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Heimat

Kriegsschauplatz, Ort großer Niederlage

Weit im Süden des Landkreises liegt Emhof. Der Ort war lange Zeit eine selbstständige Gemeinde – das ist unvergessen.
Von Josef Popp

Ein historischer Blick auf die so lange Zeit selbstständige Gemeinde Emhof mit ihrer reichen Geschichte
Ein historischer Blick auf die so lange Zeit selbstständige Gemeinde Emhof mit ihrer reichen Geschichte Fotos: Heimatkundlicher Arbeitskreis/Archiv Popp

Schmidmühlen. Emhof, das südlichste Dorf im südlichen Landkreis Amberg-Sulzbach, hat eine sehr interessante Geschichte. Einst eine eigenständige Gemeinde, ist Emhof nachweislich der älteste Ort im Markt Schmidmühlen. Schmidmühlen wird urkundlich 1010 und Winbuch 1147 erstmals genannt. Emhof wird bereits 996 erstmals erwähnt. Doch die Geschichte lässt sich noch weiter zurückverfolgen. Die Besiedelung Emhofs geht weit bis in die Zeit vor Christi Geburt zurück.

Wie Schmidmühlen als sichtbares Menschenwerk den keltischen Ringwall auf dem Kreuzberg vorzuweisen hat, so besitzt Emhof ebenfalls einen solchen, klein, aber noch feststellbar, auf der höchsten Erhebung zwischen Schmidmühlen und Emhof, und zwar links der Vils. Eine ansehnliche Menge von Funden stammt schon aus der Bronzezeit. Im Archenleitener Forst zeugen immer noch Hügelgräber von der verhältnismäßig dichten Besiedelung aus der längst vergangenen Zeit.

Die erste urkundliche Nennung Emhofs entstammt – genau wie jene zu Schmidmühlen – der Tradition des Klosters Emmeram. Dort wird 997 beurkundet, dass der Abt dieses Klosters den Zins einer Hube für die Lichter in den Kapellen „Premberg und Emmhofen“ gibt. Mit Emmenhofen ist das heutige Emhof gemeint. Diese Kirche ist dem St. Jakobus geweiht. St. Jakobus Emhof stand immer schon innerhalb des Burgbergrings; bei ihm war auch schon in den früheren Jahrhunderten ein Begräbnisplatz angelegt.

Schwadronen und berittene Garden

Der kleine romanische Bau verrät – obwohl er mannigfaltige Restaurationen über sich ergehen lassen musste – sein hohes Alter. Die Turmanlage stammt aus ältester Zeit; der Oberbau und die Kuppel wurden im 18. Jahrhundert aufgesetzt. Das romanische Portal ist unverändert. Die Turmuhr wurde zu Beginn des vorigen Jahrhunderts von der Familie des Schlossbesitzers Freiherrn von Rummel gestiftet.

Die Uhr stammte vom ehemaligen Kapuzinerkloster in Burglengenfeld, welches 1803 der Säkularisation zum Opfer fiel. Diese Kapelle stand von Anfang an innerhalb der Burganlage der Burg Emhof. In die „große“ Geschichte ist Emhof am 28. März 1703 eingegangen. An diesem Tage fand in Emhof ein Gefecht zwischen den bayerischen Truppen des Kurfürsten Max Emanuel und den kaiserlich-fränkischen unter dem österreichischen General Styrum statt. Zur Geschichte: Kurfürst Max Emanuel stand mit seinen Truppen bei Schärding und brach von da am 19. März mit fünf Bataillonen, 18 Schwadronen und berittenen Garden gegen die Oberpfalz auf. Am 27. März traf er in Burglengenfeld ein. In dieser Zeit kam es zu einem kleinen Gefecht zwischen den kaiserlichen Schwadronen und bayerischen Truppen. General Styrum – er lagerte mit seinen Truppen bei Neumarkt – brach nach Schmidmühlen auf, nachdem ihm dieses Gefecht gemeldet wurde. Er rückte am 27. März nach Schmidmühlen vor.

Die zerstörte Vilsbrücke wiederhergestellt

Georg Friedrich, Markgraf von Ansbach – er hatte das Kommando der fränkischen Kreistruppen unter Styrums Oberbefehl – gelang es noch am 27. März, die zwischenzeitlich zerstörte Vilsbrücke wieder herzustellen und mit vier Bataillonen und 16 Schwadronen sich der Burg und der Ortschaft Emhof zu bemächtigen. Beim weiteren Vormarsch stießen sie bei Lanzenried auf General Weickhel und bayrische Truppen, die gegen Schmidmühlen anrückten. Vier bayerische Schwadronen und zwei Bataillone konnten Schmidmühlen noch erreichen, das die Österreicher mit Artillerie beschossen. Allerdings ohne Erfolg.

