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Heimat

Ein süffiges Stück Ortsgeschichte

Schmidmühlen war eine Wirtshaus- und Biergemeinde – kaum ein Straßenzug war ohne eine Bierwirtschaft.
Von Josef Popp

Die Erinnerung an den Schmid-Bräu und den „Regensburger Hof“ ist in Schmidmühlen noch lebendig.
Die Erinnerung an den Schmid-Bräu und den „Regensburger Hof“ ist in Schmidmühlen noch lebendig. Foto: Heimatkundlicher Arbeitskreis

Schmidmühlen.Über Jahrzehnte, vielleicht auch über Jahrhunderte hinweg, war Schmidmühlen eine echte und lebendige Wirtshaus- und Biergemeinde. Kaum ein Straßenzug, in dem nicht mindestens eine Bierwirtschaft war – wenn auch klein. Der Gasthof „Regensburger Hof“ war mit Sicherheit – schon allein wegen seiner Lage im Ortszentrum – eines der wichtigsten Wirtshäuser und eine Institution. So richtig bekannt war der Regensburger Hof aber als der „Kannesmetzger“. Den kennt auch heute noch jeder. Als Familiennamen gibt es den „Kannesmetzger“ nicht. Es ist der Hausname, der in den verschiedensten Variationen in der Gemeinde noch heute am häufigsten gebraucht wird.

Woher der Hausname stammt, weiß der aktuelle „Kannesmetzger“ – mit richtigem Namen heißt er Günther Schmid – auch nicht sicher. Aber er hat eine plausible Erklärung: Die eigentliche Brauerei war früher im Kellerweg. Von dort wurde das Bier in Kannen oder Fässern ins Stammhaus an der Hauptstraße gebracht, verkauft und ausgeschenkt. Im Stammhaus war zudem eine kleine Metzgerei, in der man Fleisch kaufen konnte. Noch heute, so erzählt Schmid, gibt es einen Raum, der „Fleischbank“ heißt. Dort wurde damals das Fleisch zerlegt und portioniert (Wurst wurde übrigens nicht hergestellt). Bier in Kannen und ein Metzger – das passt: Kannesmetzger.

„Erlangung der Tavernengerechtigkeit“

Zahlreiche alte Urkunden und Schriftstücke aus dem Familienbesitz geben Aufschluss über die Geschichte von Brauerei und Gasthof. Die Geschichte der Familie reicht – zumindest nach jetzigem Recherchestand – zurück bis in das Jahr 1867. Joseph Schmid hatte nachweislich das Braurecht. 1870 wird im Gasthaus im Regensburger Hof die Freiwillige Feuerwehr Schmidmühlen gegründet, Initiator und 1. Vorsitzender war Brauer und Wirt Joseph Schmid.

1873 wird die Metzgerswitwe Barbara Schmid erwähnt: In einer Urkunde wird ihr die „Erlangung der Tavernengerechtigkeit und somit auch die Verabreichung von Kaffee, Speisen und Beherbergung“ bescheinigt. Und aus dem Jahr 1933 steht im Protokollbuch des damaligen Katholischen Arbeitervereins niedergeschrieben: „Am 12. Juni verstarb unser liebes Mitglied Josef Schmid, der alte Kannesmetzger, 79 Jahre. Wir geben ihm das letzte Geleite mit Musik und Fahne.“

Bis 1949 führten Michael und Katharina Schmid Brauerei und Gasthof, ab 1950 Josef und Brigitte Schmid. Ab 1976 war Günther Schmid der Wirt und Brauereibesitzer. Gebraut wurden „beim Schmidbräu“ unter anderem ein helles Vollbier, Märzen, das Jura-Pils, das Festbier und besonders für die damaligen Schlossgartenfeste der „Schlosswächter“, der DLG-prämiert war. Weiter wurde in Lizenz Frucade-Limonade hergestellt.

