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Heimatgeschichte

Mit den Autos kam auch die Tankstelle

Die Technik zieht ein: Um 1920 gab es in Schmidmühlen zwei Automobile. 1925 errichtete Joseph Segerer die erste Tankstelle.
Von Josef Popp

1958 hat die Familie Segerer in Schmidmühlen die neue Tankstelle mit Waschhalle „Am Anger“ errichtet. Auch daran erinnert der Schmidmühlener Heimatkalender mit einem historischen Foto:
1958 hat die Familie Segerer in Schmidmühlen die neue Tankstelle mit Waschhalle „Am Anger“ errichtet. Auch daran erinnert der Schmidmühlener Heimatkalender mit einem historischen Foto: Foto: Heimatkundlicher Arbeitskreis

Schmidmühlen.Im 19. Jahrhundert begann mit dem Zeitalter der Industrialisierung eine völlig neue Epoche in Europa. Die Erfindung der Dampfmaschine, der ersten Flugzeuge und schließlich die ersten Automobile revolutionierten die Geschichtete auf dem alten Kontinent. Dieser Epoche widmet sich das vierte Kalenderbild des aktuellen Heimatkalenders Schmidmühlen. Eng verbunden mit der Automobilgeschichte ist die Geschichte der Familie Segerer, die in den 1920er Jahren die erste Tankstelle in Schmidmühlen eröffnete.

Doch zunächst nochmals der Blick in die Geschichte des Automobils: Das Jahr 1886 gilt als das Geburtsjahr des moderneren Automobils mit Verbrennungsmotor. Diese Entwicklung ist eng verbunden mit den Namen Carl Benz, Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach. Im 20. Jahrhundert lösten motorisierte Wagen in nahezu allen Bereichen die Fuhrwerke, die mit Pferden oder Ochsen gezogen wurden, ab.

Die Geschichte des Automobils begann in Schmidmühlen etwa um 1920, so erinnert sich Ortsheimatpfleger Michael Koller. Die ersten Autos besaßen in Schmidmühlen die Kaufleute Michael Leuthner und Barbara Preischl (Obst- und Gemüsegeschäft) sowie der im Ort ansässige Arzt, Sanitätsrat Dr. Denglmann. Dieser besaß allerdings keinen Führerschein und musste von einem Chauffeur gefahren werden.

Mit der Werkstatt begann es

Einen ersten Hinweis aus der Heimatgeschichte auf Autos gibt es aus dem Tagebuch von Dr. Marie Auguste Preuß. Am 27. September 1927 übernimmt die junge Allgemeinärztin die Vertretung in Schmidmühlen. Damals war das „Doktorhaus“ in der Hohenburger Straße. Sie schreibt in ihr Tagebuch: „1927 zählt Schmidmühlen 1100 Einwohner und hat 21 Gasthäuser sowie zwei Mietauto.“ Und ein weiterer Eintrag im Tagebuch lautet: „Die beiden Mietauto leben hauptsächlich vom Verdienst an Samstag und Sonntag Abenden, wo die betrunkenen Bauern sich heimfahren und übervorteilen lassen“.

Die Geschichte der Familie Segerer beginnt 1920 in Rieden, wo Joseph Segerer eine Landmaschinenwerkstatt gründete. Bereits zwei Jahre später, 1922, erwirbt er das Anwesen in der Hauptstraße 135 1/2 (heute Hausnummer 38) in Schmidmühlen. Er begann zunächst mit dem Anbau einer Werkstatt für Landmaschinen, bis 1925 gab es eine Partnerschaft mit der Firma Hofherr Landmaschinen aus Burglengenfeld. Sukzessive wurde das Geschäftsfeld um Verkauf und Reparatur von Fahrrädern, Motorrädern und Kleinkrafträdern (Viktoriavertretung bis 1960) erweitert. 1924 organisierte der Geschäftsmann auch eine Landmaschinenausstellung.

Der Heimatkalender

  • Vierter Kalender

    Der Heimatkalender Schmidmühlen erschien für das Jahr 2015 zum vierten Mal, diesmal zum Thema „Erinnerungen an eine noch nicht ganz vergessene Zeit“. Er war innerhalb kürzester Zeit vergriffen. Eine fünfte Auflage für das Jahr 2016 ist angedacht. Mit dem Erlös wird die Jugendarbeit in der Gemeinde unterstützt.

  • Bilder und Recherche

    Die Bilder für die einzelnen Monate stammen aus dem Archiv des heimatkundlichen Arbeitskreises. Die Recherche für die Geschichten hinter dem Foto unterstützten Ortsheimatpfleger Michael Koller und Johanna Segerer. Das Kalenderblatt Mai zeigt die Kreuzbergkirche Hl. Dreifaltigkeit.

Im Jahr 1925 wagte Joseph Segerer einen mutigen Schritt: Er errichtete die erste Shell-Tankstelle mit der für damalige Verhältnisse hochmodernen Zapfsäule, der sogenannten „Eisernen Jungfrau“, in der Hauptstraße. Im gleichen Jahr begann er mit der Autovermietung. In den 1930er Jahren wurden sogar Lanz-Traktoren in der Werkstatt von Joseph Segerer in Schmidmühlen montiert.

1937 verstarb Firmengründer Joseph Segerer im Alter von nur 45 Jahren an den Folgen eines schweren Unfalls, den er einige Jahre vorher bei Waldarbeiten erlitten hat. Seine Gattin Maria Segerer (geb. Seibert aus Rieden) führt den Betrieb weiter.

Früher mehrere Tankstellen

Im Jahr 1958 erfolgte ein weiterer wichtiger Schritt in der Firmengeschichte: In jenem Jahr wurde die neue Shell-Tankstelle mit Waschhalle „Am Anger“ errichtet. Diese ist auch auf dem Kalenderbild abgebildet. Ab 1973 wurde nur noch der Tankstellenbetrieb aufrechterhalten. Am 1. Juni 1981 erfolgte der Wechsel von Shell zu AVIA. Bis 1993 blieb die Tankstelle an diesem Platz erhalten.

1990 übernahmen Josef und Peter Segerer den Tankstellenbetrieb. Im November 1992 erwarben sie die ehemalige ESSO-Tankstelle und bauten sie zur AVIA-Tankstelle mit Laden um. Im Jahr 1999 wurde das 1958 errichtete Tankstellengebäude durch eine Ausstellungshalle für Neufahrzeuge mit weiteren Büros ersetzt. Die Tankstelle, über Jahrzehnte quasi ein Blickfang an der Vilstalstraße, gehörte von diesem Zeitpunkt an der Vergangenheit an. Vor etwa zwei Jahren wurde die „neue“ Tankstelle erneut im großen Stil umgebaut.

In Schmidmühlen gab es früher noch weitere Tankstellen, so in der Poststraße (Bruckmüller), die Esso-Tankstelle der Familie Mäckl, etwas später bei der BayWa und in Emhof (Feuerer).

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