In der Zwischenzeit rückten Truppen von Max Emanuel (zwei Bataillone) unter dem Kommando des Feldmarschalls Graf Arco nach Emhof vor und besetzten den Waldrand östlich von Emhof, das bereits von den Österreichern eingenommen war. Nach einem ersten kleinen Gefecht zogen sich die Österreicher über die Vils zurück und versperrten den auf dem linken Vilsufer gelegenen Teil Emhofs mit Wagen und spanischen Reitern.

Als Max Emanuel von diesen Vorgängen Kenntnis erhielt, zog er die vor Mitternacht eingetroffenen Truppen zusammen und brach am 28. März um 1 Uhr von Burglengenfeld nach Emhof auf. Am frühen Morgen stand er mit der Kavallerie in Lanzenried und mit der Infanterie und der Artillerie in Marschordnung im Walde östlich von Emhof. Graf Arco ging mit 500 Grenadieren und drei Bataillonen gegen Emhof vor, das Gros der Infanterie folgte durch den Wald. Sechs Geschütze nahmen südöstlich von Emhof Stellung und beschossen die westlich Emhof lagernde österreichische Kavallerie, die unter starken Verlusten und in wilder Flucht auf die Höhen zurück wich.

Die 500 Grenadiere griffen nun den auf dem linken Ufer gelegenen Teil Emhof an und zwangen die dort eingenisteten Österreicher zum Rückzug. Während dieses Rückzuges brach die Brücke zusammen, ein Teil der Soldaten wurde abgeschnitten, und soweit sie sich nicht durch das Wasser retten konnten, dann niedergemacht. Bei dieser Schlacht soll es 700 Tote und 400 Verwundete gegeben haben.

Markgraf Georg Friedrich verstarb

Erinnerungsstein zur 1000-Jahr-Feier
Erinnerungsstein zur 1000-Jahr-Feier

Einer der Verwundeten war Markgraf Georg Friedrich. Er erlag am 29. März nach 8 Uhr seinen Verletzungen: Ihm hat man in der Kirche zu Emhof eine Gedenktafel angebracht. General Styrum zog sich nach diesem Gefecht nach Neumarkt zurück. Max Emanuel hielt Emhof mit 500 Mann besetzt und lagerte mit dem Hauptteil des Heeres auf den Höhen der Vils. Am 1. April ging er über Schmidmühlen vor und erreichte am 2. April Hohenburg.

Doch auch die neuere Geschichte Emhofs – die Geschichte nach dem zweiten Weltkrieg – ist höchst interessant. Denn: Die Entwicklung der Marktgemeinde Schmidmühlen ist eng mit der Geschichte der ehemaligen Gemeinde Emhof verbunden.

Emhof durchlitt eine „Hängepartie“

Am 7. Januar 1946 erließ die Regierung der Oberpfalz eine Bekanntmachung wegen der Zusammenlegung der Gemeinden im Landkreis Burglengenfeld. Diese trat rückwirkend zum 1.1.1946 um 00.01 Uhr in Kraft. In dieser Bekanntmachung hieß es unter anderem: „Es wurde beschlossen, zur Vereinfachung der Verwaltung und Hebung der Leistungsfähigkeit der Gemeinden, Kleingemeinden innerhalb des Landkreises Burglengenfeld mit anderen Gemeinden des Landkreises zusammenzulegen. Die Gemeinden Pilsheim, Höchensee und Emhof werden aufgelöst und in die Gemeinde Schmidmühlen eingegliedert.“

Bereits da Zeit begann der Kampf der Emhofer Bürger um die Wiederherstellung der Selbstständigkeit ihrer Gemeinde. Dieses Bestreben dauerte bis in die 1960er-Jahre. Erste Hoffnungen gab es am 31. Dezember 1947. Hier wurde eine Abstimmung zur Wiederherstellung früherer Gemeinden angekündigt, die am 11. 1. 1948 auch stattfand. Sowohl die Gemeinden Höchensee und Pilsheim sprachen sich einstimmig, Emhof mit 96 zu 17 Stimmen für die Selbstständigkeit aus. Während damals Pilsheim und die Gemeinde Höchensee ihre Selbstständigkeit erhielten, wurde „der Fall Emhof“ zurückgestellt. Drei Jahre später hakte Bürgermeister Johann Büchl nach.

Der Marktrat beschloss, den Antrag zu stellen, „die ehemalige Gemeinde Emhof aus dem Markt Schmidmühlen auszugliedern und wieder selbstständig zum machen“. Auch hier erfolgte ein intensiver Schriftverkehr, der aber keine konkrete Umsetzung des Beschlusses nach sich zog. Schließlich gab Leonhard Feuerer aus Emhof mit einem Schreiben an den Marktrat einen neuen Impuls, nachdem seitens des Landratsamtes auch die Kostenfrage in den Raum gestellt wurde.

