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Heimatgeschichte

Fast jeder hatte einst ein Braurecht

Schon 1618 existierte in Schmidmühlen ein bürgerliches Sudhaus. 1950 hat die Kommunbräu dann das letzte Bier verkauft.

Das historische Foto aus dem Heimatkalender zeigt das alte Brauhaus in Schmidmühlen, davor den damaligen Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr, der bis 1973 existierte, bei der Fronleichnamsprozession. Foto: Archiv Josef Luschmann
Das historische Foto aus dem Heimatkalender zeigt das alte Brauhaus in Schmidmühlen, davor den damaligen Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr, der bis 1973 existierte, bei der Fronleichnamsprozession. Foto: Archiv Josef Luschmann

Schmidmühlen.Wie so oft ist es der Kommissar Zufall, der Einblicke in die Heimatgeschichte gibt. Vor etwa zehn Jahren tauchte bei einer Entrümpelung ein Buch aus dem Jahr 1902 auf und gab einen Einblick in die Geschichte Schmidmühlens: Entdeckt wurde damals das Protokollbuch der Kommunbräu Schmidmühlen, das – wenn auch lückenhaft – Aufschluss über das Bierbrauen in den vergangenen vier Jahrhunderten im Ort gibt. Ein Blick schon in die ersten Seiten zeigt, dass das Bierbauen in Schmidmühlen in den letzten Jahrhunderten große Bedeutung hatte.

Zum Bierbrauen gehört natürlich der Hopfen. Nachweisbar besaßen die Schmidmühlener vor mehr als 400 Jahren schon Hopfengärten, und zwar im Lauterachtal. Die Abgabe von Hopfenzehent war damals schon Pflicht.

Interessant: Noch vor dem Bier war der Wein neben dem Wasser das wichtigste Getränk – Bayern war noch vor 500 Jahren Weinland. Auch aus Schmidmühlen weiß man vom mittelalterlichen Weinbau: Heute noch gibt es den Weinberg. Einerseits waren die klimatischen Bedingungen bis in das 16. Jahrhundert für den Weinbau günstiger, andererseits war es, vor allem im 14. Jahrhundert, durch landesherrliches Dekret verboten, Getreide zum Bierbrauen zu verwenden. Gebackenes Brot war bei Hunger dem flüssigen Brot vorzuziehen.

136 Braurechte bestanden einst

Ortsheimatpfleger Michael Koller mit dem Protokollbuch der Kommunbräu Foto: ajp
Ortsheimatpfleger Michael Koller mit dem Protokollbuch der Kommunbräu Foto: ajp

Erstmals tauchte in dem Protokollbuch eine konkrete Jahreszahl auf: 1618. In diesem Jahr existierte damit nachweislich die Kommunbräu unter dem Namen „Bürgerliches Sudhaus“.

Mit der Ämterorganisation 1803 wurden Amt und Gericht Schmidmühlen aufgehoben und dem Landgericht Burglengenfeld einverleibt. Das ehemalige Amtsgebäude kam in den Besitz des Marktes, der es 1812 für 1731 Gulden an die Kommunbräu veräußerte – ein für die damalige Zeit sicher politisch hochbrisanter Vorgang. Immerhin gab es nach Aufzeichnungen des Heimatpflegers Josef Rappl 136 Braurechte in Schmidmühlen, beachtlich bei 139 Hausnummern.

Aus einer noch vorhandenen Urkunde vom königlichen Notar Sperrer aus Burglengenfeld vom 21. Juli 1902 geht hervor, dass sich die Gerichtskommission am 7. Juli 1902 von Burglengenfeld nach Schmidmühlen begab. Unter der Leitung von Amtsrichter Sepler traf sich der Kommunbräuvorsitzende Michael Ebenburger mit den damals noch 35 eingetragenen Kommunbräurechtlern. Nach eingehender Debatte schloss man folgenden Vergleich: Die Gesellschafter Michael Ebenburger, Xaver Metz, Georg Mehringer, Therese Wiesner, Xaver Weigert, Johann Renghart, Johann Hiltl, Josef Schmid, Anton Espach, Isidor Rubenbauer und Georg Fuchs setzen das Gesellschaftsverhältnis zu gleichen Teilen fort.

