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Geschichte

Kapellen erzählen viel über die Menschen

Kapellen und Marterln zeugen auch im Markt Schmidmühlen von tiefer Frömmigkeit. Viele haben eine besondere Geschichte.
Von Josef Popp

Das historische Foto im Heimatkalender 2016 zeigt die Schallerkapelle, die 1962 dem Straßenverkehr weichen musste und abgebrochen wurde.
Das historische Foto im Heimatkalender 2016 zeigt die Schallerkapelle, die 1962 dem Straßenverkehr weichen musste und abgebrochen wurde. Foto: Archiv Heimatkundlicher Arbeitskreis Schmidmühlen

Schmidmühlen.Wer sich mit der Heimat, in der er lebt, auseinandersetzt, der kommt an der Kirchengeschichte nicht vorbei. Gerade in Schmidmühlen bestimmt die St. Ägidius-Pfarrkirche den Ortskern und das Leben im Markt. Doch es ist nicht nur diese große Kirche, in der jedes Wochenende die katholischen Christen der Gemeinde zum Gebet zusammenkommen, sondern auch die kleinen oder größeren, augenscheinlichen oder unscheinbaren Kapellen, Bildstöcke oder Marterln, die interessante Geschichten erzählen.

Sie stehen meist unscheinbar am Rande von Straßen oder Wegen, in Büschen oder im Wald. Man trifft oft unerwartet auf sie – oder sieht sie schon von weitem. So wie das große Holzkreuz zwischen Eglsee und Höchensee, das den Wanderer zur Ehrfurcht mahnt. Wer von Burglengenfeld nach Schmidmühlen fährt, dem gestattet sich nur ein kurzer Blick auf die Marienkapelle in Eglsee. Die Augen richten sich auf die enge Fahrbahn. Doch sie ist es wert, einmal an- und inne zu halten. Ursprünglich stand in Eglsee eine Holzkapelle, die irgendwann abgetragen wurde. An einen Wiederaufbau wurde nicht gedacht. Erst als es immer wieder „umging“, wurde die jetzige Kapelle gebaut.

Mystisches soll passiert sein

Die neu errichtete Schallerkapelle Foto: Archiv ajp
Die neu errichtete Schallerkapelle Foto: Archiv ajp

Oft hört man in den Überlieferungen, dass „das Jenseits“ ein Marterl oder eine Kapelle einfordert. So etwa von dem Kreuz, das auf dem Weg in Winbuch Richtung Galching steht. Dieses errichtet Josef Schwendtner aus Winbuch im Gedenken an seinen im ersten Weltkrieg gefallenen Sohn. Es stand – als hölzerner Bildstock – ursprünglich an der Stelle, an der heute das Feuerwehrgerätehaus ist.

Da dieser hölzerne Bildstock hinderlich war, riss ihn Josef Weigert um 1940 weg – er hatte inzwischen den Grund gekauft – und errichtete dafür vor seiner Scheune ein Kreuz. Es soll aus dem Friedhof von Vilshofen stammen. Man erzählt, dass früher öfters ein Licht, das aus der Scheune kam, zu dem alten Bildstock gegangen sein soll. Brachte man früher einen Verstorbenen von Winbuch nach Vilshofen, so hielt man vor dem Bildstock an und sprach ein Ablassgebet.

Von Privatleuten errichtet

Mystische Geschichten ranken sich auch um die Marienkapelle in Eglsee.
Mystische Geschichten ranken sich auch um die Marienkapelle in Eglsee. Foto: Archiv ajp

Doch Kapellen stehen nicht nur in Feld und Flur, sondern auch im Ortszentrum von Schmidmühlen. Beispielsweise die Schallerkapelle, die wie die meisten Kapellen, von Privatleuten errichtet wurde. Den Kapellen im Gemeindegebiet widmet der aktuelle Heimatkalender ein eigenes Bild – stellvertretend für alle steht ein historisches Foto der Schallerkapelle.

Es gibt viele Kapellen, bei denen man weder die Erbauungszeit kennt, noch typische Merkmale eines bestimmten Stiles zu entdecken vermag. Auch der Anlass oder die Erbauer bleiben oft „im Dunkeln“. Anders ist es beispielsweise bei der Schallerkapelle. Ihre Geschichte kann man anhand von Dokumenten gut nachvollziehen. Die Kapelle, wie sie jetzt an der Brunnlettstraße steht, wurde als Ersatz für die alte Kapelle gebaut, die 1962 dem Straßenverkehr weichen musste.

Ein Akt im Staatsarchiv Amberg gibt Aufschluss. Man erfährt zwar nicht, aus welchem Grund der Landwirt und Regensburger Bote Leonhart Schaller eine Kapelle erbaut hat. Aber mündlich wurde überliefert, dass ein Feuerrad vom Brunnlettberg heruntergerollt und an einem bestimmten Platz zum Stillstand gekommen sei. Erst als die Kapelle gebaut war, hätte der Spuk ein Ende genommen.

