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Geschichte

Ein Geheimnis brachte fast den Tod

Johann Georg Felsner, Erbauer des Zieglerschlosses in Schmidmühlen, wurde mit Schnupftabakdosen reich – und beinahe getötet.
Von Josef Popp

Mit zu den ältesten Fotos im historischen Heimatkalender 2017 gehört diese Aufnahme des Zieglerschlosses in Schmidmühlen. Repro: Heimatkundlicher Arbeitskreis
Mit zu den ältesten Fotos im historischen Heimatkalender 2017 gehört diese Aufnahme des Zieglerschlosses in Schmidmühlen. Repro: Heimatkundlicher Arbeitskreis

Schmidmühlen. Der idyllische Marktflecken Schmidmühlen kann sich rühmen, drei Schlösser in seinem Zentrum zu haben. Neben dem Oberen Schloss und dem Hammerherrenschloss mit Sitz verschiedener Adelsfamilien gibt es noch das Zieglerschloss das jüngste unter den drei Schlössern. Es wurde 1757 nach dem Vorbild eines französischen Landschlösschens erbaut. Das Zieglerschloss – und damit unterscheidet es sich von allen anderen Schlössern in der Gemeinde Schmidmühlen – war kein Adelssitz.

Erbaut wurde es von Johann Georg Felsner, geboren am 17. Dezember 1727 als viertes von sechs Kindern. Zu dieser Zeit war Schmidmühlen ein blühender Ort. An einer Wasserstraße mit einem eigenen Binnenhafen gelegen sowie als Kreuzungspunkt wichtiger Handelsstraßen hatte der Ort eine für die damalige Zeit herausragende Bedeutung. Vor allem der Hopfenanbau, das Hammerwerk, Zolleinnahmen und viele kleine und mittlere Handwerksbetriebe sorgten über Jahrhunderte hinweg für einen relativen Wohlstand. Zu dieser Zeit hatte der Markt auch eine eigene Ziegelei, die sich im Bereich des heutigen Zieglerschlosses befand.

Familie stammte aus Kastl

Johann Georg Felsner hat mit seinem Lebenswandel und dem Schlossbau Zeitgeschichte geschrieben. Die Felsners stammten aus Kastl. Der Ziegler Johann Felsner siedelte 1668 von Kastl nach Schmidmühlen. Der Grund: Er hat die Schmidmühlener Bierbrauerstochter Anna Johann Kolb geheiratet. Er starb 1718. Sein Sohn Balthasar (als viertes von acht Kindern 1697 geboren) vermählte sich mit der Bürgerstochter Elisabeth Riedhammer. Dieser Ehe entspross Johann Georg, der spätere Erbauer des Schlosses. Taufpate war der Papiermacher Georg Mittelstraßer von der Vischbach’schen Papiermühle.

Die Ziegelei in Schmidmühlen war ursprünglich im Besitz der Gemeinde. 1687 verkaufte sie der Markt an Lorenz Hammer von Velburg. Von diesem erwarb 1692 der aus Kastl zugezogene Felsner den Besitz, zu dem anscheinend noch kein Wohnhaus gehörte: Im Kaufbrief ist nämlich die Erlaubnis zum Bau eines solchen erwähnt. 1721 übertrug Felsners Witwe Anna die Ziegelhütte mit „Zuhörungen“ ihrem Sohn Balthasar. Wann der Besitz an dessen Sohn Johann Georg kam, war bisher nicht festzustellen.

Schlossbau war immens teuer

Das Zieglerschloss heute: Seit vier Generationen befindet es sich in Privatbesitz.
Das Zieglerschloss heute: Seit vier Generationen befindet es sich in Privatbesitz. Foto: ajp

Im Alter von 16 Jahren verließ Felsner sein heimatliches Schmidmühlen, durchwanderte halb Europa, vor allem aber Frankreich. Dort erlernte er die Kunst der Schnupftabakdosenfertigung. Diese Dosen waren seinerzeit ein für jedermann unentbehrliches Gerät. 1757, knapp 30-jährig, kehrte er nach Schmidmühlen zurück, den Kopf voller Pläne und Ideen.

