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Geschichte

Flut war Katastrophe für Schmidmühlen

110 Jahre ist es her, dass ein Jahrhunderthochwasser über Schmidmühlen hereinbrach und immense Schäden verursachte.
von Josef Popp

Immer wieder wurde Schmidmühlen von Hochwasserfluten heimgesucht. Nicht immer lief es so glimpflich ab wie im Jahr 1963 (Foto). Der Heimatkalender widmet diesem Geschehen das Februarbild und erinnert so auch an die Hochwasserkatastrophe von 1909. Foto: Heimatkundlicher Arbeitskreis Schmidmühlen/Archiv Josef Popp
Immer wieder wurde Schmidmühlen von Hochwasserfluten heimgesucht. Nicht immer lief es so glimpflich ab wie im Jahr 1963 (Foto). Der Heimatkalender widmet diesem Geschehen das Februarbild und erinnert so auch an die Hochwasserkatastrophe von 1909. Foto: Heimatkundlicher Arbeitskreis Schmidmühlen/Archiv Josef Popp

Schmidmühlen.Wenn es um Hochwasser im südlichen Landkreis Amberg-Sulzbach ging, war der Markt Schmidmühlen eigentlich „immer dabei“. Fast in jedem Jahrzehnt der Heimatgeschichte sind Hochwasser in Schmidmühlen dokumentiert. Kein Wunder, liegt der Marktflecken doch am Zusammenfluss von Vils und Lauterach. Erstmals wird in den Matrikelbüchern am 27. Januar 1671 ein Hochwasser erwähnt: „Es gab großen Schnee, Sturm und Hochwasser.“

Mehr als 110 Jahre später, am 27. Februar 1784, gab es erneut eine große Flut. So schreibt der Chronist: „Als am Freitag nachts um halb 12 Uhr das Wasser so hoch angewachsen war, dass selbes um viereinhalb Schuh hoch in den unteren Wohnstuben gewesen und gleich den unteren Fenstern war. Im Oberen Schlössl ersauften sechs Ochsen und zwei Kühe im Stall wie auch bei Bürgermeister Kotzbauer zwei Kühe. Was für ein Schrecken im Pfarrhof und im ganzen Markt war, lasset sich nicht beschreiben. Die beiden Pferde des Pfarrers von Metzberg mussten, um nicht zu ersaufen, zwei Nächte und einen Tag auf seiner Dungstatt, welche so hoch war wie die Mauer zum Stricker (ein Anwesen im Ortszentrum, Anm. d. Red.) hinüber, steh’n samt dem Knecht. Das Wasser ging ihnen zum Bauch und sie mussten bei Kälte, Regen und Wind dort ausgesetzt campieren. Der Knecht konnte nicht ins Haus hinein und niemand aus dem Haus heraus. Ihm konnte niemand was zu essen geben und die Pferde hatten kein Futter. Es war schaudervoll alles anzusehen, ohne helfen zu können. Im Markt gingen ca. 70 Stück Vieh zu Grunde. Sogar ein Hund, der an seine Hundehütte gekettet war, wurde von den Fluten mitgerissen.“

Heimatkalender

  • Start:

    Erstmals ist in Schmidmühlen 2012 ein Heimatkalender erschienen. 2012 und 2013 wurde er als bebilderter Rückblick auf das vergangene Jahr gestaltet.

  • Schätze:

    2014 gab es erstmals historische Motive aus dem Archiv des Heimatkundlichen Arbeitskreises. Seither werden jedes Jahr solche Schätze aus dem Archiv wieder ins Licht geholt.

  • Motto:

    Mit dem Motto „Schmidmühlen – Erinnerungen an eine noch nicht ganz vergessene Zeit“ ist der Heimatkalender in gewisser Art eine bebilderte Chronik. (mi)

Wer weiß, wie wertvoll in früheren Zeiten Pferde und Kühe oder auch Schweine waren, kann erahnen, wie dramatisch dieses Hochwasser für die Menschen und den Markt war. Die Schäden an Häusern, Stallungen oder Straßen lassen sich nur erahnen.

Auf schwere Unglücke im 19. Jahrhundert lässt sich der Gelübdesonntag im Januar zurückführen: 1848 brannte es in der Papiermühle, ein Jahr später überflutete Hochwasser den Ort.

