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Geschichte

Große Veränderungen prägten 1950er Jahre

Die Ablösung im Übungsplatz war einschneidend für Schmidmühlen. Auch bei Vereinen und Berufen vollzog sich ein Wandel.
Von Josef Popp

Blick auf Schmidmühlen in den 1950er Jahren
Blick auf Schmidmühlen in den 1950er Jahren Foto: Heimatkundlicher Arbeitskreis

Schmidmühlen. Nicht nur die Frühgeschichte oder das Mittelalter sind in der Geschichte Schmidmühlens interessante Epochen. Nicht weniger spannend und interessant sind die vergangenen Jahrzehnte. Wer sich mit der Heimatgeschichte auseinandersetzt, hat immer die Aufgabe, aus vielen Quellen interessante und wichtige Aspekte zu sammeln und auszuwerten. In einer Chronik zu blättern, ist aber auch für einen geschichtsbewussten Bürger immer ein Erlebnis. Gerade die 1950er Jahre waren prägend für die Geschichte des Marktes – und vieles davon wirkt heute noch nach.

So die Geschichte des „neuen“ Truppenübungsplatzes Hohenfels. In dem jetzigen Gebiet war bereits während des Dritten Reiches ein Übungsplatz für die Deutsche Wehrmacht. Dieser wurde aber nach der Niederlage im Zweiten Weltkrieg aufgelöst und wieder besiedelt – auch mit Flüchtlingen aus dem Osten.

Nur wenige Jahre danach sollte das Areal für einen US-Truppenübungsplatz geräumt werden. Die Geschehnisse hat Anton Espach sen. genau dokumentiert: „Eine unliebsame Botschaft traf im September 1951 in Schmidmühlen ein. Auf Befehl der amerikanischen Regierung sollte der Truppenübungsplatz Hohenfels-Nainhof wieder (Anmerkung: von der Bevölkerung) geräumt und zum großen Teil erweitert werden. Die eingeleiteten Protestversammlungen hatten nur geringen Erfolg dazu. Die Erweiterung erfolgte statt nach Norden in westliche Richtung, wobei die Pfarrei Pielenhofen bei Velburg und Lutzmannstein abgelöst wurde.“

Viele Holzfuhrwerke und Lastwagen

Und weiter schreibt der Chronist: „Nun ging es an den Holzverkauf in diesem Ablösungsgebiet. Mehr als 250 000 Kubikmeter Holz wurden geschlagen und die Holzfuhrwerke fuhren Tag und Nacht mit dem Lastauto das Holz ab. Zu dem Abtransport des Umzugsgutes wurden große Lastwägen eingesetzt, die den Oberen Torbogen nicht passieren konnten und über die Brücke beim Sägewerk Böhm fahren mussten. Wegen des regen Verkehrs auch an den Sonntagen wurden die Verkaufsstände zur Spitzlkirwa am 4. November in die Kirchgasse (jetzt Pfarrer-Haertle-Straße) verlegt, da der Truppenübungsplatz bis zum 15. November geräumt sein musste.“ Zu diesem Zeitpunkt, so die Aufzeichnungen, waren bereits erste Militärabteilungen eingetroffen.

Zur Bewältigung der zu erwarteten Militärtransporte sollte eine Holzbrücke über die Lauterach oberhalb der Teilung errichtet werden, die Straße sollte südlich in die Hohenfelser Straße einmünden, hat Espach festgehalten. Bekanntgegeben wurde auch, dass die Kreuzbergkirche erhalten bleibe; an Sonn- und Feiertag seien Gottesdienste gestattet.

Schäden durch die Militärtransporte

Blick auf den Ortskern Schmidmühlens im August 2016
Blick auf den Ortskern Schmidmühlens im August 2016 Foto: ajp

„Die Militärtransporte treffen nachts mit Panzern auf dem hiesigen Bahnhof ein. Die Fahrzeuge und Geschütze werden sofort abgefahren. Dabei werden die Straßen stark demoliert. Dies geschieht auch durch die Langholztransporte. Hier werden große Schäden gerade in den Bereichen von Straßenbiegungen und Kreuzungen gemeldet. Die Vilsbrücke am Anger konnte mit schweren Panzern und Geschützen nicht befahren werden. Die schweren Fahrzeuge mussten oberhalb der Vilsbrücke durch die Vils fahren, was schwere Schäden an den Ufern hinterließ“, heißt es in den Aufzeichnungen weiter.

