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Geschichte

Schmidmühlener schauen gern zurück

Der neue Heimatkalender wird schon sehnlichst erwartet – ab Freitag, 4. Dezember 2015, gibt es ihn endlich zu kaufen.
Von Josef Popp

  • Die Schlocht einst Repro: ajp
  • Die Poststraße einst Repro: ajp
  • Die Poststraße heute Foto: ajp
  • Die Schlocht heute Foto: ajp

Schmidmühlen.Es ist heute wohl 20 Jahre her, dass der Gartenbau- und Ortsverschönerungsverein Schmidmühlen mit seinem damaligen, erst vor kurzem verstorbenen Vorsitzenden Hans Rubenbauer, beim Marktfest eine Bildersammlung von historischen Aufnahmen ausstellte. Das Interesse seitens der Bevölkerung war damals überwältigend. Bald darauf folgte im Oberen Schloss eine erweiterte Dokumentation der Geschichte Schmidmühlens mit weiteren Aufnahmen und schließlich ein historischer Bildband.

Und seither gilt: Das Interesse in Schmidmühlen an der eigenen Heimatgeschichte ist groß – vor allem an historischen Bildern. Vor fünf Jahren gab es einen ersten Heimatkalender in kleiner Auflage. Nun steht die fünfte Auflage an, mit zwölf alten Fotos, allesamt aus der Zeit um 1890 bis 1950.

Der Kalender kann sich sehen lassen: Raritäten, die das Prädikat „historisch besonders wertvoll“ verdienen. Sie geben einen Einblick in das Leben des Ortes und seiner Leute in längst vergangenen Zeiten. Erinnerung an die Zeit, als Schmidmühlen noch von Dampf- und Diesellokomotiven angefahren wurden. Im Dezember ist es 105 Jahre her, dass der Bahnhof und die Bahnlinie in Schmidmühlen eröffnet wurde. Der 18.12. 1910 war ein wichtiger Tag. Mit der Inbetriebnahme der Eisenbahnstrecke von Amberg nach Schmidmühlen begann ein wichtiges Kapitel in der Ortsgeschichte. Ausschlaggebend für den Bau der Bahnlinie von Amberg nach Schmidmühlen waren natürlich in erster Linie wirtschaftliche Interessen.

Vor allem die zunehmende Rohstoffversorgung der Betriebe war wichtig, gestaltete sich aber wegen des unzulänglichen Straßensystems als oft sehr schwierig. In der Eisenbahn sah man allgemein die große Möglichkeit, diese Probleme zu lösen. Bereits ab 1898 machte sich der Landtagsabgeordnete Franz Xaver Lerno aus Amberg für die Vilstalstrecke stark. Endlich hatten die vielen Bemühungen Erfolg. Der Bau der Bahnlinie nach Schmidmühlen – in zwei Abschnitten – wurde im Oktober 1908 allmählich Realität. Am 1. März 1910 war die Teilstrecke bis Ensdorf fertig gestellt.

Eine Maß Bier kostete 20 Pfennige

Am 18.12. 1910 wurden die jahrzehntelangen Bemühungen belohnt und die komplette Vilstallinie eröffnet. Zunächst war der Personenverkehr nur mit der 3. Klasse möglich. Ein Fahrt kostete übrigens 90 Pfennige. Zum Vergleich: Eine Maß Bier kostete 20 Pfennige, ein Handwerker verdiente pro Stunde etwa 50 Pfennige.

Ab 1956/57 fuhren alle Züge mit „2. Klasse“. Steigender Wohlstand, immer stärkerer Individualverkehr, sinkende Renditen der Bahn durch die flexibleren Lkw-Transporte sowie die Konkurrenz durch Bahn- und Postbus lassen die Ära im Vilstal zu Ende gehen. Am 1. Juli 1966 wurde der Personenverkehr auf der Vilstalstrecke eingestellt.

Das Aprilbild widmet sich den Kapellen im Ortsbereich, in diesem Heimatkalender der Schallerkapelle. Die Kapelle musste im Jahr 1962 dem Straßenverkehr weichen. Ein Akt im Staatsarchiv Amberg gibt Aufschluss. Man erfährt nicht, aus welchen Grund der Landwirt und Regensburger Bote Leonhart Schaller eine Kapelle erbaut hat, aber es sei, so wurde es mündlich überliefert, ein Feuerrad vom Brunnlettberg heruntergerollt und sei dann erst an dem ehemaligen Standort der Kapelle zum Stillstand gekommen.

Eine geheimnisvollmystische Erklärung

Erst als die Kapelle gebaut war, habe der Spuk ein Ende genommen. Dies ist sicher die geheimnisvollmystische Erklärung. Der andere und eher wahrscheinliche Grund war wohl der Tatsache zuzuschreiben, dass Leonhart Schaller als Bote und Fuhrmann mit seinem Gespann und seiner Fracht vielen Gefahren ausgesetzt war. Immerhin schrieb man das Jahr 1846, als er mit dem Bau begann. Schaller wandte sich eines Tages an seinen Pfarrherrn und besprach mit ihm sein Vorhaben.

Das Pfarramt Schmidmühlen berichtete daraufhin am 20. August 1844 an das Landgerichtsamt: „Der hiesige Regensburger Bote Leonhart Schaller will auf seine Kosten auf einen Grund und Boden, den ihm der hiesige Magistrat abgetreten, nach anliegenden Plan eine Feldkapelle im sogenannten Harschhofer Feld erbauen. Das Onis fabricae übernimmt der Antragsteller. Man stellt nun das Ansuchen an die kgl. Distrikts-Polizeibehörde Burglengenfeld, die Genehmigung zu erteilen. In Hochachtung S. Frank, Pfarrer.“

Die Genehmigung dauerte dann aber doch einige Zeit. Erst als der Bürgermeister Reindl bescheinigte, dass Leonhart Schaller ein Vermögen von 1500 Gulden besitzt und somit die Kapelle nicht nur bauen, sondern auch unterhalten konnte, wurde der Bau der kleinen Kapelle genehmigt.

Hammer wurde zu eigenem Bereich

Interessant ist auch das Oktoberbild. Es zeigt das alte Hammertorhaus aus den 1930er Jahren. Es wurde wohl bereits 1427/28 von Johann Perndell gebaut. Die Befestigung des Hammerviertels ist gut dokumentiert. Im Jahr 1427 schließt Perndell mit dem Rat und der Gemeinde einen Vertrag ab, wonach er das Recht erhält, „die Thore anzuhangen auf der freyen Straße als sie von altem Herkommen da durchgegangen sind“. Damit wurde der Hammer also zu einem abgeschlossenen Bereich. Von den ehemals zwei Toren ist nur noch eines erhalten.

Perndell musste sich und auch seine Nachkommen verpflichten, für die Marktbewohner („von altem Herkommen“) den Durchgang zu sichern. Ein Stück der „Mühlengeschichte“ ist im Novemberbild festgehalten. Es zeigt die Untere Mühle an der Schlocht. In Schmidmühlen gab es früher vier Mühlen. Am linken Lauteracharm befanden sich Obere und die Untere Mühle, am rechten Arm waren ebenfalls noch zwei Mühlen, die Zeitlermühle und die Hammermühle.

Die Zeitlermühle war ursprünglich die Papiermühle. Als die Papiermühle im Jahr 1877 vollständig zerstört und aufgelöst wurde, erhielt der damalige Besitzer, Josef Zeitler, am 20. Februar 1877 die „Concession zur Errichtung einer Mahlmühle und einer Schneidsäge“ auf dem Grundstück. Seit dieser Zeit heißt die Mühle nicht mehr „Papiermühle“, sondern „Zeitlermühle“.

Wenige Meter flussaufwärts war die Hammermühle (Gebäude ehemals „Kino Meier“). Ähnlich wie die anderen, die Obere Mühle (Bereich Poststraße) und die Untere Mühle (entlang der Schlocht), waren es Getreidemühlen in der Einheit mit einem Sägewerk. Diese Kombination schien durchaus sinnvoll. Denkbar ist zumindest, dass, wenn nicht Getreide zu Mehl gemahlen wurde, die Wasserkraft, die man mittels des Wasserrades gewann, zum Schneiden von Holz verwendet wurde.

Heimatkalender Schmidmühlen

  • Konzept

    Die Bilder in diesem Heimatkalender Schmidmühlen dokumentieren in einzigartiger Weise die Ortsgeschichte von Schmidmühlen und auch von Emhof.

  • Info

    Der geschichtliche Hintergrund ist nachzulesen. Der Kalender ist im Druck und wird voraussichtlich ab Freitag, 4. Dezember 2015, zu kaufen sein. (ajp)

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