Leonhard Feuerer am 24. November 1956: „Mit einem bescheidenen Monatsgehalt für die Verwaltung würde es nach Ansicht der Emhofer möglich sein, eine eigene Gemeinde aufrecht zu erhalten.“ Die Retourkutsche kam umgehend. Das Landratsamt teilte am 18. April 1957 mit, dass „mit der bescheidenen Vergütung für die Verwaltung sich die Wiederherstellung der ehemaligen Gemeinde Emhof nicht rechtfertigen lässt.“ Doch sowohl Emhof als auch Schmidmühlen gaben nicht auf. 1959 schlug der Markt Schmidmühlen vor, Emhof in die Gemeinde Lanzenried einzugliedern, da „Lanzenried ohnehin schon zum Schulverbund Emhof gehört“.

„Emhof für sich alleine nicht leistungsfähig“

Hoffnung keimte am 1. Dezember 1960 auf. Der Marktrat ward aufgefordert, innerhalb von 14 Tagen einen Beschluss herbeizuführen, in dem sich der Markt entweder für die Neubildung der Gemeinde Emhof oder für die Umgemeindung des Gemeindeteiles Emhof aus dem Markt Schmidmühlen in die Gemeinde Lanzenried oder den Verzicht der Weiterbehandlung entscheidet. Der Markt sprach sich natürlich für den ersten Vorschlag auf und berief sich auf eine Befragung der Bürger von Emhof vom 12. Mai 1962. Bei dieser Abstimmung votierten 21 Bürger Emhofs für die Wiederherstellung ihrer Gemeinde, niemand sprach sich für eine Eingemeindung nach Lanzenried aus, immerhin 14 Bürger votierten für den Verbleib im Markt Schmidmühlen.

Aber auch dieser Vorgang blieb wirkungslos. Am 16. September 1963 das endgültige „Aus“ für die Bemühungen der Bürger von Emhof und des Marktes Schmidmühlen, die Wiederherstellung der Gemeinde Emhof durchzusetzen. Die Regierung der Oberpfalz schrieb, dass eine Wiederherstellung der Gemeinde Emhof nicht in Frage kam, da „diese Gemeinde nach Einwohnerzahl und Fläche wirtschaftlich und finanziell für sich alleine nicht leistungsfähig genug wäre“.

Bei einer Ausgliederung aus dem Markt Schmidmühlen entstünde „eine Zwerggemeinde mit nur 200 Einwohnern und einem Gemeindegebiet von nur rund 138 Hektar, die im Hinblick auf die geringe Steuerkraft nicht lebensfähig wäre“. Zugleich wurde dem Markt Schmidmühlen das Recht abgesprochen, die Wiederherstellung oder die Neubildung der Gemeinde Emhof zu fordern. Es bestünde dem Schreiben nach nur das Recht, eine Um- oder Ausgliederung zu beantragen.

Besitzer Rittergut Emhof

  • 1126

    Familie Emhofer

  • 1343

    Ulrich Emhofer

  • 1347

    Ott der junge Chegler von Emhofen

  • 1385

    Hans Emhofer

  • 1458

    Stephan Amringer

  • 1523

    Willhelm von Schlammersdorf

  • 1555

    Oswald von Gleissenthal? Georg von Gleissenthal, ehem. Prälat Speinshart, später Vicedom in Amberg? Tobias Herstenzki von Herstein, Adeliger aus Böhmen? Julius Visconti?

  • 1665

    Karl Ferdinand Freiherr von Muggenthal

  • 1670 – 1769

    Die Maffey, siedelten später nach München über; waren die Begründer der berühmten Maffeywerke.

  • 1769 – 1800

    Die Rummel

  • 1810

    Adam von Fassmann

Velburg und Hohenfels Nutznießer

Eine Umgliederung nach Lanzenried kam auch nicht in Frage, da sich der Gemeinderat von Lanzenried mit Beschluss vom 29. Oktober 1962 gegen eine Aufnahme von Emhof ausgesprochen hatte. Die Regierung prognostizierte nun, dass Emhof nicht die erforderliche Leistungsfähigkeit erbringen konnte und somit auch kein öffentliches Interesse an einer Wiederherstellung der Gemeinde Emhof bestand.

Entsprechend endete der dokumentierte Schriftverkehr im Archiv des Marktes. Im Sande verlief auch die Eingliederung von Bergheim nach Schmidmühlen. Am 5. Oktober 1970 schrieb Bürgermeister Anton Rogg an Staatssekretär Franz Sackmann, dass an den Markt Schmidmühlen die Grundstücksflächen der ehemaligen Gemeinden Bergheim und Kirchenödenhart bei einer eventuellen Aufteilung des Truppenübungsplatzes Hohenfels zugeteilt werden sollten.

Am 27. Oktober 1970 antwortete dann Franz Sackmann. Der Staatssekretär teilte dem Bürgermeister nunmehr mit, dass er keine Möglichkeit sehe, dass dem Markt diese Gebiete zugeteilt werden können. Die Gebiete des Truppenübungsplatzes seien bereits entweder der Stadt Velburg oder der Marktgemeinde Hohenfels zugeteilt worden. Mit dem Bescheid des Staatsministeriums des Innern vom 16.9.1970 war die Eingliederung bereits erfolgt und abgeschlossen.

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