Am 11. und 12. April 1952 wurde von der amerikanischen Militärregierung der obere Torbogen an der Lauterach nebst dem Wohnhaus der Besitzerin Renghart (Justinger) und Schneider (Brey) abgebrochen. Die Steine wurden für Wohnbauten, das Gebälk für Brennmaterial genutzt, der Schutt an den Hammerbach gefahren. Der Preis als Entschädigung für die Ablösung soll damals 3000 DM betragen haben.

Geschäftlich wurde der Wegzug der Bewohner des Übungsplatzes stark empfunden, da diese viel in Schmidmühlen verkehrten und einkauften. Auch für viele Landwirte in Schmidmühlen hat die Räumung des Truppenübungsplatzes große Nachteile gebracht, da sie ihre Pachtfelder nicht mehr bewirtschaften konnten.

Wahlen standen 1952 an

Am 30. März 1952 stand die Wahl des Bürgermeisters und des Gemeinderates an, worüber Espach natürlich auch berichtet. Den Wahlkampf um die Plätze im Gemeinderat führten die SPD, die CSU mit Bayernpartei, die Kommunisten und Parteilose. Zu diesem Zeitpunkt war Johann Büchl der 1. Bürgermeister. Im Gemeinderat saßen Josef Huger, Xaver Eichenseer, Leonhard Flierl, Michael Metzger, Philipp Knauer, Michael Bruckmüller sen., Josef Vogl, Johann Steinbauer, Josef Kraus und Franz Wiesner.

Als Bürgermeisterkandidaten wurden nominiert: Johann Büchl (parteilos), Rudolf Diepold (CSU) und Franz Artmann (SPD). Büchl wurde mit großer Stimmenmehrheit als Bürgermeister wieder gewählt – auch in Emhof, das bereits damals ein eigenes Wahllokal hatte. In den Gemeinderat kamen: Andreas Hausmann, Michael Leuthner, Hans Rubenbauer (sen.), Franz Artmann, Josef Vogl, Rudolf Diepold, Georg Bruckmüller, Ewald Blank, Josef Huger, Josef Wein. Hans Rubenbauer wurde zum 2. Bürgermeister gewählt.

Kreuzbergfeste ein Ereignis

Hobbychronist Anton Espach senior hat vor allem die Ereignisse der 1950er Jahre in Schmidmühlen festgehalten.
Hobbychronist Anton Espach senior hat vor allem die Ereignisse der 1950er Jahre in Schmidmühlen festgehalten. Foto: Archiv Trachtenverein/Repro: MZ

Bereits in den Nachkriegsjahren waren die Kreuzbergfeste ein besonderes Ereignis. 1951 stand dann das 250-jährige Bestehen der Kreuzbergkirche an – das sollte gebührend gefeiert werden. Bürgermeister Büchl hatte eine große Bürgerversammlung einberufen, ein Ausschuss wurde gewählt, der die Vorbereitungen übernehmen sollte. Auch eine Sammlung wurde durchgeführt, bei der eine schöne Summe zusammenkam. Von den Spendengeldern wurden die Kirche, der Turm (außen), die Kreuzwegstationen und die Kreuzigungsgruppe restauriert. Wegen finanzieller Schwierigkeiten konnte aber dann kein größeres Fest gefeiert werden. Dennoch kamen viele Wallfahrer und Gläubige zu den Gottesdiensten und dem (kleinen) Fest.

Der Chronist

  • Anton Espach

    Mit Anton Espach senior, einem Gründungsmitglied des Trachtenvereins, hatte der Markt Schmidmühlen einen Hobbychronisten, der über viele Jahre vor allem Begebenheiten in den 1950er Jahren festhielt.

  • Aufzeichnungen

    Seine Aufzeichnungen sind echte Schätze für den Markt Schmidmühlen. Anton Espach sen. nannte seine Aufzeichnungen selbst „Erinnerungs- und Gedenkblatt für besondere Begebenheiten des Marktes und der Pfarrei Schmidmühlen, ab 1951“.