Braumeister bekam Bier, Brot und Geld

Wo einst das alte Brauhaus und die Mälzerei standen, erinnert nichts mehr an die Bierbrautradition der Kommunbräu. Foto: ajp
Wo einst das alte Brauhaus und die Mälzerei standen, erinnert nichts mehr an die Bierbrautradition der Kommunbräu. Foto: ajp

Diese „neue“ Kommunbräugesellschaft Schmidmühlen“, wie sie ab diesem Zeitpunkt hieß, hatte den Zweck, das Kommunbräuhaus nebst des Malzhauses zu erhalten, das Bier für die damit verbundenen Bräu- und Schankrechte zu sieden sowie das notwendige Malz im Malzhaus herzustellen. „Dazu werde für jede Bier Sud einschließlich Mälzen ein Sudgeld von zwölf Mark, für Benutzung einer Gaststätte eine Mark im Voraus zu zahlen“ – so steht es geschrieben. Zur Führung der Gesellschaft wurde ein Verwalter gewählt. Diese Satzung trat mit Wirkung vom 10. Juli 1902 in Kraft.

Am 12. September 1909 wurde ein Arbeitsvertrag mit dem Braumeister Fritz Brey geschlossen. Dieser verpflichtete sich, für die Mitglieder das nötigte Bier (einschließlich Mälzen) herzustellen und zuzubereiten. Als Lohn erhielt er für jede Sud Bier zwölf Mark und 15 Liter Bier, welches in drei Rationen „ausgefolgt“ werden konnte, sowie einen Laib Brot oder das Geld. Weiter wurden dem Braumeister die Hälfte der Unfallversicherung und das Krankenhausgeld im ganzen Betrag gezahlt.

Nach dem Krieg wurde die „Braustelle“ immer weniger in Anspruch genommen, weil das Bier in zunehmenden Maß von den großen Brauereien abgenommen wurde, so dass sich der Unterhalt der beiden Häuser nicht mehr rechnete. Braumeister Fritz Brey verstarb 1950 und damit auch die Brautradition der Kommunbräu. 1950 wurde das letzte Bier der Kommunbräu gebraut und verkauft.

Heimatkalender Schmidmühlen

  • Beginn

    Erstmals ist in Schmidmühlen im Jahr 2012 ein Heimatkalender erschienen. 2012 und 2013 wurde er als bebilderter Rückblick auf das vergangene Jahr gestaltet.

  • Entwicklung

    2014 begleiteten erstmals historische Motive aus dem Archiv des Heimatkundlichen Arbeitskreises durch das Jahr. Seither werden jedes Jahr solche Schätze aus dem Archiv wieder ins Licht geholt. Unter dem Motto „Schmidmühlen – Erinnerungen an eine noch nicht ganz vergessene Zeit“ ist der Heimatkalender in gewisser Art eine bebilderte Chronik. (mi)

1986 schloss die Schmidbräu

Am 17. November 1954 beschlossen die verbliebenen Altgesellschaftler, Sudhaus und Malzhaus an Ludwig Espach zu verkaufen. 1987 wurden beide Gebäude abgebrochen. Damit verschwand ein Stück Geschichte aus dem Ortsbild. Endgültig abgeschlossen wurde das Kapitel Bierbrauen in Schmidmühlen 1986, als die Schmidbräu das Brauen aufgab. Das Baurecht bestand seit 1867. Die Geschichte dieser renommierten Brauerei ist heute noch bei vielen Bürgern lebendig.

Nicht viel erinnert noch an diese große Bierbrauerzeit in der Lauterachtalgemeinde – zumindest oberirdisch. In Schmidmühlens Unterwelt dagegen ist diese Zeit noch in Form von Bierkellern vorhanden. Im Ort selbst gibt es eine stattliche Anzahl von Bergkellern. Nicht alle wurden als Bierkeller genutzt. Sicher kann man die Keller an ihrer Bauweise unterscheiden: Bei Bierkellern müssen Nischen und Vorsprünge in den Fels geschlagen sein, worauf die Bierfässer lagern konnten.

Neben diesen geschichtlichen Aspekten erinnert das aktuelle Mai-Kalenderbild auch an ein weiteres Stück Zeitgeschichte: Es zeigt den ehemaligen Spielmannszug bei der Fronleichnamsprozession. Dieser existierte von 1959 bis 1973 und war Teil der Freiwilligen Feuerwehr Schmidmühlen.

Mehr Geschichten zu den historischen Fotos, die in den Schmidmühlener Heimatkalendern zu sehen sind, finden Sie hier in unserem MZ-Spezial!

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