Umfangreiche Investitionen waren im Lauf der Jahrzehnte erforderlich. 1950 wurde das Sudhaus (es war früher auch schon im Stammhaus im Ortszentrum) neu gebaut, 1960 erfolgte die Neuerrichtung der Brauerei im Stammhaus. Ab dieser Zeit wurden die Keller im Kellerweg als Braugebäude nicht mehr benötigt.

Die ersten Wildwochen waren vor 35 Jahren

Kanne und Krüge des Schmid-Bräus
Kanne und Krüge des Schmid-Bräus Foto: ajp

Im „Regensburger Hof“ hatten auch viele Vereine ihre Heimat: Feuerwehr, Kriegerverein, Männergesangsverein, Tischtennis- und Volleyballabteilung, die Ortsgruppe des Roten Kreuzes und die „König-Arthur-Ritterrunde“. Bereits bei den ersten Wildwochen vor 35 Jahren war der Regensburger Hof mit dabei. Günther Schmid, viele Jahre auch ein „Motor“ und der Kassier des Fremdenverkehrsvereins, kann sich an viele „zündende Ideen“ aus dieser Zeit erinnern, so auch die Einführung des Marktfestes vor 37 Jahren.

Die Familie Schmid war die letzte Brauerei in der Lauterachtalgemeinde – bis 1985 die Brauerei aufgegeben wurde. Die Gastwirtschaft erlosch im Jahr 1992. Ein Stück Schmidmühlener Geschichte wurde abgeschlossen.

Das Bierbrauen hatte in Schmidmühlen lange Tradition. Es war eine harte Arbeit, wie bei einer Bierkellerwanderung Franz Baier zu berichten wusste. Er war beim Schmidbräu in die Lehre gegangen und hat dort bis zum Ruhestand gearbeitet. Noch heute ist der „Baier-Franzl“ beim Bieranstich beim Marktfest der Fachmann.

Er berichtete damals, zunächst wurde der Sud im Sudhaus angefertigt und in Fuhrfässer gefüllt. 20 Hektoliter Sud passten in solch ein Fass. Mit Pferdefuhrwerken wurde der Biersud zu den Kellern transportiert, wo er in Gärbottiche umgefüllt wurde. Dann gärte das Bier etwa acht Tage, ehe es in Lagerfässer kam. Nach etwa acht Wochen Lagerzeit wurde das Bier filtriert und in Fässer oder Flaschen abgefüllt. Dies alles wurde auch tatsächlich mit der Hand erledigt, so erzählte Franz Baier.

Warum in Schmidmühlen so viel gebraut wurde? Zum einen lag es sicher an dem guten Wasser, das die Lauterach damals führte: sauerstoffreich und sauber – entsprechend gut war auch das Grundwasser, das man leicht über Brunnen fördern konnte. Auch der Kannesmetzger hatte einen eigenen Brunnen im Haus.

Hopfen wuchs fast vor der Haustür

So kannten die Schmidmühlener den Schmid-Bräu. Foto: ajp
So kannten die Schmidmühlener den Schmid-Bräu. Foto: ajp

Das Getreide wurde auf den umliegenden Höhen angebaut. Und: Der zum Bierbrauen benötigte Hopfen wuchs quasi vor der Haustür. Nachweisbar besaßen die Schmidmühlener vor mehr als 400 Jahren schon Hopfengärten im Lauterachtal. Die Abgabe von Hopfenzehent war damals Pflicht.

Zum Bierbrauen schlossen sich die Schmidmühlener 1618 zusammen. In diesem Jahr existierte nachweislich die Kommunbräu unter dem Namen „Bürgerliches Sudhaus“. Interessant ist dessen Geschichte: 1803 wurden Amt und Gericht Schmidmühlen aufgehoben und dem Landgericht Burglengenfeld einverleibt. Das ehemalige Amtsgebäude kam in den Besitz der Marktgemeinde, die es 1812 für 1731 Gulden an die Kommunbräu veräußerte.