Im gleichen Jahr begann er mit dem Bau des Zieglerschlosses. Die reinen Baukosten beliefen sich auf 18 000 Gulden, eine für jene Zeit außerordentlich hohe Summe. Das Zieglerschloss war damals eine wahre Zierde, bis es 1896 von einem Großbrand weitgehend vernichtet wurde.

Tabakdosen wurden aber zu keiner Zeit im Schloss gefertigt. Die Fabrik befand sich im Brunnlett, einem Ortsteil Schmidmühlens. Dort beschäftigte Felsner anfangs etwa 50 Arbeiter, später etwa 20. Dies zeigt, wie bedeutend dieser Handwerksbetrieb damals war. Die Herstellung der Felsnerschen Tabakdosen geschah nach einer geheim gehaltenen Methode, die er aus Frankreich mitgebracht hatte.

Mordanschlag und Großbrand

Dank seiner Tüchtigkeit und Vielseitigkeit entwickelte sich die Schmidmühlener Produktion zu einer beachtlichen Konkurrenz für seine französischen Lehrmeister. Das veranlasste einen von diesen, Felsner eine Kiste zukommen zu lassen. Nichts Gutes ahnend, ließ er die Sendung durch einen Schlosser am Boden öffnen. Und das war gut, denn sie enthielt mehrere geladene Pistolen, die sich beim Öffnen des Deckels entladen hätten.

Für das Schloss selbst kam es am 26. November des Jahres 1896 zu einer Katastrophe: Es wurde von einem Großbrand heimgesucht. Da das Schloss nach alten Erzählungen an allen Ecken und Enden brannte, vermutete man Brandstiftung. Die Entstehung des Brandes konnte selbst durch polizeiliche Ermittlungen nie geklärt werden. Der Bayerische Volksbote berichtete in seiner Ausgabe vom 3. Dezember 1896: „Am 26. des letzten Monats morgens um 5.12 ist dieses Schloss, eine Zierde des Marktes, ein Raub der Flammen geworden. Dasselbe brannte fast zur gleichen Zeit an allen Ecken und Enden, was der Vermutung einer Brandstiftung großen Raum lässt. Von dem schönen Gebäude blieb nichts mehr stehen als das Mauerwerk. Der Feuerschein selbst war weit bis in das Lauterachtal hinauf zu sehen.“

Das Zieglerschloss ist auch Thema eines Aufsatzes im neuen Sonderband „Geschichte und Geschichten aus dem Naturpark Hirschwald“ des „Eisengau“.

Etliche Prozesse angestrengt

Doch zurück zu Johann Georg Felsner. Sein Leben, Wohnen und Schaffen in Schmidmühlen war geprägt von einer tiefen Feindschaft zwischen ihm und dem Markt. Dieser eröffnete eine Reihe von Prozessen gegen ihn, seinen Bau und sein Unternehmen. 1796 bereits gab es ein Urteil des Landgerichts mit dem Verbot, die Schwindgruben (vermutlich die Abortgruben) seines Neubaus zu benutzen, so dass dieser unbewohnbar wurde. Fortan wohnte er im Brunnlett (Haus Nr. 88).

Johann Georg Felsner heiratete zweimal: 1779 ehelichte er die Bäckerstochter Maria Regina Riedhammer (sie starb 1783 im Kindbett), zehn Jahre nach deren Tod am 23. Juli 1793 Margareta Weigl. Doch das Familienglück war nur von sehr kurzer Dauer. Wenige Wochen später verstarb Johann Georg Felsner am 7. September 1793 im Alter von 66 Jahren.