Dokumente geben Aufschluss

Dies ist sicher die geheimnisvoll-mystische Erklärung. Der andere, eher wahrscheinliche Grund, war wohl der Tatsache zuzuschreiben, dass Leonhart Schaller als Bote und Fuhrmann mit seinem Gespann und seiner Fracht vielen Gefahren ausgesetzt war. Schaller wandte sich eines Tages an seinen Pfarrherrn und besprach mit ihm sein Vorhaben.

Das Pfarramt Schmidmühlen berichtete daraufhin am 20. August 1844 an das Landgerichtsamt: „Der hiesige Regensburger Bote Leonhart Schaller will auf seine Kosten auf einem Grund und Boden, den ihm der hiesige Magistrat abgetreten, nach anliegenden Plan eine Feldkapelle im sogenannten Harschhofer Feld erbauen. (...) Man stellt nun das Ansuchen an die kgl. Distrikts-Polizeibehörde Burglengenfeld, die Genehmigung zu erteilen. In Hochachtung S. Frank, Pfarrer.“

Geschichte und Geschichten

  • Marienkapelle

    Ähnlich mystische Geschichten wie bei der ersten Schallerkapelle ranken sich auch um den Neubau der Marienkapelle in Eglsee. Diese gehört schon „seit Menschengedenken“ zum „Stoffelbauernanwesen“. In der jetzigen Form wurde sie etwa um 1880 erbaut. Mündlichen Überlieferungen nach sollte die jetzige Kapelle ein kleines Stück weiter weg gebaut werden, aber über Nacht wurde alles wieder an den Standort der früheren Kapelle zurückgebracht. Schließlich wurde die Kapelle an ihrem jetzigen Standort, dort, wo auch die Vorgängerkapelle gestanden hatte, wieder aufgebaut.

  • Heimkehrerkapelle

    Die Heimkehrerkapelle wurde von Franz Xaver Eichenseer aus Schmidmühlen 1951 zum Dank für die glückliche Heimkehr aus dem Zweiten Weltkrieg errichtet. Im Inneren ist ein Relief „Maria mit dem Kinde“ mit einem Heimkehrer, wohl Franz Xaver Eichenseer, zu sehen, im Hintergrund die Kreuzbergkirche. Der verdiente spätere Heimatforscher erbaute die Kapelle genau an der Stelle, an dem er nach dem Krieg erstmals wieder seine Heimat sah.

  • Feuererkapelle

    Jüngeren Datums ist die Feuererkapelle in Emhof. Diese Leonhardikapelle wurde 1990 von Leonhard Feuerer aus Emhof erbaut – ebenfalls zum Dank für eine glückliche Rückkehr aus dem Zweiten Weltkrieg. Der Bildstock zeigt einen verwundeten Soldaten, der von seinem Kameraden getragen wird. (ajp)

1846 wurde die Schallerkapelle gebaut

Die Genehmigung dauerte dann doch einige Zeit. Erst als der Bürgermeister Reindl bescheinigte, dass Leonhart Schaller ein Vermögen von 1500 Gulden besitze und damit die Kapelle nicht nur bauen, sondern auch unterhalten konnte, wurde der Bau genehmigt. Am 28. März 1846 hat die Regierung in Regensburg „im Namen Seiner Majestät des Königs den Entwurf Lit. A. zu einer Feldkapelle in Schmidmühlen, welche mit Zustimmung des bischöflichen Ordinariats Regensburg auf Kosten des Boten Leonhart Schaller in Schmidmühlen erbaut werden soll, als zur Ausführung geeignet, ohne Änderung, Allerhöchst zu genehmigen geruht“.

Vier Wochen später war Baubeginn für die von Maurermeister Josef Flierl geplante Kapelle. Für den Altar ließ der Stifter ein großes Pietà-Bild malen, das in einem Rokokorahmen gefasst war. Nach dem verkehrsbedingten Abbruch Anfang der 1960er Jahre wurde die Kapelle von Anton Kreitmeier, Max Kuschel und Hermann Schaller wieder neu aufgebaut. Maria Hirteis stiftete das vom Dorfgendarmen Gareis gefertigte Kreuz. Mit einer Feier und mit dem kirchlichen Segen wurde der Bau der Schallerkapelle beendet.

Ein ähnliches Schicksal wie die alte Schallerkapelle hat die Angerkapelle: Der ursprüngliche Bau wurde ein „Opfer des Straßenverkehrs“. 1952 wurde sie von einem Lastzug angefahren und so stark beschädigt, dass eine Reparatur nicht mehr angebracht war. 1955 erfolgte ein Neubau in unmittelbarer Nähe. Die jetzigen Eigentümer haben die Kapelle in den vergangenen Monaten mit viel Arbeitsaufwand renoviert.

Mehr Geschichten zu historischen Fotos im Schmidmühlener Heimatkalender finden Sie hier in unserem MZ-Spezial!

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