Die Kirchenstühle standen unter Wasser

Wenige Monate nach der Jahrhundertkatastrophe machte man sich Gedanken über den Hochwasserschutz. Heute schützen unter anderem Klappenwehre wie hier beim Oberen Schloss Schmidmühlen. Foto: Josef Popp
Wenige Monate nach der Jahrhundertkatastrophe machte man sich Gedanken über den Hochwasserschutz. Heute schützen unter anderem Klappenwehre wie hier beim Oberen Schloss Schmidmühlen. Foto: Josef Popp

Im Januar 1849 hatten die Fluten der Vils und Lauterach den Ort unter Wasser gesetzt und erhebliche Schäden verursacht. Obwohl in diesem Jahr nur unbedeutend Schnee lag, gab es so viel Wasser, dass es „bis über die Kirchenstühle in der Art zusammenging, dass noch der obere Teil der Stühle auch genässt wurde“ – so steht es in der alten Chronik geschrieben. Im Ortskern ertranken 29 Rinder und 70 Schweine. Diese Katastrophe und der Brand 1848 gelten als Gründe, dass der Sonntag nach Dreikönig zu einem Bet- und Danktag erklärt wurde, an dem nicht getanzt und nicht gefeiert werden darf.

1848 war für die Bewohner des Marktes sowieso kein gutes Jahr. So steht in der Chronik: Am 14. Juni „brach um 6 Uhr abends ein solches Ungewitter über unseren Markt herein, dass in einem Zeitraum von einer Viertelstunde alles verheeret und vernichtet war“. Die Hagelkörner hatten wohl Hühnereigröße und „zertrümmerten viele Dächer und fast alle Fenster und vernichteten zudem die gesamten Feldfrüchte“. Der Magistrat gewährte daraufhin einen „ganzen Steuernachlass“.

„Das Hochwasser von 1909 war die schlimmste Katastrophe, die Schmidmühlen je heimsuchte.“

Franz Xaver Eichenseer, Heimatforscher (verstorben)

Vor 110 Jahren, am 4. und 5. Februar 1909, kam dann das Jahrhunderthochwasser: Tief gefroren war im Januar 1909 der Boden in der ganzen Oberpfalz. Als Ende Januar die Kälte plötzlich nachließ, begann es stark zu schneien. Es schneite drei Tage und drei Nächte, dann regnete es drei Tage lang – ununterbrochen. Die hochwassergeplagten Schmidmühlener ahnten wohl nichts Gutes, als die Pegel der Vils und der Lauterach anfingen zu steigen.

Hochwassermarken erinnern an das Jahrhunderthochwasser von 1909 wie hier in der Poststraße. Foto: Popp
Hochwassermarken erinnern an das Jahrhunderthochwasser von 1909 wie hier in der Poststraße. Foto: Popp

Vom 4. auf den 5. Februar wurde der Markt von dem wohl bisher katastrophalsten Hochwasser der Ortsgeschichte heimgesucht: Zugleich trafen die Hochwasser von Vils und Lauterach in Schmidmühlen zusammen, das Wasser der Vils staute die Lauterach zurück – der Schrecken nahm seinen Lauf.

Eine Evakuierung war nicht möglich

Der Chronist berichtet, dass sich alles blitzschnell abgespielt hat. Eine Evakuierung der Menschen war nicht mehr möglich, alle Zu- und Ausgänge des Ortes waren plötzlich überflutet. Den Bürgern blieb nur noch eines übrig: sich in die Obergeschosse ihrer Häuser zu retten, denn die Wohnungen im Erdgeschoss standen innerhalb kürzester Zeit unter Wasser. Hilflos mussten die Menschen zusehen, wie die Hoftore aufgedrückt wurden und alles mitgerissen wurde. Viele der Stalltiere mussten erbärmlich ertrinken. Ein Bürger rettete seine Kuh dadurch, dass er sie über die Treppe auf den Dachboden zog.

Geschichte

Das Café Walbert ist schon legendär

1948 haben Guste und Wenzel Walbert in Schmidmühlen ihr Café eröffnet. Auf dem ersten Fernseher im Ort lief die Tagesschau.

Als das Hochwasser wieder zurückging, war das Ausmaß der Katastrophe sichtbar. Viele Häuser waren unterspült und einsturzgefährdet. In der jetzigen Poststraße war beim Benefizium ein Trichter mit drei Meter Tiefe und einem Durchmesser von zehn Meter. Im Brunnlett fiel ein Stadel der Flut zum Opfer. Meterhohe Schlammhaufen wurden angeschwemmt, fast alle Straßen waren komplett geschädigt.

Schlimm auch die Bilanz der ertrunkenen Tiere: 22 Kühe, 30 Schweine, 49 Schafe und eine nicht festzustellende Zahl von Federvieh. Das einzig Positive war, dass keine Menschen ertrunken sind. Von der Katastrophe zeugen verschiedene Hochwassermarken im Ort. Und: Bereits wenige Monate nach der Flut begann man, sich Gedanken über den Hochwasserschutz zu machen. Inzwischen ist er umgesetzt.

MZ-Spezial: Spannende Geschichten, neue Entdeckungen und viel Interessantes über die Menschen und das Leben im Markt Schmidmühlen in früheren Jahren erzählen historische Fotos im Heimatkalender.

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