärts gebaut wurde. Doch warum wurde die Brücke versetzt? 1909 suchte eines der schwersten und verheerendsten Hochwasser den Mark am Zusammenfluss von Vils und Lauterach heim. 1909 lagerten im Bereich des damaligen Bahnhofs große Mengen an Holzstämmen. Diese wurden durch die Wassermassen mitgerissen und trieben auf der Vils flussabwärts.

Dabei beschädigten sie die Widerlager dieser „alten“ Vilsbrücke so stark, dass sie nicht mehr genutzt werden konnte. Eine Lösung musste gefunden werden – und wurde 1910 umgesetzt. Die Brücke wurde mit Flaschenzügen etwa 50 Meter flussaufwärts zu ihrem jetzigen Standort und auf ein neues Fundament gezogen.

Diese Standortverlegung war für die damalige Zeit eine bemerkenswerte technische Leistung und für die Bürger sicher ein Spektakel. Gleichzeitig wurde übrigens auch die Hauptstraße verlegt. Der Rest des alten Fundamentes wurde zurückgebaut, die Eichenpfähle blieben im Erdreich.

Immer wieder wurden in den vergangenen Jahrzehnten Brücken neu gebaut und saniert. 1961 wurde die Hammerbrücke mithilfe von amerikanischen Pionieren erstellt; sie war bis dahin ein Holzsteg.

Kurz vor Weihnachten 1957 war Einweihung und Übergabe der damals „neuen“ Lauterachbrücke (Friedhofbrücke). Mit dabei war Peter Fochtner sen. als Ministrant. Landrat Dr. Haschke sagte damals in seiner Ansprache, dass anderswo die Einweihung einer so kleinen Brücke kein großes Ereignis sei, wohl aber in einer „so armen und von mehreren Vorhaben belasteten Gemeinde“, wie es Schmidmühlen sei. Ein halbes Jahrhundert später wurde die damalige Brücke durch die Doppelbogenbrücke ersetzt.

Alle Geschichten zu historischen Fotos, die im Lauf der Jahre in den Schmidmühlener Heimatkalendern erschienen sind, finden Sie in unserem MZ-Spezial!

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