MyMz
Anzeige

Geschichte

Schon 1928 gab es einen Faschingszug

Ein Foto des Zuges erinnert auch an die Zunft der Kuftner und den berühmten „Gasthof zum goldnen Stern“ in Schmidmühlen.
Von Josef Popp

Das Februar-Kalenderblatt zeigt den Faschingszug 1928 mit dem Zunftwagen der Kuftner vor dem Sternwirt.
Das Februar-Kalenderblatt zeigt den Faschingszug 1928 mit dem Zunftwagen der Kuftner vor dem Sternwirt. Foto: Archiv Heimatkundlicher Arbeitskreis

Schmidmühlen.Ein Foto sagt oft mehr als tausend Worte. Dies trifft beim Heimatkalender 2016 auch auf das Blatt für Februar zu. Es erinnert an eine fast schon vergessene Zeit, rückt ein Gasthaus in die Erinnerung, verweist auf Berufe, die es so gut wie nicht mehr gibt, zumindest nicht mehr in Schmidmühlen, und ruft den Namen eines Mannes ins Gedächtnis, der einst für Schmidmühlen Verantwortung trug. Die Rede ist vom ehemaligen Sternwirt, dem Gasthaus Hofmann in der Hauptstraße.

Den Namen Alois Hofmann liest man immer wieder in verschiedenen Ortschroniken – ohne Zweifel ein aktiver Mann, der auch für den historischen Faschingszug von 1928 verantwortlich zeichnet. Auf dem Februarblatt des Heimatkalenders ist eine Momentaufnahme dieses Zuges zu sehen – mit dem Zunftwagen der Kuftner.

Alois Hofmann wurde 1933 zum Bürgermeister des Marktes Schmidmühlen gewählt. Er war damals auch Besitzer und Wirt des Gasthauses „Zum goldnen Stern“; heute werden dort in einer Pizzeria Gäste bewirtet. Auch wenn das Gasthaus einen italienischen Namen trägt, bleibt es vor allem bei den Älteren „der Sternwirt“.

Auch ein Friseursalon im Haus

Die Lage und das Alter des Gebäudes lassen den Schluss zu, dass es seine Entstehungsgeschichte der Vilsschifffahrt zu verdanken hat. Das denkmalgeschützte Gebäude dürfte etwa Mitte des 19. Jahrhunderts gebaut worden sein. Zum Gebäude gehörte und gehört immer noch der Salzstadel. In den 1940er und 1950er Jahren gab es – wie vielerorts – dort noch eine Kegelbahn; Kegeln war wohl eine beliebte Freizeitbeschäftigung in Schmidmühlen.

Erinnerungen an den Faschingszug 1966
Erinnerungen an den Faschingszug 1966 Foto: Archiv Faschingskomitee

Um 1950 wurde die Gastwirtschaft an Leni und Ludwig Lamecker verpachtet und erlebte eine erste Blütezeit in den Nachkriegsjahren. In dem Haus war neben der Gastwirtschaft auch ein Friseursalon untergebracht, den Hans Blank betrieb. So mancher Friseurkunde verkürzte die Wartezeit bei einer bierseligen Runde im Wirtshaus, auch schon mal bei einem Schafkopf. Vermutlich musste mancher Gast am nächsten Tag nochmals kommen, da die Schönheit der Schafkopfrunde „zum Opfer fiel“.

Die Disco Flupp war legendär

1972 wurde an den Sternwirt ein Vereinsheim angebaut, das dem Heimat- und Volkstrachtenverein lange als Domizil diente. Später wurde der Saal in eine Diskothek umgewandelt, die „Disco Flupp“. Nicht nur zur Faschingszeit war sie ein toller Treffpunkt für Jüngere, aber auch für Ältere. Neben dem Trachtenverein hatten der Kriegerverein und die Reservistenkameradschaft beim Sternwirt ihr Vereinslokal. Legendär war in den 1950er und 1960er Jahren der Lumpenball, von dem heute noch viele älteren Schmidmühlener schwärmen.