Aus einer Urkunde des königlichen Notars Sperrer aus Burglengenfeld vom 21. Juli 1902 geht hervor, dass sich am 7. Juli 1902 unter Leitung von Amtsrichter Sepler der Kommunbräuvorsitzende Michael Ebenburger mit den damals noch 35 eingetragenen Kommunbräurechtlern traf. Nach eingehender Debatte beschloss man: „Die Gesellschafter Michael Ebenburger, Xaver Metz, Georg Mehringer, Therese Wiesner, Xaver Weigert, Johann Renghart, Johann Hiltl, Josef Schmid, Anton Espach, Isidor Rubenbauer und Georg Fuchs setzen das Gesellschaftsverhältnis zu gleichen Teilen fort“.

Bierkeller

  • Historisch

    Die Geschichte des renommierten Schmidbräu ist heute noch bei vielen Bürgern lebendig, auch wenn nicht mehr sehr viel an diese große Bierbrauerzeit in der Lauterachtalgemeinde erinnert – zumindest oberirdisch. In Schmidmühlens Unterwelt dagegen ist diese Zeit noch in Form von historischen Bierkellern vorhanden.

  • Bergig

    Es gibt eine stattliche Anzahl von Bergkellern. Nicht alle wurden als Bierkeller genutzt. Sicher kann man sie an ihrer Bauweise unterscheiden: Bei Bierkellern müssen Nischen und Vorsprünge in den Fels geschlagen sein, worauf die Bierfässer lagern konnten.

  • Riesig

    Ein bestens und in ansehnlicher Größe erhaltener Bierkeller befindet sich im Brunnlettberg. Mindestens 50 Meter führt er in den Brunnlettberg hinein und ist so groß, dass bestimmt 200 Menschen darin Platz finden könnten. (ajp)

Vertrag mit dem Braumeister Fritz Brey

Diese somit „neue“ Kommunbräugesellschaft Schmidmühlen, wie sie ab diesem Zeitpunkt hieß, hatte den Zweck, das Kommunbrauhaus nebst dem Malzhaus zu erhalten, das Bier für die damit verbundenen Bräu- und Schankrechte zu sieden sowie das nötige Malz im Malzhaus herzustellen. Dazu sei für jede Bier Sud einschließlich Mälzen ein Sudgeld von zwölf Mark im Voraus zu zahlen. Zur Führung der Gesellschaft wurde ein Verwalter gewählt. Die Satzung trat zum 10. Juli 1902 in Kraft. Am 12. September 1909 wurde ein Vertrag mit dem Braumeister Fritz Brey geschlossen. Dieser verpflichtete sich, für die Mitglieder das Bier (einschließlich Mälzen) herzustellen – und zwar „gutes Bier“. Als Lohn erhielt er für jede Sud Bier zwölf Mark und 15 Liter Bier, welches in drei Rationen „ausgefolgt“ werden konnte, sowie einen Laib Brot oder das Geld. Weiter wurden dem Braumeister die Hälfte der Unfallversicherung und das Krankenhausgeld im ganzen Betrag gezahlt.

Sudhaus und Malzhaus wurden verkauft

Nach dem Krieg wurde die Braustelle immer weniger in Anspruch genommen, weil das Bier in zunehmenden Maß von den großen Brauereien abgenommen wurde, so dass sich der Unterhalt der beiden Häuser nicht mehr rechnete. Braumeister Fritz Brey verstarb 1950, und damit endete auch die Brautradition der Kommunbräu. 1950 wurde das letzte Bier der Kommunbräu gebraut und verkauft.

Am 17. November 1954 beschlossen die noch verbliebenen, alten Gesellschafter, das Sudhaus und das Malzhaus an Ludwig Espach zu verkaufen. 1987 wurden beide Gebäude abgebrochen. Damit verschwand ein Stück Geschichte aus dem Ortsbild. Endgültig abgeschlossen wurde das Kapitel Bierbrauen in Schmidmühlen 1986, als die Schmidbräu das Brauen aufgab.

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