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Geschichte

Gasthäuser und Geschäfte prägten Bild

Die Hauptstraße war schon immer das Herzstück von Schmidmühlen. Die markanten historischen Häuser haben viel zu erzählen.
Von Josef Popp

Markante Häuser prägen auch heute noch die Hauptstraße in Schmidmühlen.
Markante Häuser prägen auch heute noch die Hauptstraße in Schmidmühlen. Foto: Heimatkundlicher Arbeitskreis

Schmidmühlen.Herzstück von Schmidmühlen war und ist auch heute noch die Hauptstraße. Hat man vielerorts Plätze, beispielsweise Marktplätze, als Zentrum, so ist dies in der Lauterachtalgemeinde etwas anders. Spricht man heute vom „Marktplatz“, so ist der Bereich der Hauptstraße vor der Pfarrkirche mit den umliegenden Geschäften gemeint.

Und: Auch der oft als „Hammerplatz“ bezeichnete Ort ist im Prinzip nur die breite Gabelung der beiden Hammerstraßen. Ursprünglich gab es nur eine Hammerstraße. Die Straße, die Richtung Hammerschloss führt, wurde einst als „Hutergasse“ bezeichnet. Dieser „Hammer-Platz“ führte aber in den 1940er Jahren tatsächlich die Bezeichnung „Platz“, nämlich als Hindenburgplatz. Er war „ganz früher“ der wichtigste Platz, zumal dort auch die Viehwaage stand. Das „Waaghäusl“ wurde mit der Ortskernsanierung in den 1980er Jahren abgerissen.

Die Hauptstraße selbst hat diesen Namen erst nach Kriegsende bekommen. Ursprünglich hieß sie „Lange Gasse“, zur Zeit des Zweiten-Weltkriegs wurde sie in „Adolf-Hitler-Straße“ umbenannt. Die Umwidmungen in Hindenburgplatz und Adolf-Hitler-Straße erfolgten im Zuge der – damals üblichen – Ernennung der beiden zu Ehrenbürgern. Die Verleihung der Ehrenbürgerwürde an Hitler hat der Marktrat vor einigen Jahren ganz offiziell wieder zurückgenommen.

Die alte Inschrift über dem Gasthaus Spies erinnert an den einstigen Besitzer Georg Schmid, Bierbrauer, Gastwirt und Landwirt.
Die alte Inschrift über dem Gasthaus Spies erinnert an den einstigen Besitzer Georg Schmid, Bierbrauer, Gastwirt und Landwirt. Foto: ajp

Die Hauptstraße beginnt heute an der Eisernen Brücke. Dieser Teil war früher der Obere Anger. In den 1930er Jahren gab es einen oberen und unteren Anger: Der Beginn des oberen Angers war erkenntlich durch das Ende der mit Granitsteinpflaster befestigten Hauptstraße bei der Familie Puchta (Schmiedemeister), das Ende war eben bei der Eisernen Brücke.

„Ochsenwirt“ hat lange Geschichte

Beim Blick in den oberen Teil der historischen Hauptstraße, dem eigentlichen „Zentrum“ von Schmidmühlen, fallen die großen Häuser mit den mächtigen Giebeln auf: In diesen Giebeln wurde der Hopfen getrocknet. Viele Häuser im Ortszentrum hatten ein Braurecht, so auch der weithin bekannte „Ochsenwirt“. Gasthaus und Metzgerei prägen mit den beiden großen historischen Gebäuden heute wie damals das Ortszentrum und auch das Juli-Bild des Heimatkalenders.

Die Geschichte der beiden Häuser lässt sich bis weit ins 19. Jahrhundert zurückverfolgen. Eine kleine Inschrift über der Eingangstür zum Gasthaus gibt Aufschluss: „1840 G S“. „G S“ steht für Georg Schmid, er war Bierbrauer, Gastwirt und Landwirt. Sicher dürfte das Gasthaus schon früher bestanden haben. Nimmt man aber das Jahr 1840 als „Erstnennung“, so kann die Familie heuer auf sichere 175 Jahre Gasthaustradition zurückblicken.

1931 übernahmen Johann und Barbara Schmid das Anwesen, ihnen folgten 1961 Karl und Maria Spies und seit 1997 sind Martin und Gertraud Spies die Besitzer, die Metzgerei und Gastwirtschaft weiterführen. Seit nachweislich vier Generationen wird das Gasthaus, seit den 1920er Jahren auch die Metzgerei im Familienbetrieb geführt. „Beim Ochsenwirt“ trifft man sich übrigens am Aschermittwoch „um oans“ zum Fischzug. Und das Braurecht existiert auch heute noch auf dem Anwesen. Bis etwa 1921 brauten die Wirtsleute ihr Bier selbst.

Blick in die Hauptstraße Schmidmühlens heute
Blick in die Hauptstraße Schmidmühlens heute Foto: Archiv ajp

Das Gasthaus ist auf dem Bild links zu sehen. Im Erdgeschoss befand sich die Wirtsstube, im hinteren Teil war „ganz früher“ die Metzgerei. Im ersten Stock gab es einen Saal, der für viele gesellschaftliche Veranstaltungen genutzt wurde. Beim Ochsenwirt war auch die Zimmerstutzengesellschaft beheimatet, wie ein Schützenkrug aus dieser Zeit belegt. Nach der Zwangsauflösung im Zweiten Weltkrieg nannten sich die Schützen bei der Wiedergründung „SG 1893“, blieben beim Ochsenwirt und waren im Volksmund die „Ochsenwirtsschützen“.

Delikatessen verkauft

Im zweiten Gebäude, in dem sich heute die Metzgerei befindet, ist auf dem Foto noch deutlich unter dem Dachvorsprung die Zugeinrichtung zu erkennen, mit der Hopfen (oder auch anderes) nach oben gezogen wurde. Durch das Tor im Erdgeschoss wurde unter anderem das Futter für die Tiere in den Hof eingefahren.

Das Aussehen des Hauses änderte sich in den Nachkriegsjahren. Die Vertreibung und Kriegswirren verschlugen nach Ende des Zweiten Weltkriegs Martha und Paul Hilla nach Schmidmühlen. Sie eröffneten in dem Teil, in dem damals der Torbogen war, ein REWE-Geschäft. Sie verkauften besonders Delikatessen, Obst und Gemüse – bis etwa 1968/1970. Dann wurde Paul Hilla krank und verstarb. Da das Ehepaar keine Nachkommen hatte und es somit für das Geschäft auch keine Nachfolger gab, wurde es aufgegeben.

Den beiden großen Giebelhäusern der Familie Spies schloss sich ein kleineres Haus an: Es gehörte den Eheleuten Franz und Angelina Hiltl. In diesem Haus waren eine kleine Bierwirtschaft sowie eine Metzgerei, zudem betrieben sie eine kleine Landwirtschaft.

Hauptstraße

  • Weitere Häuser

    Im weiteren Verlauf der linken Seite der Hauptstraße kommen das Gasthaus „Goldenes Lamm“ (einst Espach, jetzt Altenbuchner), das Haus der Familie Huger, ehemals eine Schreinerei, ein ehemaliges Ackerbürgerhaus (zuletzt Gust Hummel, jetzt Altenbuchner), das Haus samt Fabrikationswerkstatt der Familie Natter (bekannt auch als Glas Natter aus Amberg, jetzt Josef Popp) und schließlich ein Ackerbürgerhaus der Familie Espach, einst Landwirtschaft und Ofengeschäft.

  • Gewerbe

    Im gesamten Verlauf der Hauptstraße gab es kaum ein Haus, in dem nicht einst ein Wirtshaus, ein Geschäft oder ein Handwerk war, sei es Schneiderei, Schreinerei, Drogeriemarkt, Friseur (Bader), Lebensmittelgeschäft, Brauerei, Metzgerei, Hebamme, Arzt, Bäckerei, Schuster und anderes mehr. (ajp)

Die „Senioritabar“ war beliebt

Nach dem Krieg bauten die Wirtsleute eine Kegelbahn und eine Bar – die sich als „Senioritabar“ durchaus einen „Namen“ machte. Es war die Zeit, in der rund um den Truppenübungsplatz viele, teils berüchtigte und verruchte Bars entstanden. In der „Senioritabar“ verkehrten neben den Bürgern durchaus manche „Damen“, am Wochenende oft auch GIs aus Hohenfels – anfangs meist friedlich, zu späterer Stunde und dem Alkoholkonsum entsprechend weniger friedlich. So mancher Blutfleck auf der Hauptstraße zeugte am nächsten Tag vom schlagkräftigen Austausch von Argumenten. Doch das ist wirklich Geschichte.

Neben dem Hiltlanwesen stand das „Markjacklanwesen“, das Jakob Hummel gehörte. Dort war neben der Landwirtschaft noch eine Bäckerei und – wie in Schmidmühlen eigentlich schon fast üblich – eine kleine Bierwirtschaft. Der einzige Sohn des Ehepaars, Jakob Hummel, fiel im Zweiten Weltkrieg. Diesen schweren Schicksalsschlag verarbeitete vor allem der Vater nicht; er verstarb 1960.

1961 kaufte die Raiffeisenbank die beiden markanten Gebäude. Anfang 1962 wurden zuerst das Markjacklanwesen und dann das Hiltlanwesen abgebrochen. Am 22. Februar 1965 wurde der Neubau der Bank bezogen.

Dem „Markjacklanwesen“ schloss sich das Hammerschmiedanwesen der Familie Eichenseer an. „Hammerschmied“ ist der Hausname und rührt wohl daher, dass einer der Vorfahren im Hammer als Schmied gearbeitet hat. Das Gebäude ist auf dem Kalenderbild nur schemenhaft zu erkennen. Aus diesem Haus stammt Franz-Xaver Eichenseer, der sich in den Nachkriegsjahren als Heimatpfleger und Autor der Ortschronik große Verdienste für den Markt erworben hat.

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