Den Wirtsleuten Ludwig und Leni Lamecker folgten Hans und Erna Respondek, Heinz und Hanna Aloe, Rudi und Brigitte Schneider, Wolfgang Schmidmeister, Helmut Montag („Dudlsack“), Anni Fleischmann mit dem Sternchen, Ewald Koller mit Sohn Thomas und Christa Brockel, dann die Pizzerien Da Lea und seit zehn Jahren La Tana.

Hintergrund: die Kuftner

  • Kuftner im Ort

    Bereits in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts ging ein ökonomischer Wandel in Schmidmühlen vor sich. Viele Berufe verschwanden– auch der Kuftner. Nach der Forschung von Ortsheimatpfleger Michael Koller gab es vier in Schmidmühlen: Meyer in der Hohenburger Straße, Mayer in der Hammerstraße, den Oberen Kuftner in der Hauptstraße und den Bergkuftner (Nurtsch). Diese große Zahl lässt sich sicher mit den vielen, wenn auch kleinen „Brauereien“, begründen, die viele Fässer fürs Bierbrauen benötigten.

  • Aufschwung

    Der wirtschaftliche Aufschwung der europäischen Städte wurde entscheidend durch die Herausbildung überregionaler Handelsverbindungen beeinflusst. Eine nicht unbedeutende Voraussetzung dieses vom Mittelmeerraum bis nach Skandinavien und Russland reichenden Warenaustausches waren die sichere Verpackung und Transport der Waren: Erst Tonnen und Fässer machten dies möglich.

  • Herstellung

    Bis in die heutige Zeit waren Tonnen und Fässer universell einsetzbar für feste und flüssige Waren. Die Herstellung der Fässer war Aufgabe der Böttcher oder auch Fassbinder, Büttner, Kuftner, Küfer, Schäffler. Je nach Art des verwendeten Holzes gab es Weißbinder (Nadelholz), Rotbinder (Buchenholz) und Schwarzbinder (Eichenholz).

  • Ende

    Nach 1900 erfuhr der Beruf des Fassbinders wesentliche Veränderungen. Der Rückgang an Eigenproduktionen und Vorratshaltung von Lebensmitteln, zuerst in Städten, später auch auf dem Land, verringerte den Bedarf an Vorratsbehältern, z. B. für Fleisch, Sauerkraut, Bohnen. Der Ausbau der öffentlichen Wasserversorgung verringerte ebenfalls den Absatz der Böttcher. (ajp)

In der Hohenburger Straße erinnert noch ein Schild an den „Kuftnerberuf“ in Schmidmühlen.
In der Hohenburger Straße erinnert noch ein Schild an den „Kuftnerberuf“ in Schmidmühlen. Foto: ajp

Seit je her wird in der Gastwirtschaft Fasching gefeiert, der in Schmidmühlen lange Tradition hat – das beweist auch das Foto vom Faschingsumzug 1928 mit dem Zunftwagen der Kouftner vor dem Sternwirt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Fasching wieder früh belebt. 1949 führt die Chronik des Faschingskomitees das erste Prinzenpaar auf: Prinz Heinrich I. und Prinzessin Mia I., mit bürgerlichem Namen Heinrich Hummel und Maria Jüttner. Es folgten Käthe Luschmann und Hermann Artmann, Helga und Erwin Fochtner, Bernadette Knauer und Adolf Leuthner, Luitgard Kemmeter und Alfred Bruckmüller, 1954 hieß das Prinzenpaar Anni und Hans Graf.

Bürgermeister und Geistlichkeit dabei

1956 machte der Fasching einen Dornröschenschlaf, um 1957 mit dem Prinzenpaar Rosi Wimmer und Karl „Muck“ Knauer wieder aufzuleben. Nachdem der Fasching von 1961 bis 1965 erneut schwächelte, wurde am 11.11.1965 eben im Gasthaus Sternwirt beim Gastwirt Ludwig Lamecker das bis heute aktive Faschingskomitee gegründet. Das „Who is who“ des Markts war vertreten – das zeigte die Bedeutung dieser Vereinsgründung. Zur Versammlung kamen Bürgermeister Anton Rogg, die späteren Bürgermeister Max Michl und Manfred Puchta, Wilhelm Kugler, Hans Rubenbauer sen. und jun., Erich Meyer, Anton Bruckmüller, Josef „Lore“ Wein, Michael Metzger („Biermichl“) und viele mehr. Sie gaben dem neuen Verein das Format, das er heute noch hat. Auch die Geistlichkeit hatte die Bedeutung des Frohsinns erkannt, Benefiziat Urlberger war ebenfalls bei der Versammlung. Er war es, der dem neuen Verein auch den Namen gab.