  • Archivierung

    Die Originalunterlagen des Heimatchronisten sind in Besitz des Heimat- und Volkstrachtenvereins Schmidmühlen und wurden dankenswerterweise zur Auswertung freigegeben. (ajp)

Auch in den folgenden Jahren war die Kreuzbergkirche ein beliebter Wallfahrtsort, wie die Aufzeichnungen des Chronisten Espach über 1952 zeigen: „Am 8. Juni 1952 wurde das Dreifaltigkeitsfest auf dem Kreuzberg abgehalten. Zahlreiche Beteiligung der Bevölkerung von Nah und Fern. Aus Adertshausen, Dietldorf und Vilshofen sind Wallfahrtszüge eingetroffen. An diesem Tag wurde der Bierausschank und Bratwurst kochen und Lebensmittelverkauf gestattet. Kreuzbergkirche wundervoll renoviert.“

Aus den Aufzeichnungen geht übrigens auch hervor, dass von einem österreichischen General („in früherer Zeit“) ein Betrag von 100 000 Gulden dem Markt Schmidmühlen zur Gründung eines Karmeliterklosters gestiftet wurde. Eine Zuwendung erhielt auch die Schule: Die Hofärzte Dr. Joseph Pfab und Dr. Moritz Pfab aus Wien vermachten ihr eine Stiftung, aus deren Ertrag der Oberlehrer und ein Kleinlehrer alljährlich eine Zuwendung erhalten sollten.

Gesammelt finden Sie die Geschichten zu historischen Fotos, die Jahr für Jahr den Schmidmühlener Heimatkalender schmücken, hier in unserem MZ-Spezial!

Einige Vereine gibt es nicht mehr

In den 1950er Jahren gab es bereits eine Vielzahl von Vereinen, die aktiv im Gemeindeleben mitmischten. Die meisten von ihnen haben sich bis heute behaupten können, auch wenn sie die eine oder andere Krise zu bewältigen hatten. Nicht mehr existieren der Turnverein, der Bürgerverein (mit Magistrat), der Gesellen- und Arbeiterverein (der heutige Nachfolgeverein ist Kolping), der Radfahrverein, Militärverein (nicht zu verwechseln mit dem Kriegerverein), Burschenverein, Katholischer Mütterverein und der Jungfernbund.

Eine beliebte Freizeitbeschäftigung war damals das Kegeln. Beinahe jedes größere Wirtshaus hatte eine Kegelbahn. Im Einzelnen führte Espach auf: Kannesmetzger neben Friedhof (letzter Rest im Zug der Hochwasserfreilegung abgebrochen), Rösslwirts-Kegelbahn (beim Schlössl), Ochsenwirtskeller (Hammer), Hiaslkeller, im ehemaligen „Doctorhaus“ und Hirschenwirt. Später kam noch eine Kegelbahn im Rasthaus (Steinbauer) hinzu.

Und was wäre ein Ort ohne Schützen? Das Gründungsjahr des jetzigen Schützenvereins ist 1893. Bereits vor dieser Zeit gab es einen Feuerschützenverein in Schmidmühlen. Ob dieser direkt in den Schützenverein SG 1893 überging, ist noch ungeklärt. Dies trifft ebenfalls auf die Frage zu, inwieweit dieser Verein gegebenenfalls mit dem Militärverein zusammenhing. Auf jeden Fall wurden in den Jahren von 1885 und 1895 regelmäßig Feuerschießen abgehalten. Bekannt ist, dass Johann Rascher der Zieler und Egid Palk der Büchsenmacher war. Aktiv war natürlich auch der Heimat- und Volkstrachtenverein. Er beteiligte sich beispielsweise am 21. September 1952 am Oktoberfestzug in München.

Viele Berufe sind verschwunden

Bereits in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts ging auch ein ökonomischer Wandel in Schmidmühlen vor sich. Viele Berufe verschwanden. Sie wurden in aller Regel nicht mehr benötigt, oder es gab keine Nachfolger. Dazu gehörten: Nagelschmied (Familienname Borkenhauser), Hutmacher (Justinger), Hafner (Forster), Weißgerber (Wohlfahrt, Färber (Knauer), Tuchmacher (Beslmeisl), Seifensieder (Familienname nicht bekannt), Glaser (Natter/Messerer), Weber (Rascher), Seiler (Götz), Zieglerei (Familienname nicht bekannt), Schnupftabakdosenfabrik) Kufftner (Meyer), Rotgerber (Utz), Schmied (Knauer), Mühle (Eichenseer), Glasschleife und Polierwerk, Papiermühle, Straßenbeleuchter (Öllmayer), Scherenschleifer (Metzger-Pfannenflicker), Säckler (Leuthner), Drachsler (Schuh, Hopfenbau) und Büchsenmacher (Palk).

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