Betriebsgeheimnis verkauft

Das Zieglerschloss prägt das Ortsbild; links die Friedhofskirche St. Georg. Foto: ajp
Das Zieglerschloss prägt das Ortsbild; links die Friedhofskirche St. Georg. Foto: ajp

Die Produktion der Schnupftabakdosen beschränkte Felsner nicht nur auf Schmidmühlen. 1794 errichtete er eine Dosenfabrik in Amberg. Doch dieses Unternehmen brachte ihn in große finanzielle Schwierigkeiten, so dass er schließlich aufgeben musste. Von seinem einst ansehnlichen Vermögen war nichts mehr vorhanden.

Das Zieglerschloss mit Ziegelhütte und Ziegelofen erwarb Felsners Schwager Leonhard Hofmann. Die Mittel dazu dürfte Felsners Besitznachfolger wohl dadurch gewonnen haben, dass er das wohl gehütete Betriebsgeheimnis 1794 an den Lederfabrikanten Fleischmann aus Amberg verkaufte. Dieser verlegte die Fabrikation von Schmidmühlen komplett nach Amberg und verkaufte etwa 20 Jahre lang jährlich etwa 24 000 Tabakdosen – mit großem Gewinn.

Hintergrund

  • Kalender

    Vor fünf Jahren gab es einen ersten Heimatkalender in kleiner Auflage. Nun erschien mit dem Kalender für 2017 die sechste (inzwischen schon ausverkaufte) Auflage. Der Reinerlös geht an die Sportschützen zugunsten der Jugendarbeit.

  • Fotos

    Der Heimatkalender zeigt Fotos aus dem Archiv des Heimatkundlichen Arbeitskreises – Raritäten, die das Prädikat „historisch besonders wertvoll“ verdienen. Viele Bilder aus den vergangenen Jahrzehnten spiegeln das vielfältige Leben des Marktes wider; der Kalender wird so zur bebilderten Chronik. Die ältesten Aufnahmen stammen von etwa 1900 und zeigen alte, bisher nirgends veröffentlichte Motive – zu diesen „Uralt“-Aufnahmen gehört jene vom Zieglerschloss. Aber auch Fotos aus Winbuch und Emhof zählen zum Bilderreigen.

Die Dosen waren aus Papier

Doch was war das bestgehütete Betriebsgeheimnis der Felsner? Aus welchem Material stellte er in Schmidmühlen und später in Amberg die Schnupftabakdosen her? Aus Steingut? Aus Blech? Gar aus Holz? Es war Papier – schlicht und einfach Papier. Dies geht aus Unterlagen des Lederfabrikanten Fleischmann hervor. Dort heißt es, dass er mit sechs bis zehn Personen „Dosen mit französischem Lack“ produzierte und zum Preis von 2 fl. bis 2 fl. 45 kr. verkaufte. Die Dosen wurden aus Papier gefertigt, bemalt und mit Lack überzogen. Das war also das Geheimnis, das Felsner aus Frankreich mitbrachte, das ihm Reichtum, aber auch fast den Tod brachte.

Die Produktion in Amberg lief hervorragend, mindestens bis 1808. Nach dem Tod seines Dosenmalers J. B. Schmid konnte Fleischmann keinen geeigneten Künstler mehr finden, so dass der Umsatz zurückging und schließlich der Betrieb eingestellt werden musste. Mit dem Verkauf des Betriebsgeheimnisses enden auch die Ära der Familie Felsner und die der Gewinn bringenden Schnupftabakdosenfabrikation in Schmidmühlen. Das Zieglerschloss selbst befindet sich seit mittlerweile vier Generationen im privaten Familienbesitz.

Das Foto des Zieglerschlosses ist auf dem Januar-Blatt des Heimatkalenders 2017 zu sehen. Welche Raritäten der Kalender noch bereit hält, erfahren Sie hier!

Alle Geschichten und Hintergründe zu den Fotos in den Schmidmühlener Heimatkalendern finden Sie hier in unserem MZ-Spezial!

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