Klicken Sie sich hier durch unsere Bildergalerie mit historischen Fotos aus dem Archiv des Faschingskomitees Schmidmühlen!

Fasching einst in Schmidmühlen

Fortan war der Fasching in der Lauterachtalgemeinde in „guten Händen“ – und er ist es bis heute. 1969 übernahm Brigitte Schneider das Faschingskomitee als Präsidentin und prägte in ihren fünf Amtsjahren den Fasching. Denn seit 1969 machen die Hexen am Faschingsfreitag Schmidmühlen unsicher – mit dabei waren einst Brigitte „Gittl“ Schneider, aber auch Barbara Wein, Erna Rubenbauer, Waltraud Schmid, Elfriede Speier, um einige zu nennen.

So kann man in der Vereinschronik von 1969 nachlesen: „Eine größere Anzahl fürchterlicher Hexen machte am Nachmittage des 14. Februar 69 den Markt unsicher. Sie machten nicht halt vor den Männern, die sie auf den Straßen und den Wirtshäusern antrafen. Selbst unser verehrter Herr Bürgermeister war vor ihnen nicht sicher.“ Der Brauch ist bis heute noch ein wichtiger Teil des Faschings und hat an Beliebtheit nichts verloren. Waren es vor knapp 50 Jahren 14 Hexen, so treiben heutzutage rund 60 Hexen bis in die frühen Morgenstunden ihr Unwesen.

Hier finden Sie in einem MZ-Spezial weitere Geschichten zu den Kalenderblättern der historischen Heimatkalender.

1976 gab es insgesamt 42 Bälle

Ein Motivwagen von 1968
Ein Motivwagen von 1968 Foto: Archiv Faschingskomitee

In den 1970er Jahren erlebten das Faschingskomitee und der Fasching eine echte Blüte. 1976 wurde das zehnjährige Jubiläum des Vereins gefeiert. Reinhard und Marlene Stadlmann führten das närrische Zepter und der Faschingskalender weist insgesamt 42 Bälle und Tanzveranstaltungen auf – für die heutige Zeit unvorstellbar. So gab es nicht nur einen Komiteeball, sondern auch die legendären Bälle der Sportler, Feuerwehr, Sänger, Trachtler (Rosenmontagsball), aber auch den Blumen- und den Skihaserlball. Viele Kappenabende wie der der Diana-Schützen im Bräustüberl waren gern besuchte Veranstaltungen. Fehlen durfte auf keinen Fall ein Pyjama- und Lumpenball, und es gab sogar einmal einen Fledermausball, der heute fast schon wieder aktuell sein könnte.

Schmidmühlen und sein fastnachtliches Brauchtum waren weit über die Landkreisgrenzen hinaus bekannt. Die Auftritte außerhalb Schmidmühlen führten den Hofstaat nicht nur nach Amberg, Sulzbach-Rosenberg oder Kallmünz, sondern auch bis Salzburg, Landberg am Lech oder Wels.

Faschingskomitee ist überaus lebendig

1977 gab es eine Krise: Der damalige Präsident Aloys Koller wechselte seinen Wohnort und musste an der Vereinsspitze aufhören. Dem mittlerweile verstorbenen Ehrenpräsidenten und Altbürgermeister Max Michl und vielen engagierten Mitarbeitern ist es zu verdanken, dass der Fasching weiter existierte.

Es dauerte bis 1990, bis wieder Leben in das Faschingskomitee kam. Marlene Stadlmann sammelte eine Schar Faschingswütiger um sich und startete neu durch. Wie engagiert das Faschingskomitee Schmidmühlen ist und wie lebendig auch der Fasching im Markt ist, das können alle am Faschingsdienstag wieder ab 14 Uhr live erleben: Dann schlängelt sich wieder der Faschingszug durch Schmidmühlens Straßen.

Mehr zum Fasching im Vilstal und in der Region Amberg finden Sie hier!

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht